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Montag, 14. Oktober 2019

Erste Friedberger Kulturnacht ein voller Erfolg

Erste Friedberger Kulturnacht ein voller Erfolg
Samstagabend fand die erste Friedberger Kulturnacht statt. 24 Veranstaltungen an 19 ausgewählten Orten zwischen Bahnhof und Burg. Ich selbst durfte im Adolfsturm der Burg drei Slots füllen, habe erst für Kinder aus Fionrirs Reise und dann zweimal für Erwachsene eine Auswahl meiner Gruselgeschichten gelesen. Alle Lesungen waren voll besetzt und zwischendurch hatte ich sogar Stehgäste - kein Wunder bei dieser Unmenge an Menschen, die der Friedberger Kulturrat ins Städtchen gezogen hat. Großartige Leistung, die definitiv nach einer Wiederholung schreit 😃
Danke an den Friedberger Geschichtsverein für die Einladung und die gute Betreuung an dieser schönen und außergewöhnlichen Lesestätte 👍

Mittwoch, 22. April 2015

Planet oft the Vegetables (Teil 5, Finale)

Gemüse macht stark, ist aber schwach!
Charly stand auf seinem Küchentisch und schlug mit einem Telefonbuch auf seinen mannshohen Kühlschrank ein. Der Kühlschrank quittierte die Schläge mit völliger Coolness, während er sich jedoch nicht beeinflussen ließ, seinen Inhalt dennoch ungekühlt zu lassen. Neben Charly stand Maik. Maik stand wie immer hauptsächlich neben sich und darüber hinaus an den Kühlschrank gelehnt. Er kaute, ganz wie Bugs Bunny an der Möhre, an einer monströsen Salatgurke und sagte: „Ich ess was, Doc!“ Der Kühlschrank brummte mit jedem Telefonbuchschlag, setzte aus, brummte, und Charly schrie: „Lauf endlich wieder, du herzloses Küchengroßgerät.“ Im Inneren des Küchengroßgerätes, das bereits seit Tagen sämtlichen Versuchen, es zu reparieren, beharrlich widerstand, begannen diverse Gemüse ihre Aggregatzustände zu ändern und sich zu einer verhängnisvollen Substanz zu vermischen, die alsbald, für die Leserinnen und Leser dieser Serie wenig überraschend, einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum verursachen würde, sobald der richtige Impuls gekommen wäre. Maik verschlang den letzten Rest der Salatgurke und griff nach vorne, um die Kühlschranktür zu öffnen. „Du frisst mir nicht mein letztes Gemüse weg“, rief Charly, nicht wissend, dass sein Gemüse bereits entschieden hatte, von selbst wegzulaufen, und schwang sich zwischen Maik und die Kühlschranktür, die er im selben Moment geöffnet hatte. Der plötzliche Sauerstoffeinfall setzte eine chemische Reaktion in Gang, die unverzüglich Unmengen an grüner Energie freisetzte, die mit einem lauten elektrischen Knall die Platinen neu zusammenschmolz. Zufällig generierte sich dadurch die elektronische Basis für eine Zeitmaschine. Die Wahrscheinlichkeit dafür unterschied sich nur um einen Zähler von der Unwahrscheinlichkeit. Das wusste der Kühlschrank jedoch nicht, obwohl es ein Gerät von Bauknecht war, die angeblich zumindest immer wissen sollen, was Frauen wünschen. Maik und Charly wurden ungeachtet des stochastischen Unvermögens der Kühlschrankes unmittelbar in eine weit, weit entfernte Zukunft katapultiert.
Als Charly die Augen aufschlug fand sich in einem großen Saal wieder, der annähernd 50 Tische fasste. Er saß auf einem bequemen Stuhl an einem festlich eingedeckten Tisch. Beinernes Besteck mit eingeschnitzten stilisierten Lachgesichtern lag vor ihm und rang ihm ab zurückzulächeln. Charly war in einen feinen Anzug aus dem zartesten Leder gekleidet, über das er je mit seinen Händen fahren zu dürfen das Vergnügen hatte. Charly schaute sich um. An den anderen Tischen saßen ähnlich wie er gekleidete Humanoide mit den buntesten Hautfarben und absonderlichsten Körperformen.
