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Dienstag, 22. Dezember 2020
Dienstag, 28. April 2020
Raus in die Natur - Kleingärtnern, Saisongärteln und die Dachterrasse
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| Raus in die Natur - Kleingärtnern, Saisongärteln und die Dachterrasse |
Vom 11. bis zum 15. Mai werden Gartenfreunde von den Eisheiligen besucht. Ihre Namen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia von Rom – es sind deren Namenstage, zu denen die Bauerregel sagt, dass mit Frost zu rechnen ist. Der Feind eines jeden Hobby-Gärtners, der seine mit Liebe gezogenen Setzlinge zu früh gesetzt hat. Allerdings nutzen wir seit knapp 500 Jahren den Gregorianischen Kalender und nicht mehr den Julianischen, auf den sich die Bauernregeln bezogen. Dieser und damit die gefürchteten Kälteeinbrüche sind somit um eine Woche nach hinten verschoben, also auf die Tage ab dem 20. Mai. Diese sind die Namenstage von Elfriede, Wiltrud, Rita, Renate und Esther. Warum wurde das nicht geändert? Vermutlich, weil die Reime einfach unschlagbar sind. „Der heilige Mamerz / hat von Eis ein Herz“, „Mamertus, Pankratius, Servatius / stehn für Kälte und Verdruss“ oder „Vor Nachtfrost bist Du sicher nicht / bis Sophie vorüber ist“. Was sollen die wirklichen Eisheiligen da schon ausrichten? „Bis zur heiligen Elfriede / gehört der Garten gemiede“ kann allenthalben Hessinnen und Hessen begeistern, „Gerade kam Wiltrud / als die Kälte sich entlud“ überzeugt auch wenig und „Rita ist wie Renate und Esther / eine eiskalte Schwester“ klingt eher wie ein neues Rap-Projekt aus Rödelheim als eine Regel, die den Gärtnerinnen und Gärtnern in Erinnerung riefe, sich trotz erster warmer Tage nicht zu sicher zu fühlen.
Das Bundesamt für Statistik sagt, dass im Jahr 2019 rund 8,97 Millionen Menschen über 14 Jahre gab, die mehrmals wöchentlich im Garten arbeiteten. 900.000 Hobbygärtner sind unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde organisiert und bewirtschaften 44.000 Hektar Land. Auch in der Wetterau gibt es zahlreiche Kleingartenanlagen und Gartenbauvereine wie die Gemeinschaft Usa-Gärten e. V. (http://www.usagaerten.de/) mit 65 Kleingärten zwischen Friedberg und Bad Nauheim. Deren und die Gartengrundstücke vieler anderer sind in der Wetterau begehrt; die Wartelisten sind lang. Eine andere Möglichkeit sind Saison-Gärten, wie der, den die Familie Klingmann in Friedberg-Fauerbach anbietet (https://www.saisongarten-friedberg.de/). Dort wird der Boden fachmänisch bestellt, und die Pflege übernimmt die Saisongärtnerin oder der Saisongärtner.
Warum ist es so ökologisch, selbst zu gärtnern? Die meisten Kleingartenvereine oder Saisongärten sind so gelegen, dass sie mit kurzen Wegen, häufig sogar per Rad oder zu Fuß erreicht werden können. Das spart Energie und damit CO2 – insbesondere, wenn man bedenkt, dass 40 % der Lebensmittel in Europa Importe sind. Der Selbstversorgungsgrad für Nahrungsmittel in Deutschland liegt bei rund 88 Prozent. Deutschland muss folglich Nahrungsmittel importieren, um den eigenen Bedarf decken zu können. Der Gesamtwert der Nahrungsmittelimporte summierte sich zuletzt auf rund 49,2 Milliarden Euro. Das ist mit Energiekosten verbunden und geht zudem zu Lasten der Frische, des Vitamingehalts und auch des Geschmacks der Lebensmittel. Warum spanische Tomaten, italienische Paprika und holländische Gurken, wenn sie auch selbst angebaut und geerntet werden können? Da schont nicht nur die Umwelt, sondern sogar den Geldbeutel. Aus eigener Erfahrung – ich bewirtschafte gerade wieder meine Terrasse hoch über den Dächern der Kreisstadt – lassen sich gut 80 Prozent der Nahrungsmittelkosten einsparen, wenn man selbst gärtnert. Die Kostenersparnis bedeutet eine Investition von Zeit, die man mit Erde unter den Nägeln erbringt, aber ganz ehrlich: Das erdet! Aber bitte erst nach Schwester Esther!
Dienstag, 31. März 2020
Corona-Baisse – Investieren in Kalorien
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| Corona-Baisse – Investieren in Kalorien |
Die Bouillabaisse, das provenzalische Fischgericht, und keine mexikanische Biersuppe stand Pate für meine Namenskreation. Sie besteht aus den provenzalischen Wortteilen bouli und abaissà, also „koche und setze dich“, da die Marseiller Suppe einige Minuten stark gekocht und dann abgeschreckt wird. Das passiert derzeit auch an der Börse. Das Coronavirus wirkt wie ein Tauchsieder, der insbesondere Kleinanleger verschreckt die Hände aus dem sprudelnden Wasser ziehen lässt, das hier sinnbildlich für das Börsenparkett steht. Noch bis Mitte Februar hatte sich der Aktienmarkt in der Hausse befunden, in einem Aufwärtstrend. Da hatte der Stier der beginnenden Coronakrise noch seine Hörner gezeigt. Seitdem befindet er sich auf Talfahrt, der Bärenmarkt hat sich entwickelt, stärker denn je. Noch nie war der DAX, also die Heimat der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen, in so kurzer Zeit so stark gefallen: Von fast 13.500 Punkten auf zeitweise unter 9.000.
Warum schreibe ich das in einer Kolumne über Nachhaltigkeit? Seit ich vor eineinhalb Jahren zwei Frugalistinnen kennengelernt hatte, also zwei Anhängerinnen jener Szene, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch ein möglichst sparsames Leben und Anlegen des Ersparten früh ein genügsames Dasein als Privatier zu führen, habe ich vieles von ihnen übernommen. Ich habe begonnen, meine Ausgaben mit einer Exceltabelle zu monitoren, um unnötige Ausgabenherde zu identifizieren, habe ein Depot eröffnet und bereits im ersten Monat des Kennenlernens mit dem Investieren gestartet. Ich bin nicht so sparsam wie Oliver Nolte oder Florian Wagner, die beiden wohl bekanntesten Frugalisten Deutschlands, die Sparraten von 60 Prozent und mehr erreichen, komme aber immerhin auf fast 22 Prozent. Geschafft habe ich das, indem ich meine Ausgaben immer wieder im Hinblick auf die Suffiziens überprüft habe. Welche Ausgaben tätige ich nur, weil es scheinbar ein gesellschaftlicher Konsens ist, sie zu tätigen? Welche Kosten habe ich, die wirklich nötig sind? Welche dieser Kosten kann ich reduzieren, indem ich zu günstigeren Alternativen wechsele, ohne an Nachhaltigkeit oder Qualität zu verlieren? Meine durchschnittlichen monatlichen Ausgaben habe ich so um ein Viertel reduzieren können – immer unter der Maßgabe, meine Lebenszufriedenheit aufrechtzuerhalten.
Bis Mitte Februar hatte ich meine Depotwerte, die durch nachhaltige Fonds und ETFs sowie Einzelaktien von ökologischen Unternehmen bestimmt sind, noch gerne abgerufen. Derzeit verweigere ich mich, die betreffenden Aktienkurse in meiner Homebankingsoftware zu aktualisieren. Denn als die Corona-Baisse aufkochte, hatte ich stark an den Verlusten zu kauen gehabt, bis ich realisierte, dass es nur virtuelles Geld ist, dessen vermeintlichen Verlust ich bedauerte. Mein Einkommen ist weiterhin nahezu stabil, und weder an meinem vergleichsweise sparsamen Leben, noch an meiner Sparrate hat sich etwas geändert. Die Kurse werden irgendwann wieder steigen, und ich bin fern von Existenzangst. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu vielen Gastronomen, die wirtschaftlich wirklich bedroht sind.
Ich habe mich entschlossen, wieder zu investieren. Ich stecke den durch mein sparsames Leben erwirtschafteten Überschuss in Gutscheine bei der Pizzeria, in Bestellungen beim Burgerladen und in Anteile an diversen Speisekarten. Schon jetzt bin ich im Plus. Das Ergebnis lässt sich auf der Waage messen. Es sind bereits einige Prozent, und die nimmt mir keiner so schnell.
