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Dienstag, 13. Oktober 2020

Wasser im Schrank

Wasser im Schrank

Als ich vor sieben Jahren und damit hoch in meinen Dreißigern erstmals ernsthaften Gedanken über mich und meine Umwelt auch ernsthafte Taten folgen ließ, war mein Fokus rasch auf meinen Kleiderschrank gefallen. Mittlerweile legendär gewordene sieben Kleiderschranktüren hatte ich seinerzeit öffnen und ausschließlich meine Kleidungsstücke finden können. Wäre es nicht sinnvoller, das, was ich nicht trage, wegzugeben, damit es vielleicht wieder getragen wird?, war damals mein treibender Gedanke. Im Papier „Wegwerfware Kleidung“ hatte Greenpeace im November 2015 das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage präsentiert. Demnach wird jedes fünfte Kleidungsstück so gut wie nie getragen. Das sind eine Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt in deutschen Schränken liegen. Ein überproportionaler Anteil war hinter meinen oben genannten Türen zu finden. Dann habe ich auszusortieren begonnen. Säckeweise besuchte ich den Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes. Heute belagere ich nur noch zwei der sieben Türen, und die oberen zwei Fächer sind nicht einmal mit Kleidung belegt. Im Durchschnitt, weiß Greenpeace, besitzt jede erwachsene Person in Deutschland 95 Kleidungsstücke - ohne Unterwäsche und Socken. Dort bin ich seitdem auch angelangt – darunter allerdings Exoten wie eine Mittelaltermontur, ein Zaubererumhang und eine Schneehose. Dass ich im Schnitt bleibe, schaffe ich mit der Devise „Eins kommt, eins geht!“

Gerade auf Festivals ist es manchmal schwer, sich entweder kein Erinnerungsshirt mitzunehmen oder eines der daheimgebliebenen Shirts auszusortieren. Da die meisten Kleidungsstücke allerdings zehn Jahre und älter sind, macht der irreparable Verschleiß es mir manchmal einfach. Auf Festivals traf ich oft auf die Helferinnen und Helfer des Hamburger Vereins „Viva con Agua“, die Pfandbecher einsammeln und vom Erlös beispielsweise den Brunnenbau in Afrika unterstützen. Das ist ein tolles Projekt, dessen Verbindung zu den Festivalshirts, wie ich gleich zeige, weit über die augenscheinliche lokale Gemeinsamkeit hinausgeht. Ein weiterer Verein, der sich mit Wasser auseinandersetzt, ist „Drip by Drip“ aus Berlin. Hier steht im Fokus, welchen Wasserverbrauch die Textilindustrie verursacht. Allein eine Jeans kommt auf unglaubliche achttausend Liter für den Anbau der Baumwolle sowie die Wasch- und Färbeprozesse. Gerade in Anbaugebieten wie China und Indien oder Weiterverarbeitungsregionen wie Bangladesch hat das merkliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bevölkerung. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau führte unter anderem zum Austrocknen des Aralsees. Insgesamt 6.500 verschiedene Chemikalien sind bei der Textilveredelung im Einsatz und werden gerade in asiatischen Billiglohnländern größtenteils ungefiltert über Abwässer entsorgt. Im Waterplaybook (https://waterplaybook.net/) von „Drip by Drip“ kann man prüfen, wie viel Wasser in der Produktion des eigenen Kleiderbestandes steckt. 122.400 Liter sind für meinen Schrankinhalt geflossen, und das sind nur 60 Prozent des Inhalts, da einige Kleidungsstücke nicht aufgeführt sind. Wahrscheinlich sind es über 200.000. Davon könnten einhundert Menschen fast drei Jahre lang ihren Trinkwasserbedarf decken.

Was bedeutet das? Keine Kleidung mehr tragen und mehr trinken? Nein, aber vielleicht mehr Second Hand kaufen, öfter reparieren lassen und weniger auf kurzlebige Trends setzen. Ich schaue jetzt nochmal in meinen Schrank. Ich muss ein ernstes Gespräch mit meinem zerschlissenen Abi-Shirt von 1995 führen.

Bildrechte: AleXXwCC BY-SA 3.0 at
 

Sonntag, 20. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (3/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (3/5)
Nachdem mir nach dem letzten Post zu #freetober geschrieben wurde, es sei eine schöne Frühstückslektüre, reiche ich heute das Aussortier-Ergebnis meiner Woche freilich wieder zeitgerecht zu Marmeladenbrot und frisch gebrühtem Kaffee. Insgesamt sind auch diese Woche wieder mehr als dreißig Sachen aus meinem Besitz geschieden und alsbald auf dem Weg zum Umsonstladen oder zurück ihren Besitzern - aber dazu am Ende mehr.

Nachdem ich bei einer der letzten Ausmisteaktionen bereits intensiv meinen Schreibtisch und alle Büroutensilien, die dazu gehören, analysiert hatte, habe ich mich ihm erneut gewidmet. Beim letzten Mal hielt ich es für eine gute Idee, neben meinem großen Lineal auch noch ein kleines, ein großes Geodreieck und - da das Lineal ja auch schon einen kleinen Bruder zur Seite hat - ein kleines aufzubewahren. Heute muss ich feststellen, dass ich das große Lineal zwar genutzt hatte, die anderen drei jedoch unberührt in einem der Schreibtischfächer harrten. Ich habe nun die beiden kleinen aussortiert - mögen sie in bedürftigen Schülerhänden zur gebührenden Größe kommen.
Auch habe ich zwei von drei Radiergummis hinzugegeben. Ich hatte sie aufbewahrt, weil ich mir dachte, dass es ja Verbrauchsmittel sind und mein Primärgummi irgendwann aufgenutzt sein wird. Aber ganz ehrlich, ich nutze Bleistifte selten und wenn, dann schaffe ich es zumeist auch noch vor dem Schreiben nachzudenken und so Auszulöschendes zu vermeiden. Folglich habe ich zwei von ihnen (die am wenigsten genutzten) ebenfalls in die Umsonstladen-Kiste gegeben.
Dazu kamen eine angefangene Packung Tesa-Powerstrips und zwei Packungen Fotoeckenkleber, die seit Jahren ungenutzt in meiner Schreibtischschublade liegen.

Das Thema Fotoeckenkleber motivierte mich dann gleich mal all die unsortierten Fotos, die ich mal hatte entwickeln lassen, aber nie in ein Album eingeklebt hatte, zu sichten. Der Inhalt der Kiste reichte bis 1993 zurück und in die späten 2010er hinein - es waren schöne Momente, sie anzuschauen und mich all der Situationen zurückzuentsinnen, in denen die Bilder entstanden waren. Ich habe nun die aussagelosen und hinterkopfmotivbestimmten unter ihnen aussortiert und mir fest vorgenommen, bei meinem nächsten Besuch im Umsonstladen zu schauen, ob ich einen großen Bilderrahmen für eine Collage oder ein Fotoalbum dort finde, um die eingefangenen Momente wieder näher in mein Leben zu rücken.