Am Nachbartisch Tisch saßen ein menschengroßer Brokkolo im Abendkleid, eine Bohnenstange von einem Humanoiden mit einer menschenkopfgroßen Walnuss zu oberst, aus der zwei strahlende Augenpaare hervorstachen, und ein schlanker Champignon von gut einem Meter und achtzig mit Frack und Zylinder. Frau Brokkolo sagte: „Schaut her, ich sehe aus wie ein Baum!“ und richtete sich unter Kichern der Walnuss auf. Die Walnuss räusperte sich, lupfte die obere Hälfte ihrer Schale und sagte unter Kichern von Frau Brokkolo: „Schaut her, ich sehe aus wie ein Gehirn!“. Der Champignon wandt seinen eichelartigen Schädel ab und sagte: „Ihr wisst, ich hasse dieses Spiel“. Beide kicherten erneut, der Champignon errötete. Als die drei Charly bemerkten, verstummten sie. Der Champion hob den Arm und rief nach einem Kellner. „Was können Sie denn heute empfehlen, Garcon“, sagte er, als der Livrierte, ein Humanoider mit dem Äußeren einer Aubergine, vor ihm stand.
„Nun, das Tagesangebot, das ich Ihnen sehr empfehlen kann, wäre eine Suppe vom Kaukasier mit Chlorophyll-Einlage. Als Hauptspeise einen Schenkel vom homo erectus, eine Rückzüchtung, die mit außerordentlichem Bouquet besticht. Zum Nachtisch dann etwas frische Rohkost vom lokalen Bauernmarkt.“
„Finde es toll, dass sie den Nachtisch schon am Nachbartisch haben“, flüsterte er dem Kellner zu.
„Haloooo, ich höre euch!“, sagte Charly. Schweigen breitete im Raum aus wie veganer Vanillepudding über einem Tellerchen reifer Himbeeren
„Ih, es kann sprechen. Wer will es jetzt noch essen?“, riefen die Gäste der 50 Tische sinngemäß plötzlich durcheinander.
Charly drehte sich verwirrt um die eigene Achse. „Wo ist Maik?“, dachte er sich, während Maik von drei Kellnern auf einer Servierplatte hereingetragen wurde. Er war nackt, aber roh. „Maik?“, fragte Charly den auberginen Oberkellner. „Frisch vom Markt!“, antwortete dieser, da er am schnellsten die Fassung zurückgewonnen hatte und zum Tagesgeschäft übergegangen war.
„Entschuldigen Sie, ich hatte ein gut gemästetes Exemplar bestellt“, sagte der Tomatenvater empört, an dessen Tisch das Maik-Dessert für vier gebracht wurde.
Maik schaute an seinem gut exponierten Speckgürtel runter, an dem Maiks unverschlossener Kühlschrank einen maßgeblichen Anteil hatte, und war beleidigt.
„Hey, das hat alles Geld gekostet“, sagte Maik tief verletzt.
„Ja, mein Geld, Schmarotzer!“, sagte Charly.
„Ih, es spricht, bringen Sie es weg“, rief der Tomatenvater mit Ekel in der Stimme.
„Können wir es behalten? Bitte, Pappi!“, flehte eine kleine Kirschtomate, derweil Maik von der Servierplatte sprang und zielstrebig auf Charlys Tisch zustrebte.
„Bah, würdest du dir bitte etwas vor deinen Stengel halten. Das ist ja widerlich. Ich sitze am Essenstisch!“
Maik hob gleichgültig die Schultern, zog im Vorbeigehen ein grünes Tuch vor sein Gemächt und setzte sich Charly gegenüber an den Tisch. Hinter ihm krachte es.
„Au, meine Haare, sie Schuft!“, sagte eine weibliche Stimme, die einer Salatkopffrau gehörte, deren grüne Pracht sich halb um Maik gewickelt hatte. „Verzeihung!“, sagte Maik zu der neben ihm liegenden grünen Schönheit, behielt sie aber dennoch um sich gewickelt.
„Alter, was ist hier los?“, sagte Maik und schaute auf den leeren Teller vor ihm. „Garcon!“
„Ich weiß nicht. Irgendwie bin ich schon wieder in der Zukunft gelandet.“
„Wie? In der Zukunft? Und was meinst du mit -schon wieder-?“
„Öh, stimmt. Du warst ja immer gestorben, als ich in die Zukunft katapultiert wurde!“
