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Dienstag, 12. November 2019

Immer wieder Glascontainer

Immer wieder Glascontainer

Heute bin ich genervt. Warum? Weil ich ein zweites Mal in dieser Woche Glasmüll zum Container bringen muss. Er stammt von all den Gläschen mit Brotaufstrich, die sich in den letzten Tagen angesammelt haben. Erst hatte ich Frühstücksgäste und wollte mir keine Zeit nehmen, etwas selbst zu machen. Also gab es Gekauftes von süß bis herzhaft im Glas. Ich möchte ja keinen Plastikmüll verursachen. Hinzu kam, dass ich mir auch für meinen eigenen morgendlichen Bedarf keine Zeit nahm, etwas selbst zu machen. Dabei ist es so einfach. Abends die Gemüsepfanne, davon etwas weggenommen und mit Sonnenblumenkernen unter den Stabmixer. Fertig ist der Brotaufstrich für die nächsten zwei Tage. Leider gab es zwei Wochen lang fast nur gehetztes Essen auf die Hand oder abends rasch eine Portion Nudeln. Natürlich mit Pesto. Aus dem Glas. 

Wesentliches gibt es für mich nicht im Mehrwegglas. Joghurt: Ja! Auch Milch. Beides esse ich nicht und schaue daher neidisch im Supermarkt über den Deckel meines Einweg-Brotaufstrichglases ins Mopro-Kühlregal. Warum neidisch? Weil die Mehrwegglasverpackung der Einwegdose und Einwegplastikverpackung ökologisch überlegen ist, solange sie aus regionaler Abfüllung stammt. Immerhin lässt sich so ein Mehrwegglas bis zu fünfzigmal wiederverwenden. Beides bestätigt das Umweltbundesamt. Einweg wird zwar fleißig gesammelt, aber dann energieintensiv eingeschmolzen, um zur Quelle für ein neues Glasprodukt zu werden. Eine Zeitlang habe ich die Gläschen gespült und in meinen Workshops zum Abfüllen des Selbstgemachten ausgegeben. Leider kann ich gar nicht so viele Workshops annehmen, um die Folgen meines riesigen Frühstückshungers zu kompensieren. Vier Millionen Tonnen Behälterglas werden in Deutschland jährlich produziert, das sind fast 50 Kilo pro Bundesbürger, sagt das Bundesumweltministerium. Nach Daten des statistischen Bundesamts entfallen 2,5 Prozent der 45,9 Millionen Tonnen Haushaltsmüll, die zuletzt jährlich anfielen, auf Glas. Das sind gut 14 Kilogramm pro Kopf. Die Differenz zwischen Produktion und Müll ist Mehrwegglas, hoffe ich zumindest. Doch die könnte deutlich höher sein, wenn es auch Mehrweggläser für meine Brotaufstriche gäbe. Gemessen an meinem Appetit kann ich mir zumindest vorstellen, dass ich relevante statistische Veränderungen hervorrufen würde. Wieder rufe ich Politik und Wirtschaft zu: Bitte schafft die Voraussetzungen!

Bis der Ruf erhört wird, nehme ich mein Genervtsein zum Anlass, mich zu Redisziplinieren, denn das hatte schon mal besser geklappt. Die nächsten vier Wochen verspreche ich mir, kein Einwegglas mehr zu kaufen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht vorhanden geglaubte Zeit plötzlich hinter dem Küchenschrank hervorkriecht, wenn die Disziplin den Hunger dirigiert. Den restlichen Glasmüll bringe ich jetzt in den Container. Immerhin 90 Prozent davon werden recycelt. Bei meiner Recherche werde ich daran erinnert, wie wichtig die Sortenreinheit ist. Nur wenige Prozent fremdfarbiges Glas werden toleriert. Insbesondere bei Weißglas. Die Fehlwürfe müssen sonst zunächst manuell und dann erst durch Maschinen aussortiert werden. Meine zwar löffelreinen, aber dennoch nach einigen Tagen nicht mehr wirklich ansehnlichen Gläser möchte ich niemanden in die Hand zu nehmen zumuten. Übrigens sind Keramik, Steingut, Porzellan und sogar Flachglas der Feind des Glas-Recyclings. Schon wenige Gramm pro Tonne können die gesamte Produktion unbrauchbar machen. Ich frühstücke jetzt erstmal – aus dem letzten Frühstücksaufstrichglas.

