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Donnerstag, 3. September 2015

Vierzigster Schritt: Von MeiBoxen und Kleiderbügeln

Mehrweger unter sich
Es gibt viele Dinge in meinem Leben, die mir noch nicht eingefallen sind zu machen. Beispielsweise kam ich noch nie auf die Idee, mein eigenes Wasser mit ins Schwimmbad zu nehmen oder eine Tragetasche zu kaufen, um den gekauften Rucksack nachhause transportieren zu können. Auch wollte mir noch nie einfallen, mit dem Auto zum Taxistand zu fahren und dem Taxifahrer anzubieten mich bei laufendem Taxameter doch einfach mit dem Taxi dahin zu begleiten, wo ich gerne von ihm hingefahren worden wäre, wenn ich kein Auto dabei gehabt hätte. Da ist mir wohl einiges entgangen, aber ich bin ja noch jung. Die Produktentwicklung bei tegut scheint solche Mitarbeiter andererseits anzuziehen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie jemand auf die Idee kommen kann, Mehrweg-Eier-Boxen aus Plastik produzieren zu lassen. Ob schon aufgefallen ist, dass die vermeintlichen Einweg-Papp-Eierboxen, in denen die Eier ansonsten angeboten werden, die noch dazu kompostierbar sind, ruckzuck Mehrweg-Papp-Eierboxen werden, sobald man sie *trommelwirbel* mindestens ein zweites mal benutzt, um mindestens einmal losen Eier darin zu erwerben und nachhause zu transportieren. Ich gehe ja gerne dort einkaufen, aber das ist nicht nur nicht sehr nachhaltig und läuft der Firmenphilosophie völlig zuwider, es ist auch noch, na ja, unnnötig? Unsinnig? Un...d ein Grund mal wieder eine Email an den Kundenservice zu schreiben. Hatte mit den Teebeuteln ja schon Spaß gemacht. Wer macht mit? :) info@tegut.com

True Metal, People! (in einem tegut-Leinenbeutel)
Als ich vor wenigen Monaten meinen Kleiderschrank reduziert hatte und zwei große Kisten Kleidung sinnvollerem Dasein zuleiten konnte, als ungetragen in meinem Schrank zu hängen, fielen mir immer wieder diese Metallkleiderbügel in die Hände. Kein Plastik, immerhin, aber gewiss auch unsinnig, sie ohne ein Hemd tragen zu lassen, in meinem Schrank zu wissen sowie ganz gewiss zu resourcenintensiv, um sie in den Alt-Eisenmüll zu geben. Ich stelle mir vor, dass die Dinger von Recyclinghof gesammelt, dann abgeholt und im Hochofen eingeschmolzen, von einer weiteren Maschine zu Draht geformt und zuletzt von einer Dritten zu *zweiter Trommelwirbel* Kleiderbügeln gemacht werden, die ich meine sauberen Hemden tragend dann wieder von den Mitarbeitern meiner Reinigung ausgehändigt bekomme. Ja, das ist auch Recycling. Vor allem ist es aber auch ein Kreislauf, der besser nach Schilda passt, als hierher! Ich habe sie zusammengepackt und der Reinigung geradewegs wieder zurück gegeben. Erst wussten die Damen nicht, was ich wollte. Dann wurde ich angeschaut, als müssen man ganz langsam mit mir sprechend. Dann kam ein wissendes Lächeln. Ich glaube, sie fanden's gut!

Samstag, 11. Juli 2015

Vierunddreißigster Schritt: Plastik leihen und nicht kaufen

Plastikmüll lässt sich natürlich nicht nur sparen, indem konsequent auf Verpackungen aus Plastik verzichtet wird, sondern auch damit, die unnötige Produktion von Plastik zu vermeiden. 
Vor wenigen Tagen noch standen wir häuslich vor dem Problem, dass unsere Handy-Ladekabel flügge geworden sind. Ich vermute stark, dass das Ladekabel meines Kindle und das Ladekabel meiner Puls-Uhr ([hier den Namen der dem eigenen Glaubenentsprechenden Entität einsetzen] sei ihrer Seele gnädig!) ihre Liebe zueinander entdeckt haben und einfach gemeinsam ausgerissen waren. Vermutlich hatte das eine Ausreisewelle ausgelöst, an deren Ende uns der folgende bedauernswerte Zustand erwartete: Zwei Ladekabel für sechs ladekabelbedürftige Geräte im Haus, wobei merkwürdigerweise eines der beiden Ladekabel von einem Gerät stammt, dass niemand aus dem Haus je im Besitz hatte. Vermutlich ein Zuwanderer, der in einem iPhone-Haushalt Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt war. Willkommen an dieser Stelle!

