Donnerstag, 17. Oktober 2019

Workshop am 19. Oktober in Bad Nauheim

Workshop am 19. Oktober in Bad Nauheim

Gestern war unser vorletzter öffentlicher Workshop für diesen Monat im Wetteraukreis. Wer ihn in Rosbach verpasst hat, aber gerne teilgenommen hätte, muss aber nicht grummelig werden.

Am Dienstag, den 29. Oktober findet der wirklich letzte des Monats mit Svenja Preuster aka Fräulein Öko und mir statt.
Wir freuen uns, euch bei "Bad Nauheim fair wandeln e. V.", im Weltladen, In den Kolonaden 9, 61231 Bad Nauheim, zu sehen. Um acht geht es los. Der Eintritt ist frei.


Dienstag, 15. Oktober 2019

Trotz Greta Thunberg und Fridays for Future steigen die Passagierzahlen - Hamsterkäufe in der Luft?

Hamsterkäufe in der Luft

Eigentlich will ich in aller Ruhe einen Klassiker auf meinem Laptop schauen: Steven Soderberghs Katastrophenfilm Contagion. Leider vergesse ich die Benachrichtigungsfunktion meines Browsers zu deaktivieren, und gerade als ein das ganze Leben auf der Welt bedrohendes Virus ausbricht, poppt eine Meldung auf, der ich nicht widerstehen kann: Die Fluggesellschaften konnten sich trotz Greta Thunberg, Fridays-for-Future und all der Medienpräsenz des Themas Klimawandel gestiegener Passagierzahlen erfreuen. Ich blicke zum Fenster hinaus, und die Aussicht scheint das zu bejahen.  Die weitläufigen Cirruswolkenlinien zeigen, dass all das wohl zwar eine Wirkung auf die Bundesregierung hatte – wenn auch, gemessen am minimalinvasiven Klimapaket, nicht allzu viel –, aber offenbar auf den Bundesbürger nicht merklich. Woran liegt das?, frage ich mich, während Gwyneth Paltrow vor mir um ihr Leben kämpft. 

Ein Freund erzählte kürzlich von jemandem, der unbedingt noch eine Kreuzfahrt buchen wolle, solange es noch möglich sei, und während der logische Bruch seiner Entscheidung vor meinem geistigen Auge Gestalt anzunehmen beginnt, wird auf dem Monitor ein Supermarkt geplündert. Die Menschheit steht vor ihrem Virus-Ende, und Hamsterkäufe unter Umgehung des Bezahlvorgangs setzen ein. Da fällt es mir wie CO2 aus den Flugzeugturbinen! Was die Rheinische Post da beschreibt, sind nichts Anderes als Hamsterkäufe in der Luft. Jedem Fluggast ist so klar wie die Sicht in zehntausend Metern Höhe, dass wir uns in einer lebensbedrohlichen Situation befinden. Also kaufen sie sich rasch noch das, was es bald nicht mehr geben wird. Flugscham wird mit aller Gewalt in eine verstaubte Ecke des Gewissens gedrückt. Wir alle wollen ja, dass wir auch in fünfzig Jahren noch in dieser einen Welt leben können, und es wäre töricht anzunehmen, dass wir nicht auch noch das Letzte, was in unserer Macht steht, tun würden, um das zu erreichen. Nun ist es aber so, dass all diese Flugzeuge immer noch fliegen und bald vielleicht nicht mehr, denn die CO2-Steuer macht das Fliegen alsbald unwirtschaftlich – zugegeben: Nicht durch dieses Klimapaket, aber wer weiß –, also kaufen wir rasch noch den Supermarkt der Lüfte leer, denn wenn sich erst der Vorhang aus Kondensstreifen gelichtet hat, wer weiß, ob der klare Himmel dahinter in Zukunft je wieder ein Flugzeug zieren wird. Ja, natürlich setzten wir dadurch eklatante Mengen an CO2-Äquivalenten frei und heizen den Klimawandel weiter an, aber wer möchte denn seinen Enkeln später im warmen Sommer berichten, dass man ebenso wie sie nie in einem Flugzeug geflogen ist. Da fliegen wir doch lieber rasch noch ein paar Mal, und können im glutheißen Sommer unseren Enkeln mal erzählen, dass wir in letzter Sekunde beispielsweise am Nordpol vorbeigeflogen waren. „Mensch, Hannes!“, sagen wir dann. „Das war ein großer Eisbrocken damals, und da waren sogar Eisbären drauf!“ „Eisbären?“, fragt der Enkel dann, während er noch etwas 100er-Sunblocker, Marke „Mitteleuropäischer Standard“, aufträgt. „Ach, armes Enkelchen!“, sagen wir uns dann. „Wie gut, dass ich noch geflogen war und dir berichten kann!“