Mittwoch, 22. Mai 2019

Frei in den Mai - vier Wochen Ausmisten (Tag 24)


Heute gebe ich mein Backup-Handy frei. Tatsächlich hatte ich es nicht einmal gekauft, sondern gefunden. Es war vor einigen Jahren mal vom Radkasten eines Anhängers gefallen, auf dem es gelegen hatte, als das ziehende Fahrzeug an mir vorbeigefahren war. Winken half nichts, um darauf aufmerksam zu machen. Nachdem ich das 12-Euro-Handy zum Fundbüro gebracht hatte, durfte ich es nach einigen Monaten wieder abholen. Es war in meinen Besitz übergegangen. Wie erfreulich dachte ich mir, organisierte mir ein Ladekabel und bekam obendrein noch Kopfhörer dazu. Nun hatte ich ein Handy, auf das ich zurückgreifen konnte, falls mein Smartphone überraschend kaputt gehen sollte. Das tat es auch, und zwar dreimal - also nicht immer dasselbe, sondern das, welches ich bei Fund des Backup-Handy nutzte und dessen beide Nachfolger. Dennoch nutzte ich es nicht ein einziges Mal, weil ich, kaum dass ich jeweils auf Facebook gepostet hatte, dass eines zerstört war, binnen weniger Stunden ein neues gebrauchtes übereignet bekommen hatte. Einmal - geschätzt - hatte ich es sicherheitshalber zum Wandern bei mir, da ich währenddessen nicht durch Internet-Apps gestört werden wollte, aber im Notfall gerettet werden wollte. Als ich entdeckte, dass es einfacher, ist die Datenverbindung zu kappen, und ich dann dennoch den Vorzug genießen kann, mich, nachdem ich mich verlaufen habe, wieder zurück in die Zivilisation retten kann, hatte es seinen Sinn gänzlich eingebüßt 🤷‍♂️

Habt ihr auch nicht mehr genutzte Handys, Smartphone, Phablets, Tablets etc. zu Hause? Ich möchte gerne wieder sammeln. Ihr könnt sie  bis Ende des Monats bei mir abgeben. Ein Freund sammelt Altgeräte für das Regenwald-Projekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V.. Die Einnahmen aus dem Recycling fließen in den Schutz der Berggorillas. Mit "Ein Handy für den Gorilla" 🐵 (Stellvertreter-Affen-Emoji)  habt ihr gleich doppelt etwas für die Umwelt getan: Ressourcen liegen nicht mehr ungenutzt in den Schubladen, und dafür tollen mehr Gorillas in den Wäldern herum 😉

Bis zum 26. Mai werde ich täglich etwas aus meinem Besitz freigeben und unter #freiindenmai in Facebook und Instagram darüber posten. Steigt doch ein, euren Besitz zu hinterfragen, etwas davon zu verschenken oder zu verkaufen. Das befreit, schont Ressourcen, und ihr macht damit anderen vielleicht eine Freude 😊

Dienstag, 6. November 2018

Reich im Alter


Zum zweiten Mal in diesem Jahr habe ich meinen Besitz verkleinert und einen ganzen Monat täglich etwas aussortiert. Fast einhundert ungenutzte Dinge habe ich weggegeben können, wie eine in den letzten zwölf Jahren nur fünfmal gespielte E-Gitarre, eine noch nie genutzte Nudelmaschine und zwei von drei Computer-Mäusen. Warum? 
Weil es erstens sehr befreiend ist, nur noch Dinge zu besitzen, die mindestens einmal im Jahr benutzt werden. Weil zweitens nichts mehr unnütz herumsteht, das Platz wegnimmt und gepflegt werden muss. Weil drittens nichts mehr in meinen Schubladen schläft und Ressourcen bindet. Und zuletzt, weil nichts mehr Kapital frisst. „Kapital?“, höre ich Sie fragen? Sie fragen zurecht. Aber der Reihe nach. 

Es befreit, sich zu reduzieren. All diese kleinen ungenutzten Dinge sind winzige Baustellen vom Kaliber „Müsste mal diese Schublade aufräumen!“, „Das muss dringend zum Flomarkt!“ oder „Ob das noch funktioniert?“. All das bindet Kapazitäten im Kopf, die, einmal davon befreit, Raum für neue Gedanken bieten. Am deutlichsten habe ich das an den Umverpackungen gemerkt, die meine Vormieter auf dem Speicher zurückgelassen hatten, und von mir im Augenwinkel jedesmal, wenn ich dort oben Wäsche aufhängte, als Ich-müsste-mal-Baustelle wahrgenommen wurden. Seit sie weg sind, gehe ich völlig frei solch negativer Gedanken die Treppe zum Speicher hoch und kann mich voll auf den negativen Gedanken konzentrieren, nun Wäsche aufhängen zu müssen. 

Durch meine Ausmistemonate dieses Jahr habe ich auf Schränke verzichten und so viele Fächer in den verbliebenen leeren können, dass mehr Übersicht entstanden ist. Ich suche weniger und nun finde mehr. Auch muss ich meine E-Gitarre nicht mehr abstauben. Ebenso wenig wie meine Konzert-Gitarre, denn die spiele ich, sodass sie nicht einstauben kann. 

Auch bindet nichts mehr Ressourcen: Kabel, die ich aussortiert habe, dienen als Edelmetalllieferant, alte Bücher, die niemand mehr liest, sind wieder im Wertstoffkreislauf und Gebrauchtes, kann anderen dienen, ohne dass Neues gekauft werden muss. 

Und zuletzt sind die verkauften Dinge keine Kapitalzehrer mehr. Hat mich auch gewundert! Früher dachte ich: Ach, die paar Euro! Doch das ist zu kurzfristig gedacht. Ich bin in einem Alter, wo ich durchaus über das Erreichen des Rentenalters nachdenken darf. Graue Haare macht mir das nicht, auch wenn sie vereinzelt zu Tage treten. Was ich jedoch heute verkaufen und anlegen kann, wird sich, bis ich 67 bin, vervierfacht haben. 

