Posts mit dem Label Minimalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Minimalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. Oktober 2022

Kultur auf der Spur - Vortrag über Minimalismus im Alltag

Am Montag, dem 3. Oktober 2022 bin ich im Rahmen der Reihe "Kultur auf der Spur" eingeladen, einen Vortrag über Minimalismus im Alltag zu halten. Ich freue mich schon.

Kommt doch auch vorbei. Los geht es um 19:30 Uhr im Bibliothekszentrum Klosterbau (Augustiner Gasse 8, 61169 Friedberg). Eintritt an der Abendkasse: 7 €, Mitglieder: 5 €, Schüler*innen und Auszubildende: 2 €




Sonntag, 6. Juni 2021

Und da war es nur noch eins

Und da war es nur noch eins

Seit einiger Zeit leben meine Freundin und ich nun in einer unfreiwillig verkleinerten Wohnung. Ein einziger Wasserschaden, und schon fehlt einem aus heiterem Himmel ein Raum, unsäglicher Weise ausgerechnet unsere Küche. Bevor der Küchenboden entfernte wurde, um den Raum zunächst zu trocknen und schließlich die Balken auszutauschen, machten wir uns Gedanken, welche Gegenstände wir dringend benötigen würden, haben alles Nötige in die Unterschränke geräumt und den Rest in die Oberschränke, die dort verbleiben konnten. Die Küchenzeile steht nun im angrenzenden Flur und ist nicht geeignet, ihren Funktionen wie dem Backen vollumfänglich nachzukommen, dafür bestens, um immer wieder dieselbe Stelle meiner Ellenbogen schmerzlich daran zu erinnern, dass er nun keine 1,20 Meter mehr breit ist. Inzwischen sehe ich aus, als hätte ich dort je zwei Gelenke. Da fast alle unsere haltbaren Lebensmittel wie Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte und Sämereien in großen Gläsern auf den Küchenschränken gestanden hatten, mussten wir zwei Schränke im Wohnzimmer räumen, deren Inhalt sich nun in gestapelten Kisten befindet oder sich eng in andere Schränke hinzugesellen musste. Im Wohnzimmer steht nun unsere Kommode aus dem Flur und daneben eine elektrische Kühlbox. Die Tage laufen derzeit unter der Überschrift: Unser Leben in einem Gebrauchtmöbelkaufhaus.
Stören wir uns daran? Nein! Wir freuen uns zwar, wenn der Status Quo wieder hergestellt sein wird, aber wir sehen auch die Chancen und nutzen die Vorteile. Am Couchtisch zu essen, ist ungewohnt, dafür können wir anschließend unmittelbar von der sitzenden in die liegende Position wechseln und so den Verdauungsprozess von unnötiger Ablenkung wie Bewegung entlasten. Auf einer Kommode im Wohnzimmer Gemüse zu schneiden, erscheint ungewöhnlich, dafür ermöglicht es uns, währenddessen aus dem Fenster auf den Winterstein zu schauen. Ach, wie sehr der schöne Ausblick doch unseren Heftpflasterbedarf angehoben hat. Mit nur einer geliehenen Einzelkochplatte Essen zuzubereiten, mag sehr reduziert klingen, doch seitdem ist der Rohkostanteil in unserer Ernährung auffällig gestiegen. Ich könnte mir vorstellen, dass der nächste Gesundheitscheck zu traumhaften Ergebnissen führen wird. Keine Abzugshaube und nur ein Kippfenster über der Kochplatte zu haben, mag den einen oder anderen Lesenden befürchten lassen, dass der Flur tagelang nach dem Mittagessen riechen könnte. Weit gefehlt, er riecht nach allen dort zubereiteten Malzeiten. So viele schöne olfaktorische Erinnerungen an kulinarische Highlights auf der Couch.
Zu guter Letzt hat dieses Abenteuer bewirkt, dass wir über unseren Besitz nachdenken konnten und erstaunt sein durften, mit wie wenig wir tatsächlich auskommen, wenn es nötig ist. Durch das Zusammenrücken im Wohnzimmer sind mir viele Dinge in die Hände gefallen, die ich lange nicht mehr genutzt habe. Drei Kopfhörer, die eine Schublade belagerten, in der sich nun Besteck befindet, habe ich auf einen reduziert und zwei verschenkt. Das gleiche Schicksal traf Bücher aus einem Regal, in dem getrocknete Himbeeren, Feigen und Datteln ihr neues Zuhause gefunden haben. Wir leben nur mit der Hälfte dessen, was sich in unseren Küchenschränken befindet. Auch hier können wir jede Menge an Menschen verschenken, die es im Gegensatz zu uns brauchen. Das wird jedoch noch etwas auf sich warten lassen müssen. Uns fehlt der Küchenboden, um an die Oberschränke heranzukommen. Bis dahin genießen wir den Blick auf den Taunus und knabbern rohen Kohlrabi.


Dienstag, 18. August 2020

Monetäre Impfung

Monetäre Impfung

Der Urlaub ist vorbei. Es war eine schöne Zeit, die ich ein Jahr nicht mehr haben möchte. Was?, denkst du dir jetzt, liebe Leserin, lieber Leser. Schöne Zeit? Nicht mehr haben möchten? Ein Widerspruch? Ich erkläre mich. Das dritte Jahr lebe ich nun nach genügsamen Lebensprinzipien. Ich gehe kaum zum Bäcker, denn ich backe selbst, selten ins Restaurant, denn ich koche zu Hause, und kaufe mir nichts, das ich nicht unbedingt brauche, denn ich überlege zweimal, ob ich es wirklich benötige. Dadurch spare ich viel von meinem Geld und baue mir Möglichkeiten für die Zukunft auf – wie auch immer sie aussehen mögen. Ich habe mich an diesen Lebensstil gewöhnt, und er fällt mir die meiste Zeit meines Lebens leicht. Gefühlt nach einem Jahr kommt bei mir jedoch der Drang auf zu konsumieren. Ich merke es daran, dass das Zweimalüberlegen schleichend zum Einmalüberlegen übergeht und letztlich beim Keinmalüberlegen landet. Wie kürzlich, als ich ein bestimmtes Trainingsgerät kaufen wollte, dass derzeit nirgendwo einzeln zu haben ist, weil es offenbar alle zu Zeiten von Corona im home gym haben wollen. Letztlich habe ich mir dann ein Set gekauft, das die begehrte Hantelstange enthielt, jedoch auch eine weitere, die ich bereits habe. Sie lag seitdem verpackt hinter meiner Hantelablage. Damit war klar: Es ist Zeit für Urlaub und für eine monetäre Impfauffrischung!

Erinnert sich jemand an den Film „Zum Teufel mit den Kohlen“ mit Richard Pryor und John Candy in den Hauptrollen? Darin soll Montgomery Brewster 30 Millionen US-Dollar binnen eines Monats ausgeben, um 300 Millionen zu erben. Bedingung: Er darf niemandem davon erzählen und nach Ablauf nicht mehr besitzen als zuvor. So ähnlich halte ich es auch. Also habe ich meine erwachsenen Kinder und meine Lebensgefährtin ins Auto gepackt und bin eine Woche an den Bodensee gefahren. Wir waren täglich essen, nirgendwo habe ich die günstigeren Online-Tickets gekauft und selbst bei der Schifffahrt auf dem Bodensee – ich hätte auch Personenfähre schreiben können, doch als mit der „alten“ Rechtschreibung Aufgewachsener liebe ich diese drei f – habe ich Einzelfahrten gekauft. Der Sohn möchte ein Filetsteak in der Herrenausführung? Kein Problem! Die Tochter verlangt nach einer Tüte mit süßem Gebäck? Gerne! Darfs noch eins mehr sein? Der Autor selbst möchte teure Bio-Nüsschen essen? Wohl bekomm’s - 600 Gramm wurden es! Es gipfelte darin, dass wir sogar in der Schweiz essen waren. In einem türkischen Imbiss. Es gab je ein Dürüm zum Preis eines gut bürgerlichen Drei-Gang-Menüs in der Wetterau. Nur die Freundin hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jeder Versuch, sie auszuhalten, mündete in einer PayPal-Überweisung auf mein Konto. Das konnte jedoch nicht verhindern, dass ich das Fünffache dessen verschleuderte, das ich sonst so nebenher ausgebe.