„Wie? Gestorben?“, sagte Maik, aber da er befürchtete, die Antwort könnte ihm vielleicht nicht zusagen, lenkte er gekonnt vom Thema ab. „Weißt du eigentlich, dass du total die Ähnlichkeit mit dem jungen Charleton Heston hast?“
„Hilfe!“, sagte die noch immer halb um Maik gewickelte Salatkopffrau, und die ersten Gemüsegestalten, offenkundig männlichen Geschlechts, erhoben sich.
„Papa, Papa“, hörten sie die Stimme der kleinen Kirschtomate. „Der Nachtisch macht der Tante Aua!“
„Charlton Heston also!“, sagte Charly, und Maik nickte.
„Sie grober Lüstling!“, sagte die Salatkopffrau und schüttelte sich eine Schnecke aus dem Schopf.
„Hey!“, sagte ein cholerischer Hüne von einem Gemüsemann in Form einer roten Paprika. „Lasst die Dame sofort los, sonst setzt es was!“ Er lief rot an und auf die beiden zu. Gleichzeitig setzte sich der Tomatenpapa in Bewegung und baute sich vor den beiden auf. Hinter ihm stand der Auberginenkellner und einige junge Gemüse, die dem juvenilen Phytohormonstau durch Gewalt Luft zu verschaffen suchten.
Maik drehte sich abrupt um, als eine Hand auf seinem Rücken landete. Die Salatkopffrau war nun vollends um Maiks Hüften geschlungen und kommentierte es mit einem „Umpf!“.
„Auf sie!“, rief der Tomatenpapa, und unzählige chlorophyllgestählte Fäuste schwangen unheilvoll auf die beiden zu. Pflanzenkraftstrotzende Hände streckten grob nach ihnen aus. Das ganze hätte unter normalen Umständen mit zwei geschundenen Menschenkörpern geendet, doch wie konnten die Gemüseherrschaften ahnen, dass diese beiden Exemplare keine für den Konsum gezüchteten Exemplare mit dünner, weicher Haut, gummiartigen Knochen und mürbem Fleisch waren. Es waren stabile Menschen aus der Zeit weit, weit bevor erste genetische Experimente mit Gemüsen zu Exemplaren mit Intelligenz geführt hatten, die Jahrhunderte später die Weltherrschaft an sich reißen sollten.
Als der Tomatenpapa in Reichweite war, schrie Maik „Ketschup“, und ein besseres Bild zu dem, was anschließend geschah, könnte kein anderer Schlachtruf schaffen. Derweil zerschnitt Charly das cholerische Paprika zu Paprikastreifen julienne und lächelte dabei mit Intarsien seines beinernen Steakmessers um die Wette. „Nehmt ihm das Messer ab!“, schrie der Auberginenkellner und griff mit beiden Händen nach Charlys Arm, der sich mühelos los riss und dabei ungewollt auch gleich die Hände des Kellners ab. Zucchinihalbstarke, Pastinakenmuskelmänner, Karottenkämpfer, sie alle brandeten chancenlos an der menschlichen Zweimannarmee ab. Rataloullie-Tage, würde der Tag des Massakers später in den Zeitungen der Gemüsewelt heißen und ein Umdenken im Verhalten Menschen gegenüber bewirken.
Der Boden bedeckte sich mit Gemüsesaft, überall gewürfeltes Gemüse, solches in Streifen, gemußtes, und so wäre es weiter gegangen, wenn der Gemüsesaft nicht die Dessertkühltruhe des Saales geflutet, der Sauerstoff eine chemische Reaktion ausgelöst, die Platinen zufällig zu einer Zeitmaschine umgeformt und Maik und Charly zurück an dessen Küchentisch katapultiert hätte.
„Wow!“, das war ja abgefahren, sagte Maik.
„Wenn du wüsstest, wo ich schon überall gelandet war!“, sagte Charly und dachte an Rinder-,  Hühner-, Fisch- und Schweinewelten.
Sonderbarerweise funktionierte der Kühlschrank wieder und war voller intaktem Gemüse. Maik nahm einen Tomatensaft und mixte zwei Bloody Mary.
„Prost!“, sagte er. „Gemüse ist doch das Beste!“
„Out of my dead cold Hands!“, sagte Charly und reckte sein Glas in die Höhe.
Er sah wirklich aus wie Charleton Heston!