Entspannt lehne ich mich zurück und schaue wieder Kate Winslet und dem Virus zu. Der Supermarkt dort ist inzwischen leergeräumt. Ich muss also nur warten, bis auch hier die Flughäfen leergeräumt sind und es sich ausgehamstert hat. Condor ist vielleicht schon Vorbote. Und dann beginnt sich ein Bild vor meinem geistigen Auge zu formen. Es ist wieder der logische Bruch vom Anfang.

Montag, 14. Oktober 2019

Erste Friedberger Kulturnacht ein voller Erfolg

Erste Friedberger Kulturnacht ein voller Erfolg
Samstagabend fand die erste Friedberger Kulturnacht statt. 24 Veranstaltungen an 19 ausgewählten Orten zwischen Bahnhof und Burg. Ich selbst durfte im Adolfsturm der Burg drei Slots füllen, habe erst für Kinder aus Fionrirs Reise und dann zweimal für Erwachsene eine Auswahl meiner Gruselgeschichten gelesen. Alle Lesungen waren voll besetzt und zwischendurch hatte ich sogar Stehgäste - kein Wunder bei dieser Unmenge an Menschen, die der Friedberger Kulturrat ins Städtchen gezogen hat. Großartige Leistung, die definitiv nach einer Wiederholung schreit 😃
Danke an den Friedberger Geschichtsverein für die Einladung und die gute Betreuung an dieser schönen und außergewöhnlichen Lesestätte 👍

Vortrag und Workshop - Plastikfrei & Zerowaste

Vortrag und Workshop - Plastikfrei & Zerowaste am 16.10. in Rosbach
Am 16. Oktober 2019, ab 20:00 Uhr, sind Svenja aka Fr. Öko und ich auf Einladung des Rosbacher Forums in der Wasserburg in Nieder-Rosbach (Haingraben 16, 61169 Rosbach). Der Geschäftsführer vom BUND-Landesverband, Michael Rothkegel, leitet ein, dann darf ich etwas über meine Wandlung zum Plastik- und Müllsparer erzählen und anschließend gibt es eine Vorführung von Svenja, mit wie wenigen Hausmitteln und kaum Arbeit ihr ganz viel Umverpacktes ersetzen und so Ressourcen und auch den Geldbeutel schonen könnt. Schaut vorbei - der Eintritt ist frei :-)


Sonntag, 13. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (2/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (2/5)
Die zweite Woche, in der ich mich der Ausmiste-Challenge mit dem schönen Namen #freetober angeschlossen habe, hat mich von weiteren fast fünfzig ungenutzten Gegenständen meines Haushalts befreit.

Intensiv hatte ich mich meinem Schrank mit den Sportgeräten der Kategorie "Vielleicht werde ich ja mal wieder ..." gewidmet. Um ehrlich zu sein: Nein, ich kam in den letzten Jahren nicht auf die Idee - und werde es in den kommenden Jahren auch nicht - Fußball zu spielen, einen der drei Tischtennisschläger in die Hand zu nehmen oder den Rückenprojektor umzuschnallen und wilde Abfahren mit dem Mountainbike zu absolvieren. Also wandert alles in den Unverpacktladen, und vielleicht freuen sich ein paar Kinder oder Wagemutige im Falle des Rückenprotektors. 

Weiter wanderten einige zigmal gelesene Bücher aus Badezimmer (klassische Klolektüre) und Schlafzimmer (klassische Einschlaflektüre) in die Kiste für den Büchertausch. Das ist kein Qualitätsmerkmal, das sie meinen Haushalt verlassen. Vielmehr würde ich mich freuen, anderen an den Werken zu erfreuen, und das kann ich nicht, wenn sie hier bei mir rumliegen und nur von mir gelesen werden. Insbesondere empfehle ich drei Kurzgeschichten-Sammlungen von Kishon. Wer sie möchte, nur melden!
Als die Bücher aus dem Schlafzimmer-Nachttischschränkchen weg waren, verblieb darin nur noch eine Wärmflasche, die ich nie genutzt hatte, seit sie mir vor bestimmt acht Jahren als Werbegeschenk vermacht wurde. Auch sie kam in die Kiste und damit auch der leere Schrank weg. Verrückt!