Was soll ich sagen? Obwohl ich weiß, was ich damit bezwecke, funktioniert es jedes Mal von Neuem. Allein die Vorstellung, Essen zu gehen, lässt meine Nackenhaare, nun, da ich zurück bin, sträuben, schon zweimal habe ich wieder Brot gebacken, und selbst die überzählige Hantelstange ist verkauft. Bereut habe ich es nicht. Allenthalben, dass mich die versehentliche Einwahl in ein österreichisches Mobiltelefonnetz während meines Aufenthalts auf der deutschen Seite des Bodensees fast 50 Euro gekostet hat. Für das Geld hätte ich viel lieber ein leckeres Falafelsandwich am Rheinfall gesessen und möglicherweise sogar ein Getränk dazu zahlen können. Beim nächsten Impfen vielleicht.

Dienstag, 26. Mai 2020

Klickscham auf der Couch?

Klickscham auf der Couch?

Heute vor zehn Wochen begann es für mich. Alle Veranstaltungen, die ich geplant hatte, wurden abgesagt oder hoffnungsvoll auf den Herbst verschoben. Ich selbst verschob mich auch, und zwar auf die Couch, denn das Erste, was mir auffiel, war, dass ich ohne kaum mehr etwas zu tun hatte. Zudem war es für meine Kreativität mehr als lähmend, ohne Impulse von anderen zu Hause sein zu müssen. Also saß ich abends auf der Couch, betrachtete die Wand und zählte die Löcher, die angenagelte Bilderrahmen auf ihr hinterlassen hatten. Zwei! Es hängen genau zwei Bilder an besagter Wand. Ich fand schnell heraus, dass dies nichts war, das mich lange herausfordern würde. Es rettete mich mein fast erwachsener Sohn. „Papa“, sagte er, „ich richte dir jetzt Netflix ein!“ Minuten später hatte er mir einen Zugang zu seinem Account erstellt. Das Einzige, was ich tun musste, um mich vor dem abendlichen Bis-Zwei-Zählen zu retten, war, mit der Maustaste auf jenen Knopf zu drücken, unter dem Papa stand und auf dem frecherweise ein grinsender Glatzkopf abgebildet war. Ich tat es und war beschäftigt. Doch das war nicht der einzige Effekt, denn es weckte auch meine Kreativität.

Während ich einem Wikinger zuschaute, wie er seine doppelköpfige Axt schwang, erinnerte ich mich an einen Zeitungsbericht: Eine Stunde Video-Streaming produziert so viel CO2 wie ein Kilometer Autofahren. Ich versuche seit langem, so wenig mit dem eigenen Auto zu fahren, wie es mir nur möglich ist, und nun setze ich mich bereitwillig auf die Couch und fahre abendlich ein paar Kilometer, ohne dabei vom Fleck zu kommen? Ist das ökologisch? „Die Internetnutzung in Deutschland produziert jedes Jahr so viel CO2 wie der gesamte Flugverkehr“, las ich weiter. Weltweit produzieren IT-Geräte und -Anwendungen jährlich so viel CO2, wie Deutschland insgesamt emittiert. Das Fliegen habe ich aus bekannten Gründen aufgegeben, und nun scheint es, als sei ich dennoch Passagier einer Daten-Airline. Während vor meinen Augen die spanische Banknotendruckerei überfallen wurde, sinnierte ich darüber, was auf der Habenseite des Vergleichs steht. Möchte ich einen Film ausleihen, ohne auf das Internet zurückzugreifen, fällt mir die gute alte Videothek ein.

Suche ich auf der Internetseite der Gelben Seiten nach Videotheken (0,2 Gramm CO2 verbraucht das) bekomme ich im 20-Kilometer-Umkreis von Friedberg ganze drei Ergebnisse. Im Mittel beträgt die Entfernung für alle, die dazwischen wohnen, gut vier Kilometer, acht hin und zurück. Das ist sind zweieinhalb Serienstaffeln, in denen ich Sherlock Holmes zahlreiche Morde aufklären sehen kann. Hinzu kommt, dass jede Videothek ein großer 24-stündig beheizter Raum ist, Fläche verbraucht und zig-hundertfach eigens dafür, ebenfalls unter CO2-Freisetzung produzierte Polycarbonat-Scheiben im Polypropylen-Mantel beherbergt. Bedeutet das, dass Streaming doch nicht so umweltschädlich ist? Nein, es bedeutet nur, dass die Rechnung nicht so einfach ist, wie häufig dargestellt. Bevor zu streamen beliebt wurde, gab es ein Vielfaches an Videotheken. Deren eingesparte Energieaufwände stehen auf der Habenseite. Sicherlich streamen wir heute mehr als wir früher in die Videothek fuhren. Dafür waren die Fernseher damals energiehungriger als unsere streamenden Laptops und Tablets heute. Wie üblich macht die Dosis das Umwelt-Gift. Die isolierten Zeiten gehen vorbei, und mit ihnen ersetzt der Biergarten Declan Harps Kampf gegen die Hudson’s Bay Company. Das schont die Umwelt und zugleich die Augen!

Samstag, 21. März 2020

Toilettenpapierhamsterkäufe - Was steckt dahinter?

Toilettenpapierhamsterkäufe - Was steckt dahinter?
Vieles müssen wir dieser Tage umstellen: Wer kann, arbeitet im Home Office, unsere gewohnten Tagesabläufe geraten durcheinander, Freizeitaktivitäten sind auf Null reduziert und die Besuche bei den Eltern und Großeltern sind eingestellt. Sich mit ihnen, Freunden und allen, deren Kontakt so essenziell für uns alle ist, zu treffen, findet nicht mehr statt, und selbst das Einkaufen fühlt sich an, als sei jederzeit zu erwarten, dass eine Horde Zombies in den Supermarkt stürmt. Jeder dreht sich verstohlen um und versucht zwei Meter Abstand zu jedem anderen zu halten. Menschen warten vor den Türen, bis sie mit der nötigen Distanzwahrung in den spärlich gefüllten Laden eintreten können. Auf den ersten Blick betrübt das, doch dahinter steckt so viel Positives. Als ich heute Morgen einkaufen war, waren um mich herum überwiegend Menschen, die nicht in der gefährdeten Altersgruppe waren. Wenn sie sich mühen, die Ansteckung bei den nötigen Gängen in die Öffentlichkeit möglichst gering zu halten, dann machen sie es faktisch nicht für sich. Sie machen es für die Gemeinschaft, dafür, dass unsere Kapazitäten in der Intensivmedizin für die ohnehin schon große und immer größer werdende Zahl an Infizierten ausreichen, dafür, dass weniger alte und vorerkrankte Menschen sterben müssen. Einzelpersonen, Vereine und Religionsgemeinschaften schließen sich zu Lieferdiensten für ältere Menschen zusammen. Selbst in den Briefkästen finden sich hier Botschaften von Jugendclubs, deren Mitglieder sich anbieten zu helfen. Das ist toll, und ich bin stolz, das erleben zu dürfen. So viel zur einen Seite der Realität.
In den sozialen Netzwerken erschafft die Virtualität eine alternative Realität. Zu recht empören wir uns über Hamsterkäufe von Toilettenpapier. Wenn ich hamstern wollte, wäre Toilettenpapier das letzte, was ich einkaufen würde. Die Franzosen hamstern Kondome. Das ist schlau! Während die ihre Zeit in der Isolation lustvoll nutzen, planen wir, sie offenbar mit Ausscheidung zu verbringen. Da verstehe ich, warum der Deutsche eine solche Angst davor hat, nicht mehr rausgehen zu können. 

