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Freitag, 28. April 2023
Donnerstag, 6. Mai 2021
Dienstag, 1. September 2020
Darfs ein bisschen mehr sein?
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| Darfs ein bisschen mehr sein? |
Kürzlich war bei uns wieder einmal das Thema Energie als Diskussion auf dem Tableau. Die üblichen Argumente wurden ausgetauscht, und alles lief in den erwarteten Bahnen. Dann kam das folgende Argument: „Warum soll ich eigentlich Strom sparen? Ich beziehe doch Ökostrom!“ Wir lachten. Der andere nicht. Wir schraubten unser Lachen zum Lächeln herunter. Der Andere hob die Augenbrauen. „Oh!“, sagte einer. „Das war gar kein Scherz unter Ökos?“ Ich dachte, das sei so ein Ding wie unter Physikern, die sich fragen, ob eine Katze permanent um die Längsachse rotiert, wenn man ihr ein Butterbrot auf den Rücken schnallt. Oder der gute alte Witz mit Heisenberg, der von der Polizei angehalten und gefragt wird, ob er wisse, wie schnell er fahre und dann antwortet, dass er derzeit nur sagen könne, wo er sei. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern entschuldigen, dass sie jetzt vielleicht nach Murphy‘s Law und der Heisenbergschen Unschärferelation googlen müssen, aber warum sollte ich der einzige bleiben, der Physikerwitze nicht auf Anhieb versteht? Was für den Humor von Physikern gilt, gilt auch für den Humor von Ökos. Man versteht Scherze nur, wenn einem der Hintergrund klar ist, und wenn der Hintergrund nicht klar ist, war es vielleicht auch kein Scherz.
In der Diskussion waren wir schnell wieder zur Ernsthaftigkeit zurückgekehrt. Die ernste Frage ist von zwei Seiten zu beleuchten. Ähnlich wie bei Schrödingers Katze (ich weiß auch nicht, warum ich es heute so mit Physikern habe) kennt auch die Frage, warum man Energie sparen sollte, wenn man doch regenerative Quellen nutzt, zwei Antworten. Die eine lautet: „Du musst keine Energie sparen!“, die andere: „Du muss Energie sparen!“ Beide haben eine Bedingung. Wenn wir ausreichend regenerative Energie für alle zur Verfügung hätten, beispielsweise, weil auf jedem Dach eine Solaranlage wäre, die Wind- und Wasserkraft voll genutzt würden und diese Energie im Überschuss gespeichert würde, dann müssten wir definitiv auf unseren Stromverbrauch nicht achten. Im letzten Jahr bestand der Strommix in Deutschland zu über der Hälfte aus Kernenergie, Braun- und Steinkohle sowie Erdgas. Nutzen also alle Ökostromabnehmer mehr als die 235 Mrd. kWh an Energie, verbrauchten sie eben einerseits keinen Strom aus regenerativen Quellen mehr, sondern ab diesem Zeitpunkt konventionellen Strom mit allen Folgen und Gefahren. Vereinfacht dargestellt: Verbrauchen drei von vier Ökostromabnehmern die gesamte Energie, wird der vierte eben keine nachhaltige Energie mehr beziehen können. Du muss also als Ökostromabnehmer Energie sparen, solange das noch nicht so ist. Und bis dahin, so leid mir alle Menschen tun, die voller Stolz ihre E-Roller und E-Autos fahren und sich auf der grünen Seite wähnen, ist es leider kontraproduktiv, Strecken, die man vorher zu Fuß mit dem Rad oder eben gar nicht genommen hätte, nun elektromobil zu bewältigen.
Deutschland belegt Rang 7 der Länder mit dem höchsten Stromverbrauch weltweit und Platz 1 in Europa. Gut ein Viertel des Verbrauchs ist den Privathaushalten zuzuschreiben. In den letzten 30 Jahren hat sich der Verbrauch in den Haushalten kaum verändert, obwohl die Technik immer energiesparsamer wird. Es ist noch viel zu tun. Übrigens, auch Philosophenwitze werden erst lustig, wenn man sie versteht. Wie dieser hier: René Descart sitzt in einem Pariser Café, als der Kellner fragt, ob er noch einen Wunsch habe. „Ich denke nicht!“, antwortet er und hört auf zu sein. Googlen Sie mal das!
Dienstag, 9. Juni 2020
Grüner durch Teamwork
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| Grüner durch Teamwork |
Nach Daten des statistischen Bundesamtes sind fast 40 Prozent der Haushalte von nur einer Person bewohnt, und jede dieser Singles verfügt über durchschnittlich 68 Quadratmeter Wohnfläche. Ich war einer von ihnen. Die Hälfte meiner Wände war frei, denn ich hatte nicht genug in meinem Besitz, um sie mit Schränken verstellen zu müssen. Ich besaß nicht einmal eine Waschmaschine. Stattdessen ging ich alle drei Wochen in den Waschsalon. Meinen Kühlschrank hatte ich seit drei Jahren nicht mehr einschalten müssen, da ich mehr oder minder von der Hand in den Mund gelebt hatte. Wie ich bereits schrieb: Ich war einer von ihnen. Seit letzter Woche bin ich Teil eines Zwei-Personen-Haushalts. Natürlich überwiegt die Freude darüber – mit großem Gewicht –, dennoch kamen im Vorfeld Gedanken auf, die sich mit meinem individuellen ökologischen Fußabdruck befassten. Wie werde ich darauf reagieren, wenn die Klarheit meines reduzierten Besitzes nicht mehr auf mich wirken kann? Komme ich damit zurecht, dass sich die Anzahl der Elektrogeräte im Haushalt plötzlich um solche wie Mikrowellenherd und Wäschetrockner erweitern wird? Was wird es mit mir machen, wenn ich meinen Kühlschrank vielleicht dauerhaft eingeschaltet lasse?
Die Antworten vorweggenommen: Gut, ja und nichts, denn erstaunlicherweise wird all das regelrecht aufgezehrt von einem sehr hungrigen Energiezehrerpärchen in meiner Ökobilanz: Dem Flächenverbrauch und den Heizkosten. 49 Quadratmeter Fläche bewohnen Menschen aus Zwei-Personen-Haushalten im Durchschnitt, die im Mittel immerhin bis zu 149 kw/h Heizenergie verbrauchen. Bei mir sind Flächen- und Heizenergieverbauch nun halbiert, und das wirkt sich auf den ökologischen Fußabdruck merklich aus. Es reduziert meinen globalen Flächenbedarf von 3,8 auf 3,4 globale Hektar (gha) – der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 4,9 gha. Der globale Hektar beinhaltet alles, was unsere Art zu leben an Fläche nötig macht. Vom Bedarf an Anbauflächen für Lebensmittel, über den Flächenanteil an der Infrastruktur und den für die Produktion von Konsumgütern bis hin zum Wohnraum. Das Wohnen wird dabei mit einem Anteil von 25 Prozent im Durchschnitt nur von den Ernährungsgewohnheiten, die durch unsere tierproduktreichen Essgewohnheiten 35 Prozent betragen, überboten. Wenn diese zwei Punkte bereits 60 Prozent ausmachen, wundert nicht, dass der diesjährige Earth-Overshot-Day, der Erdüberlastungstag, vermutlich am 3. Mai gewesen wäre. Ab diesem Tag nutzten wir Ressourcen, die uns rechnerisch nicht mehr zustünden und wir zu Lasten anderer – unserer Mitmenschen in anderen Ländern und unserer Folgegenerationen – verbrauchten. Der Corona-Shot-Down, der nicht eingerechnet ist, wird den deutschen Erdüberlastungstag faktisch verschoben haben. Vielleicht ist er am heutigen Tage. Wer weiß?
Fakt ist, wir müssen noch viel tun. Meinen Wohnraum zu teilen, hat mich – ganz gleich, ob ich nun den Kühlschrank dauerhaft eingeschaltet lasse oder nicht – merklich nach vorne gebracht. Und nicht nur mich. Auch meine Lebensgefährtin halbiert ihren Flächen- und Heizenergieverbrauch. Zusammen bringen wir es auf eine Ersparnis von 0,8 gha – das entspricht dem ökologischen Fußabdruck einer Bengalin oder eines Bengalen. Abgesehen davon und vom zwischenmenschlich Offensichtlichen gibt es aber noch einen weiteren gravierenden Vorteil: Ich spare mir alle drei Wochen 1,3 Kilometer Fußweg zum Waschsalon, und, wer weiß, vielleicht bekomme ich sogar mit der Zeit heraus, wozu man einen Mikrowellenherd braucht!
