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Mittwoch, 22. Mai 2019

Frei in den Mai - vier Wochen Ausmisten (Tag 24)


Heute gebe ich mein Backup-Handy frei. Tatsächlich hatte ich es nicht einmal gekauft, sondern gefunden. Es war vor einigen Jahren mal vom Radkasten eines Anhängers gefallen, auf dem es gelegen hatte, als das ziehende Fahrzeug an mir vorbeigefahren war. Winken half nichts, um darauf aufmerksam zu machen. Nachdem ich das 12-Euro-Handy zum Fundbüro gebracht hatte, durfte ich es nach einigen Monaten wieder abholen. Es war in meinen Besitz übergegangen. Wie erfreulich dachte ich mir, organisierte mir ein Ladekabel und bekam obendrein noch Kopfhörer dazu. Nun hatte ich ein Handy, auf das ich zurückgreifen konnte, falls mein Smartphone überraschend kaputt gehen sollte. Das tat es auch, und zwar dreimal - also nicht immer dasselbe, sondern das, welches ich bei Fund des Backup-Handy nutzte und dessen beide Nachfolger. Dennoch nutzte ich es nicht ein einziges Mal, weil ich, kaum dass ich jeweils auf Facebook gepostet hatte, dass eines zerstört war, binnen weniger Stunden ein neues gebrauchtes übereignet bekommen hatte. Einmal - geschätzt - hatte ich es sicherheitshalber zum Wandern bei mir, da ich währenddessen nicht durch Internet-Apps gestört werden wollte, aber im Notfall gerettet werden wollte. Als ich entdeckte, dass es einfacher, ist die Datenverbindung zu kappen, und ich dann dennoch den Vorzug genießen kann, mich, nachdem ich mich verlaufen habe, wieder zurück in die Zivilisation retten kann, hatte es seinen Sinn gänzlich eingebüßt 🤷‍♂️

Habt ihr auch nicht mehr genutzte Handys, Smartphone, Phablets, Tablets etc. zu Hause? Ich möchte gerne wieder sammeln. Ihr könnt sie  bis Ende des Monats bei mir abgeben. Ein Freund sammelt Altgeräte für das Regenwald-Projekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V.. Die Einnahmen aus dem Recycling fließen in den Schutz der Berggorillas. Mit "Ein Handy für den Gorilla" 🐵 (Stellvertreter-Affen-Emoji)  habt ihr gleich doppelt etwas für die Umwelt getan: Ressourcen liegen nicht mehr ungenutzt in den Schubladen, und dafür tollen mehr Gorillas in den Wäldern herum 😉

Bis zum 26. Mai werde ich täglich etwas aus meinem Besitz freigeben und unter #freiindenmai in Facebook und Instagram darüber posten. Steigt doch ein, euren Besitz zu hinterfragen, etwas davon zu verschenken oder zu verkaufen. Das befreit, schont Ressourcen, und ihr macht damit anderen vielleicht eine Freude 😊

Dienstag, 10. April 2018

30-Tage-Challenge: Loslassen-Ausmisten-Reduzieren (#10)

Wie schon in der Kolumne angekündigt, habe ich meine Stifte und Notizblöcke gesichtet und 80% davon aussortiert. Stifte sammeln sich sehr schnell an - es sind Herdentiere. Jedesmal beispielsweise, wenn ich in einem fremden Büro bin, habe ich beim Verlassen einen Kugelschreiber mehr. Das ist total verwirrend. Ich denke, sie erkennen, wie wohlig die Nestwärme in meinen Schubladen ist und heften sich heimlich an mich, sobald sie meinen Aufbruch wittern. So ähnlich wie bei Zecken stelle ich mir das vor. Die warten ja auch geduldig auf Bäumen, bis der erste Warmblüter ahnungslos unter ihnen vorbei läuft, um sich fallen zu lassen. Auch sind sie leider beliebte Werbegeschenke (Stifte, nicht Zecken). Ich muss mich konzentrieren, sie dankend und respektvoll abzulehnen. Vielleicht zeige ich künftig meinen Fisher Bullet Pen, den mein Vater mir vor Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte. "Tut mir leid, der verträgt sich nicht mit anderen Stiften!", könnte ich sagen. Ich probiers!
Behalten habe ich je zwei Bleistifte, Füller, Kugelschreiber und Filzschreiber, drei Eddings in verschiedenen Größen sowie Textmarker in vier Farben. Das sollte reichen.