Drei Beispiele des Kapitalverzehrs: Meine E-Gitarre habe ich für 160 Euro verkauft. Bis ich in Rente bin sind es 750 Euro. Verkaufe ich sie erst in einigen Jahren, bekomme ich vielleicht nur noch 140 Euro, die ich anlegen kann. Bis ich komplett ergraut bin, werden aus ihnen nur noch 650 Euro. Das Herumliegen hätte also bis dahin 100 Euro meiner Altersvorsorge gefressen. Nicht vorstellbar, wenn ich sie ungenutzt behalten und erst anlässlich meines Renteneintritts vielleicht noch für einen Fünfziger verkaufen würde. Dann hätte sie ganze 700 Euro gefressen. 
Und das ist nur ein Gegenstand. Im Schnitt besitzen wir 10.000 Dinge. Manche Minimalisten besitzen nur noch Hundert. Man stelle sich vor, was für eine Rentenzeit das werden könnte. Vermutlich müsste ich kein Zimmer im Altenheim beziehen. Ich könnte mir einfach ein Altenheim kaufen. 

Allerdings räume ich ein, dass ich die meisten Sachen verschenkt habe, und was ich dafür zurückbekommen habe, kann keine noch so hohe Verzinsung bieten: Freudiges Lächeln!

Dienstag, 24. April 2018

Jäger und Sammler oder Warum alte Smartphones recycelt werden sollten

„Wir sind eben Jäger und Sammler!“, höre ich immer wieder. Mich macht das traurig. Ich esse kein Fleisch. Dadurch fühle ich mich ausgegrenzt. Während die modernen Wild- und Feldbeuter täglich in den Supermärkten erfolgreich jagen, frage ich mich bei einem mageren Salatblatt, das nicht davonlaufen kann, was einem dürren Veganer bleibt, um seinem stammesgeschichtlichen Erbe gerecht werden zu können? Definitionsgemäß ist ein Veganer jemand, der zu dumm zum Jagen ist. Das will ich nicht akzeptieren. 

Ein Blick in meine Schreibtischschublade erweckt in mir den Verdacht, ich könnte bereits ein adäquates Substitut gefunden haben: Smartphones. Im Gegensatz zu Salatblättern können sie sich bewegen. Sie fliegen – meistens aus der Hand – und sind danach kaputt. Erst im Herbst vorletzten Jahres, als ich meine alten Druckerpatronen zum Recycling zu geldfuermuell.de eingesandt hatte, wanderten fünf defekte Handys mit ins Paket. Trotz meiner neuen, durch leidvolle Finanzeinbußen entstandenen Devise, grundsätzlich nur noch gebrauchte Mobiltelefone zu kaufen, haben sich seitdem überraschenderweise wieder vier Geräte angesammelt. Bin ich vielleicht so erfolgreich bei der Jagd, dass ich nicht einmal mehr registriere, dass ich Beute mache? Stimmt die Veganer-Definition etwa gar nicht. Andererseits könnte es möglicherweise dumm sein, sie in einer Schublade anzuhäufen. 
Im Jahr 2017 sollen in Deutschland rund 23,6 Millionen Smartphones verkauft worden sein. Im Schnitt benutzen wir unsere Smartphones circa eineinhalb Jahre lang, bevor wir neue kaufen oder turnusmäßig mit der Vertragsverlängerung erhalten. Die alten kommen in den Schrank. Man weiß ja nie, ob man sie nochmal braucht. Dadurch schlummern einigen Quellen zufolge circa 100 Millionen Handys in den Schubladen und Schränken der Nation, und die sind nicht nur goldwert. Auch Rohstoffe wie Silber, Kupfer, Nickel, Palladium und Seltene Erden sind in ihnen verbaut und können zurückgewonnen werden – weiter Tantal in den Kondensatoren, Wolfram in den Vibrationsmotoren und, wenn sich der Akku entfernen lässt, auch Kobalt. 

Zurück zum Gold: Durch Verhüttung können aus einem Smartphone nach einer Untersuchung des Öko-Instituts ungefähr 30 Milligramm Gold recycelt werden. Lohnt sich der Aufwand überhaupt? Definitiv! In einer Tonne alter Handys oder Smartphones befinden sich 250 Gramm Gold. In einer Tonne Golderz hingegen nur vier Gramm. Es müssten also 62,5 Tonnen Golderz abgebaut werden, um dieselbe Menge Gold zu gewinnen wie aus dem Recycling. Und nicht nur das! Wir hätten unsere Goldreserven gar nicht zurück nach Deutschland und in den Keller der Bundesbank bringen müssen. 130 Gramm wiegt ein Smartphone im Schnitt. Bei 100 Millionen Stück sind das 13 Kilotonnen Elektroschrott und nach der Verhüttung 3.250 Kilogramm Gold. Bei einem Handelspreis von 35.000 Euro für das Kilogramm Gold liegen in den Schubladen Deutschlands daher in Summe 113,8 Millionen Euro einfach so herum – die anderen Rohstoffe nicht eingerechnet. 