Dienstag, 28. April 2020
Raus in die Natur - Kleingärtnern, Saisongärteln und die Dachterrasse
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| Raus in die Natur - Kleingärtnern, Saisongärteln und die Dachterrasse |
Vom 11. bis zum 15. Mai werden Gartenfreunde von den Eisheiligen besucht. Ihre Namen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia von Rom – es sind deren Namenstage, zu denen die Bauerregel sagt, dass mit Frost zu rechnen ist. Der Feind eines jeden Hobby-Gärtners, der seine mit Liebe gezogenen Setzlinge zu früh gesetzt hat. Allerdings nutzen wir seit knapp 500 Jahren den Gregorianischen Kalender und nicht mehr den Julianischen, auf den sich die Bauernregeln bezogen. Dieser und damit die gefürchteten Kälteeinbrüche sind somit um eine Woche nach hinten verschoben, also auf die Tage ab dem 20. Mai. Diese sind die Namenstage von Elfriede, Wiltrud, Rita, Renate und Esther. Warum wurde das nicht geändert? Vermutlich, weil die Reime einfach unschlagbar sind. „Der heilige Mamerz / hat von Eis ein Herz“, „Mamertus, Pankratius, Servatius / stehn für Kälte und Verdruss“ oder „Vor Nachtfrost bist Du sicher nicht / bis Sophie vorüber ist“. Was sollen die wirklichen Eisheiligen da schon ausrichten? „Bis zur heiligen Elfriede / gehört der Garten gemiede“ kann allenthalben Hessinnen und Hessen begeistern, „Gerade kam Wiltrud / als die Kälte sich entlud“ überzeugt auch wenig und „Rita ist wie Renate und Esther / eine eiskalte Schwester“ klingt eher wie ein neues Rap-Projekt aus Rödelheim als eine Regel, die den Gärtnerinnen und Gärtnern in Erinnerung riefe, sich trotz erster warmer Tage nicht zu sicher zu fühlen.
Das Bundesamt für Statistik sagt, dass im Jahr 2019 rund 8,97 Millionen Menschen über 14 Jahre gab, die mehrmals wöchentlich im Garten arbeiteten. 900.000 Hobbygärtner sind unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde organisiert und bewirtschaften 44.000 Hektar Land. Auch in der Wetterau gibt es zahlreiche Kleingartenanlagen und Gartenbauvereine wie die Gemeinschaft Usa-Gärten e. V. (http://www.usagaerten.de/) mit 65 Kleingärten zwischen Friedberg und Bad Nauheim. Deren und die Gartengrundstücke vieler anderer sind in der Wetterau begehrt; die Wartelisten sind lang. Eine andere Möglichkeit sind Saison-Gärten, wie der, den die Familie Klingmann in Friedberg-Fauerbach anbietet (https://www.saisongarten-friedberg.de/). Dort wird der Boden fachmänisch bestellt, und die Pflege übernimmt die Saisongärtnerin oder der Saisongärtner.
Warum ist es so ökologisch, selbst zu gärtnern? Die meisten Kleingartenvereine oder Saisongärten sind so gelegen, dass sie mit kurzen Wegen, häufig sogar per Rad oder zu Fuß erreicht werden können. Das spart Energie und damit CO2 – insbesondere, wenn man bedenkt, dass 40 % der Lebensmittel in Europa Importe sind. Der Selbstversorgungsgrad für Nahrungsmittel in Deutschland liegt bei rund 88 Prozent. Deutschland muss folglich Nahrungsmittel importieren, um den eigenen Bedarf decken zu können. Der Gesamtwert der Nahrungsmittelimporte summierte sich zuletzt auf rund 49,2 Milliarden Euro. Das ist mit Energiekosten verbunden und geht zudem zu Lasten der Frische, des Vitamingehalts und auch des Geschmacks der Lebensmittel. Warum spanische Tomaten, italienische Paprika und holländische Gurken, wenn sie auch selbst angebaut und geerntet werden können? Da schont nicht nur die Umwelt, sondern sogar den Geldbeutel. Aus eigener Erfahrung – ich bewirtschafte gerade wieder meine Terrasse hoch über den Dächern der Kreisstadt – lassen sich gut 80 Prozent der Nahrungsmittelkosten einsparen, wenn man selbst gärtnert. Die Kostenersparnis bedeutet eine Investition von Zeit, die man mit Erde unter den Nägeln erbringt, aber ganz ehrlich: Das erdet! Aber bitte erst nach Schwester Esther!
Dienstag, 17. März 2020
Coronaviren überall
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| Coronaviren überall |
Sie sind in aller Munde. Oder vielmehr: Ich hoffe nicht. Was ich von der vermeintlichen Corona-Hysterie halte? Da möchte ich auf Jürgen Klopp verweisen. Als Trainer des FC Liverpool wurde er zu seiner Meinung gefragt. Er antwortete: „Warum fragen Sie mich das? Die Experten sollten nach ihren Meinungen gefragt werden, nicht irgendwelche Personen des öffentlichen Lebens. Ich trage eine Basecap und habe eine schlechte Rasur.“ Nun, ich selbst trage eine Schiebermütze und bin ordentlich rasiert, kann Kloppo aber nur zustimmen. Ich kann sie nicht mehr hören, all diese Vergleiche in der Art von: „Die Influenza hat vor zwei Jahren auch 25.000 Todesopfer in Deutschland gefordert, und jetzt werden alle Veranstaltungen wegen zwei Handvoll Corona-Toter verboten.“
Ich bin kein Experte aus dem Gesundheitsministerium, aber wenn ein neuartiger Virus schon einmal solche Todeszahlen produziert hat, sollten wir dann nicht alles tun, damit das mit SARS-CoV-2 nicht auch passiert?
Ich bin auch kein Philosoph, aber dürfen Menschenleben, moralisch gesehen, miteinander verrechnet werden? Ist es legitim, eine unbekannte Anzahl potenzieller Toter durch Nichtstun zu riskieren, weil vor zwei Jahren schon einmal eine große Zahl an Menschen gestorben ist? Oder noch plastischer: Wenn ich vor zwei Jahren auf einem Fußballbundesligaspiel war und bundesweit eine Menschenmenge in der Höhe der Einwohnerzahl Butzbachs verstarb, darf ich da auf mein Fünfzehn-Euro-Ticket bestehen, wenn Verzicht zur Verhinderung beitrüge? Mein Gefühl hat da eine ganz klare Position, aber ich bin halt kein Experte.
Ich bin ebenfalls kein Mathematiker, aber angenommen, wir haben derzeit 6.000 Infizierte. Dann macht das auf 82 Millionen Einwohner ein Verhältnis Gesunder zu Infizierten von 41.000 zu drei. Das bedeutet, dass bei jedem Bundesligaspiel, statistisch gesehen, wenigstens drei ansteckende Fans in den Zuschauerreihen zu finden sind. Ich bin auch kein Virologe, aber wenn ich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts lese, dass ein fünfzehnminutiges Verweilen in eineinhalb Meter Abstand zu einem Infizierten mit einer Rate von 70 Prozent zu einer Ansteckung führt, vermute ich, dass sich das Verhältnis von Nichtinfizierten zu Infizierten mindestens verzehnfachen wird, bis abgepfiffen wird.
Da ich, wie bereits gestanden, kein Mathematiker bin, habe ich auch keinen Expertenstatus in Stochastik. Dennoch bin ich mir sicher, dass selbst Veranstaltungen mit 100 Zuschauerinnen und Zuschauern zu verbieten, sinnvoll ist. Immerhin würden kleinere Veranstaltungen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Prozent aufweisen, dass Besucher sich infizieren. Das ist immer noch deutlich mehr, als ein Tagesgeldkonto an Zinsen bringt, aber auch fast nichts.
Was ich bin, – zumindest in einigen Augen – das ist ein Experte für ökologische Lebensführung. Ganz ehrlich: Selbst, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gerade den CO2-Ausstoß merklich reduzieren – allein in China sind die Emissionen im Februar um ungefähr 200 Megatonnen, das ist ein Viertel derer monatlicher Gesamtemission, zurückgegangen –, möchte ich lieber, dass uns etwas wie im Jahr 2018 erspart bleibt und die Wirtschaft sich wieder normalisiert. Vielleicht stellen wir, wenn die Krise ausgestanden ist und alle gebunkerten Nudeln und alles Toilettenpapier aufgebraucht sind, fest, dass wir gar nicht so viel konsumieren müssen, um zufrieden zu sein und senken so künftig unseren ökologischen Fußabdruck. Wer weiß! Bis dahin, bleibt gesund!