Zuletzt habe ich mich meiner Schreibtischschubladen gewidmet, und es kamen ein Zirkel und ein Zirkelset (beide ungenutzt), ein Stempelkissen (ich habe keinen Stempel), mehrere SD-Karten (ich habe nur noch zwei Geräte, die sie aufnehmen, und für die habe ich je zwei), zwei Einhandmesser (seit das Führungsverbot besteht, machen sie nicht mehr wirklich viel Sinn), ein USB-Stick mit 1 GB (habe noch zwei weitere) und ein Golfball (ich habe keinen Schläger und spiele weder Golf, noch kann ich mir einen Reim darauf machen, weshalb ich einen solchen in meiner Schublade finde) in die Kiste.

In Summe sind das 48 Gegenstände, und irgendwie wirkt es unheimlich aufgeräumt, gerade in Badezimmer und Schlafzimmer. Bin zufrieden und bin gespannt, wie kommende Woche läuft.
Und ihr? Auch was die Woche "ausgemistet"?

Samstag, 12. Oktober 2019

Eröffnung des Unverpacktladens "Honighalle" in Friedrichsdorf

Eröffnung des Unverpacktladens "Honighalle" in Friedrichsdorf
Mit der Honighalle hat heute ein Unverpacktladen in Friedrichsdorf, also nur zehn Minuten mit dem Auto von mir entfernt, eröffnet. Anfang des Jahres lief ein Crowdfunding über Startnext, an dem ich mich natürlich - aus nicht gänzlich altruistischen Gründen - beteiligt hatte. Heute durfte ich das Ergebnis meiner Investition bewundern und den großzügig bemessenen Laden in der Köpperner Straße 84 besuchen.

Schütten mit loser Ware zum Selbstabfüllen
Wie auch das gramm.genau in Frankfurt Bockenheim hat es einen Café-Betrieb angeschlossen, der am heutigen Tage voll besetzt war, was das Kuchen- und Kaffeeangebot augenscheinlich an seine Grenzen brachte. Der restliche Teil der Fläche wird vom Ladengeschäft ausgeschöpft. Es befinden sich eine Abteilung mit Waren in Glas wie Milchprodukte, aber auch verschiedenen Honigprodukten aus der Imkerei Schiesser, die den zentral gelegenen Unverpacktladen betreibt. Daneben gibt es eine Auswahl an Essigen und Ölen, die abgefüllt werden können. In einer weiteren Ecke befinden sich Drogerieprodukte wie lose Seifen und Zahnputztabletten. Gleich links neben dem Eingang sind Zutaten für das morgendliche Müsli sowie Süßwaren zu finden, die selbst portioniert werden können. Die Waage zum Ausmessen der mitgebrachten Glasbehältnisse befindet sich in unmittelbarer Nähe - natürlich können auch Pfandgläser von dort genutzt werden. Bis dahin ähnelt es dem Gießener Unverpacktladen, der nunmehr ebenso geräumig ist.

Süßwaren, Nüsse und mehr!
Das in meinen Augen Besondere ist, dass man sich sowohl Waren an der Theke abfüllen lassen kann - was ein Kolonialwarenladen-Gefühl mit sich bringt -, sie selbst an den Schütten befüllen kann, aber auch bereits in Pfandgläsern vorgefüllte Waren vorfindet. Wer nicht viel Zeit hat und nur schnell rein will, um sich ein Glas Nüsse oder Haferflocken zu holen, findet dort neben zahlreichen anderen ansonsten losen Waren, alles vorverpackt, was für den täglichen Ernährungsbedarf nötig ist.

Vorgefüllte Pfandgläser mit Haferflocken, Quinoa und Cashew
Ich habe heute das erste Viertel meines Startnext-Gutscheins ausgegeben und sehe den nächsten drei Besuchen entgegen. Bestimmt ergibt sich dann auch die Gelegenheit, mich mit dem sehr sympatischen Julius Schiesser (Bild unten, mitte) länger auszutauschen. Vielleicht bei einem Kaffee und einem (hoffentlich veganen) Kuchen aus der Theke, die dann nicht vom glücklicherweise großen Ansturm an Interessierten geplündert wurde. Ich freue mich darauf.

