Dienstag, 19. Februar 2019

Valentinstag oder wie verbringe ich den Tag der Verliebten am nachhaltigsten?


Letzte Woche war das Fest der Verliebten wieder angesagt: Der Valentinstag. Von den einen verschmäht als Konsumtrick der Floristik- und Süßwarenindustrie, von den Verschmähten ersehnt als einzige Chance endlich mal etwas geschenkt zu bekommen, denn seien wir ehrlich: Der Spruch „Ich brauche keinen speziellen Tag, um meine Liebe zu zeigen. Ich kann jeden Tag etwas schenken!“ ist die Ausrede derer, die auch an diesem Tag wie an den anderen 364 verfahren und nichts schenken. 800 Tonnen Rosen ließ allein die Lufthansa für den letztjährigen Valentinstag einfliegen. Wer Rosen im Februar schenkt, schenkt Klimawandel mit. Doch was will man sonst an Blumen schenken? Selbst für das heimische Schneeglöckchen ist der 14. Februar noch zu früh. Und die Rose ist schließlich die Blume, die wie keine andere mit Liebe assoziiert ist. Es ist ja nicht die Schuld der Rose, dass die Valentins dieser Welt, just im Februar ihr Märtyrertum begehen mussten. Gibt es denn überhaupt sinnvolle Alternativen zum Einfliegen? Holländische Treibhausrosen dürften eine kaum bessere, wahrscheinlich sogar schlechtere CO2-Bilanz im Vergleich zu den kenianischen Flugrosen haben. 

Also doch lieber Süßigkeiten zum Valentinstag? Die Sachsen haben uns das vorgemacht. Pünktlich zum Valentinstag meldete deren Statistisches Landesamt, dass von Jahr zu Jahr immer weniger Blumen in den Freistaat importiert werden. Stattdessen steigen die Absatzzahlen für ausländische Schokolade an. Doch Moment! Rund 70% des verarbeiteten Kakaos kommt heute aus Westafrika, lese ich auf einer anderen Seite. Ob ich nun Rosen aus Ostafrika oder Kakao aus Westafrika verschenke, wird dem Klima vermutlich gleichgültig sein. Himmel, warum ist es nur so schwer, seine Liebe zu zeigen? Mancherorts, wie in Italien, werden Schlösser verschenkt, die die intakte und dauerhafte Liebe symbolisieren sollen. Ich möchte gar nicht ausrechnen, was es an CO2-Äquivalenden mit sich bringt, all dieses Eisenerz zu verhütten und in Schlossformen zu bringen. Ursprünglich waren handgeschriebene Liebesgeständnisse und Gedichte das Mittel der Wahl, aber ist das in Anbetracht der hohen Wasserverbräuche bei der Papierherstellung heute noch zeitgemäß? Sollte ich ihr einfach eine Grußkarte über das Internet senden? Doch was ist mit den immensen Energieverbräuchen der Grußkartenserver dieser Welt. Wie stelle ich sicher, dass das Internetunternehmen zumindest Ökostrom bezieht? 

Beim Frühstück sinnierten meine Partnerin und ich darüber, wie wir einen möglichst nachhaltigen Valentinstag verbringen könnten. Während ich meine mit Himalaya-Salz gewürzte Avocado löffelte, kam mir die Idee. „Schatz!“, rief ich, und ihr Löffel verharrte regungslos in ihrem Chia-Feigen-Müsli. „Lass uns einander einfach Zeit schenken!“ Meine Partnerin und ich hatten dann den nachhaltigsten Valentinstag, den man haben kann. Wir planten einen Tag in der Therme in trauter Zweisamkeit verbringen. Abends wollten wir zusammen essen gehen. So richtig romantisch mit Kerzenschein und weißer Tischdecke. Rechtzeitig bekam ich die Grippe, so dass jeder von uns den Tag alleine für sich zuhause verbrachte. Null Co2-Emission! Einander Zeit zu schenken, ist etwas so Liebevolles. Wie könnte ein Zeichen der Liebe größer ausfallen, als die Partnerin vor einer Grippeinfektion zu schützen? Und mal ehrlich: Ich brauche keinen speziellen Tag, um meine Liebe zu zeigen. Ich kann jeden Tag Grippe haben! Im Sommer kaufe ich Steinfurther Rosen und verschenke sie nächstes Jahr als Trockenstrauß. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Da platzt der Kragen


Sie waren mir nie aufgefallen, und das obwohl ich nun bereits den fünften tierleidfreien Winter überstanden habe. Doch neulich, auf dem Weg ins Büro, da stachen sie mir das erste Mal ins Auge: Menschen, die sich mit Fell um Kopf und Kragen wärmen. Ich war erschrocken, was aber auch daran liegen mag, dass der Akku meines Smartphones leer war und ich den Weg zum ersten Mal mit nach vorne gerichtetem Blick ging. Vor mir waren eine Frau mit Fellbesatz um ihre Schuhe herum, dann zwei Männer mit braunem Fellrand um die nicht auf dem Kopf getragene Kapuze, etwas links ein älterer Herr im Wildledermantel mit fellbesetztem breitem Kragen und zahlreiche Kinder mit fellbebüschelten Strickmützen. Ich begann nachzudenken. Wie geht man mit dem um, was zuhause im Schrank hängt, aber nicht mehr der eigenen Lebensrealität entspricht?