Bildrechte: Von N-Lange.de - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0Ich bin kein Experte aus dem Gesundheitsministerium, aber wenn ein neuartiger Virus schon einmal solche Todeszahlen produziert hat, sollten wir dann nicht alles tun, damit das mit SARS-CoV-2 nicht auch passiert?
Ich bin auch kein Philosoph, aber dürfen Menschenleben, moralisch gesehen, miteinander verrechnet werden? Ist es legitim, eine unbekannte Anzahl potenzieller Toter durch Nichtstun zu riskieren, weil vor zwei Jahren schon einmal eine große Zahl an Menschen gestorben ist? Oder noch plastischer: Wenn ich vor zwei Jahren auf einem Fußballbundesligaspiel war und bundesweit eine Menschenmenge in der Höhe der Einwohnerzahl Butzbachs verstarb, darf ich da auf mein Fünfzehn-Euro-Ticket bestehen, wenn Verzicht zur Verhinderung beitrüge? Mein Gefühl hat da eine ganz klare Position, aber ich bin halt kein Experte.
Ich bin ebenfalls kein Mathematiker, aber angenommen, wir haben derzeit 6.000 Infizierte. Dann macht das auf 82 Millionen Einwohner ein Verhältnis Gesunder zu Infizierten von 41.000 zu drei. Das bedeutet, dass bei jedem Bundesligaspiel, statistisch gesehen, wenigstens drei ansteckende Fans in den Zuschauerreihen zu finden sind. Ich bin auch kein Virologe, aber wenn ich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts lese, dass ein fünfzehnminutiges Verweilen in eineinhalb Meter Abstand zu einem Infizierten mit einer Rate von 70 Prozent zu einer Ansteckung führt, vermute ich, dass sich das Verhältnis von Nichtinfizierten zu Infizierten mindestens verzehnfachen wird, bis abgepfiffen wird.
Da ich, wie bereits gestanden, kein Mathematiker bin, habe ich auch keinen Expertenstatus in Stochastik. Dennoch bin ich mir sicher, dass selbst Veranstaltungen mit 100 Zuschauerinnen und Zuschauern zu verbieten, sinnvoll ist. Immerhin würden kleinere Veranstaltungen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Prozent aufweisen, dass Besucher sich infizieren. Das ist immer noch deutlich mehr, als ein Tagesgeldkonto an Zinsen bringt, aber auch fast nichts.
Was ich bin, – zumindest in einigen Augen – das ist ein Experte für ökologische Lebensführung. Ganz ehrlich: Selbst, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gerade den CO2-Ausstoß merklich reduzieren – allein in China sind die Emissionen im Februar um ungefähr 200 Megatonnen, das ist ein Viertel derer monatlicher Gesamtemission, zurückgegangen –, möchte ich lieber, dass uns etwas wie im Jahr 2018 erspart bleibt und die Wirtschaft sich wieder normalisiert. Vielleicht stellen wir, wenn die Krise ausgestanden ist und alle gebunkerten Nudeln und alles Toilettenpapier aufgebraucht sind, fest, dass wir gar nicht so viel konsumieren müssen, um zufrieden zu sein und senken so künftig unseren ökologischen Fußabdruck. Wer weiß! Bis dahin, bleibt gesund!
Dienstag, 4. Februar 2020
Flugscham und Verantwortung
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| Flugscham und Verantwortung |
Ich bin das letzte Mal vor zehn Jahren in den Urlaub geflogen. Damals hatte ich mir wenig Gedanken gemacht, was das ökologisch bedeutet. Den Begriff „Ökologischer Fußabdruck“ hatte ich noch nie gehört. Nach selbigem gefragt, wäre meine spontane Antwort vermutlich 45 gewesen, was keineswegs die Antwort auf die Frage aller Fragen ist. Die ist bekanntlich 42, wie belesene Freunde humoristischer Science-Fiction wissen. Was Douglas Adams, der Autor von „Per Anhalter durch die Galaxis“, damals beim Schreiben sicher nicht im Sinn hatte, war, dass es dem Leben tatsächlich Sinn oder zumindest eine Zukunft gebe, seinen ökologischen Fußabdruck um ein paar Größen zu verringern – zumindest wenn man davon ausgeht, dass es sich tatsächlich um eine Schuhgröße handelte, die der größte Computer, der jemals geschaffen wurde, auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" in dessen Werk errechnet hatte.
Flugreisen sind heute in vielen Kreisen, besonders in solchen, die der Auffassung sind, dass nach uns nicht die Sintflut kommen soll, etwas, über das man nicht spricht. Ein wenig so, wie aus dem Urlaub mit Andenken nach Hause zu kommen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Salbe behandelt werden müssen. Es gibt sogar einen Begriff dafür: Flight Shaming, die Scham, im Wissen um die Umweltschädlichkeit häufiger Flugreisen dennoch regelmäßig zu fliegen. Es ist aber auch zu verlockend. Auf einer Internetsuchseite für Flugreisen finde ich ein Angebot zu 49 Euro, um von Frankfurt am Main nach London zu gelangen. Unwesentlich günstiger geht es mit dem Bus, der für lediglich 15 Euro weniger, aber dafür 13 Stunden mehr Reisezeit zu buchen ist. Der Fernlinienbus ist derzeit, gemessen an den Emissionen, das ökologischste Verkehrsmittel, dicht gefolgt von den Fernzügen. Mit großem Abstand auf dem letzten Platz ist nach Daten des Umweltbundesamtes das Flugzeug, dessen Emissionen an CO2-Äquivalenten etwa um den Faktor acht höher liegen. Was machen, wenn ich keine 13 Stunden Zeit opfern möchte und mich dennoch nicht mit Flugscham plagen will.
Ebenfalls im Internet stoße ich auf eine Seite, die CO2-Ausgleichszahlungen anbietet. Der CO2- Ausgleich soll ermöglichen, den durch den Flug anfallenden Ausstoß des Klimagases durch CO2-Zertifikate aus Klimaschutzprojekten in gleicher Höhe anderswo einzusparen. Weiter schreibt der Betreiber, die ARKTIK GmbH aus Hamburg: Wichtig ist nur, dass weltweit die Summe der Treibhausgase abnimmt. Fällt nur mir der Denkfehler auf? Ich rechne das mal in Äpfel um. Wenn ich eine Obstkiste habe, die zu voll ist und zerbrechen wird, sobald ich sie hochhebe, ich acht Apfel hinzugebe und zum Ausgleich acht Äpfel von jemandem essen lasse, was passiert dann mit der Kiste, sobald ich sie anhebe? Es gibt also nur zwei Lösungen. Entweder muss ich meine Emission reduzieren, indem ich meine Flugreisen in regelmäßige Fernbusreisen wandele oder ich verzichte. Die zweite Option wäre zu überkompensieren. Hier rehabilitiere ich arktik.de wieder, deren Mission ich jedenfalls sympatisch empfinde. Wenn der Ausgleich des Hinflugs dort 6,82 Euro kostet, wäre auf 13,64 Euro zu erhöhen, sicher in Anbetracht der ohnehin fragwürdig niedrigen Billigflugkosten nicht allzu schmerzhaft. Der ökologische Fußabdruck reduzierte sich dann gewiss von 45 auf 42.
Übrigens: Die reine Fahrtzeit mit dem Fahrrad nach London beträgt 40 Stunden und verbraucht 25.000 Kilokalorien; in Äpfel umgerechnet knapp 300 Stück – kaum angekommen wäre die Kiste leer!
Foto: Andreas Weith, unter Lizenz CC BY-SA 4.0
Foto: Andreas Weith, unter Lizenz CC BY-SA 4.0
Freitag, 24. Januar 2020
Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel - Fazit
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| Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel - Fazit |
Drei Nächte und drei Tage haben wir nun im Tiny House Village in Mehlmeisel verbracht. Wir wollten wissen, ob in einem Tiny House zu leben, für uns eine Option ist. Das Ergebnis vorweg genommen: Die Antwort ist ein klares Vielleicht!
Zunächst zum Tiny House Village. Hier haben wir uns richtig wohl gefühlt. Das Tiny war super in Schuss, wir wurden freundlich aufgenommen und die Umgebung ist im Winter einfach ein Traum. Fünf Minuten zu Fuß entfernt sind Pisten zum Skifahren und Rodeln, und das Fichtelgebirge verführt zu langen Spaziergängen. Die Winterzeit hatten wir jedoch nicht deshalb gewählt, sondern weil die frühe Dämmerung und die Kälte ein Ausweichen nach Draußen limitieren. Quasi ein Härtetest!