Dienstag, 17. März 2020
Coronaviren überall
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| Coronaviren überall |
Sie sind in aller Munde. Oder vielmehr: Ich hoffe nicht. Was ich von der vermeintlichen Corona-Hysterie halte? Da möchte ich auf Jürgen Klopp verweisen. Als Trainer des FC Liverpool wurde er zu seiner Meinung gefragt. Er antwortete: „Warum fragen Sie mich das? Die Experten sollten nach ihren Meinungen gefragt werden, nicht irgendwelche Personen des öffentlichen Lebens. Ich trage eine Basecap und habe eine schlechte Rasur.“ Nun, ich selbst trage eine Schiebermütze und bin ordentlich rasiert, kann Kloppo aber nur zustimmen. Ich kann sie nicht mehr hören, all diese Vergleiche in der Art von: „Die Influenza hat vor zwei Jahren auch 25.000 Todesopfer in Deutschland gefordert, und jetzt werden alle Veranstaltungen wegen zwei Handvoll Corona-Toter verboten.“
Ich bin kein Experte aus dem Gesundheitsministerium, aber wenn ein neuartiger Virus schon einmal solche Todeszahlen produziert hat, sollten wir dann nicht alles tun, damit das mit SARS-CoV-2 nicht auch passiert?
Ich bin auch kein Philosoph, aber dürfen Menschenleben, moralisch gesehen, miteinander verrechnet werden? Ist es legitim, eine unbekannte Anzahl potenzieller Toter durch Nichtstun zu riskieren, weil vor zwei Jahren schon einmal eine große Zahl an Menschen gestorben ist? Oder noch plastischer: Wenn ich vor zwei Jahren auf einem Fußballbundesligaspiel war und bundesweit eine Menschenmenge in der Höhe der Einwohnerzahl Butzbachs verstarb, darf ich da auf mein Fünfzehn-Euro-Ticket bestehen, wenn Verzicht zur Verhinderung beitrüge? Mein Gefühl hat da eine ganz klare Position, aber ich bin halt kein Experte.
Ich bin ebenfalls kein Mathematiker, aber angenommen, wir haben derzeit 6.000 Infizierte. Dann macht das auf 82 Millionen Einwohner ein Verhältnis Gesunder zu Infizierten von 41.000 zu drei. Das bedeutet, dass bei jedem Bundesligaspiel, statistisch gesehen, wenigstens drei ansteckende Fans in den Zuschauerreihen zu finden sind. Ich bin auch kein Virologe, aber wenn ich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts lese, dass ein fünfzehnminutiges Verweilen in eineinhalb Meter Abstand zu einem Infizierten mit einer Rate von 70 Prozent zu einer Ansteckung führt, vermute ich, dass sich das Verhältnis von Nichtinfizierten zu Infizierten mindestens verzehnfachen wird, bis abgepfiffen wird.
Da ich, wie bereits gestanden, kein Mathematiker bin, habe ich auch keinen Expertenstatus in Stochastik. Dennoch bin ich mir sicher, dass selbst Veranstaltungen mit 100 Zuschauerinnen und Zuschauern zu verbieten, sinnvoll ist. Immerhin würden kleinere Veranstaltungen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Prozent aufweisen, dass Besucher sich infizieren. Das ist immer noch deutlich mehr, als ein Tagesgeldkonto an Zinsen bringt, aber auch fast nichts.
Was ich bin, – zumindest in einigen Augen – das ist ein Experte für ökologische Lebensführung. Ganz ehrlich: Selbst, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gerade den CO2-Ausstoß merklich reduzieren – allein in China sind die Emissionen im Februar um ungefähr 200 Megatonnen, das ist ein Viertel derer monatlicher Gesamtemission, zurückgegangen –, möchte ich lieber, dass uns etwas wie im Jahr 2018 erspart bleibt und die Wirtschaft sich wieder normalisiert. Vielleicht stellen wir, wenn die Krise ausgestanden ist und alle gebunkerten Nudeln und alles Toilettenpapier aufgebraucht sind, fest, dass wir gar nicht so viel konsumieren müssen, um zufrieden zu sein und senken so künftig unseren ökologischen Fußabdruck. Wer weiß! Bis dahin, bleibt gesund!
Bildrechte: Von N-Lange.de - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0Ich bin kein Experte aus dem Gesundheitsministerium, aber wenn ein neuartiger Virus schon einmal solche Todeszahlen produziert hat, sollten wir dann nicht alles tun, damit das mit SARS-CoV-2 nicht auch passiert?
Ich bin auch kein Philosoph, aber dürfen Menschenleben, moralisch gesehen, miteinander verrechnet werden? Ist es legitim, eine unbekannte Anzahl potenzieller Toter durch Nichtstun zu riskieren, weil vor zwei Jahren schon einmal eine große Zahl an Menschen gestorben ist? Oder noch plastischer: Wenn ich vor zwei Jahren auf einem Fußballbundesligaspiel war und bundesweit eine Menschenmenge in der Höhe der Einwohnerzahl Butzbachs verstarb, darf ich da auf mein Fünfzehn-Euro-Ticket bestehen, wenn Verzicht zur Verhinderung beitrüge? Mein Gefühl hat da eine ganz klare Position, aber ich bin halt kein Experte.
Ich bin ebenfalls kein Mathematiker, aber angenommen, wir haben derzeit 6.000 Infizierte. Dann macht das auf 82 Millionen Einwohner ein Verhältnis Gesunder zu Infizierten von 41.000 zu drei. Das bedeutet, dass bei jedem Bundesligaspiel, statistisch gesehen, wenigstens drei ansteckende Fans in den Zuschauerreihen zu finden sind. Ich bin auch kein Virologe, aber wenn ich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts lese, dass ein fünfzehnminutiges Verweilen in eineinhalb Meter Abstand zu einem Infizierten mit einer Rate von 70 Prozent zu einer Ansteckung führt, vermute ich, dass sich das Verhältnis von Nichtinfizierten zu Infizierten mindestens verzehnfachen wird, bis abgepfiffen wird.
Da ich, wie bereits gestanden, kein Mathematiker bin, habe ich auch keinen Expertenstatus in Stochastik. Dennoch bin ich mir sicher, dass selbst Veranstaltungen mit 100 Zuschauerinnen und Zuschauern zu verbieten, sinnvoll ist. Immerhin würden kleinere Veranstaltungen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Prozent aufweisen, dass Besucher sich infizieren. Das ist immer noch deutlich mehr, als ein Tagesgeldkonto an Zinsen bringt, aber auch fast nichts.
Was ich bin, – zumindest in einigen Augen – das ist ein Experte für ökologische Lebensführung. Ganz ehrlich: Selbst, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gerade den CO2-Ausstoß merklich reduzieren – allein in China sind die Emissionen im Februar um ungefähr 200 Megatonnen, das ist ein Viertel derer monatlicher Gesamtemission, zurückgegangen –, möchte ich lieber, dass uns etwas wie im Jahr 2018 erspart bleibt und die Wirtschaft sich wieder normalisiert. Vielleicht stellen wir, wenn die Krise ausgestanden ist und alle gebunkerten Nudeln und alles Toilettenpapier aufgebraucht sind, fest, dass wir gar nicht so viel konsumieren müssen, um zufrieden zu sein und senken so künftig unseren ökologischen Fußabdruck. Wer weiß! Bis dahin, bleibt gesund!
Dienstag, 1. Oktober 2019
Die Tuareg und der Besitz
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| Die Tuareg und der Besitz |
Im Internet finde ich eine Zusammenfassung des Vortrages „Wie viele Dinge braucht der Mensch?“ - vom Ethnologen Prof. Spittler. Der Spezialist für die Tuareg erklärt, dass Mitglieder dieses Berbervolkes im Schnitt etwa 24-mal weniger besitzen als Deutsche. In verschiedenen anderen Quellen ist zu lesen, dass wir zwischen acht- und zehntausend Dinge besitzen; der Nomade, von dem Herr Dr. Spittler spricht, also offenbar nur zwischen 330 und 420 Dinge, darunter zum Beispiel nur 18 Kleidungsstücke. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob der Tuareg reich oder arm ist, denn seinen Reichtum zu zeigen, ist traditionell verpönt. Der Wohlhabendste im Dorf ist also rein äußerlich vom Viehhirten, der für ihn arbeitet, kaum zu unterscheiden. Respekt, denke ich mir und erinnere mich daran, als ich vor vielen Jahren mit Hardrock-Café-Shirt und Löcherjeans zum Juwelier ging. Ich wurde völlig anders behandelt als wenige Tage später, als ich „zufällig“ nach der Arbeit und mit Hemd und Jacket in den Laden gegangen war. Ich weiß nicht, ob es bei den Tuareg Juweliere gibt, aber die dürften es wesentlich schwerer haben, jemanden abfällig zu behandeln. Immerhin verbergen sie ihren einzigen Reichtumsmarker, die Zahl ihres Viehs, ebenso gut, und selbst wenn nicht, wer würde sein Vieh schon mit sich führen, wenn er beispielsweise eine filigrane Halskette für die Liebste erwerben möchte? Ich sage nur: Elefant im Porzellanladen! Ich weiß natürlich, dass Tuareg Rinder- und keine Elefantenherden haben, die jedoch mit Sicherheit nicht weniger Arbeit machen. Und Arbeit ist ein gutes Stichwort. Ich wollte wissen, wie viel Besitz ich angehäuft habe. Ja, ich habe alle Dinge gezählt, die mir gehören. So etwas macht man an Samstagabenden, wenn man keinen Fernseher hat.