Letztes Jahr habe meinen alten, treuen Lederblouson weggegeben – eben weil er aus Leder ist und ich kein Kleidungsstück mehr im Alltag tragen wollte, das für Tierleid steht. Konsequent war ich dabei allerdings nicht, denn meine Lederschuhe trage ich noch und auch meine Lederjacke, die Heavy-Metal-Konzert-Besuchen vorbehalten ist. Ich räume ein: Vielleicht war das Tierleid gar nicht mal ausschlaggebend, sondern mehr, dass ich den Blouson einfach nicht mehr schön an mir fand. Ich denke weiter über das Dilemma nach. Darf ich mich Veganer nennen, aber nicht-vegane Kleidung tragen? Reicht es, künftig keine tierische Kleidung mehr zu kaufen, um den Tierschutz zu fördern? Ist es nicht ökologischer, bereits gekaufte Kleidung zu tragen, bis sie auseinanderfällt, statt sie weiterzugeben oder gar zu entsorgen und neue kaufen zu müssen?

Als ich mich im Alter von 19 Jahren entschied, vegetarisch zu leben, lud ich an einem Abend Freunde ein, mit denen ich sämtliche Fleisch- und Fischkonserven aß, die ich noch hatte. Ab da hatte ich einen vegetarischen Haushalt. Nun kann ich meine Freunde schwerlich dazu einladen, meine Kleidung zu essen. Sie zu verwenden, bis sie analog der Konserven von der Nutzung verzehrt wurden, würde wohl ein lebenlang dauern, denn gut gepflegtes Leder ließe sich gar seinen Kindern vererben. Wie geht man also mit diesem Zwiespalt um?
Den smartphonefreien Arbeitsweg nutzte ich, um zu forschen. Ich erhob in meinem U-Bahn-Wagon eine repräsentative Stichprobe. Ergebnis: Jeder fünfte Fahrgast trug Fellkapuze. Da wir weder in der Arktis leben, noch die Fahrgäste aussahen, als seien sie eine Touristengruppe der Inuit, wunderte ich mich. Welchen Nutzen hat eine solche Kapuze dann? Kaum war ich im Büro und hatte Ladestrom, gab ich „Fellkapuze“ in die Suchmaschine ein. Gleich das erste Ergbnis verriet: „Fellkapuzen sind für jede modische Jacke ein MUSS!“

Mir fielen gleich eine ganze Reihe solcher Werbesprüche ein: „Geländewagen sind für den zeitgemäßen Stadtmenschen ein MUSS!“, „Kohlekraftwerke sind für das Klima von morgen ein MUSS!“ oder „Massentierhaltung ist für den Feinschmecker ein MUSS!“ Ein Fellkragen ist ebenso wenig notwendig, um nicht zu frieren, wie ein SUV, um in der Stadt voranzukommen. Wenn Mode, der Geschmack oder allein der Werbetexter darüber entscheidet, ob Tiere leiden, ist die Entscheidung gefallen. Ich möchte lieber selbstbestimmt sein, und meine Entscheidungen vom Verstand statt von anderen und gar von Oberflächlichkeiten wie Mode oder Geschmack leiten lassen. Mein Kleiderschrank wird vegan, und vielleicht falle ich ohne Lederjacke beim Metalkonzert ja gar nicht so auf – solange ich eine Jeans-Kutte trage.

Bild: Fotograf: Berli Berlinski / Design und Realisation: Marcus Müller Pelzdesign, Regensburg
Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert

Freitag, 18. Januar 2019

Dienstag, 15. Januar 2019

Ein Vulkan? Wie toll!


Demletzt hatte ich mit einem Bekannten über „2084 - Noras Welt“ von Jostein Gaarder gesprochen. Der Roman erlaubt uns einen Blick in die nahe Zukunft: Der Anstieg des Meeresspiegels durch das Schmelzen der Eisflächen hat viel Land geraubt. Der hohe Kohlendioxydgehalt in der Luft, verursacht durch unseren Energieverbrauch, hat die Meere übersäuert und die Meeresfauna nahezu ausgelöscht. Der Temperaturanstieg durch das Klimagas hat die Dauerfrostböden der Arktis, Antarktis und den Hochgebirgen schmelzen lassen und zusätzlich den Klimakiller Methan aus den Böden gelöst. Das was der menschliche Landraub vom Regenwald übrig gelassen hat, verwandelt sich in gigantische Savannen. Die Folgen sind ein massives Artensterben in Fauna und Flora und eine bis dahin ungekannte Flüchtlingswelle: Klimaflüchtlinge! 
Mein Bekannter schwieg kurz und erwiderte: „Wenn der Vulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA ausbricht, setzt er viel mehr Kohlendioxyd frei, als die Menschheit es tut.“ Das folgende Schweigen war dann auf meiner Seite, und ich musste meine Antwort vertagen. Im Internet las ich dann, dass täglich etwa 45 Kilotonnen Kohlendioxid aus dessen heißen Quellen und Schlammtöpfen entweichen, das sind knapp 16,5 Megatonnen pro Jahr. Das hört sich viel an, aber die Menschheit setzt jährlich ca. 41 Gigatonnen Kohlendioxid frei. Wenn der Supervulkan jedoch ausbräche, setzte
er 100 Gigatonnen frei, also eine menschliche Dreijahresproduktion.

