Montag, 24. November 2014

Vierundzwanzigster Schritt – ein bisschen Aufregen über Konsum und Elektromüll

Gefunden bei http://www.eder-holzbau.de
Nachdem ich heute Morgen auf dem Weg zur Bahn drei Beinahezusammenstöße mit in ihr Handy vertieften Fußgängern hatte - deren Schuld, war ja in mein eigenes Handy vertieft und hätte sie nicht sehen können -, fühlte ich mich bewogen, mal was dazu zu schreiben. Mein Mobiltelefon ist mir wichtig. Auch wenn ich schon eine Holzvariante, die vollkommen ohne Plastik auskommt, gefunden habe, werde ich bei meinem aktuellen Modell bleiben. Die Funktionalität des Holzhandys ist noch zu eingeschränkt und bislang nur auf Haptik und Optik reduziert. Wie dem auch sei. Mein ersten Smartphone bekam ich vor zwei Jahren - gebraucht - geschenkt, da der neue Vertrag der Schenkenden ein Neues mit sich brachte. Nun hatte ich auch eins, und, ja, ich lernte es schätzen. Letztes Weihnachtsfest lag dann ein neues unter dem Baum. Ich hätte mir selbst nie ein neues zugelegt, auch wenn ich das alte ab und an verflucht hatte, doch ich freute mich sehr darüber. Ich fluche allerdings immer noch. Nicht mehr darüber, dass es zu langsam ist wie mein altes. Nun darüber, dass es zu wenig Speicher hat (obgleich er gewiss dreimal so groß ist wie der des Vorgängers). Fazit: Ganz gleich welches Handy – das Fluchen bleibt. Was auch bleibt, ist die Entsorgungsfrage. In der Herstellung bereits Umweltsünde genug, beginnt der Spaß erst richtig, wenn es auseinander genommen werden muss, um die Giftstoffe auszusortieren und wieder Verwertbares dem Recycling zuzuführen. 80 Millionen Bundesbürger haben wir, 10 Millionen Smartphones werden jährlich in der Republik verkauft, und da ich nicht davon ausgehe, dass Neugeborene heutzutage ein Handy mit Vertrag zum 10. erworbenen Babybrei-Pulverdöschen bekommen und inzwischen nagelneue Smarties hippe Grab-Beigaben sind, muss meine Vermutung wohl zutreffen: Wir, die Konsumenten zwischen Wiege und Kiste, sind völlig meschugga. Grund der Aufregung war übrigens die Congstar-Werbung im Fernsehen. Vertrag abschließen – jedes Jahr ein neues Handy. Sollten nicht gerade Marktriesen, wie die Töchter der Telekom, etwas mehr grüne Verantwortung zeigen? Ich jedenfalls bleibe bei meinem Weihnachtsgeschenk, bis es auseinanderfällt. Und das meine ich ernst. Immerhin schreibe ich auch auf einem fünf Jahre alten Netbook. Und fluche währenddessen über dessen Geschwindigkeit und den zu geringen Speicher.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Dreiundzwanzigster Schritt: "I want to ride my ... Upcycle!"

Lieber unscharfe Schrauben als scharfes Chili
Die Küche war voller Plastik. Mittlerweile ist sie voller Glas und Edelstahl. „Hast du das Plastik weggeworfen?“, wurde ich gefragt. Ja, ich muss zugeben, einiges davon warf ich tatsächlich weg. Zerkratztes und Verformtes, bei dem mir die Gefahr für Lebensmittel einfach zu hoch war. Der Rest kam in den Keller. Zunächst wollte ich es auf Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Dann erkannte ich jedoch, dass ich mit dem Plastik auch meine Verantwortung verscherbele. Im Keller habe ich es unter Kontrolle. Kein Kontakt zu meinen Lebensmitteln, keinen Kontakt mit der Mülltonne. Mein persönlicher Gefangener von Askaban, Kellergast des Towers, Plastikmüll von Montechristo, wie auch immer Hauptsache weg aus der Küche und weg von der Mülltonne. 20 Prozent des Plastikmülls wird auch in Deutschland nicht recycelt. Das bedeutet Deponie oder Müllverbrennung. Das eine trinken wir früher oder später, weil es sich auflöst und ins Trinkwasser übergeht, das andere atmen wir ein. Deshalb bin ich selbst in der  Pflicht: Upcycling! Einfach einem anderen Verwendungszweck zuführen. Bei mir stehen die Plastikwaren von Tupper und Curver nun im Keller und bewahren Schrauben und Nägel auf, eben alle Kleinteile, die im Keller so anfallen und sortiert einfach besser aufbewahrt sind. Wäre ich früher drauf gekommen, hätte ich auch das Zerkratzte und Verformte nicht weggeworfen.