Auch habe ich nur die acht teilweise beschriebenen Notizblöcke behalten - sie haben noch ausreichend Platz, damit ich einige Jahre Notizen machen kann -, der Rest kam zusammen mit überzähligen Bleistiftspitzern, Radiergummis, Linealen und meinem Zweitlocher, den ich besitze, falls der andere einmal spontan schmelzen sollte, in eine Kiste. Die Kiste geht Anfang Mai per Post nach Rottenburg. Dort hat Stifte stiften ihren Sitz. Die Initiative sammelt Bleistifte, Buntstifte, Kugelschreiber, Radiergummis, Lineale, Bastelscheren, Spitzer, Taschenrechner, Mäppchen, Hefte, A4-Papier und Schulranzen für Kinder an afrikanischen Schulen. Ich finde das sehr unterstützenswert. 

Deshalb hier der Aufruf: Sicher sind auch eure Schubladen und Schränke in den Büros voll. Vielleicht mögt ihr euch beteiligen. Ich sammle bis Ende des Monats und mache dann ein großes Paket fertig. Schreibt mich einfach an! Es ist noch Platz, und ich habe auch noch weitere Kisten.



Dienstag, 28. März 2017

Achtundsechzigster Schritt: Am #ExperimentGelberSack2017 teilnehmen

Mein häusliches Mülldepot für 30 Tage
Samstag beginnt meine Teilnahme an "Das Experiment Gelber Sack". Vom ersten April an werde ich 30 Tage lang jeden Plastikmüll zu vermeiden versuchen. Ich bin gespannt, wie weit ich komme. Gefühlt habe ich bereits jetzt so gut wie keinen Plastikmüll. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich viel mehr einschleicht, als ich vermute. Zusätzlich werde ich auch auf Einwegglas verzichten und meinen Papier-, Kompost- und Restmüll so weit wie möglich zu reduzieren versuchen. Meinen Müll werde ich anschaulich an der auf dem Bild sichtbaren Stelle sammeln. Bitte seht es mir nach, dass ich meinen Kompostmüll nicht an dieser Stelle sammeln werde. Es steht zu befürchten, dass sich dann nämlich deutlich mehr dort sammeln wird, als ich deponiert haben werde, und das meiste davon wird Augen und Extremitäten haben.

Falls jemand mitmachen möchte und sich 30 Tage lang am Plastikfasten beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, das zu tun. Ihr könnt gerne eure eigenen Erfahrungen hier im Kommentarfeld hinterlassen: Täglich, wöchentlich, sporadisch, ganz wie ihr wollt. Ich werde jeden Tag Updates im Blog und parallel auf Facebook veröffentlichen.  Ich freue mich auf das gemeinsame Fasten!

Weiteres zum Thema findet sich in meiner Kolumne bei der Wetterauer Zeitung: Arnold hält nach

Freitag, 10. März 2017

Sechsundsechzigster Schritt: Mit dem Smartphone gegen die Lebensmittelverschwendung

Nachfolgend ein paar Worte zu einem Projekt eines Bekannten, das ich sehr gerne unterstütze. Er hat mit Studenten eine App entwickelt, die helfen soll, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Um eine Desktopversion zu programmieren und die Funktionstiefe zu erweitern, haben sie ein Crowd Funding gestartet, das ich gerne teile. Nachfolgend weitere Informationen zum Projekt und zur App, die schon jetzt genutzt werden kann.



Mehr als 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden EUR werden alleine in Deutschland jedes Jahr weggeworfen, davon ca. 65% von Privathaushalten. Gleichzeitig hungern Menschen dort, wo landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden, die ausschließlich für den Export vorgesehen sind. Die Wegwerfgesellschaft entsorgt nicht nur Spielzeug oder alte Handys sondern auch Lebensmittel, die ohne Weiteres und unbedenklich noch genießbar sind. Dabei kann jeder, der diese Lebensmittel in die Tonne wirft, auch anderen Menschen helfen. Selbst in Deutschland sind immer mehr Menschen nicht in der Lage, sich „angemessen und in Würde zu ernähren“. Besonders betroffen sind Kinder aus Hartz-IV-Haushalten, Rentner und Flüchtlinge.