Der geneigte Jäger und Sammler würde das vielleicht in Hack umrechnen (es sind 22,6 Kilotonnen beim Discounter), doch was macht derjenige, der zu dumm zum Jagen ist? Vielleicht mit anderen Handy-Nutzern gemeinsam sammeln? Ich versuch’s! Bis Ende des Monats nehme ich alle Altgeräte aus euren Schubladen, die ich bekommen kann, und lasse sie der Aktion der Deutschen Umwelthilfe zukommen. Selbst wenn wir alle nicht mehr wirklich jagen, sind wir doch vielleicht immerhin erfolgreiche Sammler. Fast 30 habe ich schon!


Dieser Beitrag steht als Podcast zur Verfügung:

Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Dienstag, 28. Februar 2017

Fünfundsechzigster Schritt: Einfach mal immer wie auf Camping

"Plastikfrei Kaffetrinken? Tu ich doch. Ist doch ein Pappbecher!", dachte ich lange Zeit. Warum ich mir nie Gedanken machte, weshalb meine Paketlieferungen, die der Paketbote (vermutlich aus purer Gemeinheit) stets in den Regen stellt, wenn ich nicht da bin, durchgeweicht sind und von mir in Stücken rein getragen werden müssen, aber der Coffee-to-Go-Becher stundenlang erst heißen, dann kalten Kaffe aufbewahren kann, ohne auch nur einen Tropfen ungewollt zu verlieren, weiß ich nicht. Ist wohl auch gewollt, dass man sich als Konsument eines guten Gewissens sicher sein darf. Unwissenheit ist manchmal etwas "Tolles". Tatsächlich besteht so ein Becher zu 5% aus einer innenwandigen Kunststofffolie, meist aus Polypropylen (PP). Die potentiell gute Nachricht: Landete der Becher im Gelben Sack, könnte der Papieranteil aufgelöst werden (ja, durch Wasser) und das PP recycelt werden. Die schlechte Nachricht ist: Die meisten Becher landen nicht im Gelben Sack, sondern im Restmüll, wo sie zur Energiegewinnung in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die noch schlechtere Nachricht ist: Selbst wenn sie im Gelben Sack landeten, würde die Hälfte davon dennoch verbrannt. Das ist zwar kein Grund, den Müll nicht zu trennen, denn immerhin wird die andere Hälfte recycelt. In dieser Hälfte sind mit hoher wahrscheinlich rohstofflich reine "Abfälle". Ein mit Energieaufwand zunächst zu trennender Verbundstoff wie ein Einwegbecher ist vermutlich ein Kandidat, der eher gänzlich für die Verbrennung aussortiert würde. Wohlgemerkt sind sowohl Papier als auch PP recyclingfähig und mit der Verbrennung unrettbar für den Wertstoffkreislauf verloren. Der beste Weg ist daher, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Und wie? 
Eine für mich sehr hübsche Methode bedarf einer kurzen Vorgeschichte zur Erläuterung. Ich hasse Camping. Nichts gegen die Natur, in der ich mich wirklich sehr gerne aufhalte. Alle die schönen Geräusche: Das Knacken der Äste, das Rascheln von kleinen Nagerfüßlein im trocken Laub, all die Rufe der liebreizenden tierischen Waldbewohner ... stören mich nachts im dünnwandigen Zeit so sehr, dass ich selbst auf Festivals entweder im Wohnmobil oder im Hotel bin. Bah! Doch wer nie Campen war, kann nicht mitreden. Ich campe daher zu jeder Zeit zumindest materiell ein wenig. In der Lite-Variante, aber dafür ununterbrochen. Wenn ich weiß, dass ich unterwegs Kaffee trinken werde, führe ich in meiner Umhängetasche meinen Camping-Thermobecher mit, also beispielsweise auf Poetry-Slam-Tour, wenn ich lange per Bahn oder Auto unterwegs bin. Statt den "Pappbecher" im Bahnhof oder an der Tankstelle füllen zu lassen, verwende ich meine nachhaltige Alternative. Und der Kaffee bleibt dann auch länger heiß!
An dieser Stelle stelle ich gleich mein Camping-Besteck mit vor, das ich tatsächlich immer dabei habe. Ich liebe die Blicke an den Imbissbuden, wenn ich Plastik- oder im besseren Fall Holzspießchen und -gäbelchen ablehne, um damit zu essen, und ich freue mich darauf, irgendwann einen zweiten Menschen mit eigenem Besteck zu treffen. Vielleicht können wir dann die Logos der ebenfalls mitgeführten gebrauchten Papiertüten vom Bäcker vergleichen wie andere ihre exponierten Chronographen!