Drei ist übrigens eine gute Zahl, denn 2017 erneuerten 60 renommierte Wissenschaftler im Magazin „Nature“ ihre Prognose, dass wir nur noch bis 2020, also aus heutiger Sicht ein Jahr, Zeit haben, um eine unumkehrbare Zerstörung der Umwelt aufzuhalten. Danach sei die Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten, denn das Abschmelzen der Eismassen an den Polen würde dann zu einer geringeren Reflektion des Sonnenlichts und Auslösung einer eigenen Erderwärmung führen, die wir nicht mehr beeinflussen können. Das hatten sie schon vor 15 Jahren vorausgesagt. Seit dem haben wir es immerhin geschafft, den Ausstoß konstant zu halten. Wir müssen ihn jedoch senken, und da kommen nicht nur die Politik und die Industrie ins Spiel, sondern jeder Einzelne. Der CO2-Ausstoß pro Jahr liegt rechnerisch bei 5,5 Tonnen pro Erdenbürger, laut Umweltbundesamt aber bei 11,6 Tonnen pro Bundesbürger. Wie hoch der individuelle ist, kann man über den CO2-Rechner unter uba.co2-rechner.de herausfinden. Wenn man bedenkt, dass der Yellowstone aller Wahrscheinlichkeit nach in 60.000 Jahren ausbricht, bedürfte es lediglich der Bevölkerung des Wetteraukreises, die ihren CO2-Ausstoß auf die weltweite Pro-Kopf-Jahres-Emission senkte, um das bis dahin auszugleichen. Wie? Weniger fliegen, mehr den Zug oder Fernbus nehmen. Weniger das Auto nutzen, mehr Radfahren und Laufen. Weniger Fleisch essen, mehr lokales und saisonales Obst- und Gemüse. Weniger Müll produzieren und mehr unverpackt einkaufen. Ich habe dort begonnen, wo es kaum spürbar war: Suchmaschine auf Ecosia gewechselt, gebrauchten statt neuen Rechner bei Refurbed gekauft, denn beide pflanzen von ihren Einnahmen Bäume, und Bäume binden CO2. Das ist schon einmal ein guter Anfang.

Und die Antwort an meinen Bekannten? „Im Jahr 2084 haben wir noch 59.933 Jahre Zeit, bis der Vulkan eruptiert, aber wir haben es jetzt in der Hand, wie hoch die Chance ist, dass die Menschheit das überhaupt erlebt. Der Plan: Die Wetterau kümmert sich um den Vulkan und ihr anderen bitte um den Rest.“ 
Deal?

Bild: Pixabay, MikeGoad

Samstag, 5. Januar 2019

13 wertvolle Tipps für dich, um Verpackungsmüll zu sparen!



1. Immer einen Stoffbeutel mitnehmen

Es ist zwar kein Verpackungsmüll, aber immerhin etwas, das Müll macht: Die Plastik- oder Papiertüte im Supermarkt oder beim Bäcker! Bei jedem Einkauf daran denken zu müssen, eine Tragetasche für den Einkauf mitzunehmen, geht oft schief, und man greift dann doch auf den Tütenerwerb zurück. Die Tüte liegt dann nach Nutzung im Küchenschrank, um sie wiederzuverwenden. Wer jedoch schon den Stoffbeutel regelmäßig vergisst, wird auch keine Plastiktüte zum nächsten Einkauf mitnehmen, und schon ist die nächste Tüte nach dem folgenden Einkauf im Schrank. Das Beste ist es, wenn du je eine Einkaufstasche an all den Stellen deponierst, die mit deinem Einkauf in Verbindung stehen: In der Umhänge- oder Handtasche, im Auto, im Fahrradkorb und in der Lieblingsjacke, und schon klappt es! Jetzt darfst du nur nicht vergessen, sie nach dem Einkauf wieder dorthin zurückzutun ;-)

2. Loses Obst und Gemüse einkaufen

Die beste Methode, das umzusetzen, ist, sich von seinem Einkaufszettel zu verabschieden. Wenn du ein Kochbuch in die Hand nimmst und einen Einkaufszettel nach dem Gericht deiner Wahl schreibst, wirst du vermutlich mit verpacktem Gemüse nachhause kommen, denn selten ist alles unverpackt, was du zu einem Rezept benötigst. Einfacher ist es, Obst und Gemüse einzukaufen, das es lose gibt, und erst in der Küche zu überlegen, was du daraus kochst. Das macht die Malzeiten sehr kreativ, und nach ein paar Wochen hast du den Dreh raus und kannst auch aus Pastinake, Weißkohl und Kürbis ein festliches Drei-Gang-Menü zaubern.