In Dänemark konnte die Lebensmittelverschwendung vom Jahr 2010 bis zu dem Jahr 2015 um 25% reduziert werden, hauptsächlich im Bereich des Handels, initiiert von der Aktivistin Selina Juul und ihrer Organisation „Stop Spild Af Mad“ (Stoppt die Lebensmittelverschwendung). In Frankreich gibt es ein Gesetz, das den Handel verpflichtet, unverkaufte Nahrungsmittel dem Recycling zuzuführen oder zu spenden. Ähnliche Initiativen gibt es in Italien und Finnland.
In Deutschland wurde Ende Februar der Vorstoß des Landes Nordrhein-Westfalen, per Gesetzt gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen, abgelehnt, „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen“ (Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in einem Interview der Saarbrücker Zeitung).

Warum es also den Privathaushalten nicht einfacher machen, sich über das Thema Lebensmittelverschwendung zu informieren und Lebensmittel, die ohne Bedenken noch genießbar sind, kostenlos zur Abholung anzubieten. Ein Smartphone befindet sich fast in jedem Haushalt. Apps (Smartphone-Applikationen) für gebrauchte Dinge oder Kleinanzeigen gibt es wie Sand am Meer, warum also nicht auch für Lebensmittel? Das dachte sich eine kleine Gruppe von Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen und entwickelte die Smartphone-App „SHARE YOUR FOOD“, eine Plattform auf der nicht nur Lebensmittel zur kostenlosen Abholung angeboten werden können, sondern auf der sich auch Vereine und Organisationen präsentieren, über ihr Hilfsangebot oder Veranstaltung informieren und sogar ihre Homepage in der Anzeige verlinken können. „Das ist das Neue dabei: Nicht nur Lebensmittel anbieten und finden, sondern sich umfangreich informieren
können, regionale Hilfsorganisationen und Vereine finden oder Tipps und Tricks für andere Nutzer empfehlen. Dafür gibt es in der App einen eigenen Bereich. Es gibt sogar eine Kategorie „gemeinsam Kochen und Essen“, so können sich Nutzer verabreden, kennen lernen und soziale Kontakte aufbauen.“, so Michael Stricker, Geschäftsführer der MY2SHARE UG in Bad Nauheim, die das Projekt bis zur jetzigen Beta-Version unterstützt hat.  

Natürlich gibt es bereits Vereine und Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen und Plattformen im Internet, auf denen Lebensmittel zur Abholung von Privat angeboten werden können. Es ist jedoch nicht einfach, sich mit einem Suchbegriff an die Suchmaschine zu wenden und dann aus den Millionen gefundenen Einträgen das Richtige zu finden. Darüber hinaus sind die Vereine und Organisationen nicht immer flächendeckend aufgestellt oder es gibt Restriktionen für die Abgabe oder Abholung von Lebensmitteln. SHARE YOUR FOOD wendet sich an jeden, private Haushalte, Vereine und Organisationen, und steht flächendeckend 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Die App ist kostenlos nutzbar, es entstehen keine Transaktionsgebühren oder andere Kosten. Es gibt nur zwei Bedingungen: Angebote und Einträge müssen gesetzeskonform und angebotene Lebensmittel unbedenklich genießbar sein.

„Helfen kann jeder, Lebensmittelvernichtung vermeiden auch. Wir machen es einfach, sich schnell und unbürokratisch daran zu beteiligen“, sagen die am Projekt beteiligten Studenten.
Viele der Funktionen sind den Nutzern aus anderen Flohmarkt-Plattformen bekannt, so zum Beispiel die Umkreissuche, die Auswahl von Kategorien für das Angebot, Suchagenten, Merklisten oder das Teilen von Einträgen in sozialen Netzwerken.
„Wir haben versucht, die beste Kombination von Funktionen in SHARE YOUR FOOD zu realisieren. Ob uns das gelungen ist entscheidet der Nutzer“, so Stricker.

Leider reichen die finanziellen Mittel nicht mehr aus, um eine Desktop-Version zu realisieren oder die Liste weiterer Funktionen abzuarbeiten. Auch das Marketing fordert seinen Tribut. SHARE YOUR FOOD hat sich daher entschlossen, eine CrowdfundingAktion über die STARTNEXT-Plattform zu starten.
„Wir erhoffen uns, mit dieser Aktion, genügend Geldmittel aufzutreiben, um den Betrieb zu gewährleisten und noch mehr Funktionalität umsetzen zu können. Jede finanzielle Unterstützung für dieses Projekt ist willkommen“.

Wer sich über SHARE YOUR FOOD informieren möchte, dem steht die Facebookseite zur Verfügung. Die aktuelle Beta-Version der App kann schon heute für iPhones aus dem AppStore oder für Android-Smartphones aus dem Google PlayStore installiert werden.

„Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen an dem Projekt SHARE YOUR FOOD beteiligen, damit die Lebensmittelverschwendung reduzieren und gleichzeitig helfen. Erzählt Freunden und Bekannten von SHARE YOUR FOOD, je mehr davon wissen, desto mehr werden sie nutzen!“.

Donnerstag, 3. September 2015

Vierzigster Schritt: Von MeiBoxen und Kleiderbügeln

Mehrweger unter sich
Es gibt viele Dinge in meinem Leben, die mir noch nicht eingefallen sind zu machen. Beispielsweise kam ich noch nie auf die Idee, mein eigenes Wasser mit ins Schwimmbad zu nehmen oder eine Tragetasche zu kaufen, um den gekauften Rucksack nachhause transportieren zu können. Auch wollte mir noch nie einfallen, mit dem Auto zum Taxistand zu fahren und dem Taxifahrer anzubieten mich bei laufendem Taxameter doch einfach mit dem Taxi dahin zu begleiten, wo ich gerne von ihm hingefahren worden wäre, wenn ich kein Auto dabei gehabt hätte. Da ist mir wohl einiges entgangen, aber ich bin ja noch jung. Die Produktentwicklung bei tegut scheint solche Mitarbeiter andererseits anzuziehen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie jemand auf die Idee kommen kann, Mehrweg-Eier-Boxen aus Plastik produzieren zu lassen. Ob schon aufgefallen ist, dass die vermeintlichen Einweg-Papp-Eierboxen, in denen die Eier ansonsten angeboten werden, die noch dazu kompostierbar sind, ruckzuck Mehrweg-Papp-Eierboxen werden, sobald man sie *trommelwirbel* mindestens ein zweites mal benutzt, um mindestens einmal losen Eier darin zu erwerben und nachhause zu transportieren. Ich gehe ja gerne dort einkaufen, aber das ist nicht nur nicht sehr nachhaltig und läuft der Firmenphilosophie völlig zuwider, es ist auch noch, na ja, unnnötig? Unsinnig? Un...d ein Grund mal wieder eine Email an den Kundenservice zu schreiben. Hatte mit den Teebeuteln ja schon Spaß gemacht. Wer macht mit? :) info@tegut.com

True Metal, People! (in einem tegut-Leinenbeutel)
Als ich vor wenigen Monaten meinen Kleiderschrank reduziert hatte und zwei große Kisten Kleidung sinnvollerem Dasein zuleiten konnte, als ungetragen in meinem Schrank zu hängen, fielen mir immer wieder diese Metallkleiderbügel in die Hände. Kein Plastik, immerhin, aber gewiss auch unsinnig, sie ohne ein Hemd tragen zu lassen, in meinem Schrank zu wissen sowie ganz gewiss zu resourcenintensiv, um sie in den Alt-Eisenmüll zu geben. Ich stelle mir vor, dass die Dinger von Recyclinghof gesammelt, dann abgeholt und im Hochofen eingeschmolzen, von einer weiteren Maschine zu Draht geformt und zuletzt von einer Dritten zu *zweiter Trommelwirbel* Kleiderbügeln gemacht werden, die ich meine sauberen Hemden tragend dann wieder von den Mitarbeitern meiner Reinigung ausgehändigt bekomme. Ja, das ist auch Recycling. Vor allem ist es aber auch ein Kreislauf, der besser nach Schilda passt, als hierher! Ich habe sie zusammengepackt und der Reinigung geradewegs wieder zurück gegeben. Erst wussten die Damen nicht, was ich wollte. Dann wurde ich angeschaut, als müssen man ganz langsam mit mir sprechend. Dann kam ein wissendes Lächeln. Ich glaube, sie fanden's gut!