Kassenbereich mit meinen vier Litern Dinkel

Sonntag, 6. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)
Das ist nun meine vierte monatlange Ausmisteaktion, die ich mitmache - wobei Ausmisten tatsächlich der falsche Begriff ist. Es ist kein Mist, den ich aussortiere, höchstens Mist, dass ich das meiste davon solange bei mir ungenutzt verwahrte, wenn es doch Menschen gibt, die es nutzen könnten, ohne sich Neues kaufen zu müssen. Ich mache bei der Aktion von Regina mit, die sie mit dem schönen Hashtag #freetober begonnen hat. Und so befreie ich mich im Oktober ebenfalls von etwas Besitz. Macht doch mit! Ganz ohne Stress! Schaut, was ihr nicht mehr nutzt, und dann weg damit: Ebay, Umsonstladen, Free-Your-Stuff-Gruppen, Umsonstläden, Sozialkaufhäuser, Rotes-Kreuz-Kleidersammlung, euer Freundeskreis ... freuen sich. Ich poste nun jeden Sonntag im Oktober, was ich die Tage zuvor aussortiert habe, und dann bin ich mal gespannt, was am Monatsletzten übrig bleibt. Mit 1.392 Dingen in meinem Besitz war ich gestartet.

Im Laufe der Woche habe ich 33 Kleidungsstücke aussortiert, was ich einigermaßen erstaunlich finde. Nach den drei Monatsaktionen sowie dreimaligem zusätzlichem intensiven Wüten in meinen ehemals sieben (sic) Kleiderschrankhälften, die ich allein mit meiner Kleidung gefüllt hatte, war ich bei meiner letzten solchen Challenge im Mai, nach sechs Jahren des Aussortierens und Reduzierens, der festen Überzeugung, ich wäre jetzt bei meinem persönlichen Minimum angelangt. Ich musste jedoch feststellen, dass ich drei meiner fünf Jackets nicht ein einziges Mal getragen hatte, den ganzen Sommer nicht eines meiner ärmellosen Shirts - obwohl es so heiß war - und auch manch ein anderes Kleidungsstück in größeren Anzahlen im Schrank war, als es mein Waschzyklus nötig machte. Ab zum Roten Kreuz damit.

Dann habe ich die vier Bücher der Tetralogie "Die Zwerge" von Markus Heitz an Freunde verschenkt. Ich liebe Heitz als Autoren, und diese vierbändige Chronik über den Zwerg Tungdil Goldhand fand ich großartig. Daher wäre es doch schade, wenn diese tollen Bücher ungelesen in meinem Schrank verharrten. Zudem sagte mir ein Freund: Wenn du stets nur dasselbe liest, bekommst du auch keine neuen Impulse. Schon umgesetzt, denn kaum war der Satz verhallt, hatte ich mir die Enyador-Saga von Mira Valentin auf den Ebook-Reader gezogen, sogleich verschlungen und nun mit Greg Walters Bestien-Chroniken begonnen.

Neun weitere Sachen verließen mich darüber hinaus: Ein kleiner Kleiderständer (stattdessen haben meine Freundin und ich je einen Stuhl aus der Küche im Schlafzimmer stehen, auf denen wir unsere Kleidung für den nächsten Tag zurechtlegen), eine Kühlbox und ein Koffer (die ich beide gut zehn Jahre ungenutzt auf dem Speicher stehen hatte), zwei Entkorker-Sets für Weinflaschen (beide mal geschenkt bekommen und nur selten mal die Korkenzieher genutzt - den Ausgießer mit Pfropfen nie ... ich habe Gäste, keine Reste!), drei Geschenkverpackungen für Weinflaschen (leer - Erklärung siehe oben) und eine externe Festplatte (befreit von zig Gigabyte ungehörter MP3s, ungesehener Videos und fürchterlicher Schnappschüsse - nur die schönsten habe ich behalten und zwar vernünftig beschriftet, um sie endlich auch mal wiederzufinden) - die sind jetzt erstmal bei Ebay-Kleinanzeigen, und ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt. Allein in den Kleiderschrank zu schauen, lässt mich schon lächeln.


