Posts mit dem Label Einweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Einweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 12. November 2019

Immer wieder Glascontainer

Immer wieder Glascontainer

Heute bin ich genervt. Warum? Weil ich ein zweites Mal in dieser Woche Glasmüll zum Container bringen muss. Er stammt von all den Gläschen mit Brotaufstrich, die sich in den letzten Tagen angesammelt haben. Erst hatte ich Frühstücksgäste und wollte mir keine Zeit nehmen, etwas selbst zu machen. Also gab es Gekauftes von süß bis herzhaft im Glas. Ich möchte ja keinen Plastikmüll verursachen. Hinzu kam, dass ich mir auch für meinen eigenen morgendlichen Bedarf keine Zeit nahm, etwas selbst zu machen. Dabei ist es so einfach. Abends die Gemüsepfanne, davon etwas weggenommen und mit Sonnenblumenkernen unter den Stabmixer. Fertig ist der Brotaufstrich für die nächsten zwei Tage. Leider gab es zwei Wochen lang fast nur gehetztes Essen auf die Hand oder abends rasch eine Portion Nudeln. Natürlich mit Pesto. Aus dem Glas. 

Wesentliches gibt es für mich nicht im Mehrwegglas. Joghurt: Ja! Auch Milch. Beides esse ich nicht und schaue daher neidisch im Supermarkt über den Deckel meines Einweg-Brotaufstrichglases ins Mopro-Kühlregal. Warum neidisch? Weil die Mehrwegglasverpackung der Einwegdose und Einwegplastikverpackung ökologisch überlegen ist, solange sie aus regionaler Abfüllung stammt. Immerhin lässt sich so ein Mehrwegglas bis zu fünfzigmal wiederverwenden. Beides bestätigt das Umweltbundesamt. Einweg wird zwar fleißig gesammelt, aber dann energieintensiv eingeschmolzen, um zur Quelle für ein neues Glasprodukt zu werden. Eine Zeitlang habe ich die Gläschen gespült und in meinen Workshops zum Abfüllen des Selbstgemachten ausgegeben. Leider kann ich gar nicht so viele Workshops annehmen, um die Folgen meines riesigen Frühstückshungers zu kompensieren. Vier Millionen Tonnen Behälterglas werden in Deutschland jährlich produziert, das sind fast 50 Kilo pro Bundesbürger, sagt das Bundesumweltministerium. Nach Daten des statistischen Bundesamts entfallen 2,5 Prozent der 45,9 Millionen Tonnen Haushaltsmüll, die zuletzt jährlich anfielen, auf Glas. Das sind gut 14 Kilogramm pro Kopf. Die Differenz zwischen Produktion und Müll ist Mehrwegglas, hoffe ich zumindest. Doch die könnte deutlich höher sein, wenn es auch Mehrweggläser für meine Brotaufstriche gäbe. Gemessen an meinem Appetit kann ich mir zumindest vorstellen, dass ich relevante statistische Veränderungen hervorrufen würde. Wieder rufe ich Politik und Wirtschaft zu: Bitte schafft die Voraussetzungen!

Bis der Ruf erhört wird, nehme ich mein Genervtsein zum Anlass, mich zu Redisziplinieren, denn das hatte schon mal besser geklappt. Die nächsten vier Wochen verspreche ich mir, kein Einwegglas mehr zu kaufen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht vorhanden geglaubte Zeit plötzlich hinter dem Küchenschrank hervorkriecht, wenn die Disziplin den Hunger dirigiert. Den restlichen Glasmüll bringe ich jetzt in den Container. Immerhin 90 Prozent davon werden recycelt. Bei meiner Recherche werde ich daran erinnert, wie wichtig die Sortenreinheit ist. Nur wenige Prozent fremdfarbiges Glas werden toleriert. Insbesondere bei Weißglas. Die Fehlwürfe müssen sonst zunächst manuell und dann erst durch Maschinen aussortiert werden. Meine zwar löffelreinen, aber dennoch nach einigen Tagen nicht mehr wirklich ansehnlichen Gläser möchte ich niemanden in die Hand zu nehmen zumuten. Übrigens sind Keramik, Steingut, Porzellan und sogar Flachglas der Feind des Glas-Recyclings. Schon wenige Gramm pro Tonne können die gesamte Produktion unbrauchbar machen. Ich frühstücke jetzt erstmal – aus dem letzten Frühstücksaufstrichglas.