Sonntag, 18. Januar 2015

Siebenundzwanzigster Schritt - kleiner Teebeutel, große Wirkung

So sieht's mal aus! Hoffentlich überträgt sich
der Earl Grey nicht auf den Earl Grey daneben!
Ich bin baff, Tegut. Ihr habt doch tatsächlich geantwortet. Gerade einmal ein Monat musste vergehen, bis mir eine Antwort zuteil wurde. Bis Fulda ist es natürlich auch recht weit, und bis die E-Mail dann auch noch den Weg zu mir zurück gefunden hatte … Nun, sie ist da! Wie schön! Über 300 Wörter, habt ihr mir gewidmet. Ich werde als Kunde ernst genommen. Zwar beschäftigt sich ein Drittel der Wörter mit dem kompostierbaren Knotenbeutel, den ihr eingeführt habt, um es Kunden wie mir fortan zu ermöglichen, Gemüse mit gutem Gewissen nachhause transportieren zu können. Einem Knotenbeutel, den ich zwar nicht thematisiert hatte und auch nicht nutze, weil ich und jeder andere, der das möchte, mit geringstem Organisationsaufwand gar keinen Beutel bräuchte, um Gemüse zu kaufen. Aber es war schön, sich darüber auszutauschen, und es ist ja auch eine gute Sache. Ihr setzt euch mit mir und meinem Streben nach Nachhaltigkeit auseinander. 138 Wörter widmet ihr anschließend dem eigentlichen Thema: Unnötigerweise einzeln in Plastik verpackten Teebeuteln. Zum einen sprecht ihr von Aroma und Frische, die nur der Plastikverpackung zu verdanken seien. Schön und gut, doch kann ich beim besten Willen keinen qualitativen Unterschied erkennen, bspw. zwischen dem Pfefferminztee von Meßmer und dem von Tegut. Natürlich habe ich keine Doppelblindstudie mit 50 Teilnehmern durchgeführt, die mein persönliches Empfinden stützen würde. Aber ich bin einfach mal so frei zu unterstellen, dass es weniger die Plastikverpackung ist, die einen aromatischen und frischen Tee ausmacht, sondern mehr die Qualität der Teeblätter und die Transportzeiten. Meßmer schafft das offensichtlich mit Papierverpackungen. Wenn ihr dann noch mit Stolz postuliert, dass durch die Plastikeinzelkuverts „nun verschiedene Teesorten unproblematisch zusammen in einem Aufbewahrungsgefäß gelagert werden“ können, frage ich mich, wie hoch der Anteil an Menschen ist, die sich die Mühe machen, alle Teebeutel in so hübsche Holzkästchen zu packen, die dann aber nicht mehr in einen üblichen Küchenschrank Platz finden. Aber, wie bereits geschrieben, ich habe das ja auch nicht empirisch erhoben, so dass ich mich nur fragen kann. Auch stelle ich in Frage, ob tatsächlich eine Aromaübertragung stattfinden würde. „Hey, mein Pfefferminztee schmeckt ja nach Erdbeer-Vanille!“ „Oh, tut mir leid. Liegt an den Papiereinzelkuverts. Das Aroma ist wohl übertragen worden. Aber, warte mal. Ich habe gar keinen Erdbeer-Vanille-Tee. Das ist doch Holunder-Rhabarber!“
Zu guter Letzt merkt ihr an, dass ja seit der letzten Überarbeitung auf die Plastikhülle um den Karton herum verzichtet würde. Das ist gut so. Und ein erster Schritt. Aber ich glaube, dass ihr damit nur einen Teil dessen erfüllt, was euer Kundenstamm wollen würde. Die Tegut-Kundenschaft denkt größtenteils nachhaltiger als andere Supermarktkunden – da bin ich mir auch ohne Studie sicher -, und seien wir ehrlich: Ich bin nicht derjenige, der Studien durchführen muss. Die Kundenbefragung liegt an euch, wenn ihr anbieten wollt, was die Tegut-Kundinnen und -Kunden wünschen. Ich weiß, dass ich nicht alleine mit meinem Anliegen bin, Plastikverpackungen zu reduzieren. Das weiß ich vor allem deshalb, weil ich bereits einige eurer Antwortmails auf Anfragen meiner Blogbesucher zugespielt bekam und ihr jedem den gleichen Text sendet. Das wiederum lässt mich vermuten, dass meine Anfrage nicht die erste in diesem Kontext war - obwohl es mich freilich stolz machen würde, einen Textbaustein in eurem Anfragenbearbeitungsprogramm generiert zu haben.  Ich hoffe, dass nach dem nächsten Schritt papierne Einzelkuverts zum Einsatz kommen. Denn es ist mitnichten so, dass ein hochwertiger Tee nur in Kunststoff daher komme. Es ist ein einfacher Pfefferminztee, kein Heil-Tee. Da könnt ihr ruhig etwas entspannter sein, wenn es um die Verpackung geht. Also, vorwärts Tegut. Bis dahin trinke ich halt, Tee von Meßmer - den ich aber nach wie vor im Tegut-Markt kaufe, weil ihr eure Sache alles in allem gut macht! Und ihr, meine treuen Leserinnen und Leser, wendet euch gerne weiterhin per Email an Tegut, wenn ihr auch keine Plastikeinzelkuverts wollt (info@tegut.com). Das geht schneller, als eine Kundenumfrage zu machen. Heute die Teebeutel, morgen der Plastikmüll im Ozean. Prost!