Zuvorletzt habe ich einen Ankleider (ich räume jetzt meine Kleidung ordentlich in den Schrank, statt die von drei und mehr Tagen auf dem Ankleider aufeinandergehäuft im Flur zu sammeln), drei Glasmurmeln (es ist mir ein Rätsel, weshalb ich Glasmurmeln besaß), je drei Sachbücher und drei Romane (die ich mehrheitlich nie gelesen hatte, da es Fehlkäufe oder gut gemeinte Geschenke waren), eins von zwei HDMI-Kabel (obwohl ich kein Gerät mehr mit diesem Anschluss habe), zwei Unterarmtrainer (ich esse lieber Spinat für die dicken Unterarme) und vier Schlüsselanhänger sowie sechs Schlüsselbänder (die überwiegend von Veranstaltungen stammten, und Backstagepässe an sich baumeln hatten) aussortiert - bei letztgenannten muss ich wohl künftig selbstdiszipliniert abzulehnen trainieren.

Zuletzt habe ich mir vorgenommen, all die geliehenen Dinge, die sich noch bei mir tümmeln, endlich zurückzugeben - zu meiner Verteidigung: Alle Besitzer wissen, dass die Gegenstände bei mir sind und haben etwas aus meinem Besitz als Pfand. Da ich das, was sie von mir haben, offenbar ebenfalls nicht wirklich vermisse (sie sind teils seit Jahren dort, und es ist zwischenzeitlich zum Running-Gag geworden, sich des nächstgelegentlichen Austausch zu versichern, wann immer man sich trifft) und das Geliehene nur lagere, aber nicht nutze, gebe ich es jetzt wirklich zurück - nötigenfalls indem ich es in die Post gebe! Sieben Bücher, zwei DVDs, eine Blueray und eine Stromzeitschaltuhr. Die drei erstgenannten Gruppen füllten in Summe eines meines meiner acht IKEA-Regalfächer aus! Krass!

Nächste Woche wird weiter aussortiert. Ich bin gespannt, was ich noch identifiziere.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)

Ausmisten im Oktober - #Freetober (1/5)
Das ist nun meine vierte monatlange Ausmisteaktion, die ich mitmache - wobei Ausmisten tatsächlich der falsche Begriff ist. Es ist kein Mist, den ich aussortiere, höchstens Mist, dass ich das meiste davon solange bei mir ungenutzt verwahrte, wenn es doch Menschen gibt, die es nutzen könnten, ohne sich Neues kaufen zu müssen. Ich mache bei der Aktion von Regina mit, die sie mit dem schönen Hashtag #freetober begonnen hat. Und so befreie ich mich im Oktober ebenfalls von etwas Besitz. Macht doch mit! Ganz ohne Stress! Schaut, was ihr nicht mehr nutzt, und dann weg damit: Ebay, Umsonstladen, Free-Your-Stuff-Gruppen, Umsonstläden, Sozialkaufhäuser, Rotes-Kreuz-Kleidersammlung, euer Freundeskreis ... freuen sich. Ich poste nun jeden Sonntag im Oktober, was ich die Tage zuvor aussortiert habe, und dann bin ich mal gespannt, was am Monatsletzten übrig bleibt. Mit 1.392 Dingen in meinem Besitz war ich gestartet.

Im Laufe der Woche habe ich 33 Kleidungsstücke aussortiert, was ich einigermaßen erstaunlich finde. Nach den drei Monatsaktionen sowie dreimaligem zusätzlichem intensiven Wüten in meinen ehemals sieben (sic) Kleiderschrankhälften, die ich allein mit meiner Kleidung gefüllt hatte, war ich bei meiner letzten solchen Challenge im Mai, nach sechs Jahren des Aussortierens und Reduzierens, der festen Überzeugung, ich wäre jetzt bei meinem persönlichen Minimum angelangt. Ich musste jedoch feststellen, dass ich drei meiner fünf Jackets nicht ein einziges Mal getragen hatte, den ganzen Sommer nicht eines meiner ärmellosen Shirts - obwohl es so heiß war - und auch manch ein anderes Kleidungsstück in größeren Anzahlen im Schrank war, als es mein Waschzyklus nötig machte. Ab zum Roten Kreuz damit.

Dann habe ich die vier Bücher der Tetralogie "Die Zwerge" von Markus Heitz an Freunde verschenkt. Ich liebe Heitz als Autoren, und diese vierbändige Chronik über den Zwerg Tungdil Goldhand fand ich großartig. Daher wäre es doch schade, wenn diese tollen Bücher ungelesen in meinem Schrank verharrten. Zudem sagte mir ein Freund: Wenn du stets nur dasselbe liest, bekommst du auch keine neuen Impulse. Schon umgesetzt, denn kaum war der Satz verhallt, hatte ich mir die Enyador-Saga von Mira Valentin auf den Ebook-Reader gezogen, sogleich verschlungen und nun mit Greg Walters Bestien-Chroniken begonnen.

Neun weitere Sachen verließen mich darüber hinaus: Ein kleiner Kleiderständer (stattdessen haben meine Freundin und ich je einen Stuhl aus der Küche im Schlafzimmer stehen, auf denen wir unsere Kleidung für den nächsten Tag zurechtlegen), eine Kühlbox und ein Koffer (die ich beide gut zehn Jahre ungenutzt auf dem Speicher stehen hatte), zwei Entkorker-Sets für Weinflaschen (beide mal geschenkt bekommen und nur selten mal die Korkenzieher genutzt - den Ausgießer mit Pfropfen nie ... ich habe Gäste, keine Reste!), drei Geschenkverpackungen für Weinflaschen (leer - Erklärung siehe oben) und eine externe Festplatte (befreit von zig Gigabyte ungehörter MP3s, ungesehener Videos und fürchterlicher Schnappschüsse - nur die schönsten habe ich behalten und zwar vernünftig beschriftet, um sie endlich auch mal wiederzufinden) - die sind jetzt erstmal bei Ebay-Kleinanzeigen, und ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt. Allein in den Kleiderschrank zu schauen, lässt mich schon lächeln.


Dienstag, 1. Oktober 2019

Die Tuareg und der Besitz

Die Tuareg und der Besitz
Im Internet finde ich eine Zusammenfassung des Vortrages „Wie viele Dinge braucht der Mensch?“ - vom Ethnologen Prof. Spittler. Der Spezialist für die Tuareg erklärt, dass Mitglieder dieses Berbervolkes im Schnitt etwa 24-mal weniger besitzen als Deutsche. In verschiedenen anderen Quellen ist zu lesen, dass wir zwischen acht- und zehntausend Dinge besitzen; der Nomade, von dem Herr Dr. Spittler spricht, also offenbar nur zwischen 330 und 420 Dinge, darunter zum Beispiel nur 18 Kleidungsstücke. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob der Tuareg reich oder arm ist, denn seinen Reichtum zu zeigen, ist traditionell verpönt. Der Wohlhabendste im Dorf ist also rein äußerlich vom Viehhirten, der für ihn arbeitet, kaum zu unterscheiden. Respekt, denke ich mir und erinnere mich daran, als ich vor vielen Jahren mit Hardrock-Café-Shirt und Löcherjeans zum Juwelier ging. Ich wurde völlig anders behandelt als wenige Tage später, als ich „zufällig“ nach der Arbeit und mit Hemd und Jacket in den Laden gegangen war. Ich weiß nicht, ob es bei den Tuareg Juweliere gibt, aber die dürften es wesentlich schwerer haben, jemanden abfällig zu behandeln. Immerhin verbergen sie ihren einzigen Reichtumsmarker, die Zahl ihres Viehs, ebenso gut, und selbst wenn nicht, wer würde sein Vieh schon mit sich führen, wenn er beispielsweise eine filigrane Halskette für die Liebste erwerben möchte? Ich sage nur: Elefant im Porzellanladen! Ich weiß natürlich, dass Tuareg Rinder- und keine Elefantenherden haben, die jedoch mit Sicherheit nicht weniger Arbeit machen. Und Arbeit ist ein gutes Stichwort. Ich wollte wissen, wie viel Besitz ich angehäuft habe. Ja, ich habe alle Dinge gezählt, die mir gehören. So etwas macht man an Samstagabenden, wenn man keinen Fernseher hat.