3. Leitungswasser trinken

Cola, Limonade, Mineralwasser, Bier … Von allem einen Kasten im Haus zu haben, ist für viele Standard. Zumeist sind es glücklicherweise immerhin Mehrwegflaschen, doch auch die Einwegflaschen, gerade für das schnelle Getränk unterwegs, aber auch für den Frühstückssaft, haben noch immer Konjunktur. Warum nicht auf Leitungswasser umsteigen? Das ist ohne große Schlepperei verfügbar, verbraucht keinen Platz in Vorratskammer oder Keller und ist ohnehin gesünder als die meisten oft stark zuckerhaltigen Getränke. Für den Geschmack kann die Aufbereitung als Früchtetee sorgen oder fürs Frühstück, es mit einem Stück Obst zu pürieren. Bier? Geh einfach in die Kneipe um die Ecke, wenn du Lust darauf hast. Mit Menschen zu trinken, macht auch mehr Spaß!

4. Getränke für unterwegs vorsorgen

Zum Coffee-to-go, dem Mineralwasser in der Einwegplastikflasche oder dem Pappbecher mit Limonade aus dem Schnellrestaurant ist schnell gegriffen, wenn der Durst da ist, aber der heimische Wasserhahn nicht in der Nähe. Vorsorgen ist einfach. Füll morgendlich den frisch gebrühten Kaffee in die Thermotasse, Leitungswasser in eine kleine Mehrwegflasche, dann einpacken und fertig. Wenn du das regelmäßig machst, möchtest du dich bald gar nicht mehr am Bahnhof für dein Getränk in die Schlange stellen. Und du sparst ordentlich Geld. Im Büro haben wir einen Vollautomaten, der für „läppische“ 50 Cent pro Tasse Kaffee bietet. Ich habe mir die Mühe gemacht, mal zu errechnen, was mich die Tasse meines im Gegensatz fair gehandelten Bio-Kaffees kostet: Ein Fünftel dessen. Noch Fragen?

5. Keine Convenience-Produkte kaufen

Gemüse schnippeln, rein in die Pfanne oder den Topf, würzen, fertig. Selbst zu kochen ist kein Hexenwerk, und dass das Gekochte schmeckt, ist lediglich ein Ergebnis von Trial & Error. „Jedes Mal Kochen ein Experiment, jede Mahlzeit eine Messung“, sagt Kochbuchautor Werner Gruber. Also nur Mut! Frisch gekochtes schmeckt besser, ist gesünder und kann genauso für die nächsten Malzeiten herhalten wie ein Fertiggericht, nur eben besser. Ich koche immer einige Portionen mehr, die ich dann einwecke. Wenn du einen Gefrierschrank nutzt, kannst du es auch einfrieren. Nur frisches Gemüse vom Markt … und am Ende steht ein gesundes, einfach nur aufzuwärmendes Gericht ohne Verpackungsmüll.

6. Brotaufstriche selbst machen

Ich habe zig Kochbücher zuhause, in jedem sind Brotaufstriche mit unzähligen, teils sehr exotischen Zutaten. Das ist schön, und sie sind alle ebenso köstlich wie alltagsuntauglich für mich. Warum? Zum einen, siehe Tipp 2, zum anderen, weil ich mir schlicht nicht die Zeit nehmen möchte, Aufstriche nach Rezept zu bereiten. Etwas viel Einfacheres hat sich bewährt: Ich entnehme etwas von meiner frisch bereiteten Gemüsepfanne, siehe Tipp 5, gebe es beispielsweise zusammen mit Cashewkernen, gekochten Kartoffeln oder Sonnenblumenkernen in den Mixbecher und püriere das Ganze mit dem Stabmixer oder bei größeren Mengen mit dem Blender. Ein bis zwei Gläschen reichen, um meine nächsten Frühstücke zu sichern, und mit den richtigen Gewürzen fällt nicht einmal auf, dass es eigentlich nur pürierte Gemüsepfanne ist. Auch süße Aufstriche lassen sich einfach meistern. Das spart dir fünf und mehr Kilo an Einwegglasmüll im Jahr. Oder eben das Äquivalent aus Plastik!