Wenn ich es vermeiden kann, trinke ich meinen Kaffee nicht unterwegs, sondern am liebsten zuhause oder im Büro, wo ich Zeit habe, den Kaffee auch vernünftig zuzubereiten und in Ruhe zu genießen. Was 5.000 Kilometer zu uns unterwegs ist, sollte auch als Genussmittel wahrgenommen werden. Für zuhause habe ich mir wieder mal etwas geleistet: Einen Filteraufsatz aus Porzellan für die Tasse. Es ist mir nämlich zu arbeitsaufwändig, immer die Ein-Liter-Frenchpress zu reinigen, wenn ich nur eine einzige Tasse trinken möchte. Für den Filteraufsatz hatte ich bei meinen Eltern noch einen ungenutzten Dauerfilter aus Nylon gefunden, den ich anstelle von Einmalfilter aus Papier nutze. So fällt tatsächlich nur der Kompost durch meinen umverpackungsfrei erworbenen Kaffee an. Im Frühling wird er mit Pflanzerde vermischt und als Dünger für meine Gemüsepflanzen auf der Terrasse genutzt.
Für den Becher zuhause, ebenso wie für den Becher für unterwegs, gilt jedoch folgendes: Wenn ich ihn nach der Nutzung immer in die Spülmaschine stecke, vernichte ich die vorteilhafte Ökobilanz, wie eine niederländische Studie festgestellt hat. Die gute Nachricht ist, einfach nur einmal die Woche statt nach jeder Nutzung in den Geschirrspüler damit und die restlichen Tage schlicht mit Wasser ausspülen, und alles ist gut.  
Warum trinke ich meinen Kaffee am liebsten selbst zubereitet? Nun, er darf nicht mit Wasser überbrüht werden, das heißer ist als 94 Grad, sonst lösen sich die Bitterstoffe heraus. Auch darf das Wasser nicht kälter als 84 Grad sein, da sich die Aromen sonst nicht herauslösen. Der Mahlgrad des Pulvers für die Frenchpress muss grob sein, der für die manuelle Filterung mittel, für Mokka aus der Mokkakanne fein, aber nicht zu fein. 20 Gramm Pulver pro großer Tasse (drittel Liter) mit dem Porzellanfilter, 40 Gramm für den Liter in der Frenchpress. Erklär das mal an der Tankstelle!

Heute ist übrigens meine zweiwöchentliche Kolumne in der Wetterauer Zeitung gestartet. Blogeintrag und Kolumne drehen sich immer um das gleiche Thema und erscheinen parallel. Es gibt also nun alle zwei Wochen dienstags auch einen neuen Blogeintrag, der das Thema der Kolumne etwas vertieft. Hat sie jemand gelesen? Ich freue mich über eure Kommentare hier im Blog oder auf Facebook.


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Achtundfünfzigster Schritt: Weniger schleppen

Drei Umzugskisten weniger!
Ein Umzug ist - zumindest für mich - nichts Schönes. Ich nehme mir die Umgebung, in der ich mit einem Handgriff alles erreiche, was ich brauche, und platziere mich in eine neue, in der ich eine solche komfortable Wohnsituation erstmal wieder herstellen muss.
Ein Umzug bietet aber auch die Möglichkeit, den einen oder anderen Hausrat zu überdenken, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Seit Jahren sammelt mein Vater alle Zeitungsartikel, die mit mir in Verbindung stehen. Das ist sehr schön, und zudem gibt es mir die Chance nun auf eine Pressemappe zu blicken, die bis in meine künstlerischen Anfangszeiten zurückreicht. Allerdings sind es auch vier schmale Aktenordner, die Platz brauchen.
"Was ist der Kern der Zeitungsartikel?", habe ich mich gefragt. Der Inhalt oder das Papier? Die Frage war leicht zu beantworten. Ich habe sie nun alle eingescannt und auf dem Rechner gesichert. Sie sind nun nicht nur mehr dem Zerfall preisgegeben - einige begannen tatsächlich schon zu gilben -, sondern auch recherchierbar.
Eine halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Beim Verpacken meiner Schuhe ist mir aufgefallen, dass ich sehr viele Schuhe habe, deren Sinn offensichtlich nur noch war, einen Schrank zu füllen. Darunter waren Schuhe, die mir nicht mehr gefielen, solche, die ich nicht trug, weil sie unangenehm zu tragen waren, und drei paar Laufschuhe, die nach ihren 700 bis 800 Kilometern Nutzungsstrecke zwar nicht mehr zum Sport taugen, aber als Freizeitschuh nicht zu beanstanden sind. Acht Paar Schuhe habe ich nun aussortiert und werde sie zum Deutschen Roten Kreuz bringen. Auch sind wieder ein paar Kleidungsstücke in die DRK-Kiste gewandert, obwohl nach der letzten Aussortierung nicht mehr viel da war. Sichtferne Kellerschränke birgen da jedoch noch Potential.
Zwei Bananenkisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Zuletzt fielen mir beim Sichten meines Büros vier DVD-CD-Ordner in die Hände, darin zahlreiche unbeschriftete Disks, Sicherheitskopien der letzten 20 Jahre, Filme, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und bei genauem Überlegen, vermutlich auch nicht mehr anschauen werde und vor allem zahlreiche in Formaten, die heute gar nicht mehr nutzbar sind, wie VCD und SVCD (Filme in Briefmarkengröße auf meinem Fernseher). Ich habe einen Abend lang aussortiert und gut 160 Discs weggeworfen. Natürlich nicht in den Hausmüll! Gut, erst schon in den Hausmüll. Dann hatte ich recherchiert und festgestellt, dass das Polykarbonat ein wichtiger Rohstoff ist, der nach der Müllverbrennung verloren wäre. Also habe ich die CD-s wieder rausgeholt und werde sie mit der nächsten Sendung zu recycelnder Druckerpatronen zum Recycling geben.
Eine weitere halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Fazit: Ich habe drei Kisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen, habe etwas Gutes für die Gesellschaft getan, muss mich mit diesem unnötigen Ballast nicht mehr belasten und darüber hinaus, eine Redewendung erweitert. Immer wieder höre ich: "Was du ein Jahr nicht, genutzt hast, trenne dich davon!" Eine der unbeschrifteten CDs hatte ich bestimmt zehn Jahre nicht genutzt und bin sehr froh, sie nicht ungesichtet entsorgt zu haben. Es waren teils 15 Jahre alte Bilder meiner Kinder enthalten, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie habe. Das war ein schönes halbstündiges Schwelgen in Erinnerungen, nachts um eins, bevor ich weiter Zeitungsartikel einscannen musste. Bis kurz nach drei!