Letztlich können wir es uns beide grundsätzlich vorstellen, dauerhaft in einem Tiny zu leben. Unsere fünf größten "Abers" wurden durch den Aufenthalt zerstreut:
- Es lässt sich prima heizen, wird rasch warm und hält die Wärme auch ausreichend lang.
- Das Schlafloft wirkt keineswegs beengt, und auch hinauf zu gelangen ist völlig unproblematisch.
- Die Küche ist trotz des kleinen Maßes nicht so, dass Platzmangel bestünde oder Einschränkungen gegeben wären, die sich nicht überleben ließen.
- Küchengerüche verbreiten sich nicht in dem Maß, wie wir es befürchtet hatten, und das Lüften reicht bereits.
- Durch das zumindest in diesem Tiny räumlich abgetrennten Loft ist es trotz der kleinen Grundfläche möglich, sich zurückzuziehen - man hängt also nicht permanent aufeinander (es sei denn man möchte es so).
- Regina und ich sind beide Künstler - wir sehen keinen Platz für Gitarre, Mandoline, Geige und all das Equipment, das dazugehört.
- Wir machen beide regelmäßig Sport zu Hause - auch hier fehlt der Raum.
- Bereits mit unseren Winterjacken ist der Hängeschrank voll; den Platz, um die Jacken für den Frühling und Herbst unterzubringen und noch mehr die Kostüme für Auftritte sehen wir zumindest bei einem Standard-Tiny nicht.
- Freiberuflicher Arbeit nachzugehen, bringt auch einen Bedarf an Bürofläche mit sich, den das Tiny gleichfalls nicht abdecken kann.
- Zudem sehen wir hier den Platz für eine Waschmaschine nicht - hier in Friedberg habe ich zum Glück den Waschsalon in der Nähe und brauchte bislang keine.
Fazit
Wir können uns sehr gut vorstellen in einem Tiny zu leben, doch sind die 18 Quadratmeter Grundfläche des ansonsten wundervollen "Nordic Fjöl" von Diekmann für unsere Bedarfe zu klein. Zwei Meter länger, sich mit Gleichgesinnten zusammengetan, vielleicht ein Gemeinschaftshaus mit gemeinsam genutzten Sport- und Wäscheräumen und schon wären wir wieder im Geschäft. Wir bleiben am Ball!
Weiter würde ich ein Tiny bauen lassen, dessen Wände diffusionsoffen sind. Die dichten, schmalen Wände sind vermutlich ein Kompromiss, um das Höchstgewicht für das Ziehen mit einem B-Führerschein nicht zu überschreiten. Ich bliebe jedoch lieber an einem Ort, wenn ich dafür eine natürliche Feuchtigkeitsregulation erhalte.
Auf jeden Fall kann ich jedem, der sich für Tinys interessiert, nur ans Herz legen, hier mal probezuwohnen. Die drei Tage waren in jeder Hinsicht ein Gewinn.
Weiter würde ich ein Tiny bauen lassen, dessen Wände diffusionsoffen sind. Die dichten, schmalen Wände sind vermutlich ein Kompromiss, um das Höchstgewicht für das Ziehen mit einem B-Führerschein nicht zu überschreiten. Ich bliebe jedoch lieber an einem Ort, wenn ich dafür eine natürliche Feuchtigkeitsregulation erhalte.
Auf jeden Fall kann ich jedem, der sich für Tinys interessiert, nur ans Herz legen, hier mal probezuwohnen. Die drei Tage waren in jeder Hinsicht ein Gewinn.
Donnerstag, 23. Januar 2020
Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 3/3
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| Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 3/3 |
Der dritte Tag in der Tiny House Siedlung in Mehlmeisel ist angebrochen. Wir waren ausgiebig im Fichtelgebirge wandern. Da ist der Wunsch, sich im Anschluss frisch zu machen, gerechtfertigt. Bei der Badezimmernutzung waren definitiv Absprachen zwischen uns nötig. Für eine Person war es zwar absolut ausreichend. Ohne irgendwo anzustoßen konnten wir uns einzeln fertigmachen. Die Dusche hat Normalgröße, und auch auf der Toilette zu sitzen geht, ohne sich zuvor warm gemacht und gedehnt zu haben. Es gleichzeitig zu zweit zu nutzen, war jedoch undenkbar. Stauraum für unser beider bereits sehr minimalistisch angelegten Badezimmerutensilien haben wir jedenfalls ausreichend gefunden. Natürlich ist auch hier wieder mit der Luftfeuchtigkeit und der Ansammlung von Kondenswasser an den Fenstern umzugehen - ich denke, wir würden hier auf lange Sicht auf eine automatische Luftfeuchtigkeitsregulation für das gesamte Tiny zurückgreifen.
Im Anschluss haben wir unseren Plan weiterverfolgt, den Urlaub im Tiny House Village möglichst alltagsgetreu zu gestalten. Also haben wir beide am Laptop gearbeitet. Hier hat das Tiny House, ebenso wie es beim Schlafbereich realisiert ist, die Möglichkeit das Loft zu nutzen. Über wenige Stufen, die jedoch nur große Menschen bequem erklimmen können, gelangt man hoch. Mit baumelnden Füßen in zwei Meter Höhe ließe sich prima arbeiten, wenn nicht die ganze Wärme unter der Decke gestaut wäre. Nach wenigen Minuten war ich mit hochrotem Kopf wieder auf die Couch geklettert, und wir arbeiteten nebeneinander. War auch viel schöner so. Wie hätte ich Regina sonst mit unqualifizierten Bemerkungen ablenken können, da sie ja extra einen Kopfhörer trug, an dem ich so weit entfernt gar nicht hätte zupfen können.
Mittwoch, 22. Januar 2020
Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 2/3
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| Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 2/3 |
Heute Mittag haben wir gekocht, und auch hier waren wir begeistert, dass wir zu zweit auf dieser kleinen Küchenzeile kochen konnte, ohne dass uns im Anschluss wichtige Finger fehlten oder wir übereinander gestolpert waren. Mit zwei Kochplatten zurecht zu kommen, war ebenso wenig ein Problem. Zwar sind in den meisten Küchen zumindest vier vorzufinden, doch für die Alltagsküche nutze ich zumeist auch nur allenthalben zwei, in der Regel sogar nur eine. Es gab Pasta mit frischem Pfannengemüse.
Erwartungsgemäß geschah das, was auch in der häuslichen Küche passiert, wenn sie nur einen einzigen Raum ausfüllt: Sie heizt sich auf und die Feuchtigkeit steigt. Folglich regulierte sich die Elektroheizung runter, und wir mussten im Anschluss wieder eine halbe Minute querlüften, damit das Hygrometer wieder einen Smiley zeigte. Das Tischdecken ging ruck zuck, da kein einziger Schritt zu gehen war, um von der Besteckschublade dorthin zu gelangen. Das spart Zeit und erhöht den Anteil, den man mit dem Wesentlichen verbringt: Dem Essen zu zweit!
Abschließend noch ein kleiner Rückblick auf die zweite Übernachtung im Tiny House. Wieder war die Nacht sehr erholsam - die Stille hier ist ein Traum. Und bestimmt hätte ich auch länger geschlafen, wäre ich nicht erst mit meinem Kopfkissen an die Scheibe gekommen, hätte der Stoff nicht das Kondenswasser aufgenommen und ich nicht von Panik erfüllt später die feuchte Stelle erfühlt. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal freuen würde, dass nur Kondenswasser auf der Bettwäsche ist.
Dienstag, 21. Januar 2020
Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 1/3
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| Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel 1/3 |
Gestern waren Regina und ich im Tiny House Village in Mehlmeisel angekommen. Wir wollen drei Tage nutzen, um möglichst viel Alltagsleben in einem Tiny House zu simulieren. Die Siedlung hier im Fichtelgebirge wirkt wirklich idyllisch, und wir sind sehr freundlich empfangen worden. Nach Schlüsselübergabe deckten wir gleich den Tisch und aßen zu Abend. Was sofort auffiel, war die Wirkung der kurzen Wege. Es liegt nicht ein Schritt zwischen Küche und Essbereich. Das Tischdecken und Abräumen ging so schnell, dass wir erst einmal verwundert im Raum standen. Den Abend verbrachten wir dann gemütlich auf der Couch, bis wir die verwinkelten Treppenstufen ins Schlafloft nutzten und die zweite Überraschung erlebten.