Warum kommt das so? Das hat psychologische Gründe einerseits und technische andererseits. Der erste, der einen Supermarkt mit zehn Packungen Klopapier verlassen hatte - nennen wir ihn H0 (für Hamster Null), wurde mit Kopfschütteln von einem zu Recht Belustigten fotografiert. Dieser postet es im Netz. Andere finden es ebenso lustig, liken, kommentieren und teilen es. Sie erzeugen Traffic. Der Algorithmus der Sozialen Netzwerke verstärkt nun die Anzeige des Posts bei anderen, denn offensichtlich wollen die Menschen das sehen. Der Post bekommt Relevanz. Die Nutzer der Sozialen Netzwerke stellen fest, dass ein Post mit Toilettenpapier viel Resonanz erfährt. Sie produzieren eigene Posts vom Toilettenpapierhamstern. Da das Wort "Toilettenpapier" inzwischen eine relevante Buchstabenfolge geworden ist, werden die Posts noch stärker durch die Algorithmen der verschiedenen Plattformen gefördert. Nun sieht H1 unentwegt Posts über Hamsterkäufe von Toilettenpapier. H1 denkt sich: Wenn alle Toilettenpapier kaufen, muss es die richtige Entscheidung in Krisensituationen sein. Er kauft zehn Packungen Toilettenpapier. Er wird dabei fotografiert. Es wird gepostet. H2 und H3 werden inzwischen unentwegt regelrecht mit Bildern von Toilettenpapierpanikäufen bombadiert. Sie eilen noch am selben Tag aus dem Haus. Es könnte bald keins mehr geben. Sie stehen vor fast leeren Regalen. Beide rennen mit den letzten Packungen aus dem Laden.
In der hypothetischen Annahme, dass jeder Toilettenpapierhamster, der fotografiert und dessen Einkauf gepostet, geliked und geteilt wird, täglich je drei weitere Menschen bewegt, je drei Packungen Toilettenpapier zu kaufen, dann sind bereits in den ersten Minuten des fünften Tages die bis dahin angehäuften Produktionskapazitäten von 35 Millionen Rollen aufgebraucht.
70 Millionen Erwachsene in Deutschland sitzen dann auf einem Thron aus Toilettenpapierrollen und hämmern entnervt gegen die Wand zu ihren französischen Nachbarn, die geräuschvoll vermitteln, was die bessere Wahl gewesen wäre.

Was können wir dagegen tun? Die eine Möglichkeit ist, dass wir ab jetzt nur noch Posts von Hamsterkäufen französischer Art in den Sozialen Netzwerken unterstützen. Das würde uns die Zeit zu Hause einerseits deutlich besser durchstehen lassen und andererseits ab Tag fünf den demografischen Wandel in Deutschland umkehren ("Corona-Kick, statt Pillen-Knick"). Die zweite Option wäre, dass wir keine Posts mit Toilettenpapierhamstern mehr liken, kommentieren und teilen - mit Ausnahme dieses Posts, der zwingend geliked, kommentiert und geteilt werden muss -, aber dafür mehr Posts von Menschen, die einander helfen, die uns unterstützen, die Krise gemeinsam meistern. Beides würde die Realität erneut verändern. Die Entscheidung liegt bei euch.

Bleibt zu Hause - Bleibt gesund!



Donnerstag, 31. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (5/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (5/5)
Heute ist der letzte Tag der #freetober Challenge. Nur noch Kleinigkeiten habe ich seit Sonntag gefunden, die ich tatsächlich nicht mehr nutze und auch weitergeben mag. Gerade das Weitergeben empfinde ich als sehr wichtig. So konnte ich heute meine überzählige Festplatte verkaufen, die nun wirklich genutzt wird, und auch mein Tablet fand endlich eine Abnehmerin. Das hatte ich bereits bei meiner #freiindenmai Aussortierung im Frühjahr freisetzen wollen, aber kein Glück auf ebay-Kleinanzeigen gehabt – ein erneutes Posten bei Facebook brachte dann das gewünschte Ergebnis. Auch ein Schachspiel, das meine Freundin aussortiert hatte, wanderte zwischenzeitlich in den Besitz eines meiner Freunde, der drauf und dran war, sich ein neues zu kaufen. Wieder Ressourcen gespart! Den Rest habe ich in den Friedberger Umsonstladen gebracht, wie das Bild belegt. Schaut mal vorbei - ein toller Laden! Ein paar Sachen, die ich verkaufen und nicht verschenken möchte, warten noch auf eine Käuferin oder einen Käufer, aber wie das Tablet beweist: Geduld führt zum Ziel … und Facebook.

Und wie lautet mein Fazit über die letzten 31 Tage? Viele Schränke mit offenen Regalen haben sich merklich geleert, und ich spüre, wie positiv das auf mich wirkt – nicht nur, weil ich nun weiß, dass der Anteil an Dingen mit Nutzen in meinem Haushalt nun sehr viel näher an den hundert Prozent ist, auch weil ich merke, dass die klare Struktur eines übersichtlichen Schrankinhaltes im Gegensatz zum an ein Wuselbild erinnernden Regalfach in einer für nicht näher definierbaren Art auf mich wirkt. Ich habe den Eindruck, als klare das meine Gedanken auf und nehme unterschwellige kognitive Belastung von mir. Bitte keine weiteren Fragen! Als evidenzbasiert denkender Mensch und Berufsstatistiker fällt es mir schwer, nicht objektivierte Stellungnahmen herauszugeben *zwinker*

Meine Excel-Tabelle zeigt mir jedenfalls, dass ich nun 1.245 Dinge in meinem Besitz habe, 147 weniger als noch im Vormonat. Endlich wieder Statistik! Herrlich! Zum Abschluss sage ich, was ich schon nach den letzten beiden Aktionen sagte: Nun bin ich bei meiner persönlichen Minimalismusgrenze angelangt! Die nächste „Ausmiste“-Challenge wird also kommen!

Sonntag, 20. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (3/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (3/5)
Nachdem mir nach dem letzten Post zu #freetober geschrieben wurde, es sei eine schöne Frühstückslektüre, reiche ich heute das Aussortier-Ergebnis meiner Woche freilich wieder zeitgerecht zu Marmeladenbrot und frisch gebrühtem Kaffee. Insgesamt sind auch diese Woche wieder mehr als dreißig Sachen aus meinem Besitz geschieden und alsbald auf dem Weg zum Umsonstladen oder zurück ihren Besitzern - aber dazu am Ende mehr.

Nachdem ich bei einer der letzten Ausmisteaktionen bereits intensiv meinen Schreibtisch und alle Büroutensilien, die dazu gehören, analysiert hatte, habe ich mich ihm erneut gewidmet. Beim letzten Mal hielt ich es für eine gute Idee, neben meinem großen Lineal auch noch ein kleines, ein großes Geodreieck und - da das Lineal ja auch schon einen kleinen Bruder zur Seite hat - ein kleines aufzubewahren. Heute muss ich feststellen, dass ich das große Lineal zwar genutzt hatte, die anderen drei jedoch unberührt in einem der Schreibtischfächer harrten. Ich habe nun die beiden kleinen aussortiert - mögen sie in bedürftigen Schülerhänden zur gebührenden Größe kommen.
Auch habe ich zwei von drei Radiergummis hinzugegeben. Ich hatte sie aufbewahrt, weil ich mir dachte, dass es ja Verbrauchsmittel sind und mein Primärgummi irgendwann aufgenutzt sein wird. Aber ganz ehrlich, ich nutze Bleistifte selten und wenn, dann schaffe ich es zumeist auch noch vor dem Schreiben nachzudenken und so Auszulöschendes zu vermeiden. Folglich habe ich zwei von ihnen (die am wenigsten genutzten) ebenfalls in die Umsonstladen-Kiste gegeben.
Dazu kamen eine angefangene Packung Tesa-Powerstrips und zwei Packungen Fotoeckenkleber, die seit Jahren ungenutzt in meiner Schreibtischschublade liegen.

