Samstag, 2. Februar 2008

Wieder einer dieser Sonntage

Wieder einer dieser Sonntage. Einer dieser faulen Sonntage, die man damit beginnt, sie erst gar nicht beginnen zu lassen. Oder zumindest nicht morgens. Am Besten erst mittags. Oder noch besser abends. Oder halt gar nicht.

Ich liege in meinem Bett und versuche die mit unbarmherziger Gewalt eindringenden Sonnenstrahlen mit gänzlich untauglichen Mitteln abzuwehren. Nicht nur, dass sie durch die kleinsten Lücken drängen, als wären es aufgerissene Scheunentore und den Raum Rollläden, Vorhänge und selbst meine über den Kopf gezogene Bettdecke ignorierend durchfluten, als hätte ich sie soeben geöffneten Fensters mitsamt des mitgebrachten Sonntages herzlich begrüßt, nein, sie verhöhnen mich gerade zu, indem sie den Raum zusätzlich auch noch unerträglich erwärmen. Wie als wüssten die herzlosen Photonenbündel, dass ich unter dem mit dem Lichtschutz hoffnungslos überforderten Laken ohnehin schon zerfließe.

Außerdem geht mir langsam die Luft aus. Mein Körper signalisiert mir schon seit Minuten, dass aufzugeben keine Schande sein muss. Mein Verstand ist jedoch noch nicht bereit, der Sonne nebst Tag demütigen Hauptes zu kapitulieren. Ich versuche also, meinen Kopf einem Strauß fernab der sandigen Heimat gleich tiefer in meine Matratze zu graben bis die Einsicht nach kurzer Zeit begleitet von ebenso kurzer Atmung kommt: Ich kann dem Aufstehen nicht entkommen. Ausgerechnet am letzten Sonntag meines Sommerurlaubs.

Ich schalte das Radio an und bewege mich schlurfend in Richtung Bad. Die Small Faces ertönen. Natürlich aus dem Radio und nicht aus dem Bad. Dennoch stimme ich ihnen inhaltlich völlig zu. Nur, dass es noch nicht so spät ist, wie sie mir weismachen wollen. Leider. Ich stelle mich vor meinen Badezimmerspiegel und blicke in blutunterlaufene Augen mit dicken Rändern. Der gestrige Rotwein war wohl doch etwas zu schwer und die Nacht offenkundig ebenso lang wie Bacchus’ Seelenheiler im Abgang. Mit einer gerade so erträglichen Menge kühlen Nasses wecke ich meine Lebensgeister, ohne sie jedoch gleich in Aufruhr zu versetzen.

In den Morgenmantel gekleidet schlurfe ich wie der große Lebowski höchst persönlich, El Duderino, zum Kühlschrank und frühstücke einen Schluck Milch aus dem Tetrapack. Auf dem Weg zum Wohnzimmer komme ich an meiner Glasfenster durchzogenen Haustür vorbei und entdecke die Zeitung auf dem Boden. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die erste Zeitung, die ich sonntags bekomme. Ich öffne die Tür, baue mich breitbeinig vor der Zeitung auf, um beim Bücken meine nicht minder schlaftrunkenen Sehnen nicht fordern zu müssen. Wie es Männer nun mal so machen, wenn sie alleine sind, nutze ich die breitbeinige Gelegenheit, um die Stelle zu kratzen, die Hunde auch mit ihren Zungen erreichen.

Mein Schlurfen unfähig aufzugeben, begebe ich mich samt meiner Morgenpostille, die ich wohl wie Linus van Pelt hinter mir her ziehen würde, wäre sie länger, wieder nach drinnen. Ich lande träge auf dem Sofa, die Zeitung neben mir. Regungslos starre ich die Wand an und frage mich ernsthaft, wie die Sonne nur so unfair zu einem sein kann, ist sie doch sonst ein gütiger Lebensspender. Eine Weile ist mein Gehirn im Leerlauf. So sehr im Leerlauf, dass man am OP-Tisch wohl die Stecker gezogen und mit einem unschuldigen Schulterzucken Feierabend gemacht hätte. Einzig der Verkehrslärm von draußen stört. Der ungewöhnlichste Auftritt einer Stampede sonntagsfahrender Kirchgänger, die meine Ohren je vernommen haben.

Das Telefon reißt mich aus meiner Trance. Ich hebe ab, lege nach kurzem überraschenden Wortwechsel wieder auf, ziehe mich an und fahre wie jeden Montag zur Arbeit. Nicht mal den Small Faces kann man trauen.

Kommentare:

  1. Uhay. Mein Gott, ich dachte schon dieser Blog sei tot und nun geht es endlich weiter. Ich danke dir Träger des Lichts (Ist bestimmt auch nicht immer leicht). Ich bleib am Ball und du schreibst schön, ja?^^

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  2. Die Smal Faces haben schon immer gelogen.. es ist nie zu spät. wie man ja jetzt daran erkennen kann das der Blog lebt!
    Zum Text: Jaja diese Sonntage... Ich empfhele deinem Protagonisten sich einen Beruf mit Schicht zu suchen... da hat er solche Tage auch unter der Woche:-)

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  3. @marco
    Werde mir Mühe geben, das Leuchten nicht einzustellen. Danke.

    @N(acht)W(ächter)
    Vielleicht schreibe noch ein Remake mit einem Wechselschichtler. Bonne Idée ;-)

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