7. Unverpacktläden und Unverpackt-Optionen in den Supermärkten unterstützen

Manches gibt es im konventionellen Handel in der Regel nur verpackt. Mir fallen da meine Haushaltshelfer Citronensäure, Natron und Soda oder auch Nüsse ein. Die Haushaltshelfer gibt es in vielen Unverpacktläden, von denen es glücklicherweise immer mehr gibt. Noch sind sie auf die Großstädte beschränkt, doch je mehr das Umweltbewusstsein für den Verpackungsmüll in der gesellschaftlichen Mitte ankommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch in Mittel- und Kleinstädte zurückfinden. Immerhin ist das Konzept kein neues – in den sog. Kolonialwarenläden oder Tante-Emma-Läden waren lose Lebensmittel jahrzehntelang schließlich Standard. Auch in Supermärkten gibt es lose Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere für Cerealien, Sämereien und Nüsse, und zwar nicht nur in Bioläden und Reformhäusern, auch Lidl führt verpackungsfrei verschiedene Nusskernsorten.
Um jedoch den ökologischen Vorteil nicht zunichte zu machen, tu dich mit Freunden zusammen. Fahr nicht einzeln in die Großstadt, um 100 Gramm Natron zu kaufen. Frag deine Freunde, was sie brauchen, und komm mit fünf Kilo zurück, die du dann aufteilst. Hilft ja nichts, wenn du die erdölbasierte Plastikverpackung im heimischen Supermarktregal lässt, dafür aber ein Vielfaches in Form von Kraftstoff für deine Einkaufsfahrt verbrauchst.

8. Großverpackungen erwerben

Was machen, wenn es partout keine unverpackte Option gibt, du aber nicht verzichten willst. Die Option kann hier die Großverpackung sein. Du isst gerne Haferflocken zum Frühstück? Fünfhundert Gramm gehen die Woche weg? Dann kauf doch fünf Kilo und sicher dir zweieinhalb Monate, in denen du sie nicht einkaufen musst. Vielleicht findest du fünf weitere Freunde, die auch darauf stehen, dann kauf einen 25-Kilo-Sack und teil ihn auf. Du sparst Verpackungsmüll und zudem noch viel Geld, denn Großgebinde sind für gewöhnlich auch deutlich günstiger. Wichtig: Gerade Getreideprodukte solltest du in luftdicht verschließbare Glasbehältnisse umpacken, sonst isst du die eine Hälfte, und den Rest bevölkern Mehlmotten, wenn du Pech hast. Große Gläser mit bis zu fünf Kilogramm Fassungsvermögen musst du nicht einmal extra kaufen. Feinkostläden bekommen ihre Oliven häufig in solchen Gläsern geliefert. Fragen kostet nichts und mit ein wenig Glück nicht einmal die Gläser!
Und keine Angst vor dem Versandhandel. Solange du deinen Einkauf zu Fuß erledigen kannst, zieh den lokalen Handel natürlich vor. Sobald du jedoch ein Fahrzeug benötigst, verschiebt sich die Ökobilanz. Je mehr Kilometer der Laden weg ist und je weniger Waren du einkaufst, sprich: je geringer die Zuladung deines Fahrzeugs ist, desto ökologischer ist der Versandhandel.

9. Drogerieartikel selbst machen

Deos, Shampoos, Körperlotionen, Duschgels, Flüssigseifen, all das gibt es zuhauf in den Super- und Drogeriemärkten plastikverpackt zu kaufen. Vieles bis hin zu alles davon ist mit wenigen Zutaten und ohne erwähnenswerten Aufwand selbst herzustellen – aus nicht viel mehr als den unter Ziffer 7 aufgeführten Haushaltshelfern. Ich könnte hier meine bewährten Rezepte verlinken, aber schaut doch einfach mal auf Smarticular.net. Ich bin mir sicher, ihr findet dort noch viel mehr Inspirierendes als ich hier erwähnen könnte.

10. Haushaltsreiniger selbst machen

Allzweckreiniger, Kalkentferner, Geschirrspülmittel, Spülmaschinenpulver, Waschmaschinenpulver, all das gibt es zuhauf in den Super- und Drogeriemärkten plastikverpackt zu kaufen. Vieles bis hin zu alles davon ist mit wenigen Zutaten und ohne erwähnenswerten Aufwand selbst herzustellen – aus nicht viel mehr als den unter Ziffer 7 aufgeführten Haushaltshelfern. Ich könnte hier meine bewährten Rezepte verlinken, aber schaut doch einfach mal auf Smarticular.net. Ich bin mir sicher, ihr findet dort noch viel mehr Inspirierendes als ich hier erwähnen könnte und so weiter ;-)

11. Nuss- und Getreidedrinks selbst machen

Du hast gerne Milch oder einen Milchersatz im Müsli oder im Kaffee? Du wirst überrascht sein, wie schnell sich das selbst herstellen lässt. Eine Handvoll Mandeln, Reis oder Hafer in den Mixer, eine Minute pürieren und dann durch ein Sieb laufen lassen, fertig! Ganz ohne Tetra-Pack, Glasflasche oder Kuh!