Das Thema Fotoeckenkleber motivierte mich dann gleich mal all die unsortierten Fotos, die ich mal hatte entwickeln lassen, aber nie in ein Album eingeklebt hatte, zu sichten. Der Inhalt der Kiste reichte bis 1993 zurück und in die späten 2010er hinein - es waren schöne Momente, sie anzuschauen und mich all der Situationen zurückzuentsinnen, in denen die Bilder entstanden waren. Ich habe nun die aussagelosen und hinterkopfmotivbestimmten unter ihnen aussortiert und mir fest vorgenommen, bei meinem nächsten Besuch im Umsonstladen zu schauen, ob ich einen großen Bilderrahmen für eine Collage oder ein Fotoalbum dort finde, um die eingefangenen Momente wieder näher in mein Leben zu rücken.

Zuvorletzt habe ich einen Ankleider (ich räume jetzt meine Kleidung ordentlich in den Schrank, statt die von drei und mehr Tagen auf dem Ankleider aufeinandergehäuft im Flur zu sammeln), drei Glasmurmeln (es ist mir ein Rätsel, weshalb ich Glasmurmeln besaß), je drei Sachbücher und drei Romane (die ich mehrheitlich nie gelesen hatte, da es Fehlkäufe oder gut gemeinte Geschenke waren), eins von zwei HDMI-Kabel (obwohl ich kein Gerät mehr mit diesem Anschluss habe), zwei Unterarmtrainer (ich esse lieber Spinat für die dicken Unterarme) und vier Schlüsselanhänger sowie sechs Schlüsselbänder (die überwiegend von Veranstaltungen stammten, und Backstagepässe an sich baumeln hatten) aussortiert - bei letztgenannten muss ich wohl künftig selbstdiszipliniert abzulehnen trainieren.

Zuletzt habe ich mir vorgenommen, all die geliehenen Dinge, die sich noch bei mir tümmeln, endlich zurückzugeben - zu meiner Verteidigung: Alle Besitzer wissen, dass die Gegenstände bei mir sind und haben etwas aus meinem Besitz als Pfand. Da ich das, was sie von mir haben, offenbar ebenfalls nicht wirklich vermisse (sie sind teils seit Jahren dort, und es ist zwischenzeitlich zum Running-Gag geworden, sich des nächstgelegentlichen Austausch zu versichern, wann immer man sich trifft) und das Geliehene nur lagere, aber nicht nutze, gebe ich es jetzt wirklich zurück - nötigenfalls indem ich es in die Post gebe! Sieben Bücher, zwei DVDs, eine Blueray und eine Stromzeitschaltuhr. Die drei erstgenannten Gruppen füllten in Summe eines meines meiner acht IKEA-Regalfächer aus! Krass!

Nächste Woche wird weiter aussortiert. Ich bin gespannt, was ich noch identifiziere.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)
Das ist nun meine vierte monatlange Ausmisteaktion, die ich mitmache - wobei Ausmisten tatsächlich der falsche Begriff ist. Es ist kein Mist, den ich aussortiere, höchstens Mist, dass ich das meiste davon solange bei mir ungenutzt verwahrte, wenn es doch Menschen gibt, die es nutzen könnten, ohne sich Neues kaufen zu müssen. Ich mache bei der Aktion von Regina mit, die sie mit dem schönen Hashtag #freetober begonnen hat. Und so befreie ich mich im Oktober ebenfalls von etwas Besitz. Macht doch mit! Ganz ohne Stress! Schaut, was ihr nicht mehr nutzt, und dann weg damit: Ebay, Umsonstladen, Free-Your-Stuff-Gruppen, Umsonstläden, Sozialkaufhäuser, Rotes-Kreuz-Kleidersammlung, euer Freundeskreis ... freuen sich. Ich poste nun jeden Sonntag im Oktober, was ich die Tage zuvor aussortiert habe, und dann bin ich mal gespannt, was am Monatsletzten übrig bleibt. Mit 1.392 Dingen in meinem Besitz war ich gestartet.

Im Laufe der Woche habe ich 33 Kleidungsstücke aussortiert, was ich einigermaßen erstaunlich finde. Nach den drei Monatsaktionen sowie dreimaligem zusätzlichem intensiven Wüten in meinen ehemals sieben (sic) Kleiderschrankhälften, die ich allein mit meiner Kleidung gefüllt hatte, war ich bei meiner letzten solchen Challenge im Mai, nach sechs Jahren des Aussortierens und Reduzierens, der festen Überzeugung, ich wäre jetzt bei meinem persönlichen Minimum angelangt. Ich musste jedoch feststellen, dass ich drei meiner fünf Jackets nicht ein einziges Mal getragen hatte, den ganzen Sommer nicht eines meiner ärmellosen Shirts - obwohl es so heiß war - und auch manch ein anderes Kleidungsstück in größeren Anzahlen im Schrank war, als es mein Waschzyklus nötig machte. Ab zum Roten Kreuz damit.

Dann habe ich die vier Bücher der Tetralogie "Die Zwerge" von Markus Heitz an Freunde verschenkt. Ich liebe Heitz als Autoren, und diese vierbändige Chronik über den Zwerg Tungdil Goldhand fand ich großartig. Daher wäre es doch schade, wenn diese tollen Bücher ungelesen in meinem Schrank verharrten. Zudem sagte mir ein Freund: Wenn du stets nur dasselbe liest, bekommst du auch keine neuen Impulse. Schon umgesetzt, denn kaum war der Satz verhallt, hatte ich mir die Enyador-Saga von Mira Valentin auf den Ebook-Reader gezogen, sogleich verschlungen und nun mit Greg Walters Bestien-Chroniken begonnen.

Neun weitere Sachen verließen mich darüber hinaus: Ein kleiner Kleiderständer (stattdessen haben meine Freundin und ich je einen Stuhl aus der Küche im Schlafzimmer stehen, auf denen wir unsere Kleidung für den nächsten Tag zurechtlegen), eine Kühlbox und ein Koffer (die ich beide gut zehn Jahre ungenutzt auf dem Speicher stehen hatte), zwei Entkorker-Sets für Weinflaschen (beide mal geschenkt bekommen und nur selten mal die Korkenzieher genutzt - den Ausgießer mit Pfropfen nie ... ich habe Gäste, keine Reste!), drei Geschenkverpackungen für Weinflaschen (leer - Erklärung siehe oben) und eine externe Festplatte (befreit von zig Gigabyte ungehörter MP3s, ungesehener Videos und fürchterlicher Schnappschüsse - nur die schönsten habe ich behalten und zwar vernünftig beschriftet, um sie endlich auch mal wiederzufinden) - die sind jetzt erstmal bei Ebay-Kleinanzeigen, und ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt. Allein in den Kleiderschrank zu schauen, lässt mich schon lächeln.