Jedenfalls stand ich vor der Entscheidung, ein Ladekabel zu kaufen oder nicht. Ganz tief in mir war ein Widerstreben gegen den käuflichen Erwerb. Doch solange mich die Werbebranche alle paar Minuten mit Handy-Angeboten überflutet: „Macht den Vertrag bei uns, und ihr bekommt jährlich ein neues Smartphone!“, „Kauft eine Waschmaschine, und ihr bekommt kostenlos ein Smartphone kostenlos dazu, mit dem dem die Waschmaschine auch im Urlaub in der DomRep fernsteuern könnt!“, „Eröffnet ein Konto bei unserer Bank, und ihr bekommt ein Smartphone für Umme hinzu, dessen Vertragsguthaben ihr übrigens ganz bequem über unsere Homebanking­software aufladen könnt.“ Und so weiter. Solange das so ist, muss es doch jede Menge Haushalte geben, in denen eine unermessliche Zahl an Handy-Ladekabeln ungenutzt rumliegen muss, dachte ich mir. Vermutlich sind unsere Kabel auch in eines dieser Haushalte ausgewandert; immerhin wurde es ja bei uns zunehmend einsam. Jedenfalls habe ich meine Suche in Facebook einfach mal in den Raum  gestellt und binnen zwei Tagen hatte ich zwei zusätzliche Ladekabel. Problem gelöst!

Es gibt zahlreiche lokale Free- und Share-your-Stuff-Gruppen (Bspw. "Free your stuff Wetterau") und selbst Share-your-Food-Gruppen (Bspw. "Share your food Wetterau". Dort reinzuschauen lohnt sich wirklich. Ich bin  überrascht, wie gut das funktioniert und wie viele Menschen, ihren Überfluss über diese Gruppen reduzieren und anderen die Möglichkeit geben, ihre Bedarfe kostenlos zu decken. Das ist ein guter Weg. Immerhin werden jede Mengen Ressourcen gespart, wenn nicht neu produziert werden muss, was anderenorts ungenutzt in der Ecke liegt. Vielleicht werde ich demnächst mal posten, wer Einzelsocken übrig hat. Schließlich muss jeder, der eine Waschmaschine besitzt, vor dem gleichen Problem stehen. Ganz gleich, wie oft ich sie aus dem Urlaub anrufe, meine Waschmaschine frisst dennoch Socken.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Dreiundzwanzigster Schritt: "I want to ride my ... Upcycle!"

Lieber unscharfe Schrauben als scharfes Chili
Die Küche war voller Plastik. Mittlerweile ist sie voller Glas und Edelstahl. „Hast du das Plastik weggeworfen?“, wurde ich gefragt. Ja, ich muss zugeben, einiges davon warf ich tatsächlich weg. Zerkratztes und Verformtes, bei dem mir die Gefahr für Lebensmittel einfach zu hoch war. Der Rest kam in den Keller. Zunächst wollte ich es auf Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Dann erkannte ich jedoch, dass ich mit dem Plastik auch meine Verantwortung verscherbele. Im Keller habe ich es unter Kontrolle. Kein Kontakt zu meinen Lebensmitteln, keinen Kontakt mit der Mülltonne. Mein persönlicher Gefangener von Askaban, Kellergast des Towers, Plastikmüll von Montechristo, wie auch immer Hauptsache weg aus der Küche und weg von der Mülltonne. 20 Prozent des Plastikmülls wird auch in Deutschland nicht recycelt. Das bedeutet Deponie oder Müllverbrennung. Das eine trinken wir früher oder später, weil es sich auflöst und ins Trinkwasser übergeht, das andere atmen wir ein. Deshalb bin ich selbst in der  Pflicht: Upcycling! Einfach einem anderen Verwendungszweck zuführen. Bei mir stehen die Plastikwaren von Tupper und Curver nun im Keller und bewahren Schrauben und Nägel auf, eben alle Kleinteile, die im Keller so anfallen und sortiert einfach besser aufbewahrt sind. Wäre ich früher drauf gekommen, hätte ich auch das Zerkratzte und Verformte nicht weggeworfen.