Designer-Rucksack by Turkish Taylor
Zu Recycling und Upcycling gehört natürlich konsequenterweise auch Precycling. Wie ich den meisten Verpackungsmüll vermeiden kann, habe ich schon festgestellt: Papierverpackungen statt Plastikverpackungen, Großgebinde statt Kleinpackungen, lose statt verpackter Ware und natürlich Müll vermeiden, bevor er entsteht. Die Frage, Müll zu machen und neu zu kaufen oder nicht, stellt sich derzeit bei meinem Rucksack. Ich hatte ihn vor immerhin schon sechs Jahren gekauft. Täglich begleitet er mich auf dem Weg zur Arbeit, mittlerweile nicht nur mit Laptop, Schreibblock und Büchern gefüllt, sondern eben auch mit meinem Mittagessen im Glas. Das ist eine schwere Aufgabe für einen handelsüblichen 17-Zoll-Laptop-Rucksack. Natürlich besteht er fast ausschließlich aus Kunststoff. Inzwischen habe ich die Stück für Stück abgebrochenen und abhanden gekommenen Schiebergriffe der Reißverschlüsse durch Schlüsselringe ersetzt, was dem Rucksack eine rockig-punkige Erscheinung gibt - und ja, ich musste bei Wikipedia  nachlesen, wie die Dinger, die Schiebergriffe sind, heißen. Auch habe ich ihn bereits zweimal vom Schneider reparieren lassen. Das erste Mal hatte ich einen Riss mit Stoff stopfen lassen, was jedoch schnell wieder riss. Das Gewicht ist einfach zu groß. Das zweite Mal ließ ich den Türken meines Vertrauens Leder einnähen. Das hielt und hält noch immer, doch lehne ich tierische Produkte inzwischen ab, so dass ich eine Alternative finden muss. Kernfrage: Neu oder nochmal zum Schneider. Ich muss zugeben, die eine oder andere Leinen-Tasche reizte mich schon sehr zum Konsum an. Ich habe mich dennoch wieder für den Schneider entschieden, denn der Rucksack ist optisch noch völlig tadellos und das wichtigste: Er funktioniert!. Weshalb sollte ich ihn wegwerfen, nur weil der Boden sehr fadenscheinig geworden ist. Morgen schneide ich eine alte Jeans in zwei gleichgroße Stücke in der Größe des Taschenbodens und übergebe sie meinem Schneider. Das hält gewiss wieder zwei Jahre, und jemand freut sich über den Auftrag. Support your lokal taylor!

Donnerstag, 11. September 2014

Okara-Frikadellen

Okara eignet sich nur nur für Kuchen oder Brotaufstriche, gerade als herzhafte Mahlzeit ist es sehr gut einsetzbar. Das nachfolgende Rezept lässt sich toll als Frikadelle formen oder auch als Hackbraten. Von der Konsistenz her ist es recht fest, weshalb es gut geschnitten werden kann. Einfach zu gleichen Teilen Okara und Semmelbrösel vermengen. Als Semmelbrösel nehme ich getrocknete Brotreste, die immer wieder mal anfallen. Ich packe sie kurz in den Mixer, um sie zu zerkleinern. So fein wie gekaufte Semmelbrösel müssen sie nicht sein, da sie ohnehin mit der Gemüsebrühe weich werden und im Rest der Masse aufgehen. Die selbstgemachten Brösel haben den Vorteil, dass sie intensiver im Geschmack sind, zumindest wenn man Brösel verschiedener Vollkornbrote hat. Gekaufte Brösel sind meist Weißmehlprodukte und vergleichsweise geschmacksarm. In die Okara-Semmelbrösel-Masse gebe ich Haferflocken. Sie sorgen zusammen mit der Gemüsebrühe für die Bindung, weshalb der Teig auch etwas ruhen muss. Bevor er ruht, kommen die restlichen Zutaten hinzu, und er wird ordentlich durchgeknetet. Nach gut 15 Minuten kann der Teig in die gewünschte Form gebracht werden. Ich mag die klassische Frikadellenform. Jetzt einfach von beiden Seiten anbraten, bis es die gewünschte Bräune hat.