Bereits als ich mit dem ersten Raum fertig war, dem Schlafzimmer, hatte ich meine nomadische Vergleichsgruppe fast eingeholt, und das obwohl ich seit Jahren meinen Besitz um Ungenutztes reduziere. Schon drei einmonatige Ausmisteaktionen habe ich hinter mich gebracht, davor dreimal ausschließlich den Kleiderschrank reduziert. Immer noch mag ich mich nicht Minimalist nennen, doch dass ich noch so viel in meinen Schränken habe, überrascht mich dann doch. 1.392 Dinge sind es, die ich besitze, hat die Zählung ergeben. Das sind vier Tuaregs. Gerade der Kleiderschrank hat es in sich, nämlich Kleidung von stolzen elf Tuaregs. Rechnerisch versteht sich, meine Winterkleidung wäre in der Sahara ebenso fehl am Platz, wie meine Sportkleidung unpraktisch.
Das vergleichende Zählen meiner Besitztümer hat vor allem zwei Sachen bewirkt: Festzustellen, wie wenig es für ein erfülltes Leben braucht, aber vor allem zu merken, wie viele ich habe, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze, geschweige denn weshalb. Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Zahl maximaler in Besitz befindlicher Dinge gibt, die den Minimalismus ausmachen. Jeder muss selbst definieren, was und wie viel man braucht, um glücklich zu sein, doch ich bin mir sicher, glücklicher wird man leichter, wenn man nicht mehr für so viel ungenutzten Besitz Raum, Zeit und Geld verschwenden muss. Ich jedenfalls „miste“ im Oktober wieder aus. Ebaykunden, die Besucher der Umsonstläden und meine Freunde werden sich freuen über das, was in ihren Händen wieder genutzt wird. Das macht mich nicht zum Tuareg, vielleicht nicht einmal zum Minimalisten, doch passt erst einmal alles in ein Tiny House on Wheels bin ich ja quasi auch ein wenig Nomade. Oder Minimalist. Oder beides.
Bildrechte: Garrondo, CC BY-SA 3.0
Dienstag, 23. Juli 2019
Im Schatten der Sparsamkeit
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| Im Schatten der Sparsamkeit |
Im September hatte ich in meiner Kolumne Frugalismus zum Thema, also die Philosophie jener Gruppe an sparsamen Menschen, deren Konsumreduktion nicht primär Umweltaspekten oder der inneren Ruhe zuzuschreiben ist wie bei den Minimalisten, sondern dem Wunsch, möglichst viel des Ersparten anzulegen, um schon viel früher, als vom Gesetzgeber vorgesehen, in Rente gehen können. Damals hatte ich mich entschlossen, einem Frugalisten gleich, eine Tabelle mit meinen Einnahmen und Ausgaben zu führen – mit grafischen Auswertungen und allem Schnick-Schnack und Bling-Bling, die mir ein modernes Tabellenkalkulationsprogramm bietet. Dadurch konnte ich viele Ausgabenherde identifizieren und reduzieren. „Was? Der Kostengraf meiner Restaurantbesuche ist höher als der meiner Nahrungsmittelausgaben?“ Kaum festgestellt, schon optimiert!
Dann hatte ich gelesen, dass Oliver Noelting, wohl der deutsche Pionier dieser wie so oft aus den USA stammenden Bewegung, teils über 70 Prozent seiner Einkünfte spart. Ich bin Sportler! Challenge accepted, dachte ich mir. Tatsächlich hatte ich es geschafft, in den knapp zwölf Monaten, in denen ich meine Ausgaben bislang monitore, im Schnitt fast 20 Prozent zurückzulegen. Allerdings musste ich auch feststellen, dass wir zwar das gleiche Spiel spielen, doch in anderen Ligen. Während er auf Bundesliganiveau unterwegs ist, mühe ich mich in der Kreisliga ab. Mit zwei Kindern kämpft es sich ein weniger anders um Platz eins als kinderlos. Trotz der ungleichen Voraussetzungen fand ich eine Lösung. Ich musste, um nicht einmal annähernd denselben Wert zu erreichen, in zwei der Monate lediglich doppelt so viel arbeiten. Okay, das war gemogelt, denn der Sinn ist ja, sein Konsumverhalten umzustellen und dadurch zum Zurücklegen für die Frührente zu kommen. Nur möchte ich ja eigentlich gar kein Privatier werden, und außerdem, mal ehrlich, wo im Sport auf diesem Niveau wird denn nicht gedopt? Genau hier liegt aber der Hund begraben! Um eine Idee zu kopieren, muss man das Konzept verinnerlichen. Um jemandem nachzueifern, muss man die unterschiedlichen Voraussetzungen würdigen und seine Ziele entsprechend anpassen.
Meine Ausgaben auf diese Weise im Blick zu haben, war und ist gut. Es schult meinen nachhaltigen Umgang mit dem eigenen Konsumverhalten, und mir hat es immens geholfen, ein paar Rücklagen zu bilden, obwohl ich fest im Glauben war, das gar nicht zu können. Und das gegen Ende sogar kontinuierlich, denn wer will schon einen Monat für Monat nach oben gehenden Grafen unterbrechen? Selbst wenn es nur ein paar zurückgelegte Euro am Monatsende sind. Da spart man sich allein wegen der Ästhetik eines Charts mal ein Stückchen vom Bäcker unterwegs ab und isst den mitgenommenen Apfel von zuhause. Frustrierend wird es nur, wenn man versucht, auf Euro komm raus, Vorgaben zu erreichen, die mit den persönlichen Voraussetzungen nicht zu erreichen sind.
Juli ist Urlaubsmonat. Ich bin schon seit zwei Wochen über das hinaus, das ich mir mal im Monatsschnitt als maximale tägliche Ausgabe festgelegt hatte. Ist das schlimm? Ja, dachte ich noch vor einigen Tagen. Dann schaute ich mir meine Grafik an und widersprach mir. Wenn ich diesen Monat nichts zurücklegen kann, dann stimmt vielleicht der Quartalsschnitt wieder, und wenn selbst der nicht, dann bestimmt der Jahresschnitt. Meine Rücklage dient dem kleinen Eigenheim, und dem komme ich auch trotz Urlaub näher. Selbst wenn ich dafür die Skalierung meiner Grafik ändern muss, um mich in die nächste Liga zu mogeln.
Donnerstag, 16. Mai 2019
Frei in den Mai - vier Wochen Ausmisten (Tag 18)
Im Januar habe ich mir einen neuen Laptop gekauft. Das Captiva, das ihr auf dem Bild seht, zu erstehen, war zwar eine grundsätzlich gute Idee, und es war mir immerhin zwei Jahre dienlich, doch konnte ich damit nicht ohne Tisch in der Bahn arbeiten. Es kostete mich so wertvolle Zeit, und wenn ich an einem neuen Buch schreibe, mag ich mich durch nichts bremsen lassen.
Ein zweiter Grund für das Captiva, das meinen alten PC ersetzte, der immerhin von 2009 bis 2017 gehalten hatte, war die Tablet-Funktion. Das war für die Füße. Ganz selbstkritisch muss ich sagen, dass es ein Fehlschluss war, zu glauben, eines zu nutzen, wenn man es vorher schon nicht vermisst hat. Und alle die Argumente, mit denen ich mich selbst überzeugt hatte, waren letztlich Luftschlösser. Nicht einmal habe ich es als "Kochbuch" in meinem Kochbuchhalter in der Küche genutzt, allenthalben einmal im Notenständer beim Gitarrespielen und schon gar nicht, um bequem auf der Couch online zu shoppen - ich shoppe halt nicht wirklich 😄
Geholt hatte ich mir ein gebrauchtes Laptop bei Refurbed. Für mein aufbereitetes Lenovo Thinkpad gab es obendrein einen Baum, den sie mir irgendwo gepflanzt haben. Ein schönes grünes Gimmick, und vielleicht besuche ich meinen Baum mal. Viel wichtiger ist, dass ich mit dem neuen Laptop, das ich endlich auch in der S-Bahn nutzen konnte, ohne dass mich ein fragiler Faltrücken sorgen ließ, dass meine Technik auf dem Boden zerschellt oder ständig den Kontakt zwischen Tatstatur und Tablet einbüßt, meinen dritten Roman binnen zwei Monaten schreiben ließ. Das hat mir jede Menge Zeit gespart, die ich nun unter anderem dazu nutze, den Zeiträuber in neue nutzende Hände zu geben 😀
Bis zum 26. Mai werde ich täglich etwas aus meinem Besitz freigeben und unter #freiindenmai in Facebook und Instagram darüber posten. Steigt doch ein, euren Besitz zu hinterfragen, etwas davon zu verschenken oder zu verkaufen. Das befreit, schont Ressourcen, und ihr macht damit anderen vielleicht eine Freude 😊
Dienstag, 14. Mai 2019
Besitz und Glück - Macht Konsum glücklicher?