Ach, ja, noch eins zum Abschluss, in den nächsten Wochen wird mein Freund Dennis, der sich mit dem Thema Minimalismus auseinandersetzt, ein paar Gastbeiträge schreiben. Freut euch mit mir.

Dienstag, 6. Januar 2015

Sechsundzwanzigster Schritt - Spiderman und Teebeutel

Arnold und die Sneeps
Mitte Dezember durfte ich Spiderman spielen, will sagen: Das studentische Netzwerk Sneep setzte mich inmitten ihres Netzes, um mich von dort aus von meinen bisherigen Erfahrung im "Plastiksparen" erzählen zu lassen. Gut 30 Studentinnen und Studenten der Uni Kassel waren mein Auditorium. Es war eine sehr schöne Erfahrung, zumal ich selbst überrascht war, dass ich bereits eine knappe Stunde über meine Lebensumstellung binnen der letzten 12 Monate füllen kann. Auch die anschließende Podiumsdiskussion war wirklich spannend und brachte viele Impulse. Das wiederhole ich gerne.

Bunte Plastikvielfalt - Rein damit in die papierne Einkaufstüte!
Anfang Dezember hatte ich mir arglos eine Packung Pfefferminztee gekauft. Wie hätte ich ahnen können, was mich erwartete, als ich die Packung öffnete? Ich stand also in der Küche. Es war der Morgen nach dem Kauf. Noch recht früh. Das Dunkel der Nacht war noch nicht gänzlich von der aufgehenden Sonne in sein sternenbeschienenes Reich vertrieben. Trunken von Schlaf, doch angetrieben von der Freude auf ein plastikfreies Frühstück, tastete ich mich durch den Schrank, um zu meinem Pfefferminztee zu gelangen. Von einer besseren Welt träumend öffnete ich blind die Verpackung. Noch verwundert darüber, dass der erwartete Pfefferminzgeruch ausblieb, ertastete ich die ersten Beutel. Die Öberfläche der Beutelverpackungen war glatt und kühl. Wo war die erwartete zart-papierne und gefühlt warme Oberfläche der üblichen Beutelverpackung? Ich zog einen der Teebeutel hervor und traute meinen Augen nicht. Ich kniff mich, um mich zu vergewissern, nicht vom Alb gepackt zu sein. Die Beutel waren einzeln in Plastik verpackt. Ich atmete schwer, musste mich an der Arbeitsfläche in der Küche festhalten, um nicht, vom Schwindel ergriffen, zu Boden zu gehen. Mit weit aufgerissenen Augen, ungläubig den in Kunststoff gefangenen köstlichen Teebeutel in meinen Händen drehend, griff ich zum Telefon und rief schluchzend meine Mutter an ... Nun, vielleicht dramatisiere ich geringfügig, aber mal ehrlich, selbst Branchen-Könige wie OTG und Meßmer verpacken einzeln in Papier, die günstigen verzichten gänzlich drauf. Warum muss gerade tegut, mein Lieblings-Supermarkt - weil jede Menge Bio-Produkte und Veganes - weil als erster Supermarkt keine Plastiktüten mehr im Verkauf -, seine Eigenmarke in Plastik einschlagen? Es ist unverständlich und widerspricht so sehr dem Eindruck, den Tegut hinterlassen will. Aufregen und wundern hilft niemandem, dachte ich mir, und schrieb Tegut eine Email. Eine Email, auf die ich auch nach zwei Wochen keine Antwort erhielt. Eine Email, an die ich zwei Wochen später höflich erinnerte, und auch weitere zwei Wochen später keine Antwort erhielt. Das enttäuscht mich sehr. Vielleicht bekommt ja jemand von euch eine Antwort, weshalb Tegut in Plastik verpacken muss, während die Mitbewerber Papier wählen. Es scheint, als habe das Ressort, das in Sachen Einkaufstüten entschieden hatte, keine Verbindung zum Einkauf, denen Plastik und die Kundenmeinung darüber offensichtlich egal sind. Viel Erfolg: info@tegut.com

Update
Tari-Tara, die Antwort ist da!