Dienstag, 1. Oktober 2019

Die Tuareg und der Besitz

Die Tuareg und der Besitz
Im Internet finde ich eine Zusammenfassung des Vortrages „Wie viele Dinge braucht der Mensch?“ - vom Ethnologen Prof. Spittler. Der Spezialist für die Tuareg erklärt, dass Mitglieder dieses Berbervolkes im Schnitt etwa 24-mal weniger besitzen als Deutsche. In verschiedenen anderen Quellen ist zu lesen, dass wir zwischen acht- und zehntausend Dinge besitzen; der Nomade, von dem Herr Dr. Spittler spricht, also offenbar nur zwischen 330 und 420 Dinge, darunter zum Beispiel nur 18 Kleidungsstücke. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob der Tuareg reich oder arm ist, denn seinen Reichtum zu zeigen, ist traditionell verpönt. Der Wohlhabendste im Dorf ist also rein äußerlich vom Viehhirten, der für ihn arbeitet, kaum zu unterscheiden. Respekt, denke ich mir und erinnere mich daran, als ich vor vielen Jahren mit Hardrock-Café-Shirt und Löcherjeans zum Juwelier ging. Ich wurde völlig anders behandelt als wenige Tage später, als ich „zufällig“ nach der Arbeit und mit Hemd und Jacket in den Laden gegangen war. Ich weiß nicht, ob es bei den Tuareg Juweliere gibt, aber die dürften es wesentlich schwerer haben, jemanden abfällig zu behandeln. Immerhin verbergen sie ihren einzigen Reichtumsmarker, die Zahl ihres Viehs, ebenso gut, und selbst wenn nicht, wer würde sein Vieh schon mit sich führen, wenn er beispielsweise eine filigrane Halskette für die Liebste erwerben möchte? Ich sage nur: Elefant im Porzellanladen! Ich weiß natürlich, dass Tuareg Rinder- und keine Elefantenherden haben, die jedoch mit Sicherheit nicht weniger Arbeit machen. Und Arbeit ist ein gutes Stichwort. Ich wollte wissen, wie viel Besitz ich angehäuft habe. Ja, ich habe alle Dinge gezählt, die mir gehören. So etwas macht man an Samstagabenden, wenn man keinen Fernseher hat.

Bereits als ich mit dem ersten Raum fertig war, dem Schlafzimmer, hatte ich meine nomadische Vergleichsgruppe fast eingeholt, und das obwohl ich seit Jahren meinen Besitz um Ungenutztes reduziere. Schon drei einmonatige Ausmisteaktionen habe ich hinter mich gebracht, davor dreimal ausschließlich den Kleiderschrank reduziert. Immer noch mag ich mich nicht Minimalist nennen, doch dass ich noch so viel in meinen Schränken habe, überrascht mich dann doch. 1.392 Dinge sind es, die ich besitze, hat die Zählung ergeben. Das sind vier Tuaregs. Gerade der Kleiderschrank hat es in sich, nämlich Kleidung von stolzen elf Tuaregs. Rechnerisch versteht sich, meine Winterkleidung wäre in der Sahara ebenso fehl am Platz, wie meine Sportkleidung unpraktisch.

Das vergleichende Zählen meiner Besitztümer hat vor allem zwei Sachen bewirkt: Festzustellen, wie wenig es für ein erfülltes Leben braucht, aber vor allem zu merken, wie viele ich habe, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze, geschweige denn weshalb. Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Zahl maximaler in Besitz befindlicher Dinge gibt, die den Minimalismus ausmachen. Jeder muss selbst definieren, was und wie viel man braucht, um glücklich zu sein, doch ich bin mir sicher, glücklicher wird man leichter, wenn man nicht mehr für so viel ungenutzten Besitz Raum, Zeit und Geld verschwenden muss. Ich jedenfalls „miste“ im Oktober wieder aus. Ebaykunden, die Besucher der Umsonstläden und meine Freunde werden sich freuen über das, was in ihren Händen wieder genutzt wird. Das macht mich nicht zum Tuareg, vielleicht nicht einmal zum Minimalisten, doch passt erst einmal alles in ein Tiny House on Wheels bin ich ja quasi auch ein wenig Nomade. Oder Minimalist. Oder beides.

Bildrechte: GarrondoCC BY-SA 3.0

Dienstag, 23. Juli 2019

Im Schatten der Sparsamkeit

Im Schatten der Sparsamkeit
Im September hatte ich in meiner Kolumne Frugalismus zum Thema, also die Philosophie jener Gruppe an sparsamen Menschen, deren Konsumreduktion nicht primär Umweltaspekten oder der inneren Ruhe zuzuschreiben ist wie bei den Minimalisten, sondern dem Wunsch, möglichst viel des Ersparten anzulegen, um schon viel früher, als vom Gesetzgeber vorgesehen, in Rente gehen können. Damals hatte ich mich entschlossen, einem Frugalisten gleich, eine Tabelle mit meinen Einnahmen und Ausgaben zu führen – mit grafischen Auswertungen und allem Schnick-Schnack und Bling-Bling, die mir ein modernes Tabellenkalkulationsprogramm bietet. Dadurch konnte ich viele Ausgabenherde identifizieren und reduzieren. „Was? Der Kostengraf meiner Restaurantbesuche ist höher als der meiner Nahrungsmittelausgaben?“ Kaum festgestellt, schon optimiert!

Dann hatte ich gelesen, dass Oliver Noelting, wohl der deutsche Pionier dieser wie so oft aus den USA stammenden Bewegung, teils über 70 Prozent seiner Einkünfte spart. Ich bin Sportler! Challenge accepted, dachte ich mir. Tatsächlich hatte ich es geschafft, in den knapp zwölf Monaten, in denen ich meine Ausgaben bislang monitore, im Schnitt fast 20 Prozent zurückzulegen. Allerdings musste ich auch feststellen, dass wir zwar das gleiche Spiel spielen, doch in anderen Ligen. Während er auf Bundesliganiveau unterwegs ist, mühe ich mich in der Kreisliga ab. Mit zwei Kindern kämpft es sich ein weniger anders um Platz eins als kinderlos. Trotz der ungleichen Voraussetzungen fand ich eine Lösung. Ich musste, um nicht einmal annähernd denselben Wert zu erreichen, in zwei der Monate lediglich doppelt so viel arbeiten. Okay, das war gemogelt, denn der Sinn ist ja, sein Konsumverhalten umzustellen und dadurch zum Zurücklegen für die Frührente zu kommen. Nur möchte ich ja eigentlich gar kein Privatier werden, und außerdem, mal ehrlich, wo im Sport auf diesem Niveau wird denn nicht gedopt? Genau hier liegt aber der Hund begraben! Um eine Idee zu kopieren, muss man das Konzept verinnerlichen. Um jemandem nachzueifern, muss man die unterschiedlichen Voraussetzungen würdigen und seine Ziele entsprechend anpassen.

Meine Ausgaben auf diese Weise im Blick zu haben, war und ist gut. Es schult meinen nachhaltigen Umgang mit dem eigenen Konsumverhalten, und mir hat es immens geholfen, ein paar Rücklagen zu bilden, obwohl ich fest im Glauben war, das gar nicht zu können. Und das gegen Ende sogar kontinuierlich, denn wer will schon einen Monat für Monat nach oben gehenden Grafen unterbrechen? Selbst wenn es nur ein paar zurückgelegte Euro am Monatsende sind. Da spart man sich allein wegen der Ästhetik eines Charts mal ein Stückchen vom Bäcker unterwegs ab und isst den mitgenommenen Apfel von zuhause. Frustrierend wird es nur, wenn man versucht, auf Euro komm raus, Vorgaben zu erreichen, die mit den persönlichen Voraussetzungen nicht zu erreichen sind. 
Juli ist Urlaubsmonat. Ich bin schon seit zwei Wochen über das hinaus, das ich mir mal im Monatsschnitt als maximale tägliche Ausgabe festgelegt hatte. Ist das schlimm? Ja, dachte ich noch vor einigen Tagen. Dann schaute ich mir meine Grafik an und widersprach mir. Wenn ich diesen Monat nichts zurücklegen kann, dann stimmt vielleicht der Quartalsschnitt wieder, und wenn selbst der nicht, dann bestimmt der Jahresschnitt. Meine Rücklage dient dem kleinen Eigenheim, und dem komme ich auch trotz Urlaub näher. Selbst wenn ich dafür die Skalierung meiner Grafik ändern muss, um mich in die nächste Liga zu mogeln.