Designer-Rucksack by Turkish Taylor
Zu Recycling und Upcycling gehört natürlich konsequenterweise auch Precycling. Wie ich den meisten Verpackungsmüll vermeiden kann, habe ich schon festgestellt: Papierverpackungen statt Plastikverpackungen, Großgebinde statt Kleinpackungen, lose statt verpackter Ware und natürlich Müll vermeiden, bevor er entsteht. Die Frage, Müll zu machen und neu zu kaufen oder nicht, stellt sich derzeit bei meinem Rucksack. Ich hatte ihn vor immerhin schon sechs Jahren gekauft. Täglich begleitet er mich auf dem Weg zur Arbeit, mittlerweile nicht nur mit Laptop, Schreibblock und Büchern gefüllt, sondern eben auch mit meinem Mittagessen im Glas. Das ist eine schwere Aufgabe für einen handelsüblichen 17-Zoll-Laptop-Rucksack. Natürlich besteht er fast ausschließlich aus Kunststoff. Inzwischen habe ich die Stück für Stück abgebrochenen und abhanden gekommenen Schiebergriffe der Reißverschlüsse durch Schlüsselringe ersetzt, was dem Rucksack eine rockig-punkige Erscheinung gibt - und ja, ich musste bei Wikipedia  nachlesen, wie die Dinger, die Schiebergriffe sind, heißen. Auch habe ich ihn bereits zweimal vom Schneider reparieren lassen. Das erste Mal hatte ich einen Riss mit Stoff stopfen lassen, was jedoch schnell wieder riss. Das Gewicht ist einfach zu groß. Das zweite Mal ließ ich den Türken meines Vertrauens Leder einnähen. Das hielt und hält noch immer, doch lehne ich tierische Produkte inzwischen ab, so dass ich eine Alternative finden muss. Kernfrage: Neu oder nochmal zum Schneider. Ich muss zugeben, die eine oder andere Leinen-Tasche reizte mich schon sehr zum Konsum an. Ich habe mich dennoch wieder für den Schneider entschieden, denn der Rucksack ist optisch noch völlig tadellos und das wichtigste: Er funktioniert!. Weshalb sollte ich ihn wegwerfen, nur weil der Boden sehr fadenscheinig geworden ist. Morgen schneide ich eine alte Jeans in zwei gleichgroße Stücke in der Größe des Taschenbodens und übergebe sie meinem Schneider. Das hält gewiss wieder zwei Jahre, und jemand freut sich über den Auftrag. Support your lokal taylor!

Sonntag, 18. Mai 2014

Vierzehnter Schritt - Geschenkpapier

Ich präsentiere: Das Öko-Geschenk!
Seit einem halben Jahr reduziere ich nun schon meinen Plastikmüll. Erstaunlicherweise führen die Gedanken, die ich mir zwangsläufig machen musste, immer wieder zu Überlegungen und Änderungen, die gar nichts mit Plastik zu tun haben. Früher hatte ich beispielsweise meine Geschenke immer in Geschenkpapier eingepackt. Zwei Euro für eine Rolle bedrucktes Papier, das im Anschluss in den Müll wandelt. Nur zu dem Zweck, das man nicht gleich sieht, was man geschenkt bekommt. Immerhin kein Plastikmüll, aber Papier, das auch produziert werden muss. Dafür, dass es nach wenigen Minuten Zweckentsprechung zu Müll wird, muss Energie aufgewandt werden, CO2 wird freigesetzt, werden Bäume gefällt, und Chlorbleiche belastet die Umwelt. Es geht auch anders. Ich verpacke jetzt in Zeitungspapier. Das wandert ohnehin irgendwann in den Papiermüll. Da kann es gerne vorher nochmal einem weiteren Zweck dienen. Ich finde es nicht weniger schick als Geschenkpapier, und man kann das auspacken nutzen, um die News vergangener Tage nochmal zu thematisieren: „Oh, schau mal, das hatte ich ja ganz überlesen: Die Donaumündung ist von Plastikmüll überschwemmt! Ein Glück, dass du kein Geschenkpapier genommen hattest.“
So oder so ähnlich läuft das seitdem. Als Schleife nehme ich natürlich auch kein Plastik mehr. Ich habe bunte Papierluftschlangen dafür entdeckt. Also nur noch Papier um das Geschenk und am Ende doch wieder Plastikmüll gespart. Es ist halt wirklich fast überall zu finden.

Übrigens wurde mein Blog im Radio erwähnt, und ich durfte danach ebenfalls ein Radiointerview geben. Wow! Stolz. Danke Luise für ganz tolle Worte über mich. Danke Terese und Radio Fritz für ein aufregendes Interview. Hier geht's zu Luises und meinem Interview.