Mittwoch, 23. März 2022

„Aus Liebe zum Überleben“ am 25.03.2022 online zu sehen KOSTENLOS

Am Freitag, den 25. März 2022, findet um 19.30 Uhr, eine Online-Filmveranstaltung aus der Veranstaltungsreihe „Landwirtschaft im Einklang mit der Natur" statt.  Diese kann direkt über: https://www.nawi-film.de erreicht werden.

Gezeigt wird der Kinofilm „Aus Liebe zum Überleben“ (90 Min) des vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers Bertram Verhaag/DENKmal-Film. Verhaag begab sich auf eine Reise zu acht mutigen Menschen, die sich der ökologischen Landwirtschaft zugewandt haben. 

Mehr denn je können Methoden der ökologischen, klima- u. artenschützenden, regionalen Landwirtschaft  eine exportunabhängige und nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung sichern. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, an einer offenen Diskussion mit Fachleuten aus der Landwirtschaft teilzunehmen.






Montag, 28. Februar 2022

Sonntag, 6. Juni 2021

Und da war es nur noch eins

Und da war es nur noch eins

Seit einiger Zeit leben meine Freundin und ich nun in einer unfreiwillig verkleinerten Wohnung. Ein einziger Wasserschaden, und schon fehlt einem aus heiterem Himmel ein Raum, unsäglicher Weise ausgerechnet unsere Küche. Bevor der Küchenboden entfernte wurde, um den Raum zunächst zu trocknen und schließlich die Balken auszutauschen, machten wir uns Gedanken, welche Gegenstände wir dringend benötigen würden, haben alles Nötige in die Unterschränke geräumt und den Rest in die Oberschränke, die dort verbleiben konnten. Die Küchenzeile steht nun im angrenzenden Flur und ist nicht geeignet, ihren Funktionen wie dem Backen vollumfänglich nachzukommen, dafür bestens, um immer wieder dieselbe Stelle meiner Ellenbogen schmerzlich daran zu erinnern, dass er nun keine 1,20 Meter mehr breit ist. Inzwischen sehe ich aus, als hätte ich dort je zwei Gelenke. Da fast alle unsere haltbaren Lebensmittel wie Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte und Sämereien in großen Gläsern auf den Küchenschränken gestanden hatten, mussten wir zwei Schränke im Wohnzimmer räumen, deren Inhalt sich nun in gestapelten Kisten befindet oder sich eng in andere Schränke hinzugesellen musste. Im Wohnzimmer steht nun unsere Kommode aus dem Flur und daneben eine elektrische Kühlbox. Die Tage laufen derzeit unter der Überschrift: Unser Leben in einem Gebrauchtmöbelkaufhaus.
Stören wir uns daran? Nein! Wir freuen uns zwar, wenn der Status Quo wieder hergestellt sein wird, aber wir sehen auch die Chancen und nutzen die Vorteile. Am Couchtisch zu essen, ist ungewohnt, dafür können wir anschließend unmittelbar von der sitzenden in die liegende Position wechseln und so den Verdauungsprozess von unnötiger Ablenkung wie Bewegung entlasten. Auf einer Kommode im Wohnzimmer Gemüse zu schneiden, erscheint ungewöhnlich, dafür ermöglicht es uns, währenddessen aus dem Fenster auf den Winterstein zu schauen. Ach, wie sehr der schöne Ausblick doch unseren Heftpflasterbedarf angehoben hat. Mit nur einer geliehenen Einzelkochplatte Essen zuzubereiten, mag sehr reduziert klingen, doch seitdem ist der Rohkostanteil in unserer Ernährung auffällig gestiegen. Ich könnte mir vorstellen, dass der nächste Gesundheitscheck zu traumhaften Ergebnissen führen wird. Keine Abzugshaube und nur ein Kippfenster über der Kochplatte zu haben, mag den einen oder anderen Lesenden befürchten lassen, dass der Flur tagelang nach dem Mittagessen riechen könnte. Weit gefehlt, er riecht nach allen dort zubereiteten Malzeiten. So viele schöne olfaktorische Erinnerungen an kulinarische Highlights auf der Couch.
Zu guter Letzt hat dieses Abenteuer bewirkt, dass wir über unseren Besitz nachdenken konnten und erstaunt sein durften, mit wie wenig wir tatsächlich auskommen, wenn es nötig ist. Durch das Zusammenrücken im Wohnzimmer sind mir viele Dinge in die Hände gefallen, die ich lange nicht mehr genutzt habe. Drei Kopfhörer, die eine Schublade belagerten, in der sich nun Besteck befindet, habe ich auf einen reduziert und zwei verschenkt. Das gleiche Schicksal traf Bücher aus einem Regal, in dem getrocknete Himbeeren, Feigen und Datteln ihr neues Zuhause gefunden haben. Wir leben nur mit der Hälfte dessen, was sich in unseren Küchenschränken befindet. Auch hier können wir jede Menge an Menschen verschenken, die es im Gegensatz zu uns brauchen. Das wird jedoch noch etwas auf sich warten lassen müssen. Uns fehlt der Küchenboden, um an die Oberschränke heranzukommen. Bis dahin genießen wir den Blick auf den Taunus und knabbern rohen Kohlrabi.


