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Sonntag, 28. Februar 2021

Erde kauen - Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft?

Erde kauen - Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft?

Die Zeit, die ich im Moment zu Hause verbringen muss, führt dazu, dass ich mehr lese. All die Mitgliederzeitschriften von Greenpeace bis Vegetarierbund, die ich immer wieder versuche, auf elektronischen Abruf umstellen zu lassen und mir dann nach wenigen Monaten doch wieder postalisch zugesandt werden, zum Beispiel. Wenn man mich vor Corona gefragt hätte, was in der Natur Deutschlands rückläufig sei, hätte ich vermutlich sofort geantwortet: Die Bienenbestände. Eine von Greenpeace veröffentlichte Studie nennt sieben Insektizide, die neben der Varromilbe und Krankheiten dafür verantwortlich sind, dass inzwischen etwa die Hälfte unserer 560 Wildbienenarten auf der Roten Liste steht. Inzwischen fällt meine Antwort vielschichtiger aus. Auch rund 30 Prozent der Wildpflanzen in Deutschland sind gefährdet und weisen schwindende Bestände aufweisen. Das De
utsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung hat mehr als 2.000 Pflanzenarten untersucht und festgestellt, dass über 70 Prozent der Pflanzen seit den 1960er-Jahren um durchschnittlich 15 Prozent rückläufig sind. 

Leider ist auch nicht nur die Bienenzahl zurückgegangen, sondern binnen der letzten 30 Jahre 75 Prozent der gesamten Fluginsektenarten. Im letzten viertel Jahrhundert hat Deutschland 14 Millionen seiner Vögel eingebüßt. Die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz sind seit 1992 um fast 90 Prozent gesunken, schreibt das Bundesamt für Naturschutz in seiner Publikation „Vögel in Deutschland - Übersichten zur Bestandssituation“. Immerhin in den Wäldern und in der Stadt hat sich der Bestand in den letzten zehn Jahren etwas erholen können – gut eineinhalb Millionen Waldvögel und eine halbe Million Vögel in Siedlungsbereichen kamen hinzu. Das hält den Rückgang jedoch nicht auf. 50 Prozent der bundesdeutschen Fläche sind Argrarflächen, die auch ein Grund dafür sind, weshalb der Feldhase inzwischen bundesweit als „gefährdet“ eingestuft wird und gleichfalls im Bestand sinkend ist. Das alles zeigt, dass ein Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft nötig ist. Der Staat muss ökologische Landwirtschaft viel stärker fördern, aber vor allem gemeinsam mit den Landwirt:innen eine Landwirtschaft entwickeln, die sich als Teil der Natur sieht und in den Erhalt natürlicher Lebensräume investiert. Im neuen Bodenreport hat das Bundesamtes für Naturschutz mitgeteilt, dass zahlreiche Arten von Bodenorganismen wie Würmer und Käfer vom Aussterben bedroht sind. Deren Vorschläge für eine zukünftige Landwirtschaft klingen einleuchtend: Bodenschonende Bearbeitungsmethoden, ganzjähriger Bewuchs mit heimischen Pflanzen, blühende und mehrjährige Pflanzen.

In der chinesischen Region Sichuan sind durch Pestizide keine relevanten Mengen an Insekten mehr gegeben, um Wirtschaftspflanzen zu bestäuben. Die Bestäubung der Obstbäume wird durch Menschen durchgeführt. Wenn auch die Vernichtung von Insekten im Boden so voranschreitet, sehe ich eine Zukunft vor uns, die auch deren Arbeit durch menschliche Arbeitskräfte ersetzt. Um für fruchtbaren humosen Boden zu sorgen, müssen wir dann unter Mindestlohn Erde zerkauen, damit etwas wachsen kann, während unsere Freunde über uns Blüten bepinseln, damit unsere Mühen auch Früchte tragen. Das schmeckt mir nicht. Ich nutze die erzwungene Zeit zu Hause weiter, um zu lesen – vielleicht findet sich ja noch etwas, das besser in die Zukunft blicken ließe. Luchs und Wolf sind zurück in Deutschland lese ich in der aktuellen Ausgabe von „Natur und Landschaft“. Vielleicht ist ja doch noch Hoffnung.

