Dienstag, 27. Februar 2018

Katzenkratzer


Letztens wurde ich während einer Diskussion in einer Facebook-Gruppe zum Thema Minimalismus sinngemäß gefragt, weshalb wir alle bloß so zahlenverliebt seien. Wenn man der Umwelt etwas Gutes tun wolle, könne man das doch einfach tun. 

Ja, das ist natürlich prinzipiell richtig. Man kann immer alles tun! Erinnern wir uns jedoch an unsere Grundschullehrerin, dann fällt uns schnell ein, dass sie immer sagte: „Tun tut man nicht!“ Was soll man da tun? Der Nachteil vom einfachen Tun ist, dass es zumeist auf dem Bauchgefühl basiert. Das Bauchgefühl nährt sich durch Erfahrung. Wenn mich meine Katze das dritte Mal gekratzt hat, weil ich sie gegen den Strich gestreichelt habe, sagt mir mein Bauchgefühl, wenn ich eine fremde Katze mit noch größeren Krallen vor mir habe: „Versuch‘s besser in Wuchsrichtung des Fells!“ Ich tu‘s, sie schnurrt und ich komme ohne Auffrischung meiner Tetanusimpfung durch den Tag. In Fragen einer ökologischen Lebensführung ist das leider nicht so. Ich kann aus eigenen Erfahrungen nicht bemessen, ob sich das Eine ökologischer auswirkt als das Andere. Weder das Eine noch das Andere haben Krallen, die mich Erfahrungen machen lassen. Ich merke auch nicht, dass sich das Klima wandelt, weil ich dieses oder jenes in meinem Leben verändert habe. 

Das ist ein Wenig wie mit dem Rauchen. Wenn unmittelbar nach dem Rauchen Lungenkrebs folgte, würden nur noch Suizidenten rauchen. Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens, im Durchschnitt 30-40 Jahre nach Beginn des Rauchens, an Krebs. Nur wenn ich das weiß, kann ich entscheiden, ob Rauchen clever ist oder nicht. Wer vor hundert Jahren zu rauchen begann, stellte vierzig Jahren später fest, dass es 90% seiner Rauchkumpane besser geht und wunderte sich vielleicht, warum die Eiserne Lunge so laut pumpt. Das Informationszeitalter bringt mit sich, dass eben solche Zahlen öffentlich zugänglich sind und Entscheidungen beeinflussen können. Ebenso ist es mit den Zahlen zur Umwelt. Ich muss wissen, was in 30 oder 40 Jahren aller Wahrscheinlichkeit eintreten wird, wenn ich dieses oder jenes Verhalten an den Tag lege. 

Wenn ich an der Supermarktkasse stehe und die Wahl zwischen Papier- und Plastiktüte habe, sagt mir mein Bauch vielleicht: „Nimm Papier! Bäume sind ein Teil der Natur!“ Habe ich die nötigen Zahlen recherchiert, weiß ich, dass zur Herstellung fast doppelt so viel Energie benötigt wird und eine deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser durch Stickoxide, Schwefeldioxide und andere Chemikalien, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden müssen, entsteht. Dann weiß ich, dass wir mit Papiertüten als Ersatz in 40 Jahren höchstwahrscheinlich noch trockenere und heißere Sommer haben werden. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, nannte das meine Oma. Ich entscheide mich mit diesem Wissen vielleicht, meinen Einkauf lose im Kofferraum nachhause zu fahren. Dort angekommen mehrfach zwischen Küche und Auto pendeln zu müssen, wirkt sich dann auch auf den Bauch aus - sowohl auf den Umfang als auch auf gleichnamiges Gefühl, das mich das nächste Mal meine Stoffbeutel sicher nicht vergessen lässt. 

„Wissen ist Macht“ schrieb der Philosoph Francis Bacon schon 1598. Wir sollten also alle etwas zahlenverliebt sein, wenn wir die Macht haben wollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine valide Statistik, wie viele Katzen nicht gegen den Strich gestreichelt werden wollen, gibt es übrigens nicht. Zur Umwelt dahingegen findet man im Internet alles, und die hat nicht einmal Krallen.

Quelle: http://www.bilder-katzen.de/portfolio/bild-vom-katzenbaby/


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