Mittwoch, 30. Juli 2014

Planet of the Fish (Teil 3)

BBQ mit zwei Sorten Rind
Charly saß in der Küche und mühte sich, seinen in die Jahre gekommene Mixer mittels Hammer, Meißel und Kaugummi wieder fit zu machen. Er lag geöffnet vor ihm, während ihm sein Freund Maik keinerlei Tipps gab, was er tun oder bleiben lassen sollte.
„Soll ich den grünen und den roten Draht verbinden?“, fragte Charly.
Maik zuckte mit den Schultern und biss in einen in Zucker gewälzten Butterblock, den er mit einer Gabel aufgespießt hatte.
„Oder besser den grünen mit dem blauen?“
„Da ist kein blauer“, sagte Maik, trank einen Schluck Berliner Kindl und griff in den geöffneten Mixer. „Das ist ein Tamponfaden“, konnte er gerade noch sagen, bevor er binnen einer Millisekunde völlig dehydrierte und ein völlig unerwarteter Riss im Raum-Zeit-Kontinuum Charly fortriss in eine weit, weit in der Zukunft liegende Zeit.

Samstag, 5. Juli 2014

Thank God it's Friday

Der Wecker klingelt. Ein letztes Mal in dieser Woche. Endlich Freitag. Die Woche war schließlich auch anstrengend genug. Jeden Abend nach der Arbeit liege ich sofort erschöpft auf der Couch. Aber immerhin erfülle ich immer mein Pensum. Ich kann stolz auf mich sein. Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und eile mit einem Croissant im linken und einer Zigarette im rechten Mundwinkel zur Bahn. Mehr Zeit war nicht, denn es war leider nicht das erste Klingeln, mit dem ich erwacht war. Das ist es nie. Na ja, bei dem Arbeitspensum.

Ich komme am Bahnhof in der Minute an, als die Bahn gerade einfährt. Mein Auto schließe ich eilends ab, renne zum Bahnsteig und schaffe es geradeso, die Hand zwischen die schließende Tür zu bekommen. Ich nehme mir den letzten freien Sitzplatz. Mir gegenüber sitzt ein Mann, dem die sich ankündigende Sommerhitze des Tages schon jetzt zu schaffen macht. Er liest in der Zeitung von gestern. Wäre ich geistig so desolat und körperlich so schlecht in Form, könnte ich mein Arbeitspensum nie erfüllen. Der Herr bräuchte sicher auch die Mittagspause, die ich mir stets vergönne. Ich erfülle mein Pensum immer. Ich kann stolz auf mich sein. Beinahe verpasse ich es auszusteigen. Gerade so bekomme ich die Hand zwischen die sich schließende Tür.

Sonntag, 18. Mai 2014

Planet of the chicks (Teil 2)