„Wie kommst du mit dem Verzicht zurecht?“, wurde ich gefragt und konnte erst gar nicht antworten. Nicht, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich zurechtkomme, sondern weil ich zunächst einmal den Verzicht suchen musste. Ich versuchte es mit einer Gegenfrage: „Ist es Verzicht oder einfach nur Rückbau von Überfluss?“ Wohlstand hat sicherlich individuelle Definitionen. Ein hoher Lebensstandard mag für jemanden mit niedrigem Einkommen vielleicht schon mit dem Besitz eines Autos beginnen, während ein Top-Manager ihn möglicherweise erst dann gekommen sieht, wenn sich noch ein Cabriolet für das Wochenende geleistet werden kann. Deutschland ist immerhin weltweit auf Platz 18 der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen.
Natürlich hilft es den vielen Geringverdienern nicht, dass das Bruttoinlandsprodukt durch wenige Bestverdiener lediglich rechnerisch auf gut 45.000 Euro pro Kopf und Jahr gehoben wird, aber die Frage ist eine andere: Brauche ich diesen Konsum? Bin ich dann zufriedener? Ist das Leben mit dem Erst- oder gar Zweitauto ein glücklicheres? Die Glücksforschung ist eine noch sehr junge Disziplin, doch die Empirie ist eindeutig: Sobald die Grundbedarfsdeckung überschritten ist, steigt die Lebenszufriedenheit nicht mehr parallel zu Einkommen und Besitz an. Wer auf dem Land lebt, eine schlechte Anbindung und keine örtliche Einkaufsmöglichkeit hat, wird mit einem eigenen Auto glücklicher sein. Ich selbst wohne zentral, habe eine gute Anbindung an Bus und Bahn und den Marktplatz direkt vor der Haustür. Ein Auto steigert meine Zufriedenheit nicht.
Steigert das Freizeitauto das Lebensglück eines Managers? Die Glücksforschung sagt Nein. Der Kauf wird zwar Glückshormone ausschütten, auch der Geruch des neuen Fahrzeugs, das erste Mal den Motor zu starten oder durch die Landschaft zu cruisen. Nach wenigen Wochen ist das jedoch verflogen, und es ist auch nur noch ein Auto wie das erste. Allerdings verschlingt es Geld: Steuer, Versicherung, Serviceintervalle, und es braucht einen zweiten Stellplatz, vielleicht sogar eine zweite Garage, die Kosten verursachen. Noch schlimmer: Es verschlingt Zeit, denn ich muss es pflegen, mich um die Instandhaltung kümmern. Um auch nach dem Fahrzeugkauf noch denselben Standard zu leben, muss ich mehr arbeiten, obwohl ich bereits durch die Anschaffung weniger Zeit zur Verfügung habe. In einer repräsentativen Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung gaben die Befragten im Jahr 2010 an, dass Gesundheit (80 %) sowie eine intakte Familie und Partnerschaft (72 %) für sie die wichtigsten Quellen für Lebensqualität sind; „Geld und Besitz zu mehren“ nannten nur zwölf Prozent als Quelle. Hier klaffen, was wir uns wünschen und was wir leben, auseinander. Während wir uns durch Konsum und Besitzmehrung in immer mehr Arbeit zwängen, fehlt uns die Zeit, unsere zwei höchsten Güter für unser Lebensglück zu pflegen.
Bevor mir jetzt jemand vorwirft, Top-Verdiener belehren zu wollen, zurück zu Menschen wie Sie und ich. Bei uns ist es nicht das Freizeitauto, aber vielleicht das nächste Smartphone, eine andere Spielekonsole oder ein weiteres Kleidungsstück. Ich selbst versuche, mich dem Konsum zu enthalten, und ich nutze absichtlich nicht das Wort „Verzicht“. Mit weniger Konsum und dafür mehr Zeit für einen gesunden Lebensstil und die Pflege meiner sozialen Kontakte komme ich gut zurecht. „Zurechtkommen“ nutze ich im Gegensatz zu „Verzicht“ absichtlich, den so kommen die wichtigen Dinge des Lebens zu ihrem Recht, und das war auch meine Antwort.
Bildquelle: de:Benutzer:Igelball - Image copied and source information extracted from de:Bild:Smart fortwo.jpg, uploaded to commons: Milkmandan 15:07, 21 Apr 2005 (UTC), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115439
Dienstag, 23. April 2019
Kleidertauschparty und Vortrag im Kupferdächle in Pforzheim | 24.04.2019, 19:00 Uhr
Falls ihr morgen Abend noch nichts vorhabt, schaut doch mal im Kupferdächle in Pforzheim vorbei. Bringt Kleidung mit, tauscht nach Lust und Laune, und ich freue mich, euch währenddessen ein wenig zum Thema Nachhaltige Lebensführung erzählen zu dürfen.
Dienstag, 19. Juni 2018
Was tun bei Platzmangel im Kühlschrank?
Wenn ich in meinen Kühlschrank schaue, sehe ich darin … nichts. Ich nutze keinen. Insofern ist es nicht verwunderlich. Ich kenne jedoch einen, in dem man nach dem Öffnen ebenfalls nichts sieht. Die Lampe funktioniert. Das erkennt man an dem hilflosen Glimmen, das hinter diversen dicht gereihten Sahnepäckchen gerne zur vollen Entfaltung käme. Schaut man sich die Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) des Kühlguts an, stellt man fest, dass da jemand offensichtlich auch vor drei Jahren schon ein großer Liebhaber von Schmelzkäse mit Schinkengeschmack war.
Kürzlich hörte ich: „Bis zum MHD kann man alles essen, danach: Tot!“ Das ist leider oft die Devise. Einmal im Jahr wird aufgeräumt, die Hälfte dessen, was im Kühlen auf seinen verdienten Verzehr gewartet hatte, dem Restmüll übereignet und so Platz geschaffen für Neueinkäufe, die den sodann zwangläufig in die weniger beleuchteten Ecken gedrängten Lebensmitteln eine ähnliche Zukunft bescheren. Dabei ist das MHD doch nur ein Garantie- und kein Verfallsdatum. Wir können doch sensorisch testen. Hat es einen Pelz und schnurrt nicht beim Streicheln, wegwerfen! Riecht es komisch und geht auf sanftes Drängen nicht duschen, wegwerfen! Und zuletzt bleibt noch die Zunge zum Test. Bitzelt sie oder signalisiert auf andere Art, dass das Bäh! ist, dann wegwerfen. In den meisten Fällen wird man überrascht sein, was noch alles verzehrbar ist, obwohl das MHD länger zurückliegt als der eigene Geburtstag.
Wenn der WWF in seiner mittlerweile drei Jahre alten Studie „Das große Wegschmeißen“ davon ausgeht, dass zehn der insgesamt achtzehn Millionen Tonnen Lebensmittelverluste vermeidbar sind, meint er – neben organisatorischen Veränderungen, die verhindern, dass sich das Licht im Kühlschrank überhaupt so stark verdunkeln kann – genau so etwas.
39 % der Lebensmittel, die unnötig weggeworfen werden, gehen zulasten der Endverbraucher. In Anbetracht einer knappen Milliarde Hungernder weltweit, kann ich es nur traurig nennen, dass hierzulade die Hälfte der produzierten Lebensmittel auf dem Müll landet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass ein Viertel der weltweit weggeworfenen Lebensmittel in der Lage wäre, den Welthunger sofort zu beenden. Meiner Mutter sagte ich als Kind nach der xten Ermahnung, dass ich nicht aufäße, während die Kinder in Afrika hungerten, dass sie meine Reste gerne nach dort senden könne. Half nichts: ich musste trotz fehlender Paketmarken aufessen. Dennoch ist natürlich etwas Wahres dran. Was helfen unsere Reste? Die Frage ist, wie können wir Reste vermeiden? Durch ein Einkaufverhalten, das keine Reste produziert! Was nicht gekauft wird, muss nicht hergestellt werden. Und in Anbetracht der Tatsache, dass Europa bereits zu 40 Prozent Lebensmittel bezieht, die nicht auf europäischem Boden wachsen, lässt sich folgendes schließen: Vielleicht stehen die Böden dann wieder den Hungernden zur Verfügung.
Weitere 19 % entstehen beim Großverbraucher, was ich als Apell verstehe, im Restaurant keine Reste zu lassen oder sie zumindest mitzunehmen. Gut, wer mich kennt – ich bin als Buffetfräse gefürchtet –, weiß, dass ich dem Motto: „Keine Gefangenen!“ folgte, wenn es um Essen geht.
Der Rest steht in der Verantwortung von Produktion und Handel (Ernte-, Nachernte- und Prozessverluste sowie Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel). Dass da weniger verkommt, dafür sorgen „Die Tafeln“ oder Organisationen wie „Foodsharing“. Letztgenannte finden sich in der Wetterau noch nicht. Aber, wer weiß, vielleicht finden sich ja ambitionierte Foodsaver nach dem Lesen der Kolumne.
Auf dem Bild sind übrigens die Ehrenamtlichen von Foodsharing Hessische Bergstraße zu sehen, die ich Mittwoch besucht habe.