Bildrechte: CC BY-SA 4.0,  Gregor Rom, Extensive Landwirtschaft im Norden Benins bei Djougou, 5. März 2014

Dienstag, 24. November 2020

Wir sind alle dumme Hunde

Wir sind alle dumme Hunde

Wie schnell fällt ein böses Wort: Dreckschwein! Blöde Kuh! Warum eigentlich Tiernamen? Würden Drecksmensch oder blöder Mensch nicht auch funktionieren? Der zu Beleidigende wäre dann aber noch immer gleich hoch auf der Darwin’schen Erfolgsleiter, das Tier in unseren Augen nicht. Also: „Dreckschwein!“ Dass dies nicht der Realität entspricht, stört wenig. Gibt man Schweinen ausreichend Platz, so richten sie sich sogar eine Toilettenecke ein. Sie können nicht minder stubenrein werden wie Katzen. Also „Blöde Kuh“? Jeder Landwirt kann bestätigen, dass Rinder nicht nur Hebel betätigen können, um Wasser in einen Trog laufen zu lassen, sondern auch Öffnungsmechanismen von Stalltüren recht schnell verstehen. Mehr noch: Im Journal „Animal Behavior and Cognition“ wurde 2017 das Paper „The Psychology of Cows“ veröffentlicht, das Rindern sogar „Heureka“-Momente bescheinigt, wenn kniffelige Aufgaben gelöst werden. Das ist alles andere als dumm. 

Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt, denken Sie jetzt vielleicht. Dieser Ausdruck ist übrigens einem Abenteuer Till Eulenspiegels entsprungen. Till hatte Arbeit bei einem Bierbrauer, dessen Hund den Namen "Hopf" trug. Als der Braumeister ihn anwies, sorgfältig den Hopfen zu sieden, landete der Hund in der Braupfanne. Eulenspiegel verlor daraufhin seinen Job und der Hund gewann die kurze Erkenntnis, dass er nicht gleichwertig ist. Dummer Hund? Würde eine wertschätzende Sprache zu einem veränderten Tierwert führen? Hier landen Schweine und Kühe in Pfannen. Würden wir sie besser behandeln oder den Konsum einschränken, wenn es die „schlaue Kuh“ oder das „saubere Schwein“ in unsere Sprache schaffen würden? Die Forschung im Bereich der gendergerechten Sprache legt das nahe. In der Studie „Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy“, veröffentlich 2015 im Journal Social Psychology, wurden Kindern überwiegend männlich konnotierte Berufsbezeichnungen wie Maurer, typisch weibliche wie Kosmetikerin und neutrale wie Sänger vorgestellt. Eine Gruppe wurde mit dem Maskulinum („Ärzte heilen Krankheiten“) konfrontiert, die andere mit der Paarform („Ärzte und Ärztinnen heilen Krankheiten“). Im Ergebnis trauten sich Mädchen die Berufe eher zu, die auch die weibliche Form benannt hatten. 

Dass Sprache nicht nur Unterschiede schafft, sondern auch Gewalt, legt eine weitere Studie nahe. In der 2011 in Public Library of Science (PLOS ONE) publizierten Studie „Metaphors We Think With: The Role of Metaphor in Reasoning“ wurden Probanden zwei Versionen eines Textes vorgelegt, in der das Kriminalitätsproblem einer fiktiven Stadt beschrieben wurde. Sie unterschieden sich nur darin, dass die Kriminalität in der einen als "wildes Tier" und in der anderen als "Virus" bezeichnet wurde. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten Vorschläge zur Verbrechensreduzierung machen. Die Wildes-Tier-Gruppe plädierte eher dafür, Verbrecher hartnäckig zu jagen und strengere Gesetze zu erlassen, die Virus-Gruppe mehr dafür, die Ursachen zu erforschen sowie Armut zu bekämpfen und Bildung zu verbessern. Erstaunlich ist, dass beide Gruppen die Kriminalstatistik als Grund für ihre Entscheidung anführten; die war jedoch in beiden Texten gleich hoch. Wenn Ihnen das nun spanisch vorkommt oder sie die Studien gar für getürkt halten, haben Sie, so hoffe ich, kaum ausgesprochen, erkannt, dass „dummer Hund“ nicht das einzige Problem unserer Sprache ist. Schwein gehabt!