Donnerstag, 6. Mai 2021

Nicht alles ist Regen

Nicht alles ist Regen

Als ich diese Kolumne schrieb, schaute ich vor dem ersten Satz aus dem Fenster. Regen, nichts als Regen. Und das an einem Sonntag. Dabei hätte ich so gerne Sonne gehabt. In einem solchen Moment wäre es mir leichtgefallen, ein Thema zu wählen, dass mich in dieser Übellaunigkeit passend zum Wetter hält. Stattdessen schaute ich nach der Sonne. Zwar brauche ich weniger Zeit, etwas über all das, was wir in der Umweltpolitik noch verbessern, in unserem eigenen Verhalten ändern und was unsere Firmen anpassen müssen, um nachhaltig zu sein, zu schreiben, doch Sonnenschein ist so etwas Schönes, Wärmendes, das einen Menschen grundlos lächeln lassen kann. 

Meine Chefin fragt nach unserer wöchentlichen Besprechung immer „Was läuft gut?“ Was also läuft gut? Im letzten Jahr wurden 19,3 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt, hat das Umweltbundesamt im letzten Monat veröffentlicht. Das ist ein Höchststand, über der EU-Zielvorgabe von 18 Prozent, und der Blick in die drei Sektoren Strom, Wärme und Verkehr zeigt, dass es im Kern nur die beiden letztgenannten sind, die sich zwar auch kontinuierlich verbessern, aber eben deutlich geringer im Vergleich zum Stromsektor. Der ist der wahre Gewinner mit einem Rekordanteil von 45,4 Prozent, mehr als doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Das sind doch schon ein paar deutlich wärmende Sonnenstrahlen. Was ist noch gut? Unsere Klimabilanz war im letzten Jahr so gut, dass wir unsere selbst gesetzten Klimaziele 2020 übererfüllen konnten: Statt 40 waren es 40,8 Prozent weniger Emissionen als 1990 und 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr. 

Zugegeben, diese Sonnenstrahlen stechen etwas in den Augen, denn die Pandemie mit all ihren noch anhaltenden Begleiterscheinungen war der Hauptverursacher dieser positiven Entwicklung. Doch manchmal hilft es, die Sonne dort zu sehen, wo man sie eigentlich nicht vermutet. In der Umfrage Ernährungsreport 2020 gaben 26 Prozent der Befragten an, täglich Wurst oder Fleisch zu konsumieren. Im ersten Report vor fünf Jahren waren es noch 34 Prozent, berichtet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Auch das ist gut. Für Mensch, Tier und Umwelt. Der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch ist laut der aktuellen Versorgungsbilanz Fleisch im Jahr 2020 auf ein Jahrzehnte-Tief gesunken. Mit 57,3 Kilogramm pro Person war der Konsum so niedrig wie noch nie seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1989. In der Spitze lag er bei über 90 Kilogramm. Zusätzlich sanken im letzten Jahr sowohl die Im- als auch die Exportzahlen. Der Pro-Kopf-Konsum ist immer noch höher als das, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als gesund erachtet und sehr viel mehr als das, was aus klimapolitischer und Tierschutzsicht zu fordern wäre, aber es sind dennoch Sonnenstrahlen. Sie blenden nicht, aber tragen ihren Anteil am Licht. 

Auch Unverpacktläden laufen gut. Sie tragen einen wichtigen Anteil daran, das Einkaufen loser Waren und damit das Sparen von Umverpackungsmüll zu einem Erlebnis, aber vor allem wieder zu einem Standard zu machen. Vor sieben Jahren hatte der erste Laden eröffnet. Das war in Kiel. Noch im selben Jahr folgten weitere. Im Januar zählte das Enorm-Magazin auf seiner Website bereits über 160 deutschlandweit, dazu verschiedene Supermarktketten wie EDEKA und tegut die Unverpacktbereiche in einigen ihrer Filialen testen, und im letzten Jahr eröffnete in Köln der erste Unverpackt-Drogeriemarkt. Es regnet noch immer. Aber nun bei weitem nicht mehr so schlimm.