Wir hatten beide die Erwartungshaltung, dass es ein beengtes Gefühl geben würde, an einem Platz zu schlafen, an dem man seine Arme im Liegen nicht nach oben ausstrecken kann. Das war keinesfalls so. Keiner von uns hat auch nur einmal die Decke beim Schlafen berührt. Auch war die Länge nicht so, dass einer von uns von den Wänden beengt worden wäre. Wir hatten beide einen erholsamen Schlaf. Was erwartungsgemäß geschah, war, dass die Luftfeuchtigkeit anstieg. Kondenswasser hatte sich an allen Fenstern gebildet. Kein Wunder, wenn zwei Menschen sich über Stunden in nur einem Raum aufhalten. Das Hygrometer zeigte jedoch keine Luftfeuchte an, die Schimmelgefahr mit sich gebracht hätte. Wir haben das Wasser mit einem Tuch aufgenommen und mussten lediglich mit allen geöffneten Fenstern eine halbe Minute querlüften, um die Raumfeuchte wieder auf den Normalstand zu senken. Das werden wir heute Abend vor dem Zubettgehen wiederholen. Jetzt wird erst einmal gefrühstückt. Tina, die den Hotelbetrieb managt, hat sie schon auf der Veranda platziert.
Montag, 4. November 2019
Leben ohne Kühlschrank - eine Szene aus dem Beziehungsleben eines ökologischen Selbstoptimierers.
| Leben ohne Kühlschrank |
Wenn sich zwei Menschen entschließen zusammenziehen, dann gibt es vieles zu klären. Welche Möbel behält man? Wer bekommt welchen Anteil in den Schränken? Welches Kochgeschirr wird aussortiert? Wenn ich einer der beiden bin, dann kommen ganz andere Fragen hinzu. Insbesondere, weil ich es mit dem Ökologischen so sportlich sehe. Eine der Grenzen, die ich vor einigen Jahren verschob, war die des Umgangs mit der Lebensmittelaufbewahrung: Ich schaltete meinen Kühlschrank aus. Als Alleinlebender musste ich mich ja auch nicht abstimmen. Im Sommer zieht meine Freundin bei mir ein. Die sportliche Auseinandersetzung mit dieser Frage startet bereits jetzt.
„Wie soll ich denn meine Tiefkühlbeeren aufbewahren?“, ist die erste Frage, die sie stellt. Seit wir uns kennen, essen wir morgens gerne Müsli mit Beeren aus dem Tiefkühler. Ausschließlich wenn wir bei ihr sind. Ich habe ja keinen Tiefkühler. Aus meiner Erfahrung, die mittlerweile drei Jahre zählt, weiß ich, dass sich Lebensmittel gut drei Tage ungekühlt halten. „Die halten sich auch außerhalb!“, versuche ich meine Liebste zu überzeugen. Sie schaut skeptisch, und ich glaube zu erkennen, dass sie sich ab Sommer zu jeder Mahlzeit ausschließlich Beeren essen sieht, damit sie nicht schlecht werden. Ohne Kühlung zu leben, bedeutet, Mahlzeiten vorzuplanen. Reste müssen gegessen und kurzfristige Gelüste kontrolliert werden. Kein Sport ohne Schweiß! Mir sind in dieser Zeit allerdings weitaus weniger Lebensmittel schlecht geworden als in den Kühlzeiten. Das bringt die bessere Aufmerksamkeit Lebensmitteln gegenüber mit sich.
Sie blickt auf mein leeres Gemüsefach im ausgeschalteten Kühlschrank. „Und was ist mit Salat und Gemüse? Das wird doch welk und faulig.“ Ich merke an ihrem Blick, dass sie daran denkt, dass in meiner Dachgeschosswohnung im Sommer durchaus tropische Temperaturen herrschen. Ich deute auf meine Tonkrüge in der Küche. „Das Wurzelgemüse ist jedenfalls sicher!“, sage ich. Zwei ineinander stehende Tonkrüge mit feuchtem Sand zwischen ihnen halten es kühl und feucht. Möhren, Pastinaken oder Petersilienwurzeln beispielsweise bleiben dort bis zu zwei Wochen lang knackig. Ganz ohne Strom! Ich kaufe nur samstags auf dem Markt ein, dennoch wird auch das andere Gemüse nicht schlecht – ich esse es in der Reihenfolge des erwarteten Verderbens. Den Salat, in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, in den ersten zwei Tagen, dann die Pilze, die Auberginen, zu vorletzt die Zucchini und ganz zum Schluss den Kürbis, der gerade Saison hat.
„Und was ist mit Vorrat?“, fragt meine Freundin. Sie kauft gerne so ein, dass stets Ersatz im Haus ist. Während in ihrem Kühlschrank hinter der angefangenen Packung Margarine eine zweite steht, stünde sie bei mir im Supermarkt und wartete dort auf mich. Natürlich habe ich keine Margarine, denn bei aller Sportlichkeit, die ich beim Thema aufbringe, binnen drei Tagen ein Pfund Streichfett essen zu müssen, wäre eine Liga, in die ich nicht aufsteigen wollen würde. Täglich führt mein Arbeitsweg am Biomarkt vorbei. Dadurch dass dort für unzählige Kunden gekühlt wird und ich nicht zuhause nur für mich allein Strom zur Kühlung aufwenden muss, ist meinen Energiebedarf massiv reduziert. Nicht einmal fünfundzwanzig Kilowattstunden pro Monat sind es in diesem Jahr im Schnitt. Mehr als das Fünffache braucht dahingegen ein bundesdeutscher Singlehaushalt. Geld, dass ich gerne sinnvoller nutze.
Zuletzt erkenne ich im Blitzen in ihren Augen, dass sie nun das finale Argument gefunden hat. „Und mein Mittagessen fürs Büro?“ Seit wir zusammen sind, wird einmal wöchentlich in Kompaniemenge gekocht, portioniert, eingefroren und dann täglich für ihre Mittagsverpflegung im Büro einzeln wieder aufgetaut. Für mich selbst koche ich stets nur ein bis zwei Portionen abendlich mehr, die ich für mein Mittagsmahl des kommenden Tages in Bügelverschlussgläser einwecke. Nun ja, sie hat mich. Ich muss ihr versprechen, regelmäßig für sie mitzukochen. Wie ich schon schrieb: Ohne Schweiß ist es kein Sport!
Dienstag, 29. Oktober 2019
Der perfekte Öko!
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| Der perfekte Öko! |
Manchmal habe ich das Gefühl, genau das ist es, was erwartet wird, wenn es darum geht, unsere Zukunft zu retten: Der perfekte Öko zu sein! Eine kurze Recherche im Internet bringt den dazu nötigen Katalog. Der perfekte Öko muss mindestens Flexitarier, noch besser Vegetarier und am besten Veganer sein, denn die Fleisch- und Milchwirtschaft in ihrer Masse vernichtet Regenwald, ist der größte CO2-Emittent von allen und verschärft den Welthunger. Er muss den öffentlichen Nahverkehr, am besten jedoch das Fahrrad nutzen, darf keinesfalls fliegen, denn nur mit einer drastischen Reduktion des Individualverkehrs lässt sich der immense Einfluss des Verkehrssektors auf Klima, Mensch um Umwelt verringern. Der Vorzeige-Öko darf natürlich keinen Plastikmüll produzieren, am besten nicht einmal Papiermüll und noch besser gar keinen Müll, denn Plastik schafft CO2 in die Atmosphäre, Papier vernichtet Bäume, und Verpackungen sind per se Ressourcenverschwender. Dann nur noch auf lokale Lebensmittel beschränken, natürlich aus ökologischem Anbau und selbstverständlich ausschließlich saisonal, und schon bin ich der perfekte Öko – und muss nur noch die Welt zu retten!
