Dienstag, 15. September 2020

Innenstadtbelebung

Innenstadtbelebung

Wenn ich aus meinem Wohnzimmerfenster heraus auf die Friedberger Kaiserstraße schaue, frage ich mich oft, was gemacht werden kann, um die Leerstände zu bekämpfen und die Einkaufskultur zu beleben. Das ist ein Nachhaltigkeitsthema! Ganz gewiss! Jede Ware, die ich hier erwerben kann, muss ich nicht von weiter weg kaufen. Und dabei ist es gar nicht mal so sehr erheblich, ob ich bis Gießen oder Frankfurt fahren muss, um einzukaufen, oder mein Begehr über einen der Onlineshops stille. Was ich mit dem einen Weg über meinen Individualverkehr verursache, bewirke ich auf dem anderen Weg durch den Individualversand von Waren. Es ist auch ein ganz persönliches Nachhaltigkeitsanliegen, denn ich bin bequem und zudem ungeduldig. Wenn ich etwas benötige, dann möchte ich es mit möglichst wenig Aufwand und im besten Fall sofort haben. Beim Kaffeekauf kann ich das realisieren. Kaffee leer? Glasbehältnis schnappen, ins Erdgeschoss, auffüllen lassen, und nach wenigen Minuten kann ich ihn frisch gebrüht genießen. Sogar in Bio-Qualität! Wenn ich eine 140er-Einspritzdüse von Thompson brauche komme ich zwar nicht daran vorbei, doch das erwarte ich von meiner Kreisstadt auch gar nicht. Vieles bekomme ich, ohne viele Schritte in Kauf nehmen zu müssen, doch frage ich mich, wie man die vielen Menschen, die ich in den Cafés um mich herum sehe, zu solchen Kunden machen kann, dass auch die letzten Leerstände weichen. 

Wer Friedberg besucht, um einen Espresso bei nettem Plausch mit Freunden zu genießen, dann aber abends die Bratpfanne im Internet kauft, die er oder sie ein paar Meter weiter auch bekommen hätte, ist es wahrscheinlich hilfreich, Gründe in Erfahrung zu bringen. Vielleicht ist es das fehlende Wissen darum, welches Angebot die Kaiserstraße und ihre Umgebung jetzt schon haben. Der oft höhere Preis in Ladengeschäften, der sich zumeist jedoch schlichtweg aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten wie der Miete und den Nebenkosten eines Ladens sowie den Personalkosten für Fachpersonal ergibt, die ein Internethandel in dieser Größenordnung natürlich nicht hat, kann nicht der entscheidende Punkt sein. Immerhin bekomme ich in gerade einmal dreihundert Metern Entfernung voneinander hochpreisige Bratpfannen und solche aus dem Niedrigpreissegment. 

An dieser Stelle hält vielleicht die eine oder andere Leserin oder der eine oder andere Leser inne und fragt sich, was eigentlich meine Bequemlichkeit und Ungeduld zu bedienen mit Nachhaltigkeit zu tun haben soll. Nehmen wir an, ich bräuchte tatsächlich eine 140er-Einspritzdüse, obwohl ich gar keinen Rolls Royce oder Panzer besitze, und Friedberg hätte doch eines seiner leerstehenden Geschäfte zum Einspritzdüsenfachhandel erhoben, dann könnte ich nach vielleicht 200 Metern Fußweg mein Ziel erreichen. Hin und zurück hätte ich ca. 78 Kilokalorien verbraucht. Müsste ich dazu nach Frankfurt hätte ich den Weg zum Friedberger Bahnhof und zurück und noch zweifach den Weg zwischen der Frankfurter Bahnstation zum Einspritzdüsenfachgeschäft. Das sind gut 350 Kilokalorien Energieaufwand. Die Differenz entspricht dem Energiegehalt einer Laugenstange, die ich nur deshalb unnötigerweise hätte verzehren müssen, weil Friedberg Leerstände hat. Zugegeben, das war sehr viel Text, nur um am Ende zu sagen: Unterstützt eure heimische Ladenvielfalt, indem ihr lokal einkauft. Und gut, dass es das Integrative Stadtentwicklungskonzept ISEK gibt. Ich bin sehr auf das Abschlussforum gespannt, das sicherlich bald auf http://isek-fb.de/ angekündigt werden wird.

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