Dienstag, 20. November 2018

Pisa und ihr Einwegbecher


Der Titel hört sich ein wenig nach einem Jugendbuch an, in dem ein fünfzehnjähriges Mädchen die Hauptrolle spielt, deren Eltern dem Buchstaben P aus unerklärlichen Gründen bei der Namensgebung den Vorzug vor dem L gaben. Vielleicht waren es Lolizeibeamte aus Lotzdam? Wer weiß!
Meist tragen die Mädchen in diesen Büchern Reitklamotten, und Ponys spielen die zweite Hauptrolle – „Einwegbecher“ ist, nebenbei bemerkt, ein ebenso merkwürdiger Name für ein Reittier wie Pisa für dessen Reiterin. Passt jedoch gut zu den doch offensichtlich sehr originellen Eltern.

Tatsächlich geht es um das "Programme for International Student Assessment" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durch das die Leistung von Fünfzehnjährigen alle drei Jahre weltweit getestet wird – auch bekannt unter dem Namen PISA-Studie. 2001 stellte sich heraus, dass ein Fünftel der Fünfzehnjährigen in Deutschland eine Leseleistung auf Grundschulniveau hat. Das hat sich zum Glück gebessert. Inzwischen sind unsere Kids immerhin nahezu auf Durchschnittsniveau.

An dieser Stelle kommt der Einwegbecher ins Spiel und das Pony in den Stall, denn, ja, auch das war nach der pfiffigen Einleitung nur eine umso gewitztere Überleitung, um Sie voller Spannung im Lesefluss zu halten. In Wirklichkeit geht es nämlich nicht nur nicht um Pisa und ihr Pony, sondern noch nicht einmal um die gleichnamige Studie. Es geht um Coffee-to-go.
In Deutschland werden jährlich fast 2,8 Milliarden Einweg-Becher hergestellt, für deren Produktion 129.000 Tonnen Papier verbraucht werden. Papier, das offensichtlich, als Lesebuch verwendet, viel sinnvoller zu gebrauchen wäre. Geht man davon aus, dass ein Buch im Schnitt 500 Gramm wiegt, sind das in Summe 260 Millionen Bücher, die auf 11 Millionen Schülerinnen und Schüler verteilt werden könnten. Jeder von ihnen könnte also monatlich zwei Bücher mehr oder überhaupt lesen, wenn wir dafür nur noch Kaffee aus Porzellan- oder Edelstahlbechern tränken. Wäre das nicht toll?

Jetzt mag man sich natürlich fragen, wie man eine Schülerin oder einen Schüler zum Lesen bringt. Natürlich mit zusätzlichen Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern! In der Papierindustrie arbeiten 50.000 Menschen. Bei einer jährlichen Produktionsleistung von 22,6 Millionen Tonnen Papier könnten, ohne die Herstellung der Pappbecher, 285 Beschäftige freigesetzt und zu Lehrkräften umgeschult werden. Pro 38.600 Schülern wäre das ein Lehrkörper mehr! Zugegeben, daran krankt die Theorie ein wenig.

Aber mal ehrlich: So ein Pappbecher ist doch wirklich das widerwärtigste Gefäß, aus dem man ein so edles Getränk wie Kaffee zu sich nehmen kann. Der erste Schluck schmeckt nach Pappe, und erst wenn die Lippen von der Hitze des Aufgusses betäubt sind, kommt etwas von dem Kaffeearoma durch. Verhindern kann ich beides nur durch einen Plastikdeckel zwischen Lippe und Pappe. Damit schmeckt der erste Schluck, wenn ich Pech habe und der Kaffee-Dealer bei einem günstigen Kunststoffhersteller eingekauft hat, stattdessen nach Plastik und bringt mich zusätzlich zu den über 800 Aromen, die das Geröstete-Bohnen-Heißgetränk mir schenkt, in den zweifelhaften Genuss von gesundheitlich fragwürdigen Stoffen aus dem Kunststoff.
Ich wette, Sie stellen sich jetzt zwei Fragen. Die erste ist gewiss, wo sie nun einen guten Kaffee im Mehrwegbecher zu ihrem Buch herbekommen, und die zweite: „Was in aller Welt macht das Pony währenddessen?“
Denken Sie ruhig mal darüber nach!