Charly saß in der Küche und mühte sich, seine in die Jahre gekommene Nachttischlampe mittels Schere, Messer und Alufolie wieder fit zu machen. Sie lag geöffnet vor ihm, während ihm sein Freund Maik Tipps gab, die sich sowohl darauf bezogen, was er machen sollte, als auch darauf, was er nicht machen solle.
„Den grünen und den blauen Draht solltest du nicht verbinden“, sagte Maik.
„Wieso nicht? Außerdem ist hier gar kein blauer. Nur ein roter.“
„Dennoch solltest du lieber Lötkolben, Schraubenzieher und Zange nutzen“, sagte Maik.
Charly hatte das Gefühl, diese Situation bereits erlebt zu haben. Die vage Erinnerung an eine Hodenschwellung und dem Geruch von Rind mahnte ihn zur Vorsicht.
„Raum-Zeit-Kontinuum?“, frage Charly vorsichtig, als er den roten und den grünen Draht verbunden und den Stecker in die Steckdose gesteckt hatte. „Puff!“, antwortete Maik, als er aufgrund einer plötzlichen und punktuellen Entladung von einer Million Watt an Wärmeenergie ebenso plötzlich verpuffte.

Mittwoch, 12. März 2014

Planet Of The Cows (Teil 1)

Soweit hätte es kommen können: Planet Of The Cows!
Charly saß in der Küche und mühte sich, seinen in die Jahre gekommenen Toaster mittels Lötkolben, Schraubenzieher und Zange wieder fit zu machen. Er lag geöffnet vor ihm, während ihm sein Freund Maik Tipps gab, die sich zwar nicht darauf bezogen, was er machen sollte, doch zumindest darauf, was er nicht machen sollte.
„Den grünen und den roten Draht solltest du nicht verbinden“, sagte Maik.
„Wieso nicht?“

Freitag, 7. Oktober 2011

Bei der Berufsberatung

Ungläubig schaute Michael Herrn Meier an.
"Ist das ihr Ernst?", sagte Michael, und Herr Meier nickte mit dem Kopf.
"Ja, ihre Daten sind eindeutig. Sie erfüllen genau das Profil."
"Aber Standesbeamter?"

Montag, 26. September 2011

In einer schwülen Nacht

Ich gebe zu, ein bisschen voyeuristisch war ich schon immer. Und, wenn wir Männer ehrlich sind, dann trägt doch jeder den Wunsch in sich, mal zwei weiblichen Geschöpfen im Bett zuzuschauen. Mir erfüllte sich dieser Wunsch am Samstag, und ich will euch davon berichten.

Mittwoch, 14. September 2011

Jack Eagle - Teil 2: still back on stage

Kapitel I | Fotsetzung folgt

Der Umschlag ist leer. Abrupt stoppen die Ameisenarmeen, die gerade im Begriff sind, von meinem Magen zu meinen Lenden zu verlegen. Hatte die Lady mich verarscht? Ich versenke mein Gesicht so tief im Umschlag, dass mir vom Echo meines Atems schwindlig wird. Er bleibt dennoch leer. Langsam lehne ich mich zurück und nehme eine so nachdenkliche Pose ein, dass selbst Rodin seine Entwürfe überdacht hätte.
„Leer! Warum bist du leer?“, frage ich mich selbst mehr als den Umschlag.
Ich greife nach einer neuen Laremie, hole mein Zippo aus der Westentasche und

Freitag, 19. August 2011

Das seltsame Leben des Magnus Vates
Kapitel V

Langsam erwachte der Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch das kleine Fenster in die Kellerwohnung ein, die Magnus schon seit nunmehr sieben Jahren bewohnte. Magnus saß noch immer im Schneidersitz auf seinem Bett. Der heller werdende Tag ließ ihn die Augen langsam öffnen. Er blickte sich um. Die Spuren des kurzen und ungleichen Kampfes in der im Sterben begriffenen Nacht waren vollständig beseitigt.

Sonntag, 24. April 2011

Francesco Fontanello
Kapitel IV

Als der schwarze 2001er-Lincoln – aus unerfindlichen Gründen fahren alle amerikanisch-italienischen Mafiosi einen schwarzen 2001er-Lincoln; was vor dem Jahr 2001 gefahren wurde, ist nicht überliefert – das riesige schmiedeeiserne Tor passierte und die breite gewundene Auffahrt zu Don Calabreses Villa hochfuhr, rieb sich Francesco noch immer seinen Hinterkopf, den der rote Abdruck von drei Fingern von Marcellos rechter Hand zierte. Mehr Platz für eine so riesige Hand barg selbst Francescos erweiterte Stirnfläche nicht.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Jack Eagle - Teil 1: back on stage