12. Behältnisse an den Frischetheken mitbringen

Das funktioniert nicht überall. In den Tegut-Filialen funktioniert es ganz prima, an der Fleisch- und Wurst-, Käse-, Fisch- oder Feinkosttheke verpackungsfrei einzukaufen. Dort stellst du dein mitgebrachtes Behältnis einfach auf ein Tablett, mit dem es tariert wird, bevor deine Waren eingefüllt werden. Dann wird es dir auf dem Tablett zurückgereicht und du verschließt es, ohne dass die Verkaufskraft je Kontakt damit hatte. Auch andere Supermärkte entwickeln Konzepte, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es solche Methoden auch bei anderen Mitbewerbern gibt. Bei kleineren Läden wird es oft schon akzeptiert, dass Kunden ihre Behältnisse mitbringen. Selbst unser Gewürzhändler auf dem Wochenmarkt hat auf Nachfrage angeboten, unsere Glasbehältnisse mitzunehmen und zum nächsten Markttag mit den gewünschten Gewürzen gefüllt wieder mitzubringen. Die Hygienebestimmungen sind wichtig, sich aber der Lösung des Problems zu verweigern, ist uninspiriert und ökologisch kontraproduktiv. Man sieht an den Beispielen: Es gibt Wege, wenn man will, und wer nicht will, nun, der kann ja weiter von Kunden leben, die auch nicht wollen ;-)

13. Ruhe bewahren

Ja, es ist in Sachen Umwelt fünf vor zwölf. Wenn du jedoch beispielsweise Heißhunger auf Schokolade hast, und du findest sie nur plastikverpackt, dann kauf sie. Und genieß sie! Keiner schimpft mit dir, und der Minutenzeiger springt deshalb nicht plötzlich auf die Zwölf. Der Unverpacktladen mit der losen Bruchschokolade ist schließlich nicht um die Ecke (falls doch, pfui über dich! Schon mal auf die Uhr geschaut?). Die Sache ist die: Wenn du dein Leben ökologischer gestalten willst, dann geht das nur, wenn du Freude am Leben hast. Stell dich langsam um. Schritt für Schritt. Dann empfindest du die Umstellung weder als Belastung, noch treibt dich die Orientierungslosigkeit, die dann beim Konsum aufkommen kann, in die Lustlosigkeit. Kümmere dich im ersten Monat um Ziffer 1, im zweiten um Ziffer 2, und nach einem Jahr bist du soweit, dich mit Fug und Recht als Verpackungsmüllvermeider*In bezeichnen zu können. Gratuliere!

Dienstag, 1. Januar 2019

Nur noch schnell die Welt retten


Ein neues Jahr bringt gute Vorsätze! Ich möchte weniger Fleisch essen. Das ist als Veganer nicht einfach, aber irgendwie muss ich ja die Welt retten. Auch möchte ich weniger fliegen. Es ist erst neun Jahre her, dass ich zuletzt in den Urlaub flog. Das geht besser! Neujahr 2020 will ich das letzte Mal im Jahr 2010 geflogen sein. Weniger Plastikmüll produzieren will ich! Solange die Folie meines gelben Sacks noch leichter ist als der Inhalt, gebe ich mich nicht zufrieden. Dieses Jahr möchte ich ihn leer zur Abholung auf die Straße stellen können. Außerdem möchte ich ökologischer essen, lokaler einkaufen, regionaler sowieso – am besten nur noch Papaya und Ananas aus Ockstadt.

Das Öko-Leben ist gar nicht einfach. Es steckt Leidensdruck dahinter. Vielleicht ist es die Dichterseele, die neben meinem grünen Herzen in mir steckt, die den Weltschmerz à la Jean Paul auch auf mein nachhaltiges Leben überträgt. Das Wort gibt es übrigens nur in Deutschland. Wenn der Amerikaner das Gefühl beschreiben möchte, unzulänglich in Anbetracht der Probleme der Welt zu sein, benutzt er es ebenso. „I am suffering from Weltschmerz!“ So hört sich das dann wohl an. Obwohl er in Anbetracht des amerikanischen Beitrags zum globalen Umweltschutz nicht allzu groß sein kann. Nehmen wir lieber die Dänen. Die haben auch kein eigenes Wort dafür. „Jeg har Weltschmerz!“, sagt der Däne also. Man kann schon an ihnen verzweifeln, an den Problemen (nicht den Dänen), die sich der moderne Öko auf die Agenda geschrieben hat, allein durch sein eigenes Konsumverhalten ändern zu wollen. Wo anfangen? Wo enden? Inzwischen geistern Wörter wie Ökorexie durch die Arztpraxen der Nation: Das Krankheitsbild von Menschen, die so sehr darauf bedacht sind, das ökologisch Richtige zu tun, dass sie guten Gewissens kaum mehr etwas essen können. Menschen, die Krankenhauskost verweigern, weil alles in Plastik verpackt ist. Solche, die für ihr Silvesterdessert vorher errechnen, ob das Panna Cotta zum Dessert aus Rahm sein darf oder doch besser aus Cashew-Creme. Doch war da nicht was mit unmenschlichen Erntebedingungen? Sind Cashew-Kerne mit Fair-Trade-Label tragbar? Andererseits kommt die Milch von um die Ecke und verursacht weniger CO2 beim Transport als die Steinfrucht aus Vietnam. Jedoch emittiert die Milchkuh aus Bio-Wiesenhaltung mehr klimaschädliches Methan als die Stall-Kuh. Ist das dann besser als Freilandhaltung und tragbar, solange es ausreichend Auslauf gibt? Wer nicht fragt, bleibt dumm! Und wer keine Antwort hat, hungrig! Am Ende gibt es gar kein Panna Cotta! Sondern Eiswürfel! Aus lokalem Regenwasser. Nur leider nicht abgekocht – weil der Stromanbieter noch nicht auf Oköstrom umgestellt war. Nun gibt es Krankenhauskost zu Neujahr. Natürlich Panna Cotta. Aus konventioneller Milch! Im Plastikbecher!

