Mittwoch, 8. Oktober 2014

Dreiundzwanzigster Schritt: "I want to ride my ... Upcycle!"

Lieber unscharfe Schrauben als scharfes Chili
Die Küche war voller Plastik. Mittlerweile ist sie voller Glas und Edelstahl. „Hast du das Plastik weggeworfen?“, wurde ich gefragt. Ja, ich muss zugeben, einiges davon warf ich tatsächlich weg. Zerkratztes und Verformtes, bei dem mir die Gefahr für Lebensmittel einfach zu hoch war. Der Rest kam in den Keller. Zunächst wollte ich es auf Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Dann erkannte ich jedoch, dass ich mit dem Plastik auch meine Verantwortung verscherbele. Im Keller habe ich es unter Kontrolle. Kein Kontakt zu meinen Lebensmitteln, keinen Kontakt mit der Mülltonne. Mein persönlicher Gefangener von Askaban, Kellergast des Towers, Plastikmüll von Montechristo, wie auch immer Hauptsache weg aus der Küche und weg von der Mülltonne. 20 Prozent des Plastikmülls wird auch in Deutschland nicht recycelt. Das bedeutet Deponie oder Müllverbrennung. Das eine trinken wir früher oder später, weil es sich auflöst und ins Trinkwasser übergeht, das andere atmen wir ein. Deshalb bin ich selbst in der  Pflicht: Upcycling! Einfach einem anderen Verwendungszweck zuführen. Bei mir stehen die Plastikwaren von Tupper und Curver nun im Keller und bewahren Schrauben und Nägel auf, eben alle Kleinteile, die im Keller so anfallen und sortiert einfach besser aufbewahrt sind. Wäre ich früher drauf gekommen, hätte ich auch das Zerkratzte und Verformte nicht weggeworfen.

Designer-Rucksack by Turkish Taylor
Zu Recycling und Upcycling gehört natürlich konsequenterweise auch Precycling. Wie ich den meisten Verpackungsmüll vermeiden kann, habe ich schon festgestellt: Papierverpackungen statt Plastikverpackungen, Großgebinde statt Kleinpackungen, lose statt verpackter Ware und natürlich Müll vermeiden, bevor er entsteht. Die Frage, Müll zu machen und neu zu kaufen oder nicht, stellt sich derzeit bei meinem Rucksack. Ich hatte ihn vor immerhin schon sechs Jahren gekauft. Täglich begleitet er mich auf dem Weg zur Arbeit, mittlerweile nicht nur mit Laptop, Schreibblock und Büchern gefüllt, sondern eben auch mit meinem Mittagessen im Glas. Das ist eine schwere Aufgabe für einen handelsüblichen 17-Zoll-Laptop-Rucksack. Natürlich besteht er fast ausschließlich aus Kunststoff. Inzwischen habe ich die Stück für Stück abgebrochenen und abhanden gekommenen Schiebergriffe der Reißverschlüsse durch Schlüsselringe ersetzt, was dem Rucksack eine rockig-punkige Erscheinung gibt - und ja, ich musste bei Wikipedia  nachlesen, wie die Dinger, die Schiebergriffe sind, heißen. Auch habe ich ihn bereits zweimal vom Schneider reparieren lassen. Das erste Mal hatte ich einen Riss mit Stoff stopfen lassen, was jedoch schnell wieder riss. Das Gewicht ist einfach zu groß. Das zweite Mal ließ ich den Türken meines Vertrauens Leder einnähen. Das hielt und hält noch immer, doch lehne ich tierische Produkte inzwischen ab, so dass ich eine Alternative finden muss. Kernfrage: Neu oder nochmal zum Schneider. Ich muss zugeben, die eine oder andere Leinen-Tasche reizte mich schon sehr zum Konsum an. Ich habe mich dennoch wieder für den Schneider entschieden, denn der Rucksack ist optisch noch völlig tadellos und das wichtigste: Er funktioniert!. Weshalb sollte ich ihn wegwerfen, nur weil der Boden sehr fadenscheinig geworden ist. Morgen schneide ich eine alte Jeans in zwei gleichgroße Stücke in der Größe des Taschenbodens und übergebe sie meinem Schneider. Das hält gewiss wieder zwei Jahre, und jemand freut sich über den Auftrag. Support your lokal taylor!

1 Kommentar:

  1. Recycle, Up- statt Downcycling und nun Precycle - wichtige Schritte. Im großen Ganzen sollte die Plastikproduktion von Industrieseite aus stark reduziert werden. Viele Organisationen, die sich um das Plastikproblem kümmern, wie neuerdings das Aktionsbündnis "Break free from Plastic" http://breakfreefromplastic.org/ , sind in https://sensiblochamaeleon.blogspot.de/2015/07/mikroplastik.html aufgelistet.

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