Auf dem Bild sind übrigens die Ehrenamtlichen von Foodsharing Hessische Bergstraße zu sehen, die ich Mittwoch besucht habe.
Samstag, 16. Juni 2018
Besuch beim Foodsharing-BBQ in Bensheim
Am Mittwoch hatte ich die Freude von foodsharing Hessische Bergstraße eingeladen gewesen zu sein, an deren BBQ teilzunehmen. Ich wankte zwischen Schock und Freude, als ich allein die Obst- und Gemüsemengen sah, die die Helferinnen und Helfer (Foodsaver) aus Bensheim und Umgebung binnen zwei Tagen gerettet hatten. Schockiert war ich darüber, dass tatsächlich so viel im Handel weggeworfen wird. Die Gemüse sahen nicht viel anders aus als die, die bei mir selbst zuhause im Korb liegen: Reife Bananen, Pomelos, Salate, ganze Säcke an Kartoffeln, Kohl. Freude kam dennoch auf, denn all diese Lebensmittel wurden nicht nur gerettet, sondern dienten auch dem BBQ als Grundlage. Es gab Gemüsesuppe, Grillspieße aus geretteten Paprika, Zwiebeln und Tomaten, Grillkartoffeln und jede Menge frische Salate – kostenlos.
Bevor es losging, durfte ich meinen Text „Windkrafträder“, der sich mit Lebensmittelverschwendung und Konsumkritik befasst, vortragen und damit Michaela Zengs Vortrag zum Thema „Foodsharing“ einleiten. Auch wenn ich selbst schon recht tief im Thema bin, waren „Innenansichten“ eines Foodsavers – Michaela ist Botschafterin für foodsharing Lampertheim und Umgebung – sehr erhellend, und manches schockierte mich von Neuem. Hygienebestimmungen verhindern, dass Rückläufer von Obst und Gemüse wieder in den Verkauf gehen können – so retteten die Foodsaver eine ganze Palette (!) Erdbeeren im April. Gurken, Zucchini, Kartoffeln, die nicht die richtige Form haben, bekommen die Landwirte nicht von den verarbeitenden Betrieben und Großhändlern abgenommen und werden untergepflügt, wenn Foodsaver sie nicht retten. Der Kampf um Kunden zwingt Bäckereien auch fünf Minuten vor Ladenschluss noch volle Regale haben zu müssen, sodass sich foodsharing kaum noch retten kann vor lauter Backwaren.
Ich finde es unheimlich toll, dass es diese engagierten Menschen gibt, die so tolle Geschichten wie die folgenden erst ermöglichen. Ein Teilnehmer des BBQ erzählte mir, dass er einen Unfall hatte und lange Zeit mit 150 Euro im Monat auskommen musste. Ohne foodsharing hätte er es nicht geschafft, sagte er voller Dankbarkeit und ergänzte, dass er einmal eine ganze Woche nur von geretteten Bratwürsten gelebt hätte. Eine Frau berichtete mir, sie habe seit drei Jahren keine Lebensmittel mehr gekauft und mache sehr viel der geretteten Lebensmittel ein, die sie weiterverschenke. Eine Dritte teilte mir mit, sie habe vor Jahren aus Überzeugung zu Containern begonnen; seit es die Foodsaver auch in ihrer Nähe gibt, müsse sie sich nicht mehr in dieser rechtlichen Grauzone bewegen und erreiche viel mehr Menschen.
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| Iris Klein und Henrike Dietermann, Botschaftern foodsharing Hessische Bergstraße |
Mehr unter https://foodsharing.de/
Donnerstag, 7. Juni 2018
Umsonstladen Friedberg hat wieder ein Ladenlokal
Dienstag hatte ich die Freude, bei der feierlichen Eröffnung des neuen Umsonstladens in Friedberg dabei sein zu dürfen. Im letzten Winter mussten die Ehrenamtlichen des Internationalen Zentrums, die ihn bis dahin im Gewölbekeller des alten Rathauses in der Bismarckstraße betrieben hatten, leider schließen – er war so hochfrequentiert, dass die nicht vorhandene zweite Fluchttür leider zum Hindernis wurde. Dieses Problem dürfte die neue Bleibe in der Engelsgasse 21, direkt unter dem Parteibüro der Grünen, nicht haben. Die drei Räume wirken groß, aufgeräumt und laden zum Stöbern ein. Beinahe war ich versucht, mir etwas mitzunehmen, und das, obwohl ich mich doch eigentlich weiter reduzieren möchte. Ich denke, das spricht für sich. Wahrscheinlich waren es das leckere Catering mit Genüssen aus zig Nationen, das die Betreiber bereitgestellt haben, die tolle Musik, mit der uns Herbert und Eva Knihs unterhalten hatten, und die zahlreichen guten Gespräche, die ich am Abend der Eröffnung führen durfte, die mich letztlich davon abgehalten hatten. Ich könnte mir jedoch vorstellen, nochmal heimlich zurückzukehren, um dennoch eine dieser Wandlampen mitzunehmen. Dann schaut das Kabel nicht mehr lose aus meiner Flurwand.
Ein Kostenlosladen, Umsonstladen, Kost-Nix-Laden, Schenkladen oder - welcher Name auch immer genutzt werden mag – ist schnell erklärt. Wer ungenutzte Gegenstände zuhause hat, die andere gebrauchen könnten, gibt sie dort ab. Menschen, die etwas suchen, werden dort fündig. Das Ganze ist nicht an den Nachweis einer Bedürftigkeit gekoppelt. Es geht darum, sich den vorhandenen, ungenutzten Ressourcen in unseren Haushalten bewusst zu werden, sich klar darüber zu werden, nicht neu produzieren lassen zu müssen, was anderenorts bereits auf einen Nutzer wartet, aber vor allem bietet das Konzept die riesige, in unserer Gesellschaft ungewohnte Erfahrung, etwas anlass- und gegenleistungsfrei geschenkt zu bekommen. Von Elektrogeräten, über Geschirr und Bettzeug bis hin zu Büchern und Brettspielen ist vieles zu haben, und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Offiziell öffnet der Umsonstladen am 9. Juni 2018 seine Pforten und ist ab dann jeden Samstag, zwischen zehn und zwölf Uhr, besetzt. Noch ist das Lager voll, wie ich Dienstag erfahren konnte, sodass Neues erst wieder im Juli angenommen wird, wenn auch mittwochs, zwischen vier und sechs, wieder geöffnet wird. Wer den Laden unterstützen möchte, kann mit einer kleinen Spende, die die Ladenmiete finanziert, Pate werden (http://www.umsonstladen-friedberg.de/Patenschaft.pdf). Ich werde ihn jedenfalls rege nutzen. Nicht nur, um das eine oder andere an Frau und Mann zu bringen, das bei mir verstaubt. Auch die Wandlampe muss sein.
Umsonstladen Friedberg
Engelsgasse 21
61169 Friedberg
Telefonnummer: 0 15 25 / 19 14 131
http://www.umsonstladen-friedberg.de/
In der Wetterau gibt es übrigens noch zwei weitere: Den Umsonstladen von Wetterausicht in Bingenheim (Hinterhof der Raunstr. 61, 61209 Bingenheim, https://www.wetterausicht.de/umsonstladen/) und die Brauch-Bar in Büdingen (Bahnhofstraße 5, 63654 Büdingen, https://www.brauch-bar.de/). Auch sie sind für Unterstützung dankbar. Besucht sie!