Bereits als ich mit dem ersten Raum fertig war, dem Schlafzimmer, hatte ich meine nomadische Vergleichsgruppe fast eingeholt, und das obwohl ich seit Jahren meinen Besitz um Ungenutztes reduziere. Schon drei einmonatige Ausmisteaktionen habe ich hinter mich gebracht, davor dreimal ausschließlich den Kleiderschrank reduziert. Immer noch mag ich mich nicht Minimalist nennen, doch dass ich noch so viel in meinen Schränken habe, überrascht mich dann doch. 1.392 Dinge sind es, die ich besitze, hat die Zählung ergeben. Das sind vier Tuaregs. Gerade der Kleiderschrank hat es in sich, nämlich Kleidung von stolzen elf Tuaregs. Rechnerisch versteht sich, meine Winterkleidung wäre in der Sahara ebenso fehl am Platz, wie meine Sportkleidung unpraktisch.

Das vergleichende Zählen meiner Besitztümer hat vor allem zwei Sachen bewirkt: Festzustellen, wie wenig es für ein erfülltes Leben braucht, aber vor allem zu merken, wie viele ich habe, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besitze, geschweige denn weshalb. Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Zahl maximaler in Besitz befindlicher Dinge gibt, die den Minimalismus ausmachen. Jeder muss selbst definieren, was und wie viel man braucht, um glücklich zu sein, doch ich bin mir sicher, glücklicher wird man leichter, wenn man nicht mehr für so viel ungenutzten Besitz Raum, Zeit und Geld verschwenden muss. Ich jedenfalls „miste“ im Oktober wieder aus. Ebaykunden, die Besucher der Umsonstläden und meine Freunde werden sich freuen über das, was in ihren Händen wieder genutzt wird. Das macht mich nicht zum Tuareg, vielleicht nicht einmal zum Minimalisten, doch passt erst einmal alles in ein Tiny House on Wheels bin ich ja quasi auch ein wenig Nomade. Oder Minimalist. Oder beides.

Bildrechte: GarrondoCC BY-SA 3.0

Freitag, 10. Mai 2019

Frei in den Mai - vier Wochen Ausmisten (Tag 12)


Zugegeben, ich hatte eine Erwartungshaltung, die vom Ergebnis deutlich abwich. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mindestens fünf Kleidungsstücke auszusortieren, die ich selten bis gar nicht mehr trage. Ich dachte mir: "Du hast vier Jackets, zwei Anzüge, gut zehn Hemden und immer noch mindestens 30 T-Shirts. Da geht doch was!" Tatsächlich habe ich sechs Teile aussortiert, und darunter ist sogar eine Socke, die nicht einmal mir gehört - wem auch immer sie gehören mag und wie sie in meine Schublade gekommen mag? Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer würde. Nichts von dem, was in meinem Schrank hängt, möchte ich hergeben, und das obwohl ich viele Sachen für Monate nicht mehr getragen habe. Heute hatte ich ein fünftes Mal in vier Jahren meinen Schrank mit dem Ziel geöffnet, etwas auszusortieren. Das letzte Mal im Oktober hatte ich bereits festgestellt, mein persönliches Minimum erreicht zu haben. Offenbar hatte ich damals schon recht 😉

Immerhin kann ich noch ein paar Schuhe darauf legen und ein paar abgelaufene Mullbinden aus dem Erste-Hilfe-Kasten - vielleicht kann sie das Rote-Kreuz für ihre Kurse zum Üben gebrauchen. Was macht ihr damit? 🧐

Bis zum 26. Mai werde ich täglich etwas aus meinem Besitz freigeben und unter #freiindenmai in Facebook und Instagram darüber posten. Steigt doch ein, euren Besitz zu hinterfragen, etwas davon zu verschenken oder zu verkaufen. Das befreit, schont Ressourcen, und ihr macht damit anderen vielleicht eine Freude 😊

Dienstag, 23. April 2019

Kleidertauschparty und Vortrag im Kupferdächle in Pforzheim | 24.04.2019, 19:00 Uhr


Falls ihr morgen Abend noch nichts vorhabt, schaut doch mal im Kupferdächle in Pforzheim vorbei. Bringt Kleidung mit, tauscht nach Lust und Laune, und ich freue mich, euch währenddessen ein wenig zum Thema Nachhaltige Lebensführung erzählen zu dürfen.

Dienstag, 5. Februar 2019

Da platzt der Kragen


Sie waren mir nie aufgefallen, und das obwohl ich nun bereits den fünften tierleidfreien Winter überstanden habe. Doch neulich, auf dem Weg ins Büro, da stachen sie mir das erste Mal ins Auge: Menschen, die sich mit Fell um Kopf und Kragen wärmen. Ich war erschrocken, was aber auch daran liegen mag, dass der Akku meines Smartphones leer war und ich den Weg zum ersten Mal mit nach vorne gerichtetem Blick ging. Vor mir waren eine Frau mit Fellbesatz um ihre Schuhe herum, dann zwei Männer mit braunem Fellrand um die nicht auf dem Kopf getragene Kapuze, etwas links ein älterer Herr im Wildledermantel mit fellbesetztem breitem Kragen und zahlreiche Kinder mit fellbebüschelten Strickmützen. Ich begann nachzudenken. Wie geht man mit dem um, was zuhause im Schrank hängt, aber nicht mehr der eigenen Lebensrealität entspricht?

Letztes Jahr habe meinen alten, treuen Lederblouson weggegeben – eben weil er aus Leder ist und ich kein Kleidungsstück mehr im Alltag tragen wollte, das für Tierleid steht. Konsequent war ich dabei allerdings nicht, denn meine Lederschuhe trage ich noch und auch meine Lederjacke, die Heavy-Metal-Konzert-Besuchen vorbehalten ist. Ich räume ein: Vielleicht war das Tierleid gar nicht mal ausschlaggebend, sondern mehr, dass ich den Blouson einfach nicht mehr schön an mir fand. Ich denke weiter über das Dilemma nach. Darf ich mich Veganer nennen, aber nicht-vegane Kleidung tragen? Reicht es, künftig keine tierische Kleidung mehr zu kaufen, um den Tierschutz zu fördern? Ist es nicht ökologischer, bereits gekaufte Kleidung zu tragen, bis sie auseinanderfällt, statt sie weiterzugeben oder gar zu entsorgen und neue kaufen zu müssen?