Ich nehme meine persönliche Mission ernst. So sehr, dass ich weiß, dass etwas Gelassenheit die Weltrettung nicht korrumpiert. Askese ist selten von Dauer. Ich kann Veganer sein, auch wenn ich mal „nur“ vegetarisch esse. Ich bleibe Plastikmüllsparer, selbst wenn ich mir mal unterwegs ein Wasser in PET kaufen muss, weil ich Regenwasser eben blöd finde. Das nächste Mal bin ich halt wieder organisierter.
 Ein Christ hört schließlich auch nicht auf Christ zu sein, wenn er mal gegen das zehnte Gebot verstößt. Es sei denn vielleicht das Begehren konzentriert sich auf die Frau des Pfarrers, aber das ist ein anderes Thema.

Ein schönes neues Jahr! Genießt das Leben. Ihr habt nur das eine – und auch nur einen Planeten!

Samstag, 22. Dezember 2018

Daily Insta



Guter Ansatz! Leider finden Veränderungen meist über Geld am ehesten statt. Mehrweg ist zumindest bei Kaffeebechern ohne Probleme möglich. Recup zum Beispiel. Fehlen nur noch Systeme für die Pizza und den Asia-Imbiss 😊 und da muss darauf gehofft werden, dass die Steuereinnahmen auch für städtische Beratung genutzt werden. Danke, Tübingen.

Dienstag, 18. Dezember 2018

Brot verböllern


Die Aktion „Brot statt Böller“ ist mittlerweile ein Begriff – immerhin gibt es sie schon seit über 30 Jahren –, und er findet sich inzwischen auch in schlechten Witzen wieder. Wie zum Beispiel in diesem hier: Warum kein „Brot statt Böller“? Weil Brot nicht knallt. Dabei kommt es doch sehr auf die Darreichungsform an. Ein Roggenbrot vielleicht nicht, aus Roggen destillierter Wodka schon. Gerade an Silvester. Seit dem Jahr 2004 steigen die Umsätze mit Feuerwerk nahezu kontinuierlich. 87 Millionen waren es damals. Heute sind es 137 Millionen. Knapp 18 Prozent ihres Jahresumsatzes von rund 1,6 Milliarden Euro machen deutsche Sekthersteller zum Jahreswechsel. Mit Fug und Recht kann man behaupten: Der Deutsche ballert doppelt - mit Ziel Kopf und Firmament. 

Auch in der Umwelt ballert‘s: Belastender Feinstaub und Lärm der Haus- und Wildtiere schädigt und jede Menge Aluminium und Plastikkorken von Millionen Sektflaschen. Dahingegen stellt der Jahreswechsel bei „Brot für die Welt“ nicht gerade eine Spitze bei den Spendenzugängen dar. Warum? Nur jeder vierte Deutsche kauft überhaupt Böller für Silvester, der Rest vermutlich nur Sekt. Das sind im Schnitt gut 40 Euro pro Geldbeutel derer, die beides knallen lassen. Jene 75 Prozent, die nicht ballern, spenden jedoch auch nicht mehr als sonst. Vielleicht ist das Hauptproblem gar nicht der Geldbeutel, sondern dass die Freude am Spenden bei einer Überweisung nicht aufkommt. Schenken sorgt nachweislich dafür, dass Dopamin und Endorphin im Gehirn ausgeschüttet werden und die beiden Hormone dafür, dass wir fitter sind, Stress leichter bewältigen und uns glücklich fühlen. Doch wer hat je nach dem Ausfüllen einer Onlineüberweisung gesagt: „Mensch, bin ich glücklich!“ Schenken braucht Kontakt zu anderen Menschen, damit das funktioniert. 

Ich selbst habe jüngst eine Tradition wieder aufgelebt und werde am Vorabend zu Silvester mit Freunden Poker spielen. Das Buy-in geht in einen Topf, und der Gewinner darf den Pot einer Organisation seiner Wahl spenden. Welche das sein wird, teilt jede und jeder Mitspielende zuvor mit. Das kann manchmal dazu führen, dass man sehr gerne beim Heads-up den Straight Flush wirft und dem Bluffer den Sieg lässt, weil dessen Spendenorganisation so viel reizvoller ist als die eigene. Danach gehen wir alle mit einem Hochgefühl auseinander. Wir haben schöne Stunden miteinander verbracht, es gab nicht wirklich Verlierer in der Runde und vor allem sind wir vollgepumpt mit Glückshormonen. Dadurch brauchen wir auch weniger Alkohol, um uns an Silvester in Stimmung zu bringen - der Sekt zum Anstoßen ist ein Bio-Sekt mit Naturkorken und ohne Alu-Mütze. 