Samstag, 28. April 2018
Daily Insta

Unterwegs für die Wetterauer Zeitung mit @frl.oeko: "Plastikfrei einkaufen in Friedberg" Nächste Woche zu lesen 😊 #artikel #schreiben #wetterauerzeitung #plastikfrei #nowaste #einkaufen #nachhaltig #Nachhaltigkeit #tegut #friedberg #wetterau #wetteraukreis #Hessen #andreasarnold
Dienstag, 11. Juli 2017
YOBO – You only buy once
„Ich kaufe mir billige Sachen, dann kann ich mir mehrfach im Jahr was leisten!“ Mich erschrecken solche Aussagen etwas. Ich habe mir gestern nach acht Jahren die erste neue Hose gekauft. Die alte war zweimal unauffällig geflickt worden - also nicht mit Comic-Motiv-Flicken, wie in meiner Kindheit, sondern mittels Stoffresten, die von innen unter die fadenscheinigen Stellen genäht wurden. Ein drittes Mal nachzubessern, wäre in Anbetracht der vielen weiteren dem Durchscheinen nahen Stellen und Angesichts der Tatsache, dass sie mir am Morgen vor dem Neukauf mitten in der S-Bahn gerissen war, weil ich es gewagt hatte, meine Beine zu überschlagen, nicht mehr wirtschaftlich. Sie war ihr Geld wert. Nicht nur, weil ich acht Jahre lang eine Hose getragen hatte, sondern auch des Unterhaltungswertes für die Menschen in meiner Umgebung wegen. Es ist schön zu sehen, wie schnell sich ein Lächeln in die Gesichter Mitreisender zaubert, wenn eine Hose an einer möglichst ungünstigen Stelle reißt. Doch wer billig kauft, dem reißt’s zweimal. Das ist zwar doppelt so unterhaltsam, aber auch doppelt so viel Ressourcenverschwendung. Ich hatte mal über 100 Shirts: Welche von Junggesellenabschieden, von Konzerten und solche, auf denen steht, dass ich vegan lebe, was praktisch ist, denn das muss ich es nicht jedem erzählen. Heute – nach vier Gängen zum Roten Kreuz – sind es noch 30, Tendenz sinkend. „Aber die Mode ändert sich doch!“, folgt dann zumeist, wenn ich so ein Acht-Jahre-Beispiel aufführe. Natürlich ändert sich die Mode. Die Frage ist doch, wie ich darauf reagiere. Wenn die Farbe des Jahres grün ist, sollte ich mir doch zunächst einmal die Frage stellen, wer das festlegt und ob ich demjenigen die Hoheit verleihen möchte, darüber zu bestimmen, welche Farben ich trage. Fest legt das der Handel, und der will, dass ich konsumiere. Nicht weil mir grün so toll steht, sondern weil er nach 30 Jahren zeitloser Blue-Jeans neue Bedarfe wecken will. Möchte ich das? Möchte ich, dass der Handel darüber bestimmt, was schön und was zeitgemäß ist? Ich persönlich mag Herr meiner selbst bleiben. Wenn alle grün tragen, dann sind wir entweder alle Förster geworden – grün, grün, grün sind alle meine Kleider – oder wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren. Nächstes Jahr ist vielleicht Aprikot die Farbe des Jahres. Blöd, dass Aprikot und Grün zusammen ausschauen, als trüge man Tarnkleidung für das Bällebad bei IKEA. Es gibt Kleidungsstücke, die zeitlos sind. Zum Beispiel die Blue-Jeans. Die gibt es auch im Handel, und ich finde es gut, dass der Handel sie anbietet. Der Handel meint es ja auch nur gut. Mit sich und auch mit uns. Mode ändert sich. Ja! Ich bin dankbar, dass es keine Rüschenhemden mehr gibt, und Schlaghosen waren auch irgendwie merkwürdig. Doch ein wenig darauf zu achten, wie langlebig Kleidung ist, das muss man doch hinbekommen. 500 Millionen T-Shirts werden allein in Deutschland jährlich produziert. Bei 85 Millionen Bundesbürgern braucht es weder einen Taschenrechner, noch besonders ausgeprägte Neuronenschaltungen im Gehirn, um festzustellen, dass in unserem Konsumverhalten etwas nicht stimmt. Man braucht eine Weile, bis es Klick macht. Das stimmt! Aber irgendwann stellt man beim Verräumen des dritten grünen T-Shirts in seinen Kleiderschrank fest, dass da schon zwei grüne sind, und vier rote, fünf weiße, neun schwarze, sowie sechs in Aprikot, weil das vor acht Jahren schon einmal Farbe des Jahres war. Dann zählt man die Zahl seiner Oberkörper … Klick!
Sonntag, 22. Januar 2017
Zweiundsechzigster Schritt: Besitz und Konsum prüfen
Was brauche ich im Leben?, ist eine Frage, die unmittelbar mit unseren Konsumentscheidungen zusammenhängen sollte. Und nicht nur das, Die Antwort entscheidet auch darüber, was wir in unserem Besitz behalten, was wir aufgeben und verkaufen oder verschenken können, um uns von zu verwaltenden, zu pflegenden und zu reparierenden überflüssigen Dingen zu befreien. Sie birgt aber auch gleichzeitig eine mögliche Antwort auf die Frage: Was macht mich glücklich und zufrieden?
Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Nicht allgemein, sondern bezogen auf einzelne Dinge. Ich hatte beispielsweise eine Pulsuhr zuhause liegen, vor Jahren erworben, weil ich das Geld hatte und es toll fand, meine Läufe protokollieren zu können. Tatsächlich protokollierte ich zwar, doch weder die gemessenen Zeiten, noch die Pulsfrequenzen nutzte ich, um mein Lauftraining zu optimieren. Vor Jahren hatte ich schon festgestellt, dass ich letztlich nur Datensammlung ohne Nutzen betrieb und sie in den Schrank gelegt. Zwischenzeitlich nutze ich mein Mobiltelefon und eine entsprechende App, wenn es mal nötig ist, Strecken und Zeiten zu messen. Das und die Erkenntnis, die Pulsmessung ohnehin nicht zu verwerten, machten die Pulsuhr zu einem verzichbaren Gerät in meinem Besitz. Sie weiter ungenutzt in meinem Schrank versteckt zu halten, das wäre wie Geld auf einer Bank ohne Zinsen zu deponieren gewesen. Jemand anderes plant vielleicht den Erwerb einer Pulsuhr, für die unnötig Ressourcen aufgewandt werden müssen, obwohl eigentlich bereits eine hergestellt wurde, die genutzt werden könnte. Ich habe sie verschenkt, und das Gefühl dabei war ein gutes.
Weiter hatte ich in meinem Badezimmer hatte ich ein WLAN-Radio. Das war eine tolle Sache. Immerhin ermöglichte es mir, meine Lieblingssender über das Internet zu hören, ohne meinen Rechner anschalten zu müssen. Nicht unerwähnt lassen darf ich, dass ich damals noch kein Smartphone hatte. Vor Monaten hatte ich mir eine Box für mein Handy zugelegt, die ich immer mitnehme, wenn ich im Freien trainiere. Sie macht Musik in einer sehr guten Qualität zu hören an jedem Ort, an dem ich mit dem Handy Musik hören möchte, möglich. An jedem Ort! Es brauchte eine Weile, bis ich erkannte, dass diese Orte auch andere als "das Freie" sein konnten. Letztlich verschenkte ich meine PC-Boxen als erstes und nutze seitdem die kleine Box, um am Rechner Musik zu hören. Bald darauf schaltete ich auch das WLAN-Radio im Badezimmer aus, um zu schauen, ob auch das Badezimmer ein solcher Ort sein könnte. Nach drei Wochen war die Schau abgeschlossen: Auch das Badezimmer ist ein solcher Ort. Verwunderlich, aber wahr. Das WLAN-Radio habe ich auch verschenkt.
Das selbe Schicksal teilten nicht gespielte Brettspiele, Bücher, von denen ich wusste, ich würde sie nicht wieder lesen oder die ich schlicht nicht gut fand und dennoch in meinem Bücherregal als Mahnmal schlechten Geschmacks ihr Dasein frissten ließ, sowie allerhand Elektrokram, wie einst als Backup für meine Musik- und Videosammlung gedachte Festplatten, die nicht mehr genutzt werden, da ich nur noch selten Videos schaue und da ich Musik ohnehin inzwischen streame.
All diese Sachen lagen ungenutzt in meinen Schränken und konnte nicht dazu beitragen, mein Leben zu bereichern. Gibt es bereichernden Konsum in einer Wohlstandsgesellschaft noch? Kritischer Konsum bedeutet, Kaufentscheidungen mit der eingangs gestellten Frage zu überprüfen, damit der Konsum nicht zum Selbstzweck wird. Ich liebäugelte seit einiger Zeit damit, mir eine Getreidemühle zu kaufen. Brot frisch backen zu können, war eine schöne Vorstellung. Es würde mich unabhängig von den Öffnungszeiten der Bäckereien machen. Ich könnte mein Brot so backen, wie ich es möchte. Gekauftes Mehl lagert lange Zeit, bevor es verkauft wird, weshalb frisch gemahlenes Korn einen höheren Gehalt an Mikronährstoffen aufweist. Ein gesundheitlicher Vorteil. Wie oft würde ich Brot backen?, war eine Frage, die ich mir vor dem Kauf beantworten wollte. Einmal wöchentlich? Das würde bedeuten, dass das Gerät an sechs Tagen pro Woche ungenutzt bleiben würde. Da wäre es günstiger, das Korn in einem Bioladen malen zu lassen, bevor ich backe. Allerdings esse ich täglich Haferflocken. Auch gekaufte Haferflocken sind bedampft, um sie haltbar zu machen, und frisch geflockter Hafer daher nährstoffreicher. Wenn ich eine Getreidemühle mit Flockenquetsche kaufte, wäre das Gerät täglich in Nutzung, Ich habe mir eine Mühle gekauft und esse nun täglich selbst gebackenes Brot und nicht nur frische Haferflocken, vielmehr habe ich die Hälfte durch frisch geschrotetes Korn ersetzt, so dass die gesamte Maschine täglich in Nutzung ist. Ja, es gibt bereichernden Konsum in einer Wohlstandsgesellschaft. Nun, vielleicht empfände das nicht jeder so angesichts des Frischkornbreis, aber jeder Jeck ist anders.