Als ich mich im Alter von 19 Jahren entschied, vegetarisch zu leben, lud ich an einem Abend Freunde ein, mit denen ich sämtliche Fleisch- und Fischkonserven aß, die ich noch hatte. Ab da hatte ich einen vegetarischen Haushalt. Nun kann ich meine Freunde schwerlich dazu einladen, meine Kleidung zu essen. Sie zu verwenden, bis sie analog der Konserven von der Nutzung verzehrt wurden, würde wohl ein lebenlang dauern, denn gut gepflegtes Leder ließe sich gar seinen Kindern vererben. Wie geht man also mit diesem Zwiespalt um?
Den smartphonefreien Arbeitsweg nutzte ich, um zu forschen. Ich erhob in meinem U-Bahn-Wagon eine repräsentative Stichprobe. Ergebnis: Jeder fünfte Fahrgast trug Fellkapuze. Da wir weder in der Arktis leben, noch die Fahrgäste aussahen, als seien sie eine Touristengruppe der Inuit, wunderte ich mich. Welchen Nutzen hat eine solche Kapuze dann? Kaum war ich im Büro und hatte Ladestrom, gab ich „Fellkapuze“ in die Suchmaschine ein. Gleich das erste Ergbnis verriet: „Fellkapuzen sind für jede modische Jacke ein MUSS!“

Mir fielen gleich eine ganze Reihe solcher Werbesprüche ein: „Geländewagen sind für den zeitgemäßen Stadtmenschen ein MUSS!“, „Kohlekraftwerke sind für das Klima von morgen ein MUSS!“ oder „Massentierhaltung ist für den Feinschmecker ein MUSS!“ Ein Fellkragen ist ebenso wenig notwendig, um nicht zu frieren, wie ein SUV, um in der Stadt voranzukommen. Wenn Mode, der Geschmack oder allein der Werbetexter darüber entscheidet, ob Tiere leiden, ist die Entscheidung gefallen. Ich möchte lieber selbstbestimmt sein, und meine Entscheidungen vom Verstand statt von anderen und gar von Oberflächlichkeiten wie Mode oder Geschmack leiten lassen. Mein Kleiderschrank wird vegan, und vielleicht falle ich ohne Lederjacke beim Metalkonzert ja gar nicht so auf – solange ich eine Jeans-Kutte trage.

Bild: Fotograf: Berli Berlinski / Design und Realisation: Marcus Müller Pelzdesign, Regensburg
Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert

Dienstag, 17. Juli 2018

Minimize me - Was ich vom Mimimalismus erwarte!


Ich finde die Minimalistenszene spannend: Menschen, die sich nicht nur dem Konsum gegenüber kritisch sind, sondern auch solche, die versuchen, mit möglichst wenig Besitz auszukommen, finden sich dort. Ich selbst rechne mich dazu. Was das Ziel ist, das muss jeder für sich selbst herausfinden. 

Ich persönlich bin minimalistisch, was meinen Müll anbelangt, und versuche minimalistisch zu sein, was meinen Energieverbrauch und meinen Besitz angeht, besonders was meine Kleidung anbelangt. Letztgenanntes ist tatsächlich gar nicht so einfach. Schon mehrfach habe ich Kisten mit Kleidung zum Roten Kreuz gebracht, doch noch immer fülle ich mehr als zwei Doppelschränke. Es sammelt sich halt so einiges im Laufe der Jahre an. Warum reduzieren, mag man sich nun fragen. Die Antwort ist einfach: Jedes ungetragene Kleidungsstück ist ein doppelt produziertes. Ein anderer könnte es tragen, wenn es nicht in meinem Schrank hinge, statt eines neu zu kaufen. Und falls es niemand tragen wollte – schließlich hängt es nicht ohne Grund ungetragen dort – könnte es zumindest weiterverarbeitet werden. Fußmatten werden häufig daraus. Dann kann endlich wieder jemand ernsthaft sagen, er stünde auf meine Kleidung. 

Dasselbe gilt letztlich für alles Ungenutzte im Haus: Das alte Handy, das du nur aufhebst, weil das neue ja mal kaputt gehen könnte, die ungenutzte Küchenmaschine, die die Küchenarbeit so einfach macht, das noble Kaffeeservice, das du nur aufhebst, falls die Schenkenden – Tante Emma und Onkel Egon –, mal zu Besuch sind. Doch ehrlich: Wenn das Smartphone runterfällt, wirst du nicht zum letzten Handy zurückkehren, die Küchenmaschine bleibt ungenutzt, denn den Kuchenteig hast du schneller mit dem Handrührgerät zubereitet, und auch Emma und Egon werden nicht kommen, denn weder magst du die beiden, noch mögen sie deinen Kuchen. Also weg damit (mit den Geräten, nicht den Verwandten) und entweder jemandem anbieten, der sie auch nutzen würde, oder gleich damit zum Wertstoffhof, wo die Rohstoffe recycelt werden können. Selbst wenn es nichts zu recyceln gäbe, wäre die thermische Verwertung zur Energiegewinnung viel sinnvoller, als all diese Dinge ungenutzt in Schränke zu sperren. 

Die Befreiung vom Überfluss bedeutet auch, sich selbst seelisch zu befreien. Wie oft stehen wir vor unaufgeräumten Schränken mit ungenutzten Dingen und sagen uns: Man müsste mal…! Man müsste mal aufräumen, müsste mal ausmisten oder müsste all das mal wieder nutzen. Weg mit allem, was wir ein Jahr nicht mehr in der Hand hatten. Und dann auch gleich weg mit dem leeren  Schrank. Ein Möbel weniger, das wir abstauben müssen, und ein Quäntchen Zeit mehr, die wir sinnvoller verbringen können. 

In einem Minimalistenforum las ich kürzlich, dass viele sogar auf ihr Bett verzichten. Sie haben oft eine dünne Rollmatratze und schlafen auf dem Wohnzimmerboden. Zuerst erschloss sich mir die Sinnhaftigkeit nicht. Ich dachte mir: Was mache ich dann mit meinem leeren Schlafzimmer? Die Antwort kam Sekunden später von selbst. Ich würde es abschaffen. Ein Zimmer weniger zu mieten, weniger zu bezahlen, zu beheizen, zu putzen. Wer mit einer Matratze, die tagsüber einfach zur Seite gestellt ist, auskommt, spart Geld, Energie und Zeit. In meinem Fall bedeutet es allerdings auch, drei Kleiderschränke leeren zu müssen. Ich könnte natürlich auch einfach die Schranktüren abmontieren und von dem ansonsten möbellosen ehemaligen Schlafzimmer behaupten, es sei ein begehbarer Kleiderschrank. Ganz der Minimalist, der Herr Arnold!