Bildrechte: Lizensiert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported2.5 Generic2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Dienstag, 23. Juni 2020

Das Schwein zahlt

Das Schwein zahlt
Anfang der Woche war ich mit dem Auto unterwegs und hörte Radio. Ich schaltete um, da ich keine Lust auf Mark Fosters „Flash mich“ hatte und landete bei einer Diskussion über eine Gesetzesvorlage, die bis 2040 allen Nutztieren in Ställen deutlich mehr Platz, "möglichst mit Kontakt zu Außenklima", bieten möchte. Zur Finanzierung solle das Kilogramm Fleisch um 40 Cent teurer werden. Die Fleischindustrie zweifele an der finanziellen Umsetzbarkeit, war weiter zu hören. Ich musste an Tönnies denken. Die schaffen es nicht einmal, ihren Mitarbeitern genügend Platz zu verschaffen, um mehr als 1.300 Corona-Infektionen zu verhindern. Wie sollen die das dann bei Tieren schaffen? Gut, mag man kritisch anmerken, das ist ja auch ein Schlachter und kein Landwirt. Stimmt! Dennoch ist auf deren Homepage zu lesen, „dass die Tiere, die wir schlachten und verarbeiten, vernünftig gehalten und aufgezogen werden“ sollen. 

Das ist eine Riesenverantwortung in Anbetracht von gut 30.000 Schweinen, die Tönnies täglich schlachtet. Dessen Arbeiter führen die glücklichen Schweine per Aufzug zum dem Erstickungstod ähnlichen Betäuben in eine CO₂-Grube. Das kann gut eine halbe Minute dauern, während ihnen das Kohlendioxid auf ihren Schleimhäuten zu brennender Kohlensäure wird. Immerhin geht es ihnen wohler, als wenn sie bei vollem Bewusstsein einen Metallhakenhaken ins Bein gejagt bekämen, um kopfunter auf das „Stechkarussel“ gezogen zu werden, das sie zu den Schläuchen führt, die ihnen zum Ausbluten ins Herz gestochen werden. Durch einen umsorgenden Druck auf das Auge nach der Grube und vor dem Schlauch wird getestet, ob die Betäubung wirkt. Falls das Schwein zuckt, wird nochmal betäubt oder es gibt eins mit dem Bolzenschussgerät. Je nach Quelle sind ein Promille bis zu einem Prozent der Schweine zu diesem Zeitpunkt bei voller Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit, also bei Tönnies 26 bis 260 Tiere pro Tag. Immerhin haben die meisten der Tiere, die leider auch der Bolzenschuss nicht tötet – der Akkordarbeiter hat nur Sekunden Zeit, um sein Pensum zu schaffen –, ausreichend Blut verloren, dass zumindest der Großteil vom 60 Grad heißen Wasserbad nichts mehr mitbekommt. Die Großschlachterei kümmert sich darum, dass die Tiere „vernünftig gehalten und aufgezogen werden“. Das kostet so viel Geld, dass es gar nicht mehr leistbar ist, Arbeiter zu Mindestlohn anzustellen. Über fünftausend Schlachter müssen wegen der Bemühungen um das Tierwohl bei Aufzucht und Haltung über Subunternehmer angestellt werden. Da ist es gut, dass es eine Steuer geben soll, die hilft, dass diese Bemühungen nicht einseitig bleiben. Lediglich etwas mehr als 6,5 Milliarden Umsatz verbuchte der Konzern zuletzt. Dieses Jahr wird es noch weniger – so ohne Sub-Mitarbeiter, die nicht in Quarantäne sind.