Samstag, 28. April 2018

Daily Insta


Unterwegs für die Wetterauer Zeitung mit @frl.oeko: "Plastikfrei einkaufen in Friedberg" Nächste Woche zu lesen 😊 #artikel #schreiben #wetterauerzeitung #plastikfrei #nowaste #einkaufen #nachhaltig #Nachhaltigkeit #tegut #friedberg #wetterau #wetteraukreis #Hessen #andreasarnold

Freitag, 27. April 2018

30-Tage-Challenge: Loslassen-Ausmisten-Reduzieren (#27)

Das ist wieder ein Festtag für eine ganz bestimmte Freundin, die nun wieder kommentieren kann, dass ich aber auch ganz schön viel Mist in meinen Schränken habe, und sie hat Recht. Von diesem Berg an Tüten war ich selbst überrascht.

Die Papiertüten stammten alle aus Obst- und Gemüseeinkäufen auf dem Markt, wenn ich ärgerlicherweise meine wiederverwendbaren zuhause vergessen hatte. Offen gestanden muss es heißen: ..., wenn ich ärgerlicherweise zu faul war, wieder nach oben zu gehen und erneut den Markt zu besuchen - immerhin wohne ich direkt am Marktplatz. Ich hatte dann immer die Ausrede parat, ich würde die Tüten ja für den Kompost nutzen. Offenbar stehen mein Bedarf an Komposttüten und meine Faulheit in einer Dysbalance. Dieser Papiertütenberg hat mir die Augen geöffnet. Ich gelobe Besserung. Außerdem ist es ja auch gut für den Kreislauf, die 60 Treppenstufen ein zweites Mal hoch- und runterzugehen. 

Auch zahlreiche papierne mehrfach nutzbare Tüten habe ich aussortiert. Ich werde sie zu den Tafeln geben, die sie für Menschen nutzen, die ohne Tüte gekommen sind. Ebenso wie die vielen gebrauchten Plastiktüten, die mir zu verschiedenen Gelegenheiten, in die Hand gedrückt wurden.

Eine Bewusstseinsänderung hat bei mir gegriffen, als ich die viele Alufolie sah. Immer wenn ich bei meinen Eltern zu Gast war und es Reste gab, bekam ich sie mit (natürlich bekam ich sie mit: wer will dieses vegane Zeug auch sonst essen?). Sie waren immer - wie man das seit Uhrzeiten gewohnt ist - auf einem Teller, der in Alufolie eingeschlagen waren. Inzwischen haben sich meine Eltern von meinem Enthusiasmus, Müll reduzieren zu wollen, anstecken lassen und haben zwei Glasbehältnisse gekauft, die es im Tausch leer gegen voll mitgibt, wenn ich nicht brav aufgegessen habe - was mengenmäßig selten möglich ist (große Mengen aus mütterlicher Liebe und der Gewissheit, dass man von veganem Essen ja nicht satt wird und der Bub sonst wieder so ein schmales Gesicht bekommt). Dennoch gemahnt es mich an die eigene Verantwortung. Ich werde künftig vorsorgen, wenn ich zu Reste-Mitnehm-Trächtigen Einladungen gehe. Ich möchte mich nicht mehr damit herausreden, dass ich die Papier-, die Plastiktüte oder die Alufolie ja nochmal verwenden kann ... ich mache es offenbar schlichtweg nicht.

PS Mami, du machst leckeres veganes Essen. Ich mache nur Spaß. Nicht die Mengen reduzieren! Denk daran ... schmales Gesicht!



Mittwoch, 25. April 2018

Daily Insta


Die Zahlen stammen zwar aus 2015. Mittlerweile sind wir dank des Endes der kostenlosen Abgabe auf 45 Plastiktüten Verbrauch pro Kopf und Jahr - obgleich ich nirgendwo finden konnte, wie sich der Verbrauch der kostenlosen Obst- und Gemüsetüten entwickelt hat (ein Schelm, der böses dabei denkt). Aber ich finde es gut, den Kunden auf seinen Anteil an der Verbesserung des Systems hinzuweisen. Die einzig funktionierende Lösung ist meines Erachtens, den Verkauf von Einwegtüten grundsätzlich sein zu lassen und den Kunden so zur konsequenten Verwendung von Dauertüten zu führen. Auf dünnere Plastiktüten auszuweichen oder Papiertüten anzubieten, ist keine Lösung, sondern Teil des Problems. #noplastic #plastikfrei #plastiktüten #plasticbags #banplasticbags #plasticpollution #umweltschutz #Nachhaltigkeit #sustainability

Dienstag, 28. Februar 2017

Car-to-throw oder Wenn wir Autos wie Kaffeebecher behandelten



"Ein Car-to-throw, bitte!", sage ich, als ich in einem Friedberger Autohaus stehe. „Car-to-throw? Sehr wohl!“, sagt der freundliche Mitarbeiter, der mir dazu einen Kaffee im Einweg-Becher anbietet. „Danke!“, sage ich, kaufe das Auto, fahre damit nachhause und lasse es vom lokalen Schrotthändler unmittelbar nach dem Parken abholen ... 