Zutaten


400 g Okara
400 g Semmelbrösel
100 g Haferflocken
500 ml Gemüsebrühe
4 gepresste Knoblauchzehen
1 kleingewürfelte Zwiebel
2 geh. EL Senf
2 geh. EL Tomatenmark
2 TL süßes Paprikapulver
2 TL Rosmarin


Zubereitung in Kurzform
  • Alle Zutaten miteinander vermengen
  • 15 Minuten ruhen lassen
  • In die gewünschte Form bringen
  • In Soja- oder Kokosöl braten
Nährwerte 
Protein: 8%
Kohlenhydrate: 13%
Fett: 3%
Ballaststoffe: 7%

Schwierigkeitsgrad
einfach

Besonderheiten
fettarm

Dienstag, 9. September 2014

Okara-Mandel-Kuchen

Bei der Herstellung von Sojamilch fällt jede Menge Filtermasse an. Je nachdem, ob ich ein oder zweimal filtere können das bis zu 200 g Filtermasse auf 100 g Bohnen sein. Die Filtermasse ist eiweiß- sowie ballaststoffreich, geschmacksneutral und essbar, und da das so ist und Filtermasse mehr nach Abfall klingt, nennen sie die Japaner schon seit Jahrhunderten nicht Filtermasse sondern Okara. Es lässt sich tatsächlich überall reinarbeiten, in Brotaufstriche, in Frikadellen oder eben in Kuchen.
Der Filtermasse-Mandel-Kuchen Okara-Mandel-Kuchen ist schnell zubereitet, lecker und liefert ein paar saftige Stücke für den Sonntagnachmittagskaffee. Einfach 200 g Dinkelmehl, 150 g gemahlene Mandeln, 100 g Vollrohrzucker, 1 TL Vanille und ein halbes Päckchen Backpulver vermengen, dann 400 g Okara hinzu und mit 350 bis 500 ml Sojamilch solange verrühren, bis ein zähflüssiger Teig entsteht. Jetzt noch 2 EL Speisestärke, eingerührt in etwas Sojamilch, als Bindemittel hinzu, und fertig ist der Kuchenteig.
30-40 Minuten in einer eingefetteten Form bei 200° Ober-/Unterhitze reichen. Der Kuchen ist fertig, wenn kein Teig mehr am Messer haftet, wenn man rein sticht. Am besten ab der 30. Minute regelmäßig prüfen, nicht, dass der Kuchen trocken wird. Im Anschluss, sobald der Kuchen abgekühlt ist, entweder eine Glasur drüber oder, das habe ich gemacht, zwei gehäufte EL Kokosöl verflüssigen, mit Kakaopulver vermengen und über den Kuchen geben. Er nimmt es auf, bekommt ein marmoriertes Äußeres und eine zusätzliche Schoko-Kokos-Note.

Zutaten
350-500 ml Sojamilch
400 g Okara
200 g Dinkelmehl
150 g gemahlene Mandeln (oder Filterrest der Mandelmilch)
100 g Vollrohrzucker
2 EL Speisestärke
1 TL Vanille
1/2 Pck. Backpulver

Zubereitung in Kurzform
  • Die trockenen Zutaten vermengen
  • Okara hinzugeben
  • So lange Sojamilch hinzugeben, bis ein zähflüssiger Teig entsteht
  • Speisestärke mit etwas Sojamilch anrühren und dazu mischen
  • Backform einfetten und mit dem glattgestrichenen Teig 30-40 Minuten bei 200° Ober- und Unterhitze in den Backofen
  • Stürzen, abkühlen lassen und glasieren
Nährwerte
Protein: 8%
Kohlenhydrate: 23%
Fett: 10%
Ballaststoffe: 6%

Schwierigkeitsgrad
einfach



Samstag, 6. September 2014

Die 10 Gebote - Und wie es wirklich war ..