Das Fertig-Schnitzel kostet derzeit 2,49 Euro. Wenn das Gesetz durch ist, wird es 2,59 Euro kosten, falls sich kein weiterer Subunternehmer in der Produktionskette findet. Das Schwein wird dann etwas besser leben und immerhin liegt die Chance bei 99 Prozent und besser, dass es nicht von einem der der 550.000 Schweine stammt, die deutschlandweit ihren langsamen Tod mangels funktionierender Betäubung bei vollem Bewusstsein miterlebten.

Am Ende meiner Autofahrt hatte ich ein veganes Schnitzel bei meinen Eltern bekommen, das 2,79 Euro gekostet und entfernt an ein echtes erinnert hatte. Damit kann ich leben, das Schwein auch und bei Mark Fosters Song „Flesh mich“ mitzusingen, kann man mal machen, solange niemand leidet.

Dienstag, 17. September 2019

Das vegane Steak

Das vegane Steak
Es ist das Jahr 2013. Ich sitze mit Freunden in einem Landgasthof nahe Fulda. Ich hatte mich entschlossen, ein 600 Gramm schweres Schnitzel zu bestellen und bekomme Angst, als der riesige Teller auf den Tisch gestellt wird. Dass ich es nicht packe, freut einen meiner Begleiter. Er hatte nur ein 400 Gramm schweres Rumpsteak und beäugt bereits seit Minuten meine immer mühsamer werdenden Kaubewegungen. Hätte mir an diesem Abend jemand gesagt, dass ich ein halbes Jahr später vegan leben werde, ich hätte vor Lachen Fleischstückchen geprustet.

Rund sechzig Kilogramm Fleisch isst der Bundesbürger jährlich. Von daher bin ich mir sicher, dass meine Ernährung von damals mindestens einen Menschen in den Veganismus getrieben hat! Und dieser arme Zwangs-Pflanzenköstler wäre dann genötigt gewesen, Fleischersatzprodukte zu essen. „Warum lebst du vegan und legst dann nachgemachte Wurst auf dein Brötchen?“, würde er von seinen Freunden ertragen müssen. „Weil sie schmeckt!“, hätte ich ihm seiner Zeit gerne als Antwort soufflieren wollen, doch das wäre eine Lüge gewesen. Damals gab es für meinen Gaumen nur einzige Geschmacksrichtung: Bluthochdruck. Der Markt kannte nur traurige, überwürzte Surrogate von etwas, das nicht einmal ein verliebter Metzger in die Auslage gelegt hätte. „Vegan wäre mir zu extrem!“, habe ich tatsächlich vor vielen Jahren mal gesagt. Ich frühstücke morgens Brot mit Aufstrichen, Paprikastreifen und Tomaten darauf, mittags Haferflocken mit Nüssen, Samen und Obst und mache mir abends eine Gemüsepfanne mit Bohnen. Ob ich mir 2013 mein Leben als Extremist so vorgestellt hatte? Wahrscheinlich nicht! Ich dachte vielmehr, ein Veganer könne ja fast gar nichts mehr essen. Aber so denkt man halt, wenn man wie ich mit Fleisch zu allen Hauptmahlzeiten und gerne mal zwischendurch einer Salami auf die Hand großgeworden ist – und es hatte mir gemundet. Wenn mir Menschen erzählen, sie würden ja gerne weniger Fleisch essen – denn letztlich ist jedem klar, dass 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr weder für das Klima, noch für die Tiere und am allerwenigsten für die Gesundheit gut sind –, aber es schmecke viel zu gut, dann kann ich das verstehen. Doch es ist nur Gewöhnung. Der Spruch „Du isst nicht, was dir schmeckt, sondern dir schmeckt, was du oft genug gegessen hast!“ greift.  