Mit Recht sorgt das für Ängste. Was machen Frau oder Mann, wenn hungrige Mäuler zu stopfen sind und in der Regel am Ende des Geldes noch mehrere Tage des Monats übrig sind? Gewiss nicht vegan leben, denn das ist gut ein Drittel teurer als fleischbasiert. Glauben Sie nicht? Ein Pfund Hackfleisch ist für 2,49 Euro zu haben. Um dieselbe Kalorienmenge durch Kartoffeln zu ersetzen, brauche ich fast die vierfache Menge, und die, in Bioqualität natürlich, kostet 3,40 Euro. Da ist die erste Reaktion vermutlich kein „Ja zu Bio und Fleischverzicht!“ Und wie komme ich zur Arbeit, wenn mein Wohnort tief im Land verborgen liegt? Angenommen, ich wohne in Rockenberg und arbeite in Frankfurt am Main auf der Zeil, dann brauche ich, wenn es gut läuft, vierzig Minuten mit dem Auto, um gegen neun dort zu sein. Mit Bus und Bahn bin ich zweieinhalbmal so lang unterwegs und erst nach dreimaligem Umsteigen dort. Das Ganze zweimal am Tag. Das liest sich nicht, als würde es ein Streben nach ökologischer Perfektion fördern. Bei solchen Zeitunterschieden schreckt nicht einmal eine CO2-Steuer! Und wie soll ich Verpackungsmüll reduzieren oder gar lokal einkaufen, wenn ich zwar einen Supermarkt um die Ecke habe, aber der Bauernmarkt ganze zwei Ortschaften weiter und der nächste Unverpacktladen nicht einmal im selben Kreis ist? Vom saisonalen Einkauf ganz zu schweigen. Wenn ich bis zu fünf Euro für die Schale deutscher Erdbeeren in der Saison zahle, aber ganzjährig 2,99 für gleichwertige aus Spanien, macht das einen saisonalen Einkauf wenig attraktiv. Vielen ist es offensichtlich kaum möglich, die richtigen Konsumentscheidungen zu treffen. Hier ist der Staat gefragt, Subventionen deutlich stärker in den Biolandbau umzulenken als bisher, intensiver in den Nahverkehrsausbau zu investieren und deutlich den lokalen Absatz von Lebensmitteln zu fördern. Die Wirtschaft ist gefordert, verpackungsfreie Alternativen anzubieten, die Warentransportwege zu reduzieren und den Anteil saisonaler und lokaler Lebensmittel zu erhöhen.
Und wir? Nun, perfekt sein muss niemand. Vielleicht können wir bis dahin einfach mal mit dem Auto zum Bahnhof fahren und ab und an dort auf den Nahverkehr umsteigen, einmal die Woche Kartoffel- statt Hackfleischauflauf essen oder statt im Oktober importierte Erdbeeren leckere heimische Brombeeren zum Nachtisch essen. Jeder Schritt zählt!
Dienstag, 20. August 2019
Helene Fischer auf Wacken?
Seit letzter Woche ist für die meisten hier die Urlaubszeit zu Ende. Für die Kinder hat das neue Schuljahr begonnen, die Eltern sind wieder in den Büros. Auch ich arbeite wieder und sitze erholt von meinen drei Wochen Camping-Urlaub, beginnend mit dem Heavy-Metal-Festival in Wacken, wieder vor dem Rechner. Ich schreibe diesen Text. Wie verbringt man seinen Urlaub möglichst umweltverträglich?
Meine letzte Flugreise liegt neun Jahre zurück, danach begann die Zeit, in der ich mir über meinen ökologischen Fußabdruck Gedanken zu machen begann. Ich verreiste ab da fast nur noch mit der Bahn, denn Flugreisen, da sind sich meine Kreise einig, sind der Klimakiller schlechthin im Verkehrssektor. Doch wie schlimm sind sie? Wie viel CO2 emittieren sie überhaupt? Die Gäste bei meinem monatlichen Stammtisch sind sich einig: Mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen, ist ähnlich schädlich für die Reputation, wie mit einem Helene-Fischer-Shirt beim Wacken-Festival zu sein. Meine ganzen Gäste? Nein! Ein von unwiderlegbaren Argumenten erfüllter Einzelner hört nicht auf, dem Postulat Widerstand zu leisten. Er ist Pilot und rechnet vor, wie viel Kerosin pro Flug getankt wird, wie viele Passagiere an Bord sind und welche Co2-Mengen verursacht werden. Verwirrung macht sich breit. Atemlos durch die Nacht geht es nach Hause. Ich recherchiere.
Tatsächlich rechnet Michael Müller-Görnert, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland e. V. (VCD), im Artikel „Verkehrsmittel im Vergleich - Intelligent mobil“ vor, dass ein Flugzeug für die Strecke Berlin-Frankfurt am Main nur 81,2 kg CO2 pro Fluggast emittiert, bei einem PKW sind es 94,2 kg. Als ich die Tabelle sehe, bin ich irritiert. Ich erinnere mich an Wacken zurück, wo an einer der Festival-Theken zu lesen war: „Wer kein Trinkgeld gibt, ist Helene-Fischer-Fan!“ Sind wir all die Jahre einem Phantom aufgesessen? Hätten wir lieber mit unserem Piloten zum Festival fliegen sollen, statt mit dem Camper zu fahren? Waren wir durch unseren Flugverzicht die Umweltsünder, die wir nie sein wollten? „Wer nicht mit dem Flugzeug fliegt, ist Donald-Trump-Fan!“, sehe ich schon an meiner Stammtisch-Kneipe in Holz geschnitzt an der Wand hängen. Zu der Emissionszahl existiert jedoch auch ein Klammervermerk: Ohne RFI-Faktor! Was ist das nun wieder? Nicht nur der VCD, auch das Umweltbundesamt, erläutern dazu, dass der RFI, also der Radiative Forcing Index, zu deutsch die Strahlungsantriebszahl, ein Faktor ist, der eine Vergleichbarkeit der Auswirkung von in großer Höhe erfolgenden Emissionen mit denen am Boden herstellt, denn der Flugverkehr wirkt nicht allein durch die Produktion von Klimagasen. Auch die Bildung von Ozon, der Ausstoß von Rußpartikeln, die Kondensstreifenbildung wirken beispielsweise erderwärmend. Im Ergebnis stellt das Amt fest, dass der gesamte Strahlungsantrieb der Emissionen und Effekte des Luftverkehrs etwa zweimal so groß ist wie der der CO2-Emissionen allein. Bezieht man in diese Berechnung mit ein, dass sich aus den Kondensstreifen auch ebenfalls erderwärmende Zirruswolken bilden können, erhöht sich der Faktor auf drei bis fünf. Das vergleichbare Ergebnis wäre also 94,2 kg für den PKW und 243,6 bis 406,0 kg CO2 für das Flugzeug. Uff!
Seit diesem Jahr ist Helene Fischers Best-of-Kompilation übrigens das am längsten in den deutschen Albumcharts platzierte Album. Vielleicht kommt sie ja auch mal nach Wacken. Immerhin war Heino 2013 auch dort, und trinkgeldförderlich wäre es obendrein. Natürlich nicht mit dem Flugzeug!
Bildquelle: Von Roger Green from BEDFORD, UK, derivative work Lämpel - Airbus A380, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65623145
Dienstag, 15. Januar 2019
Ein Vulkan? Wie toll!
Demletzt hatte ich mit einem Bekannten über „2084 - Noras Welt“ von Jostein Gaarder gesprochen. Der Roman erlaubt uns einen Blick in die nahe Zukunft: Der Anstieg des Meeresspiegels durch das Schmelzen der Eisflächen hat viel Land geraubt. Der hohe Kohlendioxydgehalt in der Luft, verursacht durch unseren Energieverbrauch, hat die Meere übersäuert und die Meeresfauna nahezu ausgelöscht. Der Temperaturanstieg durch das Klimagas hat die Dauerfrostböden der Arktis, Antarktis und den Hochgebirgen schmelzen lassen und zusätzlich den Klimakiller Methan aus den Böden gelöst. Das was der menschliche Landraub vom Regenwald übrig gelassen hat, verwandelt sich in gigantische Savannen. Die Folgen sind ein massives Artensterben in Fauna und Flora und eine bis dahin ungekannte Flüchtlingswelle: Klimaflüchtlinge!
Mein Bekannter schwieg kurz und erwiderte: „Wenn der Vulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA ausbricht, setzt er viel mehr Kohlendioxyd frei, als die Menschheit es tut.“ Das folgende Schweigen war dann auf meiner Seite, und ich musste meine Antwort vertagen. Im Internet las ich dann, dass täglich etwa 45 Kilotonnen Kohlendioxid aus dessen heißen Quellen und Schlammtöpfen entweichen, das sind knapp 16,5 Megatonnen pro Jahr. Das hört sich viel an, aber die Menschheit setzt jährlich ca. 41 Gigatonnen Kohlendioxid frei. Wenn der Supervulkan jedoch ausbräche, setzte
er 100 Gigatonnen frei, also eine menschliche Dreijahresproduktion.