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| Wohnen jetzt woanders: Die Überflüssigen |
Weiter hatte ich in meinem Badezimmer hatte ich ein WLAN-Radio. Das war eine tolle Sache. Immerhin ermöglichte es mir, meine Lieblingssender über das Internet zu hören, ohne meinen Rechner anschalten zu müssen. Nicht unerwähnt lassen darf ich, dass ich damals noch kein Smartphone hatte. Vor Monaten hatte ich mir eine Box für mein Handy zugelegt, die ich immer mitnehme, wenn ich im Freien trainiere. Sie macht Musik in einer sehr guten Qualität zu hören an jedem Ort, an dem ich mit dem Handy Musik hören möchte, möglich. An jedem Ort! Es brauchte eine Weile, bis ich erkannte, dass diese Orte auch andere als "das Freie" sein konnten. Letztlich verschenkte ich meine PC-Boxen als erstes und nutze seitdem die kleine Box, um am Rechner Musik zu hören. Bald darauf schaltete ich auch das WLAN-Radio im Badezimmer aus, um zu schauen, ob auch das Badezimmer ein solcher Ort sein könnte. Nach drei Wochen war die Schau abgeschlossen: Auch das Badezimmer ist ein solcher Ort. Verwunderlich, aber wahr. Das WLAN-Radio habe ich auch verschenkt.
Das selbe Schicksal teilten nicht gespielte Brettspiele, Bücher, von denen ich wusste, ich würde sie nicht wieder lesen oder die ich schlicht nicht gut fand und dennoch in meinem Bücherregal als Mahnmal schlechten Geschmacks ihr Dasein frissten ließ, sowie allerhand Elektrokram, wie einst als Backup für meine Musik- und Videosammlung gedachte Festplatten, die nicht mehr genutzt werden, da ich nur noch selten Videos schaue und da ich Musik ohnehin inzwischen streame.
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| Wohnt jetzt bei mir: Getreidemühle mit Flocker |
Donnerstag, 29. Dezember 2016
Einundsechzigster Schritt: Den Weg zum Fluss wählen?
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| Waschmaschine kaufen oder an der Stelle auf die Waage wagen? |
Ressourcensparend wäre auch die Anschaffung eines gebrauchten Gerätes gewesen, weshalb ich zunächst darüber nachgedacht hatte. Letztlich kam die Aussicht, eine schwere Waschmaschine durch drei Stockwerke Altbauwohnung zu tragen, als nicht sehr kaufentscheidungsförderliches Argument hinzu. Was wären meine Alternativen? Die Usa ist nah, doch mit dem Waschbrett zum Fluss zu traben, hätte vermutlich ein klein wenig spleenig wirken können. Zum Glück hat Friedberg auch einen Waschsalon. 3,50 Euro pro Waschgang zzgl.Waschpulver klangen gut. Eine mittelpreisige Waschmaschine kostet ca. 350,00 Euro. Die Anschaffung hätte sich damit schon nach eineinhalb Jahren amortisiert - bei einem Gebrauchtgerät noch früher -, was den Gang zum Waschsalon in meinen Augen unattraktiv machte. Die Anschaffung erschien fast sinnvoll, insbesondere in Anbetracht des Umstandes, dass ich durch die Nutzung einer Mietmaschine zum Verschleiß beitragen und damit die Zeit zur Neuanschaffung auch verkürzen würde. Theoretisch blieben nur noch die einmalige Schlepperei nach oben und das Zustellen meines Badezimmers als Argument. Praktisch blieb jedoch - der monetären Grundlage zum Trotz - der Unwillen, eine Maschine, die 6/7 der Woche ungenutzt herum stünde, anzuschaffen, unvermindert. Letztlich entschied ich mich dazu, weder zu kaufen, noch in den Waschsalon zu gehen, sondern künftig Freunde mit Waschmaschine zum Frühstück zu besuchen.
Über sechs Wochen sind seit dieser Entscheidung vergangen. In diesen sechs Wochen habe ich mich einmal zum Frühstück bei Freunden eingeladen und zum Ausgleich Brötchen mitgebracht. Ein zweites Mal lud ich mich bei meinen Eltern zum Mittagessen ein. Dieses Wochenende steht das dritte Fremdwaschen an: Jahresendwäschewaschfrühstück! Interessanterweise hat, keine Maschine im eigenen Haushalt stehen zu haben, dazu geführt, dass sich die Zeitintervalle zwischen zwei Wäschen verdoppelt haben. Ich prüfe viel gewissenhafter, ob ein Kleidungsstück tatsächlich schon gewaschen werden muss. Die Verfühung, sich sagen zu können: "Ach, das wasche ich einfach mit, damit die Maschine voll wird", fehlt zudem. Auch unter minimalistischen Aspekten war es eine gute Wahl, mich gegen eine Waschmaschine auszusprechen. Ein Gerät, das nicht existiert, kann nicht kaputt gehen, muss nicht gepflegt und nicht ersetzt werden. Das entstresst und bringt Zeit, in guter Gesellschaft zu frühstücken und zu Mittag zu essen. Alles in allem, war es die richtige Entscheidung. Meine Freunde und ich treffen uns regelmäßiger, auch die Waschmaschinen meiner Freunde werden effizienter genutzt und durch die geringeren Intervalle ist ein überraschender Umweltschutzeffekt eingetreten. Zuletzt ist das Entscheidendste jedoch: Die Kosten meiner Freunde für Backwaren haben sich reduziert, berichten sie immer wieder ganz stolz und wollen unbedingt, dass ich den Modus beibehalte.
Mittwoch, 20. Juli 2016
Fünfundfünfzigster Schritt: Auf der Jagd sein
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| Sneaker sind lautlos, unauffällig und somit schwer zu entdecken! |
Ich war auf der Suche nach Baumwollsocken, die plastikfrei sind und deren Baumwolle ökologisch produziert wurde. Einfach googeln, sagte ich mir. Ja, ja, nach gut eineinhalb Stunden musste ich dann korrigieren und strich das "Einfach"! Tatsächlich fand ich nur eine einzige Socke, die sich trotz ausgezeichneter Biobaumwolle nicht so oder ähnlich in der Zusammensetzung präsentierte: 78 % Baumwolle, 19% Polyester, 2% Polyamid, 1% Elasthan. Biowolle in einer Plastiktüte wollte ich mir nicht über die Füße streifen. Das hebe ich mir für den Moment auf, sollte ich mal auf einer einsamen Insel stranden und mit einem kaputten Basketball zu reden beginnen. Fündig wurde ich dann bei Fairtradebar. Und im Drive-by-Shopping auf dem Weg zum Ziel schoss ich mir dann auch noch die vermutlich einzige reine Bio-Baumwoll-Sommer-Beanie im gesamten Internet und ein Exemplar der seltenen Gattung der reinen Bio-Baumwoll-Shorts. So viel zum Thema Minimalismus und Konsumverzicht. Dafür schaue ich die Woche einfach kein fern. So!
Mittwoch, 24. Februar 2016
Siebenundvierzigster Schritt: Den Not-Clothing-Like-Kathy-Bates-Contest gewinnen
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| Schaut aus wie reine Baumwolle - ist es aber nicht! |
Vor vielen Jahren dachte ich noch, Fleece-Gewebe sei ein natürlicher Stoff - schließlich kann er es mit jedem Tierfell an Flauschigkeit aufnehmen. Heute weiß ich, es ist ein Kunststoff - zumeist Polyester. Also Frischhaltefolie. Nur wärmer. Und nicht durchsichtig. Pech für Frau Bates.
Zugute halten kann ich Fleece zwar, dass es immerhin häufig aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird. Das macht jedoch den Umstand kaum wett, dass Fleece-Bekleidung mit jedem Waschgang Kunststofffasern verliert - bis zu 2.000 Fasern pro Waschgang - , die so klein sind, dass Kläranlagen sie nicht erfassen können. Sie landen in den Weltmeeren und schädigen die dortige Meeresfauna und -flora.
Ein Blick in den Kleiderschrank zeigt, dass selbst vermeintlich aus Naturfaser hergestellte Bekleidung oft Plastikanteile hat, wie zum Beispiel Elastan, Polyamid oder erneut Polyester. Besonders Sportbekleidung ist voll davon, schließlich soll es ja hauteng anliegen, um beim Laufen oder Radfahren keinen Luftwiderstand zu geben. Meine Sportkleidung kaufte ich stets wie - gefühlt - jeder andere auch: Tights zum Laufen, ein enges Shirt, an dem nichts schlackert, und dazu sogenannte Funktionsunterwäsche. Alles mehrheitlich Plasik, das kaum recycelt werden kann. Gore-Tex ist durch seinen Gehalt an Polytetrafluorethylen (PTFE) sogar Sondermüll.
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| Ökologische produziert und es klappt auch bei Kathy! |
Plastikfreie Bekleidung finden zu wollen, bedeutet die kleinen Zettelchen vor dem Kauf zu studieren. Reine Baumwolle oder reine Schurwolle (so mit der eigenen Einstellung zu unserem Verhalten Tieren gegenüber vertretbar) sind die Alternativen. Und wenn es dann noch ökologisch produziert ist, tut man sich - durch die wesentlich geringere Schadstoffbelastung der Kleidung - und auch den Produzierenden - Stichwort: Fair Trade - auch noch einen Gefallen. Beim BUND gibt es eine tolle Auflistung der verschiedenen Öko-Label. Bei mir um die Ecke finde ich zum Beispiel HessNatur.