Heute sieht es anders aus. Beyond Meat, Wiesenhof und seit letzten Monat sogar Aldi und Lidl führen pflanzliche Alternativen, die zumindest meiner vagen Erinnerung daran, wie Fleisch schmeckt, sehr nahe kommen. Doch die Zukunft wird eine andere sein. Das niederländische Startup Mosa Meat hat bereits 2013 den ersten Hamburger aus Stammzellen hergestellt. Drei Jahre später präsentierte das US-Unternehmen Memphis Meats ein Fleischbällchen aus Rinderstammzellen. Das israelische Unternehmen Aleph Farms arbeitet seit Anfang 2017 an einem in vitro produzierten Rindersteak samt Fettzellen, Blutgefäßen, Muskeln und Stützzellen. Potentaten wie Google-Mitbegründer Sergey Brin unterstützen die Projekte. In wenigen Jahren sind die Erzeugnisse marktreif, in Konsistenz, Geschmack und Bratgeruch von gewachsenem Fleisch kaum mehr zu unterschieden, und in zehn bis fünfzehn Jahren wird es nur diesen einen Unterschied mehr geben: Den niedrigeren Preis. Selbst Massentierhalter werden auf lange Sicht nicht konkurrieren können. Wenn Geschmack und Kosten dann keine Argumente mehr sind, wird es schwer, sich noch für „echtes“ Fleisch zu entscheiden. Ich bleibe allerdings bei Gemüse – Gewöhnung, ihr wisst ja!

Bildrechte: The image was originally posted to Flickr by avlxyz It was reviewed on 24 March 2010 by FlickreviewR and was confirmed to be licensed under the terms of the cc-by-sa-2.0.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Schweinereien

Eine Schweinerei, die Animal Equality da aufdeckt hat. Ein spanischer Mastbetrieb hält Schweine in Qual zusammengepfercht. Im Netz ist zu lesen, dass REWE unabhängige Untersuchungen fordert und „El Pozo“ erst einmal aus dem Programm nimmt, und in den Metzgereien hört man die Gespräche der Erschütterten, die aber ohnehin nur ganz selten Fleisch essen, und wenn, dann nur vom Bio-Bauern um die Ecke, wo man ja sehen könne, wie gut es den Tieren geht.

„So, ihre sechs Pfund Schweinekotelett, der Herr! Noch etwas Salami für’s Kind?“

„Gerne! Eine Scheibe Chorizo, bitte, aber nicht aus diesem Mastbetrieb, aus dem man seit Sonntag diese schrecklichen Bilder im Netz sieht.“

16 Euro wandern für das Sonderangebot auf die Kleingeldablage. Normalerweise kauft man ja immer Bio aus artgerechter Haltung, aber es werden Gäste erwartet, und einfach so 40 Euro für ein simples Abendessen zahlen?
Laut foodwatch lag der Bio-Anteil im Jahr 2016 beim Kauf von Rotfleisch bei 1,8 Prozent. Bei einer Bevölkerungsbefragung von PwC aus dem letzten Jahr gaben jedoch 36 % der Befragten an, sie griffen eher zu Bio als zu konventioneller Produktion.
Das ist derselbe Effekt, der eintritt, wenn man Fußgänger befragt, ob sie eher bei grün oder bei rot über die Ampel gehen.