Sonntag, 25. September 2016

Siebenfünfzigster Schritt: Fighting the Spider Web App!

Erstaunlich, was sich im Laufe der Jahre ansammelt. Immerhin fünf Mobiltelefone, vier davon verdienen sogar die Bezeichnung Smartphone, befanden sich in zahlreichen Schubladen meines Heims und bilden nun einen anschaulichen Stapel auf meinem Schreibtisch. Die letztgenannten vereint die erfolgreiche Installation der Spider Web App mittels mechanischer Installationsroutine. Bei den jüngeren der Geräte lohnte sich anfangs noch der Tausch des Display-Glases - kostet nur kleines Geld, und es gibt tolle Tutorials auf Youtube -, wenngleich ich unumwunden eingestehen muss, dass das noch lohnendere die Investition in eine ausreichende Schutzhülle gewesen wäre. Leider grätscht einem - Schutzhülle hin oder her - eine clevere Variante der geplanten Obsoleszens - das ist sowas wie die gentechnische Vermehrungsbremse bei den Sauriern im Jurassic Park, nur dass sie bei Handys offensichtlich funktioniert - dazwischen. Im Gegensatz zu den Feststellungen der Grünen brauchen die Handyhersteller gar keine billigen Teile verbauen. Es reicht in der Regel, ausreichend Geld in die Softwareentwicklung zu investieren, um den selben Effekt zu erreichen. Leistungsfähigere Apps erfordern vom Konsumenten leistungsfähigere Geräte, so dass erfahrungsgemäß nach spätestens zwei Jahren Arbeitsspeicher und Prozessoren völlig überfordert sind, neue Betriebssysteme nötig werden, die mit den "alten" Geräten nicht betriebsfähig sind, und die gewohnten Apps nur noch für die neuen Generationen aktualisiert werden. Wer es da nicht schafft, rechtzeitig abzuspringen, ist verdammt bis zum Ende des Smartphonezeitalters an den Zitzen der Hersteller zu nuckeln. Vorweggenommen: Ich bin der Brust von Samsung und Co. auch noch nicht entwöhnt. Bislang habe ich alle zwei Jahre die Nerven verloren! Aber ich mühe mich ...

Was jedoch tun mit den traurigen Zeugnissen des persönlichen Ausgeliefertseins. Seltene Erden, Edelmetalle, all das sind Baustoffe der Smarties, die nicht nur für große Umweltschäden verantwortlich, sondern gerade auch Paradebeispiele unseres ausbeuterischen Systems sind. Gut 100 Millionen Alt-Handys liegen bundesweit in den Schubladen rum. Vor fünf Jahren waren es noch 15 Prozent weniger, Tendenz Jahr für Jahr offenbar steigend. Es wäre Mensch und Umwelt einiges Gutes getan, wenn diese Riesenmenge in die Wertstoffrückgewinnung gelänge. Hier wäre das Umweltbundesamt mit einer Aufklärungskampagne gefordert, aber auch wir persönlich und mein Haushalt ganz offenbar ganz besonders.
Eine Möglichkeit ist die kostenlose Abgabe beim lokalen Wertstoffhof, eine andere die bei einem Recycling-Ankäufer. Gerade bei neueren Modellen kommen da durchaus ein paar Euro zusammen. Und wer es ganz richtig machen will - meiner persönlichen Ansicht nach -, der kann sie der Althandy-Initiative der Deutschen Umwelthilfe zukommen lassen, die das Geld, das sie einbringen, Umweltprojekten zugute kommen lassen, oder der Handy-Aktion, die primär von kirchlichen Institutionen getragen wird und deren Ziel u. a. auf Aufklärungsarbeit im Hinblick auf den verantwortungsbewussten Konsum ausgerichtet ist. Letztgenanntes wäre wohl was für mich. Aber ich habe ja noch zwei Jahre Zeit, bis es bei meinem neuen so weit ist. Hoffe ich!