Drei ist übrigens eine gute Zahl, denn 2017 erneuerten 60 renommierte Wissenschaftler im Magazin „Nature“ ihre Prognose, dass wir nur noch bis 2020, also aus heutiger Sicht ein Jahr, Zeit haben, um eine unumkehrbare Zerstörung der Umwelt aufzuhalten. Danach sei die Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten, denn das Abschmelzen der Eismassen an den Polen würde dann zu einer geringeren Reflektion des Sonnenlichts und Auslösung einer eigenen Erderwärmung führen, die wir nicht mehr beeinflussen können. Das hatten sie schon vor 15 Jahren vorausgesagt. Seit dem haben wir es immerhin geschafft, den Ausstoß konstant zu halten. Wir müssen ihn jedoch senken, und da kommen nicht nur die Politik und die Industrie ins Spiel, sondern jeder Einzelne. Der CO2-Ausstoß pro Jahr liegt rechnerisch bei 5,5 Tonnen pro Erdenbürger, laut Umweltbundesamt aber bei 11,6 Tonnen pro Bundesbürger. Wie hoch der individuelle ist, kann man über den CO2-Rechner unter uba.co2-rechner.de herausfinden. Wenn man bedenkt, dass der Yellowstone aller Wahrscheinlichkeit nach in 60.000 Jahren ausbricht, bedürfte es lediglich der Bevölkerung des Wetteraukreises, die ihren CO2-Ausstoß auf die weltweite Pro-Kopf-Jahres-Emission senkte, um das bis dahin auszugleichen. Wie? Weniger fliegen, mehr den Zug oder Fernbus nehmen. Weniger das Auto nutzen, mehr Radfahren und Laufen. Weniger Fleisch essen, mehr lokales und saisonales Obst- und Gemüse. Weniger Müll produzieren und mehr unverpackt einkaufen. Ich habe dort begonnen, wo es kaum spürbar war: Suchmaschine auf Ecosia gewechselt, gebrauchten statt neuen Rechner bei Refurbed gekauft, denn beide pflanzen von ihren Einnahmen Bäume, und Bäume binden CO2. Das ist schon einmal ein guter Anfang.
Und die Antwort an meinen Bekannten? „Im Jahr 2084 haben wir noch 59.933 Jahre Zeit, bis der Vulkan eruptiert, aber wir haben es jetzt in der Hand, wie hoch die Chance ist, dass die Menschheit das überhaupt erlebt. Der Plan: Die Wetterau kümmert sich um den Vulkan und ihr anderen bitte um den Rest.“
Deal?
Bild: Pixabay, MikeGoad
Dienstag, 5. Juni 2018
Neugeborene und die Ökobilanz
In meinen Vorträgen werde ich oft
gefragt, was der Einzelne denn schon erreichen könne. Die Frage ist berechtigt.
In Deutschland brauchen wir im Schnitt 3,2 Erden, will sagen: Wenn jeder so
lebte wie wir, müsste die Erde dreikommazweimal so groß sein. Wir leben also in
einem großen Ressourcen-Defizit, das – global betrachtet – nicht einmal die
Menschen auszugleichen in der Lage sind, die den afrikanischen Kontinent
bewohnen und im Schnitt weniger als eine Erde an Ressourcen beanspruchen. Selbst
wenn ich mich auf den Bedarf einer Erde reduzierte und damit quasi in Einklang
mit der Natur lebte, muss nur ein weiterer Mensch in Deutschland geboren
werden, um meine Bemühungen zunichte zu machen. Eins plus 3,2 ist gleich 4,2. Das
macht einen Schnitt von 2,1 Erden pro Person. Reicht nicht! Der junge Mensch
gibt dann bald sein Taschengeld für Einwegplastikflaschen am Schulkiosk aus und
trinkt die schwarze Zuckerbrühe neben den Rauchern stehend heimlich hinter dem
Physikbau.
Natürlich erreiche ich als
Blogger, Netzwerker und auch über Vorträge mehr Menschen als nur jenen zweifelnden
Einzelnen. Sagen wir, dass es fünf Menschen pro Vortrag wären, die ihren
Lebensstandard auf einen Ressourcenbedarf von einer Erde reduzierten, dann
glichen sie ein durchschnittlich bedürftiges Neugeborenes in Deutschland
zumindest großzügig kaufmännisch abgerundet aus. Leider ist Deutschland keine
Insel. Emigrierte der Säugling nach der Geburt in die USA, mit ihrem
Ressourchenbedarf von fünf Erden, wäre auch dann alles für die Füße. Selbst
ohne die Auswanderung wird es mathematisch kritisch. Es werden täglich über 2.100
Kinder in Deutschland geboren. Durch die Vorträge und Workshops aller Ökos in
der Republik müssten folglich täglich über zehntausend Menschen erreicht und
zum Ressourcensparen bewegt werden. Spätestens jetzt müsste ich eigentlich das
Handtuch werfen! Peace Out! Ich bin raus und gehe mit meiner PET-Flasche in der
einen und einem Schnitzelbrötchen zu einem Euro in der anderen Hand zu den Kids
hinter dem Physikbau.
Kürzlich unterhielt ich mich mit
einem Freund und gestand, dass ich manchmal skeptisch bin, ob ich überhaupt
genug mache – gerade in Anbetracht all der Menschen, die immer wieder unsicher
sind, was sie überhaupt alleine ausrichten können. Seine Worte verblüfften
mich. Ob ich eigentlich wisse, was ich bereits bewegt habe, fragte er? Er
selbst habe sein Leben völlig umgekrempelt und mindestens acht seiner eigenen
Freunde hätten es ihm nachgetan. Alles meinetwegen und der Dinge wegen, die ich
vorgelebt hätte.
Vielleicht muss die Frage, was
der Einzelne erreichen kann, umgestellt werden und sollte lauten, wen der
Einzelne erreichen kann. Nämlich Familie, Freunde und Bekannte. Mit Ideen, mit
dem, was man vorlebt, mit dem, was vielleicht in einem Vortrag, in einem
Workshop oder auch in einem Blog oder auf Youtube gesehen wurde. Wenn jeder den
guten Willen an fünf Menschen weiterträgt und sie inspiriert, werden aus den
fünf in der zweiten Ebene schon 25, in der dritten 125, und in der fünften
Ebene haben wir schon eineinhalb Tage voll in Deutschland Neugeborener
ausgeglichen. Irgendwann ist dann die nötige Menge Mitmachender erreicht, und
es braucht gar keine Einzelimpulse mehr. Dann haben wir eine Bewegung, und die
führt in Richtung eines angemessenen Umgangs mit unserem Planeten. Wer sagt,
Reden sei Silber und Schweigen Gold, muss zwingend bedenken, dass auch diese
Edelmetalle endliche Ressourcen darstellen. „Tue Gutes und rede darüber!“ ist
die Formel.
Mittwoch, 2. Mai 2018
Daily Insta

Deutscher Earth Overshot Day 2018! Laut https://bit.ly/2HEdQSY verbrauche ich 1,15 Erden (231 Punkte). Dass ich darüber blogge, verhagelt meine Bilanz 🤔 #movethedate #earthovershotday #germanearthovershotday #OvershootDay #globalfootprintnetwork #ökologischerfußabdruck #Welterschöpfungstag #Weltüberlastungstag #Ökoschuldentag #Erdüberlastung #Erdüberlastungstag #Erdüberlastungstag2018 #greenblogger #nachhaltig #nachhaltigkeit #nachhaltigleben #makeitabetterworld #umwelt #environment #umweltschutz #ökologisch #öko #ökobilanz #co2bilanz #eco #ecolife
Sonntag, 5. November 2017
Fünfundsiebzigster Schritt: Tun durch Nichtstun
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| Glänzende Idee: Netbook statt Desktop-PC |
Vor einem knappen Jahr kam ich auf die revolutionäre Idee, nicht nur meine Lampen im Haus durch Energiesparlampen zu ersetzen und bei Nichtbenutzung konsequent deaktivierte Steckerleisten zwischen all meine Elektrogeräte und das Netz zu klemmen, sondern auch auf die aberwitzige meinen Kühlschrank dem geregelten Umsatz meines Energieversorgers zu entziehen. Der Status ist immer noch derselbe wie heute. Auch den heißen Sommer mit dachgeschossmäßigen 30° Celsius in meiner bescheidenen Kemenate habe ich frei elektrischer Kühlung ohne Lebensmittel- und persönliche Schäden überstanden. Nachdem ich nun auch noch konsequent mein Netbook anstelle meines Desktop-PCs nutze, das bis zu zweidrittel weniger Strom verbraucht, bin ich im Oktober auf ein Rekordtief gesunken: 23 Kilowattstunden - das sind weniger als sieben Euro, die ich für elektrische Energie im Monat aufwende. Viel mehr kann ich nicht mehr tun, um meinen CO2-Verbrauch durch elektrische Geräte aktiv zu senken - jetzt ist die Zeit fürs Nichttun gekommen und es andere tun zu lassen.