Mit weit geöffneten Augen liege ich auf der Couch der runtergekommenen Bude, die sich mein Büro nennt. In meinem Körper ein Gefühl als würden Ameisenarmeen meine Magenwände rauf und runter schwadronieren. Sollen sie nur. Doch mein Mund ist so trocken, dass ich die Sahara auslecken könnte, ohne durstiger zu werden. Neben mir eine Flasche Jack. Was sonst? Ich greife ihren Hals und schnippe lässig den Deckel vom Verschluss. Er segelt wie eine Frisbee durch den Raum und landet bei den anderen Deckeln auf dem Boden. Ich setze die Pulle an und lasse das rauchige Destillat meinen Hals hinunterströmen. Die Hälfte läuft an meinen

Sonntag, 23. Januar 2011

Die letzte Fahrt

Leichter Seegang hob und senkte den stolzen Dreimaster.  Sie schloss die Augen und spürte das Rot der Sonne wärmend auf ihren Lidern. Seit sie ein kleines Mädchen war, träumte sie davon, zur See zu fahren. Freilich waren ihre Fantasien zu diesem Zeitpunkt noch von Seeräuberidylle erfüllt, doch ließ auch die mit jedem ihrer Lebensjahre klarer werdende Wirklichkeit eines Dienstes auf See ihren Wunsch nur weiter reifen. Als sie dann in das nötige Alter gekommen war, bewarb sie sich bei der Marine. Gerne erinnerte sie sich zurück, wie sie empfand, als sie die Tests bestanden hatte und den Einberufungsbescheid in den Händen hielt. Sie fühlte sich neu geboren. Neu geboren zur See.

Freitag, 14. Januar 2011

A new Sheriff in town

Halb sieben in der Früh. Frank hatte heute seinen ersten Tag auf der neuen Dienststelle. Endlich auf einem richtigen Revier. Mit seinem geschulterten Seesack, breitbeinig vor dem Eingang stehend,  nickend, mit stolz geschwellter Brust, inspizierte der die Front des Polizeigebäudes. Er kniff die Lippen zusammen und dachte an die trockene Ausbildung auf der Polizeiakademie und die neun Monaten in der Bereitschaftspolizei, die er fast nur Karten spielend in der Reserve verbracht hatte. Er war einfach nur heiß darauf, endlich ein richtiger Polizist zu sein. Frank atmete tief durch und schritt mit leuchtenden Augen in die Sicherheitsschleuse. Er hielt dem Wachhabenden seinen scheckkartenförmigen Dienstausweise vor und sagte: „Morgen! Frank Kraft! Ich bin der Neue.“

Sonntag, 9. Januar 2011

Bügeln

Sonntagabend. Viertel vor acht. Schlechte Stimmung. Michael hasst es, seine Freizeit mit Hausarbeit zu verschwenden, und besonders hasst er das Bügeln. Es ist so aufwändig. Erst muss er das Bügelbrett aus dem Keller holen. Das Bügelbrett, das nur deshalb im Keller ist, weil es in der kleinen Wohnung keinen Platz findet. Das Bügelbrett, das sechs Stockwerke unter ihm ist, weil seine Freundin ihn unbedingt zu einer Dachgeschosswohnung überreden musste. Seine Freundin, die das Bügeln noch mehr hasst. Und es deshalb ihm überlässt. Michael hasst das Bügelbrett.

Dienstag, 4. Januar 2011

Der zornige Seestern

Astrid war wirklich sehr zornig. So hatte sie es sich nicht vorgestellt. An ein Leben voller Abenteuer hatte sie geglaubt, wenn es erst einmal so weit wäre. An ein Ende des faulen Rumliegens auf dem Aquarienboden. Nun hing sie hier auch nur rum. Und ihre neuen Spielkameraden waren die langweiligsten der Welt.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Richards riskanter Rohstoffhandel