Montag, 23. April 2018

30-Tage-Challenge: Loslassen-Ausmisten-Reduzieren (#23)

So eine Challenge ist ja nicht nur ein einfaches Ausmisten. Das wäre einfach. Ich würde einen regnerischen Sonntag durch die Wohnung gehen, alles weggeben, dass ich offensichtlich nicht mehr benötige, und am nächsten Tag ginge alles wieder den gewohnten Gang. Meine Challenge dahingegen zwingt mich, einen Monat lang täglich über meinem Besitz nachzudenken, und viele Dinge, die in den ersten Tagen noch einen ganz klaren "Das brauche ich noch!"-Stempel bekommen hatten, werden in meinem Unterbewusstsein in einen Reifeprozess zu neuen Bewertungen gezwungen. Manches hielt ich in den letzten drei Wochen mehrfach in der Hand und legte es wieder zurück.

Vor vielen Jahren hatte ich eine Lederphase. Diese Weste und auch der Australian Leather Hat sind Zeugnisse dieser Zeit. Die Weste trug ich oft, wenn ich abends unterwegs war, manchmal auch auf der Arbeit, und da ich ein absoluter Huttyp bin, war dieser oft mein Begleiter, wenn ich auf Festivals war. Es hängen besonders an ihm viele Erinnerungen, aber es ist nun einmal so, dass Leder zu tragen, nicht mehr zu meinem Lebensstil passt. Ich lebe nun das fünfte Jahr vegan. Inzwischen ist es nicht nur das Essen, sondern immer mehr auch das, was ich trage, das meine Lebenseinstellung widerspiegeln soll. Für mich passt es einfach nicht mehr, zu sagen, dass ich keine Tiere essen möchte, aber Teile von ihnen zu tragen irgendwie rechtfertigen muss. Das Argument passt für mich nicht, dass das Tier ja schon tot ist. Das ist  auch bei den Tieren der Fall, deren Teile in den Kühlregalen liegen. Es gibt viele Gründe, sich kein Leder mehr zu kaufen, und es kommt für mich nicht mehr in Frage. Nun habe ich den Schritt vollzogen, auch keines mehr zu tragen. Ich möchte niemanden animieren, sich eine Lederweste zu kaufen, weil sie an mir vielleicht gut aussehen mag oder weil so ein Lederhut möglicherweise praktisch erscheint. Ich trage jetzt meine Stoffweste und meinen Panama-Hut. Das gibt auch schöne, zudem tierleidfreie Festivalerinnerungen.




Samstag, 14. April 2018

30-Tage-Challenge: Loslassen-Ausmisten-Reduzieren (#14)

Heute habe ich mich meinem Kleiderschrank gewidmet. Auslöser war, dass ich zum Geburtstag ein T-Shirt geschenkt bekommen habe und meiner Regel treu bleibe, für jedes neue Kleidungsstück ein altes wegzugeben. Die letzten beiden Anschaffungen waren Ersatzbeschaffungen für zwei Jeans, die inzwischen nur noch aus Nähten und Flicken bestanden hatten. Nun kam ein geschenktes T-Shirt dazu und die Frage auf, was ich weggebe, um meinen Klamottenbesitz nicht zu vergrößern.

Bereits vor drei Jahren hatte ich eine Challenge mit Kleidung gestartet und einen Monat lang jeden Samstag zehn Kleidungsstücke aussortiert. Noch zwei weitere Mal hatte ich mich meinem Textilwarenbesitz gewidmet, und die erstaunlichste Erfahrung ist, dass ich mit jedem neuen Blick in die Schränke neuen Abstand gewann. Plötzlich war mir die Jacke, die ich mal teuer gekauft, aber nur selten getragen hatte, gar nicht mehr so teuer, oder das T-Shirt von diesem einen erinnernswerten Konzert, das schon so löchrig ist, dass ich es nicht mehr trage, zwar immer noch voller Erinnerungen, aber überraschenderweise ist es nun eine Lösung, sich einfach darin zu fotografieren und die Erinnerung auf diesem Weg zu archivieren. Dieser Challenge aus dem Jahr 2015 folgten noch drei weitere erfolgreiche Reduktionsangriffe.

Heute habe ich ein Thermohemd, von denen ich zwei hatte, aussortiert, eine Jacke, die ich seit Jahren nicht mehr trug, drei Hüte, von denen mir einer schon immer zu klein war und es mir bis heute unerklärlich ist, weshalb ich ihn damals dennoch gekauft hatte, sowie zahlreiche weitere T-Shirts und Hemden. Ich bringe sie zum Rotes-Kreuz-Laden.
Es ist ein gutes Gefühl, wieder etwas Platz geschaffen zu haben. Durch den freien Platz und etwas Umarrangieren konnte ich meine Schuhe ein Regalfach höher im Schrank lagern und muss mich nicht mehr bücken. Offenbar fördert das Reduzieren auch meine Bequemlichkeit.


Offensichtlich bin ich etwas über mein Ziel hinausgeschossen, nur eine Sache für das neue T-Shirt auszusortieren.

Dienstag, 11. Juli 2017

YOBO – You only buy once

„Ich kaufe mir billige Sachen, dann kann ich mir mehrfach im Jahr was leisten!“ Mich erschrecken solche Aussagen etwas. Ich habe mir gestern nach acht Jahren die erste neue Hose gekauft. Die alte war zweimal unauffällig geflickt worden - also nicht mit Comic-Motiv-Flicken, wie in meiner Kindheit, sondern mittels Stoffresten, die von innen unter die fadenscheinigen Stellen genäht wurden. Ein drittes Mal nachzubessern, wäre in Anbetracht der vielen weiteren dem Durchscheinen nahen Stellen und Angesichts der Tatsache, dass sie mir am Morgen vor dem Neukauf mitten in der S-Bahn gerissen war, weil ich es gewagt hatte, meine Beine zu überschlagen, nicht mehr wirtschaftlich. Sie war ihr Geld wert. Nicht nur, weil ich acht Jahre lang eine Hose getragen hatte, sondern auch des Unterhaltungswertes für die Menschen in meiner Umgebung wegen. Es ist schön zu sehen, wie schnell sich ein Lächeln in die Gesichter Mitreisender zaubert, wenn eine Hose an einer möglichst ungünstigen Stelle reißt. Doch wer billig kauft, dem reißt’s zweimal. Das ist zwar doppelt so unterhaltsam, aber auch doppelt so viel Ressourcenverschwendung. Ich hatte mal über 100 Shirts: Welche von Junggesellenabschieden, von Konzerten und solche, auf denen steht, dass ich vegan lebe, was praktisch ist, denn das muss ich es nicht jedem erzählen. Heute – nach vier Gängen zum Roten Kreuz – sind es noch 30, Tendenz sinkend. „Aber die Mode ändert sich doch!“, folgt dann zumeist, wenn ich so ein Acht-Jahre-Beispiel aufführe. Natürlich ändert sich die Mode. Die Frage ist doch, wie ich darauf reagiere. Wenn die Farbe des Jahres grün ist, sollte ich mir doch zunächst einmal die Frage stellen, wer das festlegt und ob ich demjenigen die Hoheit verleihen möchte, darüber zu bestimmen, welche Farben ich trage. Fest legt das der Handel, und der will, dass ich konsumiere. Nicht weil mir grün so toll steht, sondern weil er nach 30 Jahren zeitloser Blue-Jeans neue Bedarfe wecken will. Möchte ich das? Möchte ich, dass der Handel darüber bestimmt, was schön und was zeitgemäß ist? Ich persönlich mag Herr meiner selbst bleiben. Wenn alle grün tragen, dann sind wir entweder alle Förster geworden – grün, grün, grün sind alle meine Kleider – oder wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren. Nächstes Jahr ist vielleicht Aprikot die Farbe des Jahres. Blöd, dass Aprikot und Grün zusammen ausschauen, als trüge man Tarnkleidung für das Bällebad bei IKEA. Es gibt Kleidungsstücke, die zeitlos sind. Zum Beispiel die Blue-Jeans. Die gibt es auch im Handel, und ich finde es gut, dass der Handel sie anbietet. Der Handel meint es ja auch nur gut. Mit sich und auch mit uns. Mode ändert sich. Ja! Ich bin dankbar, dass es keine Rüschenhemden mehr gibt, und Schlaghosen waren auch irgendwie merkwürdig. Doch ein wenig darauf zu achten, wie langlebig Kleidung ist, das muss man doch hinbekommen. 500 Millionen T-Shirts werden allein in Deutschland jährlich produziert. Bei 85 Millionen Bundesbürgern braucht es weder einen Taschenrechner, noch besonders ausgeprägte Neuronenschaltungen im Gehirn, um festzustellen, dass in unserem Konsumverhalten etwas nicht stimmt. Man braucht eine Weile, bis es Klick macht. Das stimmt! Aber irgendwann stellt man beim Verräumen des dritten grünen T-Shirts in seinen Kleiderschrank fest, dass da schon zwei grüne sind, und vier rote, fünf weiße, neun schwarze, sowie sechs in Aprikot, weil das vor acht Jahren schon einmal Farbe des Jahres war. Dann zählt man die Zahl seiner Oberkörper … Klick!

Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Achtundfünfzigster Schritt: Weniger schleppen

Drei Umzugskisten weniger!
Ein Umzug ist - zumindest für mich - nichts Schönes. Ich nehme mir die Umgebung, in der ich mit einem Handgriff alles erreiche, was ich brauche, und platziere mich in eine neue, in der ich eine solche komfortable Wohnsituation erstmal wieder herstellen muss.
Ein Umzug bietet aber auch die Möglichkeit, den einen oder anderen Hausrat zu überdenken, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Seit Jahren sammelt mein Vater alle Zeitungsartikel, die mit mir in Verbindung stehen. Das ist sehr schön, und zudem gibt es mir die Chance nun auf eine Pressemappe zu blicken, die bis in meine künstlerischen Anfangszeiten zurückreicht. Allerdings sind es auch vier schmale Aktenordner, die Platz brauchen.
"Was ist der Kern der Zeitungsartikel?", habe ich mich gefragt. Der Inhalt oder das Papier? Die Frage war leicht zu beantworten. Ich habe sie nun alle eingescannt und auf dem Rechner gesichert. Sie sind nun nicht nur mehr dem Zerfall preisgegeben - einige begannen tatsächlich schon zu gilben -, sondern auch recherchierbar.
Eine halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Beim Verpacken meiner Schuhe ist mir aufgefallen, dass ich sehr viele Schuhe habe, deren Sinn offensichtlich nur noch war, einen Schrank zu füllen. Darunter waren Schuhe, die mir nicht mehr gefielen, solche, die ich nicht trug, weil sie unangenehm zu tragen waren, und drei paar Laufschuhe, die nach ihren 700 bis 800 Kilometern Nutzungsstrecke zwar nicht mehr zum Sport taugen, aber als Freizeitschuh nicht zu beanstanden sind. Acht Paar Schuhe habe ich nun aussortiert und werde sie zum Deutschen Roten Kreuz bringen. Auch sind wieder ein paar Kleidungsstücke in die DRK-Kiste gewandert, obwohl nach der letzten Aussortierung nicht mehr viel da war. Sichtferne Kellerschränke birgen da jedoch noch Potential.
Zwei Bananenkisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Zuletzt fielen mir beim Sichten meines Büros vier DVD-CD-Ordner in die Hände, darin zahlreiche unbeschriftete Disks, Sicherheitskopien der letzten 20 Jahre, Filme, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und bei genauem Überlegen, vermutlich auch nicht mehr anschauen werde und vor allem zahlreiche in Formaten, die heute gar nicht mehr nutzbar sind, wie VCD und SVCD (Filme in Briefmarkengröße auf meinem Fernseher). Ich habe einen Abend lang aussortiert und gut 160 Discs weggeworfen. Natürlich nicht in den Hausmüll! Gut, erst schon in den Hausmüll. Dann hatte ich recherchiert und festgestellt, dass das Polykarbonat ein wichtiger Rohstoff ist, der nach der Müllverbrennung verloren wäre. Also habe ich die CD-s wieder rausgeholt und werde sie mit der nächsten Sendung zu recycelnder Druckerpatronen zum Recycling geben.
Eine weitere halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Fazit: Ich habe drei Kisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen, habe etwas Gutes für die Gesellschaft getan, muss mich mit diesem unnötigen Ballast nicht mehr belasten und darüber hinaus, eine Redewendung erweitert. Immer wieder höre ich: "Was du ein Jahr nicht, genutzt hast, trenne dich davon!" Eine der unbeschrifteten CDs hatte ich bestimmt zehn Jahre nicht genutzt und bin sehr froh, sie nicht ungesichtet entsorgt zu haben. Es waren teils 15 Jahre alte Bilder meiner Kinder enthalten, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie habe. Das war ein schönes halbstündiges Schwelgen in Erinnerungen, nachts um eins, bevor ich weiter Zeitungsartikel einscannen musste. Bis kurz nach drei!

Mittwoch, 20. Juli 2016

Fünfundfünfzigster Schritt: Auf der Jagd sein

Sneaker sind lautlos, unauffällig und somit schwer zu entdecken!
Sie sehen aus wie normale Socken. Sie haben einen kurzen Schaft, was sie als der Gattung "Sneaker" zugehörig ausweist. "To sneak" heißt so viel wie "schleichen", was erklären mag, weshalb sich die Strümpfe meines Begehrs so lautlos im Netz bewegen. 
Ich war auf der Suche nach Baumwollsocken, die plastikfrei sind und deren Baumwolle ökologisch produziert wurde. Einfach googeln, sagte ich mir. Ja, ja, nach gut eineinhalb Stunden musste ich dann korrigieren und strich das "Einfach"! Tatsächlich fand ich nur eine einzige Socke, die sich trotz ausgezeichneter Biobaumwolle nicht so oder ähnlich in der Zusammensetzung präsentierte: 78 % Baumwolle, 19% Polyester, 2% Polyamid, 1% Elasthan. Biowolle in einer Plastiktüte wollte ich mir nicht über die Füße streifen. Das hebe ich mir für den Moment auf, sollte ich mal auf einer einsamen Insel stranden und mit einem kaputten Basketball zu reden beginnen. Fündig wurde ich dann bei Fairtradebar. Und im Drive-by-Shopping auf dem Weg zum Ziel schoss ich mir dann auch noch die vermutlich einzige reine Bio-Baumwoll-Sommer-Beanie im gesamten Internet und ein Exemplar der seltenen Gattung der reinen Bio-Baumwoll-Shorts. So viel zum Thema Minimalismus und Konsumverzicht. Dafür schaue ich die Woche einfach kein fern. So!