Freitag, 3. Juni 2016

Dreiundfünfzigster Schritt: Geld mit Müll verdienen

"Get rich and try recycling"
Die Abfallwirtschaft in Deutschland setzt jährlich gut 50 Milliarden Euro um. Welche Gelder die Mafia in Italien damit macht, möchte ich gar nicht wissen. Fest steht jedoch: Ich will einen Teil vom Kuchen. Natürlich möchte ich den einfachen, gesetzlichen Weg gehen und nicht die alten ölgetränkten Putzlappen aus Nachbars Garage entgeltlich für ihn unter Ommas muffiger Federkernmatratze entsorgen. Auch überlasse ich die rohstoffliche Verwertung den Profis. Allenthalben könnte ich mir vorstellen, Altholz in meinem Grill zu verbrennen, aber wer würde dafür schon zahlen? Wer zahlt ist allerdings die Recycling-Industrie. Und zwar unser anderem für leere Druckerpatronen. Gut 50 Millionen Druckerpatronen gehen jährlich über die Ladentheke, 45 Millionen davon wandern anschließend in den Müll. Schade, denn sie lassen sich einfach recyceln. Aus Unwissenheit gingen sie bei mir jahrzehntelang den gleichen Weg, und ich glaube, die Wenigsten wissen um diese einfache Methode einen Teil der Druckerpatronen zu refinanzieren. Gut 30 Euro gibt's immerhin bei "Geld für Müll" für ein Kistchen leere Kartuschen, und sogar der Versand ist kostenlos. Tja, Don Corleone! Auf diese Weise geht es auch, und zwar ohne morgens schreiend mit einem Pferdekopf auf dem Kissen erwachen zu müssen.

Sonntag, 24. Januar 2016

Sechsundvierzigster Schritt: Cable Guy In Action

50 Kabel - 1 Kiste - 1 Mittag
Was macht man an einem Samstagmorgen, wenn es draußen vereist ist und man weder zu Fuß noch mit dem Auto gefahrlos außer haus kann? Richtig! Aufräumen! Seit Wochen ärgere ich mich über die vielen Kabel in meinen Kisten im Keller. Ich suche ein USB-Kabel? Ich finde 10 andere, drei ähnliche und sechs doppelte, doch nicht eines, das passt. Warum? Weil es unter den 10 erstgenannten Anderen war, ich es aber vor lauter USB-Kabeln nicht ausmachen konnte. Eis sei dank ist damit seit heute Schluss. Ich habe mir von jedem nützlichen Kabel eines oder zwei aufgehoben und sie nach "USB", "Audio", "Video", LAN" und "Netzkabel" getrennt in eigene Kistchen geräumt. Solche, die ich nicht mehr brauche, wie Scart-, Antennen- oder Sat-Kabel, habe ich vollständig aussortiert und die - überraschenderweise seit mehreren Umzügen immer wieder mit umgezogenen - kaputten Kabel dazu gepackt. Den Quantitätspreis hat übrigens das USB-A-Verlängerungskabel gewonnen, von dem ich satte sechs Stück aussortieren konnte - zwei davon sogar noch in Folie ungeöffnet verpackt. Wem bringen diese Kabel etwas, wenn sie bei mir im Keller liegen? Niemandem! Ich habe nun alles aufgelistet meiner lokalen "Free-your-Stuff"-Gruppe angeboten, und was nicht verschenkt werden kann, landet beim Wertstoffhof. Einerseits muss sich keiner ein Kabel neu kaufen, das ich schlummernd im Keller hatte, und andererseits landen die Drähte über den Wertstoffhof wieder im Wertstoffkreislauf. Nichts ist schlechter als Stillstand, insbesondere wenn es dort, wo man still steht, so sinnentleert ist.

Dienstag, 29. Dezember 2015

Vierundvierzigster Schritt: Plastikgräber graben und grün frühstücken

Ein wenig wie das Abendmal - nur mit weniger Haaren
Letzten Monat war ich zum Grünen Frühstück ins „La Dolce Vita“ in der Friedberger Bismarckstraße eingeladen. Das Grüne Frühstück findet an jedem dritten Sonntag im Monat statt und freut sich auf jeden Frühstücksgast, der an grünen Themen interessiert ist. Die Gäste letzten Sonntags waren primär daran interessiert, was ich an Erfahrungen im Umgang mit Plastik zu berichten hatte. So durfte ich eine gute Stunde darüber erzählen, welche Schritte ich bislang auf meinem Weg zum plastik- und müll(be)frei(t)en Haushalt gehen könnte. Um kurz nach elf Uhr sprach ich das erste Wort, und mit anschließender Fragerunde wurden es über zwei Stunden, die wir uns bei unterschiedlichen Frühstücksspezialitäten austauschten. Ich bekam sogar ein veganes Frühstück, das gar nicht auf der Speisekarte stand. Das Grüne Frühstück war eine schöne Erfahrung, insbesondere da der Großteil der Besucher auch in der Lokalpolitik tätig war. So kamen viele Ansätze zur Diskussion, die weit über den Privathaushalt hinausgingen, aber dennoch nicht minder greifbar waren. Ich denke, das wird nicht meine letzte Teilnahme am Grünen Frühstück gewesen sein.