Montag, 27. Mai 2019

Tiny House Ausstellung in Worms // Wohin mit dem Bett?


Vor acht Tagen waren wir auf der Tiny-House-Ausstellung in Worms, um uns etwas zu inspirieren, und vor allen Dingen, damit insbesondere ich mir die Dimensionen wieder in Erinnerung rufe. Schließlich ist es zwei Jahre her, dass ich eines besichtigt hatte, und die Saat gesetzt wurde 😊


Was ich beispielsweise als gar nicht so unbequem in Erinnerung hatte, wie ich es dann bei der Ausstellung erfahren musste, waren die Lofts, in denen für gewöhnlich die Schlafstätten eingerichtet sind. Jahrelang auf den Knien ins Bett zu gehen, ist mir tatsächlich suspekt. In den meisten der ausgestellten Häusern, konnte ich nicht einmal sitzen, ohne dass mein Kopf an die Decke stieß. Da muss also eine Lösung her. Vielleicht ein ausfahrbares Oberdeck, um etwas Raum zu gewinnen, wenn man zu Bett geht, aber kein höheres Volumen heizen muss, wenn man die anderen "Räume" nutzt.
Die Alternative wäre ein ebenerdiges Bett 👇


Dann sollte das Tiny House allerdings auch länger sein als die üblichen auf dem für 3.500 kg ausgelegten Chassis. Das wird wohl ohnehin nötig, um zu zweit einzuziehen, denke ich. Wenngleich ich auch dafür gewiss noch eine zweite und dritte Ausmiste-Aktion einplanen werden muss 😉




Dienstag, 14. Mai 2019

Besitz und Glück - Macht Konsum glücklicher?


„Wie kommst du mit dem Verzicht zurecht?“, wurde ich gefragt und konnte erst gar nicht antworten. Nicht, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich zurechtkomme, sondern weil ich zunächst einmal den Verzicht suchen musste. Ich versuchte es mit einer Gegenfrage: „Ist es Verzicht oder einfach nur Rückbau von Überfluss?“ Wohlstand hat sicherlich individuelle Definitionen. Ein hoher Lebensstandard mag für jemanden mit niedrigem Einkommen vielleicht schon mit dem Besitz eines Autos beginnen, während ein Top-Manager ihn möglicherweise erst dann gekommen sieht, wenn sich noch ein Cabriolet für das Wochenende geleistet werden kann. Deutschland ist immerhin weltweit auf Platz 18 der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen. 

Natürlich hilft es den vielen Geringverdienern nicht, dass das Bruttoinlandsprodukt durch wenige Bestverdiener lediglich rechnerisch auf gut 45.000 Euro pro Kopf und Jahr gehoben wird, aber die Frage ist eine andere: Brauche ich diesen Konsum? Bin ich dann zufriedener? Ist das Leben mit dem Erst- oder gar Zweitauto ein glücklicheres? Die Glücksforschung ist eine noch sehr junge Disziplin, doch die Empirie ist eindeutig: Sobald die Grundbedarfsdeckung überschritten ist, steigt die Lebenszufriedenheit nicht mehr parallel zu Einkommen und Besitz an. Wer auf dem Land lebt, eine schlechte Anbindung und keine örtliche Einkaufsmöglichkeit hat, wird mit einem eigenen Auto glücklicher sein. Ich selbst wohne zentral, habe eine gute Anbindung an Bus und Bahn und den Marktplatz direkt vor der Haustür. Ein Auto steigert meine Zufriedenheit nicht. 

Steigert das Freizeitauto das Lebensglück eines Managers? Die Glücksforschung sagt Nein. Der Kauf wird zwar Glückshormone ausschütten, auch der Geruch des neuen Fahrzeugs, das erste Mal den Motor zu starten oder durch die Landschaft zu cruisen. Nach wenigen Wochen ist das jedoch verflogen, und es ist auch nur noch ein Auto wie das erste. Allerdings verschlingt es Geld: Steuer, Versicherung, Serviceintervalle, und es braucht einen zweiten Stellplatz, vielleicht sogar eine zweite Garage, die Kosten verursachen. Noch schlimmer: Es verschlingt Zeit, denn ich muss es pflegen, mich um die Instandhaltung kümmern. Um auch nach dem Fahrzeugkauf noch denselben Standard zu leben, muss ich mehr arbeiten, obwohl ich bereits durch die Anschaffung weniger Zeit zur Verfügung habe. In einer repräsentativen Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung gaben die Befragten im Jahr 2010 an, dass Gesundheit (80 %) sowie eine intakte Familie und Partnerschaft (72 %) für sie die wichtigsten Quellen für Lebensqualität sind; „Geld und Besitz zu mehren“ nannten nur zwölf Prozent als Quelle. Hier klaffen, was wir uns wünschen und was wir leben, auseinander. Während wir uns durch Konsum und Besitzmehrung in immer mehr Arbeit zwängen, fehlt uns die Zeit, unsere zwei höchsten Güter für unser Lebensglück zu pflegen. 

Bevor mir jetzt jemand vorwirft, Top-Verdiener belehren zu wollen, zurück zu Menschen wie Sie und ich. Bei uns ist es nicht das Freizeitauto, aber vielleicht das nächste Smartphone, eine andere Spielekonsole oder ein weiteres Kleidungsstück. Ich selbst versuche, mich dem Konsum zu enthalten, und ich nutze absichtlich nicht das Wort „Verzicht“. Mit weniger Konsum und dafür mehr Zeit für einen gesunden Lebensstil und die Pflege meiner sozialen Kontakte komme ich gut zurecht. „Zurechtkommen“ nutze ich im Gegensatz zu „Verzicht“ absichtlich, den so kommen die wichtigen Dinge des Lebens zu ihrem Recht, und das war auch meine Antwort.

Bildquelle: de:Benutzer:Igelball - Image copied and source information extracted from de:Bild:Smart fortwo.jpg, uploaded to commons: Milkmandan 15:07, 21 Apr 2005 (UTC), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115439

Samstag, 27. April 2019

Dienstag, 2. April 2019

Smarte Rendezvous


Ein typisches Rendezvous: Restaurant, Kerzen, Abgeschiedenheit. „Ich bin sehr gerne mit dir zusammen“, flötet er. Und schaut auf das Handy. WhatsApp signalisiert. „Oh, ja!“, haucht sie, will beide Hände zärtlich herüberreichen, doch Donald Trump twittert. Der Weltfrieden ist in Gefahr. Zumindest die USA. In jedem Fall die Zweisamkeit. 

Der Friedberger Dichter Thorsten Zeller lässt einen seiner Protagonisten genau zu diesem Thema sagen: „Lebe im Augenblick!“, doch das scheint nicht einfach. Vor kurzem habe ich eine Woche lang tagsüber die Datenverbindung des Smartphones gekappt und nur zu drei Tageszeiten aktiviert. Die Erkenntnis war: Die Zeit, in der ich mich mit WhatsApp, Facebook und Email band, reduzierte sich auf weniger als ein Fünftel. Blöd ist nur, dass ich dennoch zu spüren glaubte, Nachrichten zu bekommen. 31 Prozent der Handybesitzer haben manchmal das Gefühl, dass es klingelt oder vibriert, obwohl sie weder einen Anruf noch eine Nachricht erhalten haben. Das hat eine Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Bitkom ergeben. Nicht mehr alles sofort zu erledigen, spart Zeit, denn zu einem späteren Zeitpunkt ist das meiste schon überholt. Das funktioniert in der Politik, mag man glauben, warum nicht auch in der Kommunikation? Gerade bei Email-Eingängen ist es effizienter, zehn Spam-Mails auf einmal zu löschen als zehnmal eine. 