Mittwoch, 24. Februar 2016

Siebenundvierzigster Schritt: Den Not-Clothing-Like-Kathy-Bates-Contest gewinnen

Schaut aus wie reine Baumwolle - ist es aber nicht!
Kathy Bates wickelte sich im Film "Grüne Tomaten" in Frischhaltefolie ein, um das Sexualleben mit ihrem Gatten wieder in Schwung zu bringen. Wir wickeln uns in kuschelige Klamotten ein und wissen manchmal nicht, wie sehr wir es Frau Bates damit gleichtun.
Vor vielen Jahren dachte ich noch, Fleece-Gewebe sei ein natürlicher Stoff - schließlich kann er es mit jedem Tierfell an Flauschigkeit aufnehmen. Heute weiß ich, es ist ein Kunststoff - zumeist Polyester. Also Frischhaltefolie. Nur wärmer. Und nicht durchsichtig. Pech für Frau Bates.
Zugute halten kann ich Fleece zwar, dass es immerhin häufig aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird. Das macht jedoch den Umstand kaum wett, dass Fleece-Bekleidung mit jedem Waschgang Kunststofffasern verliert - bis zu 2.000 Fasern pro Waschgang - , die so klein sind, dass Kläranlagen sie nicht erfassen können. Sie landen in den Weltmeeren und schädigen die dortige Meeresfauna und -flora.
Ein Blick in den Kleiderschrank zeigt, dass selbst vermeintlich aus Naturfaser hergestellte Bekleidung oft Plastikanteile hat, wie zum Beispiel Elastan, Polyamid oder erneut Polyester. Besonders Sportbekleidung ist voll davon, schließlich soll es ja hauteng anliegen, um beim Laufen oder Radfahren keinen Luftwiderstand zu geben. Meine Sportkleidung kaufte ich stets wie - gefühlt - jeder andere auch: Tights zum Laufen, ein enges Shirt, an dem nichts schlackert, und dazu sogenannte Funktionsunterwäsche. Alles mehrheitlich Plasik, das kaum recycelt werden kann. Gore-Tex ist durch seinen Gehalt an Polytetrafluorethylen (PTFE) sogar Sondermüll.
Ökologische produziert und es klappt auch bei Kathy!
Heute hinterfrage ich das stark. Enge Kleidung, damit der Luftwiderstand geringer ist? Wäre ich ein 60 Kilo schwerer ambitionierter Langstreckenläufer: Warum nicht! Wäre ich ein Profisportler, bei dem Sekunden über künftige Fördergelder entscheiden: Ganz klar! Ich wiege aber 50% mehr als Ersterwähnter und werde nie einen Werbevertrag mit Adidas bekommen. Warum also wie einer von Robin Hoods Men in tights durch Sherwoood Forrest joggen und noch zu dem die Umwelt bewusst schädigen?
Plastikfreie Bekleidung finden zu wollen, bedeutet die kleinen Zettelchen vor dem Kauf zu studieren. Reine Baumwolle oder reine Schurwolle (so mit der eigenen Einstellung zu unserem Verhalten Tieren gegenüber vertretbar) sind die Alternativen. Und wenn es dann noch ökologisch produziert ist, tut man sich - durch die wesentlich geringere Schadstoffbelastung der Kleidung - und auch den Produzierenden - Stichwort: Fair Trade - auch noch einen Gefallen. Beim BUND gibt es eine tolle Auflistung der verschiedenen Öko-Label. Bei mir um die Ecke finde ich zum Beispiel HessNatur.
Frau Bates Sex-up-your-Life-Aktion war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Vielleicht wäre es ohne Plastik besser gekommen. Ich jedenfalls bin bei meinem nächsten Kleidungseinkauf - natürlich nur Ersatzbeschaffungen und keine Neuerwerbe, bevor es wieder ausartet - auf der Gewinnerseite. Keine Ahnung jedoch, wie sich das auf mein Sexualleben auswirken soll!

Freitag, 4. September 2015

Einundvierzigster Schritt: Zweiter Anlauf, den Kleiderschrank zu reduzieren

Die Bananen gegessen - nicht auf Kleidung versessen
(Ich entschuldige mich für den Reim, aber die Metrik ist toll!)
Im Mai hatte ich meinen Kleiderschrank schon einmal auszusortieren begonnen und dabei festgestellt, dass sich einige Kleidungsstücke regelrecht an mich geklammert haben. Oder war ich es, der geklammert hatte? Nun, das lässt sich bei so engen Beziehungen ja häufig nicht so eindeutig sagen. Im Mai waren es 50 Stücke, die ich mir vorgenommen hatte, auszusortieren. Das war schon schwer. Heute habe ich mich dran gemacht, einfach die Stücke auszusortieren, an denen ich vor einem viertel Jahr noch so gehangen hatte oder auch ratlos war, wie ich mit ihnen umgehen sollte. Das waren einerseits Stücke, bei denen ich mir sagte, sie seien doch noch so gut und wären zu teuer gewesen, um sie einfach wegzugeben. Es fiel mir heute - im Gegensatz zu damals - total leicht, sie in die Kiste zu packen. Vielleicht, weil der Gedanke, dass gut und teuer ungetragen im Schrank um so viel schlechter ist als gut und teuer von jemandem getragen, der sich darüber freut und dem die Stücke helfen. Andererseits waren es Stücke, die persönlichen Bezug zu mir hatten, wie beispielsweise T-Shirts von Junggesellenabschieden. Die trug ich einmal, vielleicht noch am Folgetag des Abschiedsabends, weil ich zu fertig war, um mich umzuziehen, aber das war's dann auch schon. Hier half mir Dennis mit ein paar Tipps: Was in die Altkleidersammlung kommt, wird sortiert und was nicht tragbar ist, wird zu Filzmatten, Putzlappen oder ähnlichen downgecycelt. Alles gut! Ergebnis: Es kam wieder eine Kiste mit Kleidung dabei raus, die ich nun der Flüchtlingshilfe geben werde, und ein Beutel mit Kleidung, die künftig vielleicht in einem teuren Sportwagen mitfahren darf. Win-Win-Win!