Ruhe in Frieden, Bioplastikfolie
Im Spätsommer hatte ich ein kleines Experiment gestartet. Ich wollte wissen, wie lange es dauert, bis eine kompostierbare Bio-Plastikfolie tatsächlich verrottet ist. Einige Lebensmittel werden inzwischen in diese Folien verpackt, die aus pflanzlicher Stärke hergestellt werden und laut Herstellerversprechen zu 100% kompostierbar sein sollen. Die Crux an der Sache ist jedoch, dass die Folien nicht in die Bio-Tonne dürfen. Dort würden sie in den Kompostieranlagen durch Scanner als Plastikfolien identifiziert und automatisch aussortiert. Die Müllentsorger empfehlen daher, die Bioplastikverpackungen (Achtung: Es gibt auch welche, die zwar nicht mineralölbasiert, aber auch nicht kompostier- und recyclebar sind, die tatsächlich in den Restmüll gehören) im Restmüll zu entsorgen. Hiermit ist der Sache jedoch nicht gedient, da die kompostierbare Folie damit der Müllverbrennung zugeführt wird. Eine Alternative ist, diese Folien in den Komposthaufen zu werfen oder, falls kein Komposthaufen vorhanden ist, sie im Garten zu vergraben. Das war mein Experiment, das ich – zugegebenermaßen - etwas aus den Augen verloren hatte. Deshalb vergräbt man Dinge ja auch für gewöhnlich. Jedenfalls ist die Folie nunmehr zersetzt. Der Hersteller sprach von sechs Wochen. Die sechs Wochen liegen deutlich innerhalb der drei Monate, die die Folie nun vergraben war. Es funktioniert also. Ich habe im Garten ein Bioplastikgrab. Es befindet sich zweite Reihe, links, direkt neben dem Grab für meine Holzzahnbürsten mit Bioplastikborsten.

Sonntag, 5. Januar 2014

Zweiter Schritt - Getränke

Getränkeflaschen aus PET von den Discountern sind günstig, leicht zu transportieren und geben satte 25
Wasser. Milch. Glas.
Cent Pfand, wodurch immerhin die Hälfte des Plastikmülls dem Recycling zugeführt wird (die andere Hälfte landet dennoch auf dem Müllberg). Soweit das Positive. Immerhin werden zwar keine
 Phthalate oder andere Weichmacher zur Herstellung benötigt, auch ist laut BfR kein Bisphenol A enthalten, doch dafür Antimon, Acetaldehyd und andere Stoffe, die von der Flasche in das Getränk und von dort aus in mich übergehen. Das süßliche Acetaldehyd schmecke ich sogar heraus. Vielleicht mag das ein Grund sein, weshalb viele Mineralwasservertreiber inzwischen stille Wasser mit Fruchtessenzen anbieten. Birne-Malve überdeckt den Acetaldehyd-Geschmack. Für mich kein gangbarer Weg mehr. Ab jetzt nur noch Wasser aus Glasflaschen. Und natürlich von Quellen in der Nähe. Was nutzt es, den Müllberg zu reduzieren, wenn ich für den Import meines Wassers aus dem japanischen Rokko-Gebirge den Abgas-Müll in der Luft vergrößere?

Ebenso günstig und leicht sind Milch und Säfte in Getränkekartons, für die es allerdings keinen Pfand gibt. Immerhin sind es dennoch 65%, die wiederverwertet werden. Das mag aber auch daran liegen, dass Getränke in Kartons eher zuhause konsumiert werden, wo der "Gelbe Sack" in greifbarer Nähe ist. PET-Flaschen werden augenscheinlich zu einem höheren Anteil unterwegs konsumiert, wo öffentliche Restmülleimer oder der Straßenrand als Entsorgungsmöglichkeiten näher liegen. Andere Quellen sprechen jedoch von 40% oder einer noch geringeren Recyclingquote. So oder so kommen neben dem Pappkarton leider mehrere Schichten Polyethylen und Aluminium zum Einsatz. Gerade Letztgenanntes ist bekanntlich aufgrund des hohen Energieaufwandes bei der Produktion ein Klimakiller, noch zudem Aluminiumionen aus dem Müll auch ins Grundwasser geraten und damit letztlich auch wieder im Nahrungskreislauf landen. Beides möchte ich weder in der Umwelt wissen, noch in meinem Körper haben. Von nun an nur noch Glasflaschen, was allerdings bedingt, dass ich meine Milch nicht mehr bevorraten kann. H-Milch in Flaschen habe ich nicht gefunden. Und ich werde mir wohl einen Entsafter zulegen müssen, denn meinen Orangen- und Gemüsesaft gibt es auch nicht in Glasflaschen.

Glas wird zu über 80% recycelt, und es gibt keine Stoffe in das Getränk ab. Das passt. Auch wenn gerade der Verzicht auf Getränkekartons etwas teurer sein mag, ist es mir das wert. Bestimmt hole ich die Mehrkosten wieder rein, sobald sich der Entsafter in 10 Jahren amortisiert hat. Und bis dahin trinke ich soviel selbst gemachten Möhren-Orangensaft bis ich platze.