Der kriegt den Rasenmäher nie mehr!
Es war an einem warmen Sommerabend, als Mosche aufbrach, um sich ein Wenig mit alpinem Wandersport zu zerstreuen. Freilich war es nicht wirklich alpin, denn von der Existenz der Alpen wusste Mosche, wie auch die anderen zwanzigtausend Israeliten, nichts. Es war der Berg Sinai. Aus seiner Sicht war es folglich sinaiischer Wandersport, doch er zerstreute ebenso gut. Mosche wanderte also den Sinai hoch. Der Himmel war blau, die Sonne schien hell. Mosche machte das oft. Steil ging es bergauf. Die Waden spannten. Mosche griff in seine Schafsledertasche und holte seinen Walkman heraus. Natürlich gab es damals, vor gut dreieinhalbtausend Jahren, noch keine MP3-Player. Deshalb war es auch nicht so ein schönes handliches Gerät, wie wir es heute kennen. Es war ein Sony DD3 Quarz, groß wie ein Kinderkopf, und er lief mit Kassette. Immerhin eine Maxwell Chrome. Er setzte seine Kopfhörer auf und ließ seine Lieblingskassette anlaufen, die er stets anhatte, wenn er dem Alpinen fröhnte. Verzeihung, dem Sinainen. „Jesus was a Sailor, when he walked upon the Water“, sang Leonard Cohen. Wer mag dieser Jesus sein?, dachte Mosche an dieser Stelle immer, und was soll diese Textzeile bedeuten? Ist nicht jeder ein Seemann, wenn er die See befährt? Na, ja, dachte sich Mosche, der Weihrauch mag auch Cohen ab und an zu Kopfe gestiegen sein. 
Der Gipfel näherte sich. Jetzt kam, worauf sich Mosche stets am meisten freute: Der grenzenlose Blick über ganz Sinai-Valley. Nur noch knappe 20 Höhenmeter. Doch kaum huschte ein Lächeln über seine Lippen, schob sich die erste Wolke vor die Sonne, dann die zweite, die dritte, eine erste schwarze Wolke, die zweite, und schon setzten die ersten Regentropfen ein. Ein Blitz zuckte. Mosche suchte rasch Unterschlupf unter einem Felsvorsprung. Es regnete von einem Moment zum anderen in Strömen. Der Felsvorsprung gab nur Schutz vor dem, was von oben kam, doch der starke Wind peitschte ihm Unmengen von Wasser hart ins Gesicht. Mosche schaltete den Walkman aus und ließ die Kopfhörer locker um den Hals hängen. Sein Umhang war bereits feucht wie ein Frotteehandtuch nach dem Duschen, aber das wusste Mosche nicht, denn als er lebte, gab es weder Duschen noch Frottee. Der Vergleich, den er tatsächlich zog, erspare ich uns, denn die Dinge, an die er dachte, sind heute nicht mehr gebräuchlich. Außerdem wären sie nicht jugendfrei. Und während Mosche mit der Welt im Allgemeinen und sich im Besonderen haderte, überlegte er, wie diese Welt wohl besser werden könnte. Insbesondere auch im Hinblick auf das Wetter. „Du sollst nicht regnen!“, fiel ihm als erstes ein, womit seine Situation bereits wieder geglättet wäre. Ach, und er bekam nie seinen Rasenmäher gleich nach dem Mähen von seinem Nachbarn Korach zurück. Er musste ihn stets erinnern. Du sollst nicht länger begehren deines Nachbarn Rasenmähe,  als du ihn zum Mähen brauchst. Auch das wäre eine gute Sache. Und überhaupt, Korach schaute auch stets so lüstern auf Mosches Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, insbesondere nicht, wenn du dir dessen Rasenmäher nochmal leihen möchtest. Die Ideen sprudelten nur so aus Mosches Kopf. Rasch griff er in seine Umhängetasche und zog seinen Collegeblock hervor. Und natürlich war es ein Collegeblock. Es waren keine Steintafeln, wie später überliefert wurde. Die Dinger wiegen 15 Kilo pro Stück. Wer schleppt denn schon 30 Kilo Stein nur mal so auf Verdacht einen Berg hoch, falls ihm ein paar Gebote eingegeben werden sollten. Selbst wenn zufällig im Felsvorsprung welche gestanden hätten, wie unrealistisch wäre es denn, wenn Mosche zufällig einen Meißel zur Hand gehabt hätte. „Oh, Zippora, warum musstest du daneben greifen? Eine Banane als Wegzehr sollte es sein, und was ich finde, ist ein Meißel. Ui, da sind ja zwei Steintafeln. Nun, da ich schon mal einen Meißel dabei habe  ...“ 
Du sollst nicht flöten, muss auch noch auf die Liste, dachte Mosche. Der Nachbar von der anderen Seite und sein stetes lautes Proben. Das muss ein Ende haben. Ehe sich Mosche versah, waren es 10 Gebote an der Zahl. 
"Na, die knalle ich Korach gleich vor den Latz", sagte er sich, kaum dass das Wetter wieder aufklarte. 
Auf dem Abstieg hörte er wieder Musik vom Walkman. Leonard Cohen sang: „I’m the little Jew, who wrote the bible!” Bible? Jesses, was soll das sein?, fragte sich Mosche, und mit Jesses war nicht der Jesus vom Kreuz gemeint, dessen Geschichte sich erst in eineinhalb Tausend Jahren abspielen sollte, sondern der Hersteller seines Rasenmähers, den er ob seiner Qualität nicht oft genug preisen kann. Jesses Mowing Machines - We mow the lawn vom Egypt to Israel!

Letztlich war es entgegen des Liedes doch nicht Cohen, der die Bibel schreiben sollte, sondern Korach, der sich einfach Mosches Collegeblock lieh, die Gebote verlegen ließ und einen wahren Bestseller mit seiner Bibel landete. 
Moses!, was für ein blöder Name, dachte sich Mosche nach der Lektüre, und auch wenn Korach entscheidende Passagen geändert hatte, Mosches Rasenmäher bekam er nie wieder.

(Eine Hommage an Leonard Cohen, Charlton Heston, Robert Rankin und alle Schlüsselfiguren monotheistischer Weltreligionen)