Sonntag, 24. Mai 2015

Zweiunddreißigster Schritt: Überfluss reduzieren und teilen

Zwei Kisten - 50 Kleidungsstücke
Auf der einen Seite gibt es jene, die zu wenig Geld haben, um sich ausreichend Kleidung zu kaufen, die – auch hier in Deutschland – unter der Armutsgrenze leben, die vor Krieg und Tod flüchten mussten und vieles ihres Besitzes nicht retten konnten, weil sie lieber ihre Familien retten wollten, und auf der anderen Seite solche, deren Kleiderschränke so voll sind, dass sich gleich mehrere Leute wochenlang, ohne Stücke davon waschen zu müssen, sauber einkleiden könnten, die sich den Luxus leisten, Kleidung zu besitzen, die sie monatelang nicht tragen, und zwar nicht, weil der Fleecepulli im Hochsommer nunmal nicht sehr beliebt ist, sondern weil so viel Kleidung auf ihr liegt, dass sie nie die Gelegenheit bekommen, an sie heranzugelangen, die Kleidungsstücke in ihren Schränken aufbewahren, weil es „ja viel zu schade ist, sie wegzugeben“, wohlwissend, dass sie inzwischen ihren Stil gewechselt haben und nie mehr zum alten Stil zurückkehren würden, kurzum: Menschen wie mich. Den Monat Mai hatte ich mir vorgenommen, jeden Samstag 10 Kleidungsstücke auszusortieren, um am Ende 50 Stücke zusammen zu bekommen, die ich der Flüchtlingshilfe geben könnte. Warum der Flüchtlingshilfe? Die Antwort ist einfach: Die Vorstellung, vor Tod, Folter, Vergewaltigung, Verstümmlung, Obdachlosigkeit und dem Verhungern zu fliehen und dann irgendwo zu landen, wo man kein Verständnis und keine Unterstützung erfährt, ist für mich schlichtweg unerträglich. Viele haben das ebenfalls erkannt, und ich möchte meinen Teil beitragen, dass diese Vorstellung nur eine Vorstellung bleibt.

Ein Sechstel befreit: Und nu?
Heute habe ich – den Pfingstsonntag als fünften Samstag nutzend - das fünfzigste Kleidungsstück aussortiert. Vorweg genommen: Es sind alles Kleidungsstücke, die ich noch tragen würde.  Insgesamt kamen 23 T-Shirts, 10 kurzarmige Hemden, fünf Pullover, drei ärmellose Shirts und neun einzelne Teile in die Kisten. Es war aufschlussreich, sich dem Aussortieren zu widmen. Ganz sicher hätte ich noch viel mehr T-Shirts aussortieren können, doch hätte ich nie gedacht, wie viele Geschichten an meinen Kleidungsstücken hängen. Hier das T-Shirt, das an einen Konzertbesuch erinnert, dort eins, das mir ein besonderer Mensch geschenkt hatte, hier eins, das ich mir selbst bedruckt hatte, das deshalb zu persönlich ist, um es wegzugeben, und dazu kommen noch zahlreiche individualisierte Shirts, die ich beispielsweise nur zu Junggesellenabschieden einmalig trug und vermutlich nie wieder tragen werde. Was mache ich damit? Weggeben geht nicht, wegwerfen wäre Verschwendung. Ein Dilemma einerseits, andererseits jedoch eine Gelegenheit, sich darüber Gedanken zu machen, ob diese Sitte wirklich noch zeitgemäß ist. Irgendwann hatte ich mal irgendwo gelesen, dass 200 Milliarden T-Shirts jährlich weltweit produziert würden. Bei sieben Milliarden potentiellen T-Shirt-Trägern auf dem Planeten, von denen ein nicht unerheblicher Teil in seinem Leben nie ein T-Shirt sehen wird, sollte das zum Überdenken des eigenen Konsums anregen. Von dieser unvorstellbaren Menge sind potentiell 60 Milliarden Stück aus Baumwolle, was neben der Frage der Notwendigkeit einer solchen Produktionsmenge auch soziale und besonders ökologische Fragen aufwirft, die ich mit selbst nur wie folgt beantworten kann:  Neue Kleidung nur dann, wenn nötig, - eher eins aus Recycling-Polyester? - und in meinem Fall werde ich wohl noch einige Jahre brauchen, bis ich zumindest ein neues T-Shirt brauche; die Zeit brauche ich allerdings noch immer, um an die ganz unten im Stapel ranzukommen. Pfingstmontag nutze ich für die Beantwortung folgender Frage: Was mache ich mit meinem leeren Schrank?

Freitag, 7. März 2014

Achter Schritt: Schuhe

Golfschuhe sind out: Der Billardschuh aus Portugal
Meine Schuhe trage ich jetzt schon über zwei Jahre. Sie sind die übliche Kombination aus Leder und Kunststoff, aus der die meisten Schuhe hergestellt sind. Inzwischen sind sie jedoch so ausgetreten, dass kein Weg an einem Neukauf mehr vorbei geht. Auch da will ich neue Wege beschreiten. Ich möchte nicht nur Plastik vermeiden, sondern auch Tierisches im Schuhwerk. Mein neuer Schuh soll ein plastikfreier veganer Allrounder werden.
Es gibt haufenweise Schuhwerk ohne Leder. Und zwar mehrheitlich solche aus Kunststoff. Das Bisschen, das übrig bleibt, sind beispielsweise Schuhe aus Baumwolle. Schuhe aus Stoff erscheinen mir jedoch nur die richtige Wahl für den niederschlagsarmen Sommer. Hinzu kommt noch, dass selbst diese Schuhe oft mit Knochenleim geklebt sind, so dass sie zwar meinen Anspruch in Bezug auf den Kunststoff erfüllen, ohne Leder auskommen, jedoch eben nicht ohne tierische Produkte in der Verarbeitung. Nach einigen Stunden Recherche in zahlreichen Onlineshops finde ich einen Kompromiss, mit dem ich mich arrangieren kann: Ein veganer Schuh aus recyceltem Kunststoff mit einer Sohle aus Recycling-Gummi, der so was von klasse mit dem Rot des väterlichen Billardtisches harmoniert, dass man gar nicht mehr spielen mag. Warum auch immer. Noch dazu „Fair Trade“. Himmel, geht noch mehr? Gekauft. Passen auf Anhieb. Wir sind Freunde, auch wenn ich für den nächsten Schuh kompromisslos weitersuchen werde.


BUND-Diät, schlank in 7 Wochen
Im Übrigen: Plastikfastet jemand mit? Eine tolle Aktion, zu der BUND da aufgerufen hat. Wer schon nicht klassisch fastet, könnte wenigstens seinen Abfall fasten. Zwischen Aschermittwoch und Ostern Plastikmüll so gut wie möglich vermeiden, ist die Anregung. Da ich das ohnehin schon seit Dezember mache, fällt es mir leicht, mich anzuschließen und es für diese vier Wochen noch zu intensivieren. Umso leichter fällt es mir, wenn ich solche Berichte, wie dem über die Donau lese. In Plastic Planet war es das Meer, das als Beispielgeber für die Vermüllung mit Mikroplastik herhielt. Im Zentrum Europas lebend, hört sich das einigermaßen fern an, doch die Donau? Besser kann sich kaum verdeutlichen, dass das Problem uns alle betrifft. Wenn es in der Donau so aussieht, weshalb sollte es im Main und seinen Nebenflüssen anders aussehen? Bislang habe ich mit meinen Plastikmülleinsparungen pro Jahr hochgerechnet schon sechs gelbe Säcke weniger an Müll an die Straße zu stellen. Und es sind erst wenige Schritte, die kaum merkliche Einschnitte mit sich bringen. Mit den 40 Millionen Haushalten Deutschlands multipliziert wird klar, welche Wirkung eine solche Aktion haben könnte. Also auf geht’s! Hash tagged eure Erfahrungen mit #plastikfasten. Vielleicht gewinnen wir so die eine oder andere Idee.