Der typische Verlauf: Nachricht geht ein, Smartphone wird rausgeholt, PIN eingegeben, nochmal richtig eingegeben, App geöffnet, geschlossen, nochmal geöffnet, weil der Arbeitsspeicher voll war, gelesen, geantwortet, nochmal geantwortet, sich entschuldigt, Missverstanden worden zu sein – eine Kommunikation, die telefonisch in einem Bruchteil der Zeit erledigt wäre. Schon einmal den Test gemacht, um zehn Uhr morgens, den Büroflur entlang zu gehen? Den meisten fällt nicht auf, dass man in der Bürotür steht, denn ihre Augen sind auf 6,1 Zoll konzentriert. In der Bahn ist das Buch verdrängt. Statt zwischen zwei Pappdeckeln gepresstes limitiertes Wissen strahlt uns das gesamte der Welt auf dem Display entgegen. Dennoch ist die PISA-Studie nicht unser bester Freund. Und es ist nicht nur die Bildung in Gefahr.

Als vor einigen Jahren ein Attentäter glücklicherweise in einem Zug überwältigt werden konnte, wurde anhand der Überwachungsvideos festgestellt, dass er mehrfach bewaffnet den Flur des Zuges auf und ab gegangen war, ohne bemerkt worden zu sein. Abgesehen von der Gefahr, im Zug erschossen zu werden, gibt es auch alltägliche. Kopfschmerzen bei Kindern, wie die Jugendgesundheitsstudie des Gesundheitsamtes Stuttgart festgestellt hat, Bandscheibenvorfälle im Halswirbelbereich, Augenerkrankungen, Konzentrationsschwäche. Die Dauerkommunikation um ihrer selbst willen, die das mobile Internet ausgelöst hat, ist offenbar nicht nur Zeiträuber. 

Meine Vision des fast perfekten Abends ist die: Restaurant, Kerzen, ein Tisch für zwei. „Ich bin so gerne mit dir zusammen“, flötet sie. „Oh, ja!“, hauche ich. Wir zahlen, küssen uns im Taxi. Zuhause geht sie mit einem verheißungsvollen Lächeln ins Badezimmer. Ich warte aufgeregt. Die US-Marketing-Agentur 11mark hat übrigens schon vor einiger Zeit herausgefunden, dass drei von vier Usern ihr Smartphone auf der Toilette nutzen. Ich warte weiter. Dann landen wir im Bett. Und beantworten all die Nachrichten, die seit Mittag eingegangen waren. Mit Kuss-Emoji versichern wir einander unsere Zuneigung und lächeln ins Handy, bevor wir ... Wie geschrieben: Fast perfekt! Aber ich arbeite daran. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Da platzt der Kragen


Sie waren mir nie aufgefallen, und das obwohl ich nun bereits den fünften tierleidfreien Winter überstanden habe. Doch neulich, auf dem Weg ins Büro, da stachen sie mir das erste Mal ins Auge: Menschen, die sich mit Fell um Kopf und Kragen wärmen. Ich war erschrocken, was aber auch daran liegen mag, dass der Akku meines Smartphones leer war und ich den Weg zum ersten Mal mit nach vorne gerichtetem Blick ging. Vor mir waren eine Frau mit Fellbesatz um ihre Schuhe herum, dann zwei Männer mit braunem Fellrand um die nicht auf dem Kopf getragene Kapuze, etwas links ein älterer Herr im Wildledermantel mit fellbesetztem breitem Kragen und zahlreiche Kinder mit fellbebüschelten Strickmützen. Ich begann nachzudenken. Wie geht man mit dem um, was zuhause im Schrank hängt, aber nicht mehr der eigenen Lebensrealität entspricht?

Letztes Jahr habe meinen alten, treuen Lederblouson weggegeben – eben weil er aus Leder ist und ich kein Kleidungsstück mehr im Alltag tragen wollte, das für Tierleid steht. Konsequent war ich dabei allerdings nicht, denn meine Lederschuhe trage ich noch und auch meine Lederjacke, die Heavy-Metal-Konzert-Besuchen vorbehalten ist. Ich räume ein: Vielleicht war das Tierleid gar nicht mal ausschlaggebend, sondern mehr, dass ich den Blouson einfach nicht mehr schön an mir fand. Ich denke weiter über das Dilemma nach. Darf ich mich Veganer nennen, aber nicht-vegane Kleidung tragen? Reicht es, künftig keine tierische Kleidung mehr zu kaufen, um den Tierschutz zu fördern? Ist es nicht ökologischer, bereits gekaufte Kleidung zu tragen, bis sie auseinanderfällt, statt sie weiterzugeben oder gar zu entsorgen und neue kaufen zu müssen?

Als ich mich im Alter von 19 Jahren entschied, vegetarisch zu leben, lud ich an einem Abend Freunde ein, mit denen ich sämtliche Fleisch- und Fischkonserven aß, die ich noch hatte. Ab da hatte ich einen vegetarischen Haushalt. Nun kann ich meine Freunde schwerlich dazu einladen, meine Kleidung zu essen. Sie zu verwenden, bis sie analog der Konserven von der Nutzung verzehrt wurden, würde wohl ein lebenlang dauern, denn gut gepflegtes Leder ließe sich gar seinen Kindern vererben. Wie geht man also mit diesem Zwiespalt um?
Den smartphonefreien Arbeitsweg nutzte ich, um zu forschen. Ich erhob in meinem U-Bahn-Wagon eine repräsentative Stichprobe. Ergebnis: Jeder fünfte Fahrgast trug Fellkapuze. Da wir weder in der Arktis leben, noch die Fahrgäste aussahen, als seien sie eine Touristengruppe der Inuit, wunderte ich mich. Welchen Nutzen hat eine solche Kapuze dann? Kaum war ich im Büro und hatte Ladestrom, gab ich „Fellkapuze“ in die Suchmaschine ein. Gleich das erste Ergbnis verriet: „Fellkapuzen sind für jede modische Jacke ein MUSS!“

Mir fielen gleich eine ganze Reihe solcher Werbesprüche ein: „Geländewagen sind für den zeitgemäßen Stadtmenschen ein MUSS!“, „Kohlekraftwerke sind für das Klima von morgen ein MUSS!“ oder „Massentierhaltung ist für den Feinschmecker ein MUSS!“ Ein Fellkragen ist ebenso wenig notwendig, um nicht zu frieren, wie ein SUV, um in der Stadt voranzukommen. Wenn Mode, der Geschmack oder allein der Werbetexter darüber entscheidet, ob Tiere leiden, ist die Entscheidung gefallen. Ich möchte lieber selbstbestimmt sein, und meine Entscheidungen vom Verstand statt von anderen und gar von Oberflächlichkeiten wie Mode oder Geschmack leiten lassen. Mein Kleiderschrank wird vegan, und vielleicht falle ich ohne Lederjacke beim Metalkonzert ja gar nicht so auf – solange ich eine Jeans-Kutte trage.

Bild: Fotograf: Berli Berlinski / Design und Realisation: Marcus Müller Pelzdesign, Regensburg
Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert

Dienstag, 6. November 2018

Reich im Alter


Zum zweiten Mal in diesem Jahr habe ich meinen Besitz verkleinert und einen ganzen Monat täglich etwas aussortiert. Fast einhundert ungenutzte Dinge habe ich weggegeben können, wie eine in den letzten zwölf Jahren nur fünfmal gespielte E-Gitarre, eine noch nie genutzte Nudelmaschine und zwei von drei Computer-Mäusen. Warum? 
Weil es erstens sehr befreiend ist, nur noch Dinge zu besitzen, die mindestens einmal im Jahr benutzt werden. Weil zweitens nichts mehr unnütz herumsteht, das Platz wegnimmt und gepflegt werden muss. Weil drittens nichts mehr in meinen Schubladen schläft und Ressourcen bindet. Und zuletzt, weil nichts mehr Kapital frisst. „Kapital?“, höre ich Sie fragen? Sie fragen zurecht. Aber der Reihe nach. 