Als Richard Dillinger diesen Morgen seine Aktienkurse überprüfte, war er mehr als nur überrascht. Natürlich freute es ihn, dass es in seiner Hütte so schön warm war, doch so hatte er es sich nicht vorgestellt.
Richard Dillinger machte schon immer in Aktien, schon seit er in den Windeln lag. Seine Eltern waren reiche Eltern, die es sich leisten konnten. Seine erste Emission ging freilich in die Hose, doch Richard lernte schnell. Als er den Windeln zu entwachsen begann, löste seine erste Liquidation Beifall bei seinen erfolgreichen Eltern aus, die ihm auch sogleich eine Belohnung dafür zusteckten. Es verwunderte daher nicht, dass Richard zu einem erfolgreichen Spekulanten heran wuchs, denn schnell lernte er, dass manch ein wohl dosierter Misserfolg die Ausbeute der Belohnung im Erfolgsfall durchaus zu erhöhen vermochte.

Samstag, 20. September 2008

Die Ägyptenreise

„Sand! Nichts als Sand!“, sagte Victor, das Vikunja.
„Was sonst?“, fragte Driss, das einheimische Dromedar, das ihre fünfköpfige Reisegruppe anführte, rhetorisch. Sie waren schließlich in der Weißen Wüste.
Doch ganz stimmte das nicht. Neben dem Sand müsste auch noch Laura, die Lamadame, auf deren Drängen sich Vic überhaupt auf diese Reise eingelassen hatte, zu finden sein.
Aber sie musste ja unbedingt mit Alejandro, einem arroganten Alpaka, kichernd wie ein verliebter Teenager, durch die Gegend rennen.
„Dabei hat sie nicht mal ordentliche Höcker!“, sagte Travis mit unverkennbar australischem Dialekt zu Victor. Nicht nur bei den Gefühlen anderer war Travis ein richtiges Trampeltier. Vic war merklich eifersüchtig.
„Chauvi!“, sagte Tülay und erntete dafür einen Blick auf ihre wohlgeformten Höcker.

Samstag, 13. September 2008

Ein Job für Zander

„Sag mal, was ist denn mit Zander los? Er stand heute Morgen ganz schön unter Strom“, sagte Batilda und schwamm, an einem Zangen putzenden Flusskrebs vorbei, ins dichte Flussgras hinein. Batilda war eine Barbe. Zander dahingegen kein Zander, sondern ein Zitteraal, was erklärt, weshalb er ab und an unter Strom stand. Stanislava, die angesprochen wurde, chillte gerade auf einem Stein. Sie war ein Steinschill und mochte Zander nicht nur seines Names wegen. Der Flusskrebs, dessen Namen keiner kannte, putzte weiter seine Zangen. Er sprach ja auch kein fischisch.

Samstag, 30. August 2008

Gespensterspiele

„Oh, Mama!“, sagte Michael, der ungeduldig schon in der Tür stand.
„Jetzt halt still!“
Sie wischte ihm die letzten Reste des Mittagessens aus den Mundwinkeln und wuschelte ihm zum Abschied durch die Haare.
„Aber wenn die Laternen angehen, bist du wieder zuhause!“, rief ihm seine Mutter hinterher.
Michael hob die Hand und rannte weiter. Am Ende der Straße schwenkte er in die Hofeinfahrt von Andis Elternhaus.
„Ist Andi schon mit den Hausaufgaben fertig?“
„Hallo, Micha. Warte! Ich rufe ihn“, sagte seine Mutter. „Andi! Micha ist da!“
Sie wandte sich wieder zu ihm.
„Wo wollt ihr denn hin?“
„Zur Burg, Frau Bendrup! Dennis, Max und Maike kommen auch mit.“
„Na, dann viel Spaß. Als wir Kinder waren, spielten wir auch oft in den Ruinen.“
Hastig rannte Andi an ihr vorbei und rief: „Tschüs, Mama!“.
Er versteckte eine große Tüte unter dem Arm.
„Hey, junger Mann, du bist aber …“
„Ja, ja. Zum Abendessen wieder da.“
Micha zuckte mit den Schultern und verabschiedete sich von Andis Mutter, die kopfschüttelnd am Türrahmen lehnte.
„Warte auf mich, Andi! Ich komme!“