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| Nicht so glänzende Idee: CD-Stapel auf Ladeluke |
Gut 33 Millionen Tonnen CO2 werden durch Datenverkehr allein in Deutschland freigesetzt. Umso wichtiger, auf Anbieter zu setzen, die möglichst emissionsfreien Strom nutzen.
Als erstes habe ich geprüft, wie es mein Email-Anbieter mit der Energie hält. GMX ist eine Tochter von 1&1, und die in Montabaur ansässige Firma nutzt vollständig Ökostrom aus Wasserkraft. Eine vermutlich noch bessere Alternative ist Posteo, die von der Stiftung Warentest mit Bestnote getestet wurde. 1&1 ist im Mittelfeld gelandet - im Test ging es allerdings primär um die Funktionalität und nicht um die Nachhaltigkeit.
Meine Homepages werden auch von 1&1 gehostet, insofern bin ich da bereits auf der richtigen Seite, wobei ich bei meiner Recherche auch auf Alternativen wie Greensta und andere gestoßen bin, die ich an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.
Als nächstes habe ich meine Suchmaschine auf Ecosia umgestellt. Ecosia investiert 80% der Werbeeinnahmen in Aufforstungsprojekte. Meine Suchanfragen werden also in Bäume umgewandelt, die wiederum CO2 speichern. Die Ergebnisse der Suchanfragen stehen denen von Google meiner Erfahrung nach in nichts nach.
Im nächsten Schritt gehe ich das Thema Onlinebanking für mich an. Auch da gibt es Anbieter, wie die GLS oder die Ethikbank, die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben und keine Unternehmen finanziell unterstützen, die einer lebenswerten Zukunft abträglich sind.
Zum Abschluss noch ein Hinweis: Wer seinen nun nicht mehr benötigten PC zu verkaufen plant, sollte keinen Stapel CDs auf die offene Ladeluke fallen lassen. Es wirkt sich merklich auf den Verkaufspreis aus!
Mittwoch, 2. August 2017
Zweiundsiebzigster Schritt: Weichen für den Erdüberlastungstag 2018 stellen und Warmwasser sparen
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| Von NASA / Bill Anders - Gemeinfrei |
Heute ist der 2. August, der Tag, an dem wir nach Berechnungen der Global Footprint Network die uns für dieses Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht haben. Es ist der frühste „Earth Overshoot Day“ seitdem es im Jahr 1971 erstmals zur Welterschöpfung kam. Rechnerisch 1,7 Erden bräuchten wir, wenn wir nicht weiter Ressourcen zu Lasten unserer Nachfahren verbrauchen wollten – dabei sind wir mit unserer industrialisierten Lebensweise Hauptverursacher. 3,2 Planeten bräuchte es, wenn alle so mit ihren Ressourcen umgingen wie wir in Deutschland. Der deutsche Erdüberlastungstag fiel dieses Jahr daher auch auf den 24. April. Natürlich habe ich bei fussabdruck.de auch meinen persönlichen „Erdbedarf“ errechnet. Das Global Footprint Network lässt zirka 15.000 Datenpunkte einfließen, bei fußabdruck.de sind es nur 13, aber als Richtwert ist es eine gute Wahl. Die Grundeinheit ist hier wie dort der globale Hektar (gha), also die Landfläche, die jedem Erdenbürger theoretisch zur Verfügung stünde, konkret: nutzbare Landfläche der Erde (11,3 Mrd Hektar) geteilt durch die Weltbevölkerung (7,5 Mrd) ist gleich ca. 1,5 gha pro Kopf. Laut Fußabdrucktest habe ich es geschafft, mich seit Dezember 2013 von 6,5 gha (4,3 Erden) auf 3,4 gha (2,3 Erden) zu verringern, indem ich deutlich weniger Müll produziere, mich vegan ernähre, das Auto merklich seltener nutze und meinen Konsum stark reduziert habe. Dennoch überrascht mich das Ergebnis. Ich hätte einen deutlich niedrigeren Wert erwartet. Verantwortlich sind primär mein täglicher Weg zur Arbeit von 35 Kilometern einfacher Strecke, meine Wohnung, die ich alleine bewohne, und das Auto, dass ich besitze (dass ich es mit meiner Freundin teile, interessiert den Test leider nicht). Arbeitete ich am Wohnort und halbierte meine Wohnfläche, käme ich auf 2,6 gha (1,7) Planeten. Ein weiterer für das Ergebnis ausschlaggebender Faktor ist der Zuschlag von 0,8 gha für meinen Anteil an der Infrastruktur in Deutschland. Lebte ich auf einer unbebauten und unbewohnten Insel, bräuchte ich nur noch 1,8 gha (1,2 Erden). Auf der Insel bräuchte ich kein Auto mehr, und schon wäre ich bei einem gha, der unter 1,5 läge – also dort, wo die Bewohner von Bangladesch heute schon sind. Was ist daraus zu schließen? Neben dem Möglichen, was der Einzelne verändern kann, ist es wichtig, die politischen Weichen zu stellen, sodass unsere Infrastruktur möglichst umweltgerecht wird. Dann müssten wir keine bis dato unbewohnten Inseln besiedeln. Besonders hoch ist die Belastung in Deutschland bei CO2-Emissionen, die 64 Prozent des Fußabdrucks ausmachen, und im Bereich Ackerland, die mit 20 Prozent zu Buche schlagen. Im Jahr 2016 haben wir 9,6 Tonnen Millionen Tonnen CO2 pro Bundesbürger ausgestoßen; die weltweite Pro-Kopf-Emission liegt mit 4,9 Tonnen in etwa bei der Hälfte. Einerseits brauchen wir mehr Waldflächen, um unser produziertes CO2 zu binden, andererseits einen geplanten Ausstieg aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, was natürlich nur funktionieren kann, wenn wir selbst unsere Energieverbräuche stark reduzieren. Landwirtschaftlich nutzten wir im Jahr 2016 16,7 Millionen Hektar, benötigten aber weitere 5,5 Millionen Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche im Ausland, um – im Kern – Soja als Tierfutter für die Fleisch- und Milchproduktion anbauen zu lassen. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass bereits 70 % unserer inländischen Agrarfläche für Tierfutter genutzt wird. Auch hier braucht es ein Umdenken: eine Abkehr vom alltäglichen Fleischkonsum und eine Rückkehr zur „Sonntagsbraten-Mentalität“. Die Weichen dafür lassen sich am 24. September bei der Bundestagswahl stellen – ein Blick in die Wahlprogramme reicht, um die richtige Entscheidung zu treffen.
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| turydddu@Flickr, retouched by JovanCormac - [2], CCBY2.0 |
Bis dahin versuche ich als nächsten Schritt meinen Warmwasserverbrauch zu senken. Wassermangel herrscht in Deutschland zum Glück nicht, und wir sind bereits vergleichsweise sparsam – wer dort, wo er herrscht, helfen will, erreicht mit dem Verzicht auf Baumwollkleidung und Rindfleisch deutlich mehr. Andererseits kann ich so schon mal etwas üben, Wasser zu sparen, wenn ich erstmal in meinem Mikrohaus mit Brunnen und begrenztem Trinkwasserreservoir lebe. Im Kern geht es mir um die Einsparung warmen Wassers. Wasser, das ich nicht erhitze, verbraucht keine Energie und verursacht keine CO2-Emissionen. Zunächst gehe ich meinen Verbrauch beim Duschen an. Ein herkömmlicher Duschkopf hat einen Durchsatz von ca. 15 Litern Wasser, ein Sparduschkopf von 7-8. Im Schnitt gehen 20-40 Liter pro Tag für den Duschvorgang in den Abfluss, was einem Drittel des Gesamtverbrauchs entspricht. Meinen eigenen Verbrauch kann ich zwar mangels eigenem Zähler nicht feststellen, aber das ändert ja nichts am Ergebnis. Ich fange damit an, dass ich die „Navy-Dusche“ einführe: Körper nass machen, Wasser abstellen, einseifen und anschließend nur rasch den Schaum wegspülen. Mein Ziel ist eine Duschzeit unter einer Minute. Das Gleiche setze ich bei der Handwäsche um. Das reduziert meinen Warmwasserverbrauch um bis zu 75 %, wodurch ich auch meinen CO2-Fußabdruck reduziere, da ich auch 75 % weniger Wasser heiß machen muss. Vielleicht muss ich am Ende gar nicht auf eine Insel umziehen. Obwohl’s ja schon ganz schön wäre.
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