Das ist natürlich fiktiv, doch ist es auch undenkbar?

Ich bin Normalverdiener, und ich trinke gerne Kaffee. Möchte ich unterwegs einen Kaffee trinken, ist der übliche Weg der, in eine Bäckerei zu gehen, wo mir der Vollautomat frisch gebrüht jeden Wunsch erfüllt. Unser Bruttojahresgehalt lag letztes Jahr bei 41.000 Euro im Schnitt, während der Becher für meinen Kaffee unterwegs ca. vier Cent kostet, bei einem Coffee-to-go pro Arbeitstag 88 Cent im Monat. Lächerlich? Vielleicht nur eine Frage der Relation.

7,6 Millionen Euro verdiente beispielsweise der Daimler-Chef im letzten Jahr. Sicherlich trinkt er auch unterwegs mal einen Kaffee. Doch was wäre, wenn er mit Autos ebenso umginge, wie mit Kaffeebechern? Er könnte es sich zumindest leisten. Unglaublich? Stimmt! Doch sich zu jedem Geburtstag einen Bajaj Qute zu kaufen - das ist das günstigste Auto der Welt, sozusagen das automobile Pendant eines Pappbechers -, um ihn nach dem Parken wegzu¬werfen, kostete ihn in Relation ebenso lächerlich wenig wie uns Normalverdiener die Menge monatlicher Einmalbecher. Es gäbe vermutlich einen Aufschrei, würde bekannt, dass er sich regelmäßig ein Car-to-throw gönnte. Selbst unter Mercedes-Fahrern. Natürlich käme kein Top-Manager auf diese Idee, doch, so absurd sie uns allen auch erscheinen mag, relativ gesehen ist sie nicht weniger undenkbar, wie täglich Kaffeebecher wegzuwerfen. 

Der Aufschrei bei dem astronomischen bundesweiten Verbrauch von Coffee-to-go-Bechern ist derzeit noch leise – die täglich in Deutschland weggeworfene Becherzahl entspricht übrigens zufälligerweise dem oben genannten Managergehalt in Euro -, und das obwohl die ökologischen Kosten pro Becher weit höher liegen als bei 4 Cent. Nicht eingerechnet sind beispielsweise die klimatischen Folgen der CO2-Emissionen bei Herstellung und Entsorgung und die Ressourcenverluste, da die Becher in der Regel im öffentlichen Restmüll landen und verbrannt statt recycelt werden. Die Kosten sind kaum bezifferbar, doch augenscheinlich sind sie so viel höher, dass es sich ein Topmanager vermutlich sogar leisten könnte, einen Mercedes Benz nach der ersten Fahrt wegzuwerfen. Einen kleinen zumindest. 

Auch Bioplastik-Recyclingbecher anzubieten, hilft nichts, denn zur Herstellung des Bioplastik der Innenbeschichtung und des Deckels wird Mais verwandt, dessen Anbau weitere Umweltkosten mit sich bringt, beispielsweise durch die zusätzliche Einbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in die Natur und durch den Landraub zur Neugewinnung von Anbauflächen. Ganz davon abgesehen, dass ein Nahrungsmittel für einen Wegwerfartikel mit 15 Minuten Nutzungszeit verschwendet wird. Mit anderen Worten: Ob das Car-to-throw eine Mercedes Benz B-Klasse mit Diesel- oder Erdgasantrieb ist, ist dem Schrotthändler egal! 

Natürlich würde der Daimler-Chef nie einen Mercedes wegwerfen und hoffentlich auch keinen Bajaj Qute. Doch sollte die Fiktion eines Tages Realität werden, habe ich einen Vorschlag: Wir treffen uns in von den Schrottpressen der Welt geretteten Car-to-throws im Autokino und prosten uns mit unseren zuhause zubereiteten Kaffees aus Mehrweg-Edelstahlbechern zu. Prost! Kaffee macht wach!

Bildquelle: motopage.ru

Dieser Beitrag steht als Podcast zur Verfügung.