Frau Bates Sex-up-your-Life-Aktion war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Vielleicht wäre es ohne Plastik besser gekommen. Ich jedenfalls bin bei meinem nächsten Kleidungseinkauf - natürlich nur Ersatzbeschaffungen und keine Neuerwerbe, bevor es wieder ausartet - auf der Gewinnerseite. Keine Ahnung jedoch, wie sich das auf mein Sexualleben auswirken soll!
Montag, 10. August 2015
Achtunddreißigster Schritt: Geschenke und die Rache des Plastiks
Mehr als drei Monate ist es jetzt her, dass ich meinen Nicht-Konsum-Monat abschloss. Dennoch wirkt er noch immer nach: Ich habe seitdem immer noch nichts gekauft, das über Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs hinaus ginge, und mein samstägliches Interesse, die wöchentlichen Werbewurfsendungen zu durchforsten, ist noch immer auf Null. Zugegeben, beinahe hätte ich etwas gekauft und zwar dieses links abgebildete Seifensäckchen, gefunden bei Monomeer. Monomeer führt nur plastikfreie Produkte, und auch der Versand kommt plastikfrei daher. Das ist toll. Wir hatten eine Sammelbestellung, um die 75-Euro-Versandkostenfreiheitsgrenze zu erreichen, aufgegeben. Doch kaum bestellt, bekam ich es geschenkt. Insofern ist meine Konsumbilanz noch immer makellos. Danke, Dennis! Weitere Shops zum plastikfreien Einkauf habe ich unter Plasno und Bee Change gefunden. Die Online-Versender haben ein unterschiedlich großes und sich in einigem durchaus unterscheidendes Sortiment, so dass es sich lohnt, mal reinzuschauen, wenn man etwas braucht. Deren einziges Manko: Seifensäckchen hat nur Monomeer ;-)
Das Seifensäckchen nutze ich jetzt seit einer Woche. Es schäumt die Seife gut auf, einen wirklichen Peelingeffekt bemerke ich zwar nicht, aber dafür habe ich ja mein selbst gemachtes Peeling. Immerhin glitt mir die Seife noch nie aus der Hand. Das mag jetzt zwar eher im Männerknast unter den Kapitalverbrechern interessant sein, doch ich baue auf den Vorteil des restlosen Seifenverbrauchs.
Abschließend noch ein paar Worte zum Thema: Rache des Plastiks! Seit Ende 2013 reduzieren meine Freundin und ich nun sukzessive unseren Plastikmüll. Von ehemals drei gelben Säcken konnten wir unseren Drei- bis Fünf-Personenhaushalt auf einen einzigen gelben Sack pro Abholung reduzieren. Da ist noch Potential gegeben, aber wir sind stolz auf dieses Zwischenergebnis. Wenn ich doch etwas aus Plastik nutze, dann passiert Folgendes: Das Plastik rächt sich stellvertretend für alle Artikel, die ich zwischendurch durch plastikfreie Alternativen ersetzt hatte. Die nachfolgenden beiden Bilder mögen das verdeutlichen.
Das Seifensäckchen nutze ich jetzt seit einer Woche. Es schäumt die Seife gut auf, einen wirklichen Peelingeffekt bemerke ich zwar nicht, aber dafür habe ich ja mein selbst gemachtes Peeling. Immerhin glitt mir die Seife noch nie aus der Hand. Das mag jetzt zwar eher im Männerknast unter den Kapitalverbrechern interessant sein, doch ich baue auf den Vorteil des restlosen Seifenverbrauchs.
Abschließend noch ein paar Worte zum Thema: Rache des Plastiks! Seit Ende 2013 reduzieren meine Freundin und ich nun sukzessive unseren Plastikmüll. Von ehemals drei gelben Säcken konnten wir unseren Drei- bis Fünf-Personenhaushalt auf einen einzigen gelben Sack pro Abholung reduzieren. Da ist noch Potential gegeben, aber wir sind stolz auf dieses Zwischenergebnis. Wenn ich doch etwas aus Plastik nutze, dann passiert Folgendes: Das Plastik rächt sich stellvertretend für alle Artikel, die ich zwischendurch durch plastikfreie Alternativen ersetzt hatte. Die nachfolgenden beiden Bilder mögen das verdeutlichen.
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Selbst gemachte Cig Köfte, bevor ich sie in ein Plastik-Trans- portbehältnis packte, um zu meinem Picknick zu gelangen. |
Samstag, 11. Juli 2015
Vierunddreißigster Schritt: Plastik leihen und nicht kaufen
Plastikmüll lässt sich natürlich nicht nur sparen, indem konsequent auf Verpackungen aus Plastik verzichtet wird, sondern auch damit, die unnötige Produktion von Plastik zu vermeiden.
Vor wenigen Tagen noch standen wir häuslich vor dem Problem, dass unsere Handy-Ladekabel flügge geworden sind. Ich vermute stark, dass das Ladekabel meines Kindle und das Ladekabel meiner Puls-Uhr ([hier den Namen der dem eigenen Glaubenentsprechenden Entität einsetzen] sei ihrer Seele gnädig!) ihre Liebe zueinander entdeckt haben und einfach gemeinsam ausgerissen waren. Vermutlich hatte das eine Ausreisewelle ausgelöst, an deren Ende uns der folgende bedauernswerte Zustand erwartete: Zwei Ladekabel für sechs ladekabelbedürftige Geräte im Haus, wobei merkwürdigerweise eines der beiden Ladekabel von einem Gerät stammt, dass niemand aus dem Haus je im Besitz hatte. Vermutlich ein Zuwanderer, der in einem iPhone-Haushalt Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt war. Willkommen an dieser Stelle!
Jedenfalls stand ich vor der Entscheidung, ein Ladekabel zu kaufen oder nicht. Ganz tief in mir war ein Widerstreben gegen den käuflichen Erwerb. Doch solange mich die Werbebranche alle paar Minuten mit Handy-Angeboten überflutet: „Macht den Vertrag bei uns, und ihr bekommt jährlich ein neues Smartphone!“, „Kauft eine Waschmaschine, und ihr bekommt kostenlos ein Smartphone kostenlos dazu, mit dem dem die Waschmaschine auch im Urlaub in der DomRep fernsteuern könnt!“, „Eröffnet ein Konto bei unserer Bank, und ihr bekommt ein Smartphone für Umme hinzu, dessen Vertragsguthaben ihr übrigens ganz bequem über unsere Homebankingsoftware aufladen könnt.“ Und so weiter. Solange das so ist, muss es doch jede Menge Haushalte geben, in denen eine unermessliche Zahl an Handy-Ladekabeln ungenutzt rumliegen muss, dachte ich mir. Vermutlich sind unsere Kabel auch in eines dieser Haushalte ausgewandert; immerhin wurde es ja bei uns zunehmend einsam. Jedenfalls habe ich meine Suche in Facebook einfach mal in den Raum gestellt und binnen zwei Tagen hatte ich zwei zusätzliche Ladekabel. Problem gelöst!
Es gibt zahlreiche lokale Free- und Share-your-Stuff-Gruppen (Bspw. "Free your stuff Wetterau") und selbst Share-your-Food-Gruppen (Bspw. "Share your food Wetterau". Dort reinzuschauen lohnt sich wirklich. Ich bin überrascht, wie gut das funktioniert und wie viele Menschen, ihren Überfluss über diese Gruppen reduzieren und anderen die Möglichkeit geben, ihre Bedarfe kostenlos zu decken. Das ist ein guter Weg. Immerhin werden jede Mengen Ressourcen gespart, wenn nicht neu produziert werden muss, was anderenorts ungenutzt in der Ecke liegt. Vielleicht werde ich demnächst mal posten, wer Einzelsocken übrig hat. Schließlich muss jeder, der eine Waschmaschine besitzt, vor dem gleichen Problem stehen. Ganz gleich, wie oft ich sie aus dem Urlaub anrufe, meine Waschmaschine frisst dennoch Socken.
Es gibt zahlreiche lokale Free- und Share-your-Stuff-Gruppen (Bspw. "Free your stuff Wetterau") und selbst Share-your-Food-Gruppen (Bspw. "Share your food Wetterau". Dort reinzuschauen lohnt sich wirklich. Ich bin überrascht, wie gut das funktioniert und wie viele Menschen, ihren Überfluss über diese Gruppen reduzieren und anderen die Möglichkeit geben, ihre Bedarfe kostenlos zu decken. Das ist ein guter Weg. Immerhin werden jede Mengen Ressourcen gespart, wenn nicht neu produziert werden muss, was anderenorts ungenutzt in der Ecke liegt. Vielleicht werde ich demnächst mal posten, wer Einzelsocken übrig hat. Schließlich muss jeder, der eine Waschmaschine besitzt, vor dem gleichen Problem stehen. Ganz gleich, wie oft ich sie aus dem Urlaub anrufe, meine Waschmaschine frisst dennoch Socken.
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