Es befreit, sich zu reduzieren. All diese kleinen ungenutzten Dinge sind winzige Baustellen vom Kaliber „Müsste mal diese Schublade aufräumen!“, „Das muss dringend zum Flomarkt!“ oder „Ob das noch funktioniert?“. All das bindet Kapazitäten im Kopf, die, einmal davon befreit, Raum für neue Gedanken bieten. Am deutlichsten habe ich das an den Umverpackungen gemerkt, die meine Vormieter auf dem Speicher zurückgelassen hatten, und von mir im Augenwinkel jedesmal, wenn ich dort oben Wäsche aufhängte, als Ich-müsste-mal-Baustelle wahrgenommen wurden. Seit sie weg sind, gehe ich völlig frei solch negativer Gedanken die Treppe zum Speicher hoch und kann mich voll auf den negativen Gedanken konzentrieren, nun Wäsche aufhängen zu müssen. 

Durch meine Ausmistemonate dieses Jahr habe ich auf Schränke verzichten und so viele Fächer in den verbliebenen leeren können, dass mehr Übersicht entstanden ist. Ich suche weniger und nun finde mehr. Auch muss ich meine E-Gitarre nicht mehr abstauben. Ebenso wenig wie meine Konzert-Gitarre, denn die spiele ich, sodass sie nicht einstauben kann. 

Auch bindet nichts mehr Ressourcen: Kabel, die ich aussortiert habe, dienen als Edelmetalllieferant, alte Bücher, die niemand mehr liest, sind wieder im Wertstoffkreislauf und Gebrauchtes, kann anderen dienen, ohne dass Neues gekauft werden muss. 

Und zuletzt sind die verkauften Dinge keine Kapitalzehrer mehr. Hat mich auch gewundert! Früher dachte ich: Ach, die paar Euro! Doch das ist zu kurzfristig gedacht. Ich bin in einem Alter, wo ich durchaus über das Erreichen des Rentenalters nachdenken darf. Graue Haare macht mir das nicht, auch wenn sie vereinzelt zu Tage treten. Was ich jedoch heute verkaufen und anlegen kann, wird sich, bis ich 67 bin, vervierfacht haben. 

Drei Beispiele des Kapitalverzehrs: Meine E-Gitarre habe ich für 160 Euro verkauft. Bis ich in Rente bin sind es 750 Euro. Verkaufe ich sie erst in einigen Jahren, bekomme ich vielleicht nur noch 140 Euro, die ich anlegen kann. Bis ich komplett ergraut bin, werden aus ihnen nur noch 650 Euro. Das Herumliegen hätte also bis dahin 100 Euro meiner Altersvorsorge gefressen. Nicht vorstellbar, wenn ich sie ungenutzt behalten und erst anlässlich meines Renteneintritts vielleicht noch für einen Fünfziger verkaufen würde. Dann hätte sie ganze 700 Euro gefressen. 
Und das ist nur ein Gegenstand. Im Schnitt besitzen wir 10.000 Dinge. Manche Minimalisten besitzen nur noch Hundert. Man stelle sich vor, was für eine Rentenzeit das werden könnte. Vermutlich müsste ich kein Zimmer im Altenheim beziehen. Ich könnte mir einfach ein Altenheim kaufen. 

Allerdings räume ich ein, dass ich die meisten Sachen verschenkt habe, und was ich dafür zurückbekommen habe, kann keine noch so hohe Verzinsung bieten: Freudiges Lächeln!

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Oktober-Challenge Free30d #31



Der letzte Tag unserer Ausmiste-Challenge #free30d ist angebrochen, und heute kläre ich eine Situation, die mich seit zwei Jahren beschäftigt. Auf dem Speicher meiner Mietwohnung befanden sich bis heute vier Kisten mit Büchern. Es sind nicht meine, und doch ließen sie mir keine Ruhe. Bücher gehören entweder gelesen oder sind - so hart es klingt -, wenn sie nicht mehr gelesen werden wollen, immer noch besser im Papiermüll aufgehoben, um recycelt zu werden, als auf dem Speicher zu verstauben. Ein Anruf bei meiner Vermieterin brachte die Entspannung: Es sind welche ihrer Mutter, und ich darf sie freigeben 😊 Der Pfarrer, der letztes Jahr noch regelmäßig Benefiz-Bücher-Flomärkte veranstaltete, ist leider nicht mehr im Amt. Falls also jemand keine bessere Idee hat, werde ich jetzt jede Woche zehn Bücher in die zwei offenen Bücherschränke geben, die auf meinem Arbeitsweg liegen, bis die Kisten leer sind 😉
 ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Mit einem Buch über Bücher abzuschließen, könnte passender kaum sein, wird doch heute mein zweites Kinderbuch veröffentlicht, und die Premierenlesung steigt ab halb sechs im Junity in Friedberg ❤️

Dienstag, 30. Oktober 2018

Oktober-Challenge Free30d #30



Solange der König noch steht, ist das Spiel noch nicht vorbei. Das ist natürlich Unsinn. Es ist nur noch nicht abgeschlossen - vorbei ist es in der Regel, sobald die Dame nicht mehr steht. Hier auf dem Bild steht sie noch, und zwar auf einem Kasparov Schach-Computer. Eigentlich ein tolles Ding! Leider hat er eine wichtige Regel aus Star Wars nie beherzigt: LET THE WOOKIE WIN! Selbst in der niedrigsten Stufe konnte ich ihn nie besiegen. Ich spiele gerne Schach, leider miserabel. Deshalb spiele ich viel lieber mit Menschen, weil sie die Gesamtsituation und nie nur das Spiel alleine im Blick haben. Meine menschlichen Opponenten besiege ich immer wieder einmal, selbst wenn sie um Klassen besser sind. LET THE WOOKIE WIN!
 ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Ich gebe das gute Stück nun frei uns freue mich, dass ein guter Schachspieler Herrn Elektro-Kasparov nun zeigt, wo der König liegt 😉

Montag, 29. Oktober 2018

Oktober-Challenge Free30d #29



Hameln ist überall! Heute verlassen zwei Mäuse meinen Besitz. Die eine hatte ich aufbewahrt, falls die andere mal kaputt geht, die andere, weil sie so schön klein und damit präsdestiniert war, die Maus für unterwegs zu sein. Seit dem Jahr 2006 weigert sich meine Maus kaputt zu gehen, und unterwegs wollte ich nie irgendwelche Mäuse mitnehmen. Also weg damit. Im Umsonstladen finden sie sicher mauslose Abnehmer, die ihnen ein artgerechtes Leben bescheren 😉

Sonntag, 28. Oktober 2018

Oktober-Challenge Free30d #28



Heute wird in Hessen gewählt, was ich soeben getan habe. Am Abend wissen wir, ob wir Gürtel brauchen, um selbige enger zu schnallen, oder nicht. Ich gebe daher sicherheitshalber sechs davon frei. Wenn die Wahl gut verläuft, mögen sie einfach nur dem Hosehalten dienen - locker und bequem. Behalten habe ich einen braunen und einen schwarzen Gürtel (was nichts mit meinem Urnengang zu tun hat) sowie einen oliv-farbenen (erst recht nicht) aus Stoff. Damit kann ich alles abdecken. Warum auch immer ich überraschenderweise neun Gürtel hatte, aber keine neun Hosen!