Dienstag, 1. Oktober 2019

Die Tuareg und der Besitz

Die Tuareg und der Besitz
Im Internet finde ich eine Zusammenfassung des Vortrages „Wie viele Dinge braucht der Mensch?“ - vom Ethnologen Prof. Spittler. Der Spezialist für die Tuareg erklärt, dass Mitglieder dieses Berbervolkes im Schnitt etwa 24-mal weniger besitzen als Deutsche. In verschiedenen anderen Quellen ist zu lesen, dass wir zwischen acht- und zehntausend Dinge besitzen; der Nomade, von dem Herr Dr. Spittler spricht, also offenbar nur zwischen 330 und 420 Dinge, darunter zum Beispiel nur 18 Kleidungsstücke. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob der Tuareg reich oder arm ist, denn seinen Reichtum zu zeigen, ist traditionell verpönt. Der Wohlhabendste im Dorf ist also rein äußerlich vom Viehhirten, der für ihn arbeitet, kaum zu unterscheiden. Respekt, denke ich mir und erinnere mich daran, als ich vor vielen Jahren mit Hardrock-Café-Shirt und Löcherjeans zum Juwelier ging. Ich wurde völlig anders behandelt als wenige Tage später, als ich „zufällig“ nach der Arbeit und mit Hemd und Jacket in den Laden gegangen war. Ich weiß nicht, ob es bei den Tuareg Juweliere gibt, aber die dürften es wesentlich schwerer haben, jemanden abfällig zu behandeln. Immerhin verbergen sie ihren einzigen Reichtumsmarker, die Zahl ihres Viehs, ebenso gut, und selbst wenn nicht, wer würde sein Vieh schon mit sich führen, wenn er beispielsweise eine filigrane Halskette für die Liebste erwerben möchte? Ich sage nur: Elefant im Porzellanladen! Ich weiß natürlich, dass Tuareg Rinder- und keine Elefantenherden haben, die jedoch mit Sicherheit nicht weniger Arbeit machen. Und Arbeit ist ein gutes Stichwort. Ich wollte wissen, wie viel Besitz ich angehäuft habe. Ja, ich habe alle Dinge gezählt, die mir gehören. So etwas macht man an Samstagabenden, wenn man keinen Fernseher hat.

Bereits als ich mit dem ersten Raum fertig war, dem Schlafzimmer, hatte ich meine nomadische Vergleichsgruppe fast eingeholt, und das obwohl ich seit Jahren meinen Besitz um Ungenutztes reduziere. Schon drei einmonatige Ausmisteaktionen habe ich hinter mich gebracht, davor dreimal ausschließlich den Kleiderschrank reduziert. Immer noch mag ich mich nicht Minimalist nennen, doch dass ich noch so viel in meinen Schränken habe, überrascht mich dann doch. 1.392 Dinge sind es, die ich besitze, hat die Zählung ergeben. Das sind vier Tuaregs. Gerade der Kleiderschrank hat es in sich, nämlich Kleidung von stolzen elf Tuaregs. Rechnerisch versteht sich, meine Winterkleidung wäre in der Sahara ebenso fehl am Platz, wie meine Sportkleidung unpraktisch.

Das vergleichende Zählen meiner Besitztümer hat vor allem zwei Sachen bewirkt: Festzustellen, wie wenig es für ein erfülltes Leben braucht, aber vor allem zu merken, wie viele ich habe, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze, geschweige denn weshalb. Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Zahl maximaler in Besitz befindlicher Dinge gibt, die den Minimalismus ausmachen. Jeder muss selbst definieren, was und wie viel man braucht, um glücklich zu sein, doch ich bin mir sicher, glücklicher wird man leichter, wenn man nicht mehr für so viel ungenutzten Besitz Raum, Zeit und Geld verschwenden muss. Ich jedenfalls „miste“ im Oktober wieder aus. Ebaykunden, die Besucher der Umsonstläden und meine Freunde werden sich freuen über das, was in ihren Händen wieder genutzt wird. Das macht mich nicht zum Tuareg, vielleicht nicht einmal zum Minimalisten, doch passt erst einmal alles in ein Tiny House on Wheels bin ich ja quasi auch ein wenig Nomade. Oder Minimalist. Oder beides.

Bildrechte: GarrondoCC BY-SA 3.0