„Und was ist mit der Tradition?“, ruft jetzt jemand während des Lesens. „Wir müssen doch die bösen Geister vertreiben, bevor das neue Jahr geboren wird.“ Die wahren wir! Dazu reicht eine Rakete, je nach Boshaftigkeit derer vielleicht schon eine Packung funkelnder Wunderkerzen. Mit denen verscheucht man auch nicht den Dachs, der an Neujahr im Hinterhof die Mülltonne um die übrig gebliebenen Reste des wieder einmal viel zu üppigen Silversterbuffets erleichtert. Wildtiere scheren sich nicht um die unsinnigen rechtlichen Hürden des Containerns. 

Vielleicht schaffen wir es ja dieses Mal, dass jeder nur wirklich das zum Buffet beisteuert, was man selbst verzehren kann. Aber ich möchte jetzt nicht über den Unsinn des Wegwerfens von Lebensmitteln oder über das Verbot, selbige aus dem Müll zu fischen, zu lamentieren anfangen. 
Lasst uns feiern! Prost Neujahr!

Dienstag, 4. Dezember 2018

Kampfansagen an Veganer


Als Veganer ist man oft Zielscheibe. Alle Schießen auf uns – vom Comedian bis zum CSU-Politiker. Warum eigentlich? „Ich lasse mir mein Fleisch nicht wegnehmen!“, ruft da einer aufgebracht. „Ich esse doch gar kein Fleisch!“, antworte ich und verstehe meine Pflanzenwelt nicht mehr.  Es folgt der Fingerzeig in die Supermarktregale. Der vegane Lebensmittelsektor ist in den letzten Jahren unübersehbar geworden. Fleischalternativen verzeichnen seit 2008 ein stetes Umsatzplus, kann man auf der Homepage des Vegetarierbundes (VEBU) lesen. Da kann man sich schon bedroht fühlen und die in naher Zukunft zu erwartende Verdrängung des echten Fleischs zu fürchten beginnen. Äthiopien war übrigens in den letzten Jahren das Land mit den größten volkswirtschaftlichen Wachstumsraten. Deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt allerdings auch nur zwei Prozent des unseren. Wo wenig ist, kann viel wachsen. So ist es auch mit den Fleischalternativen im Supermarkt. Die Gefahr, dass ein Soja-Schnitzel das Rinder-Steak verdrängt, ist in etwa so hoch wie die, dass die äthiopische Exportwirtschaft zu einem Aussterben des deutschen Einzelhandels führt. 

Dennoch: Überall dort, wo ein Fleischesser genüsslich in sein Steak beißen möchte, sitzt ein Veganer am Tisch und hebt den Zeigefinger wie eine moralische Keule. Statistisch ist das merkwürdig. 1,3 Millionen Veganer gibt es, sagt der VEBU. Das sind gerade einmal eineinhalb Prozent der deutschen Bevölkerung. Rein mathematisch betrachtet müsste also ein Steakliebhaber an einer Tafel mit gut 65 Menschen sitzen, damit sich ein ganzer Veganer unter ihnen befindet. Da kommt es sehr stark darauf an, wo der fleischlose Moralist am Tisch platziert ist, damit dessen Zeigefinger überhaupt wahrgenommen wird. Oder es muss ein sehr großer Zeigefinger sein, was bei dem Proteinmangel, unter dem wir strengen Veggies permanent leiden, eher unwahrscheinlich ist. „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, heißt es schließlich, und nicht fleischlos.

„Ihr seid undankbar!“, schleudert man mir entgegen. „Ohne Fleisch wäre unser Gehirn nie so groß geworden!“ Nun, denke ich mir, ohne die Französische Revolution hätten wir vielleicht keine Menschenrechte. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass das Guillotinieren von Staatoberhäuptern heutzutage nicht so gut ankäme, selbst wenn ich darauf verwiese, dass ich es ja nur mache, weil wir ohne das heute kein Recht auf körperliche Unversehrtheit und kein Recht auf Leben hätten. Alles in allem entlarvt das, weshalb wir und unsere Ernährung tatsächlich in den Zielfokus von Bühnen- und Wahlprogramme geraten. Es geht schlichtweg darum, den größtmöglichen Konsens zu erreichen. 

Etwas gegen Frauen? Die sind statistisch in der Mehrheit. Schlecht! Und man will ja kein Sexist sein! Über Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund? Ein Viertel der Zuhörer könnte das betreffen. Schlecht! Und man will ja kein Rassist sein! Vegetarier? Auch gut 10 Prozent. Besser! Doch wer möchte schon jeden zehnten zahlenden Zuhörer oder einen solchen Wähleranteil vergrämen? Jeder 65. Deutsche ist Veganer. Großartig! Angenommen ich hätte einen Auftritt in einem Saal mit hundert Sitzplätzen, dann befänden sich nur eineinhalb Veganer im Publikum – oder sagen wir zwei, da wir ja so dürr sind. 98 Gäste lachen, denken sich: „Ja, ja, diese Baumkuschler!“ und freuen sich dankbar über ihr großes Gehirn.
0,45 Prozent der Zuschauer könnten übrigens theoretisch auch Äthiopier sein. Hoffen wir, dass das weder Comedians noch Politiker je merken.