„Nur bei Grün natürlich, der Kinder wegen!“

Lächeln, bis der erwartete Bus in Sicht kommt. Dann rasch bei dunkelrotgrün drüber! Was sind die Folgen, wenn die Kinder folgen? Auf jeden Fall keine, die vor Augen sind. Die Kinder gehen ja hinter einem bei Rot. Und wenn es kracht? Na, da liegt die Schuld ja wohl bei den Eltern, die ihren Sprösslingen das mit dem Bei-Rot-Warten mal hätten besser erklären sollen.
Wenn die Warnmeldung im Radio kommt: „Schweinetransporter aus Mecklenburg-Vorpommern auf dem Weg nach Rheda-Wiedenbrück verunfallt. 90 Tiere tot. 20 km Stau auf der A 45“, liegt die Schuld am Stau - Verzeihung, am Tod der armen Tiere - ja auch beim Gesetzgeber, der Mastbetriebe und Massentransporte zulässt.
In oben genannter Befragung gaben übrigens fünf Prozent an, sie vertrauten Bio nicht. Das teile ich nicht. Was jedoch zu teilen wäre, ist die Erkenntnis, dass auch Bio-Fleisch in Massen zu den gleichen Schlachthäusern transportiert wird und niedrigste Stufen der ökologischen Haltung gewählt werden, solange wir Masse und Preis zum kaufentscheidenden Kriterium wählen. Das wissen auch REWE und EDEKA, die „El Pozo“ im Sortiment haben. Wer tatsächlich Tierschutz im Sinn hat, muss prüfen, mit wem er zusammenarbeitet, und darf nicht anschließend empört tun, während die Zustände mit der eigenen Preispolitik selbst gefördert wurden. Es sind noch immer fast 60 Kilo Fleisch, die wir jährlich pro Person verzehren. Das ist weder mit der Volksgesundheit, noch mit Tierschutz vereinbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, sich auf ein Viertel bis zur Hälfte dieser Menge zugunsten der Gesundheit einzuschränken, die Böll-Stiftung auf die Hälfte zugunsten der Umwelt zu reduzieren. Das ist der einzige Weg, und wir müssen ihn früher oder später ohnehin gehen. Warum nicht gleich damit anfangen?

Tönnies, der eine der weltgrößten Schlachtereien betreibt, verlost übrigens auf seiner Webseite „ein Einlaufkind für das DFB-Länderspiel gegen Spanien am 23. März 2018“. Abgesehen davon, dass Kinder zu verlosen, etwas menschenhändlerisch erscheint, frage ich mich, ob das Kind in Spanien nach dem Einlauf einen Auflauf vom Schwein ohne Auslauf bekommt.
DFB-Koch Holger Stromberg wird schon eine vegetarische Alternative finden.

Samstag, 26. September 2015

Herbst-/Winterjacke ohne Daunen und (Kunst-)Pelz

Für viele von uns stellt sich in diesen Tagen wieder die Frage nach einer neuen Jacke für die kalte Jahreszeit. 

Da auch mir das Wohl der Tiere eine Verpflichtung ist, möchte ich an dieser Stelle eine Bitte an alle Leser der Blogs richten: 

Kauft bitte Jacken ohne Daunen und ohne (Kunst-)Pelz

 
Für die „Ernte“ der Daunen werden Gänse massiv gequält. Siehe Link: http://www.veganblog.de/2015/09/kuschelig-warm-ohne-daunen-und-lebendrupf/ 

 Die Herstellung von Pelz würde ich nur bedingt als tierlieb bezeichnen:   http://pelz.peta.de/#sts=LEIDEN%20F%C3%9CR%20PELZ(Achtung: schlimme Bilder) 


Hier die Empfehlung von http://www.veganblog.de/: 
Der Handel bietet eine große Auswahl an synthetischen und pflanzlichen Alternativen
Produkte, die synthetische Fasern beinhalten, haben häufig bessere Trage- und Pflegeeigenschaften als Daunen. Materialien wie PrimaLoft und Thermore Ecodown, die auf Basis von Polyester hergestellt werden, haben selbst im nassen Zustand sehr gute Isolationseigenschaften und trocknen zudem viel schneller als Daunen, da sie nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Dies hemmt das Wachstum von Bakterien und die Bildung von Schimmel, was sie besonders interessant für Allergiker macht.
Synthesefasern können bei niedrigen Temperaturen gewaschen werden. Das spart Zeit und Energie. Zudem sind sie sehr leicht, windabweisend und strapazierfähig.
Auch Fleecejacken aus recyceltem Polyester sind eine wärmende und sogar nachhaltige Option.

Es gibt jedoch auch Alternativen zu klassischen Synthetikfasern. Lyocellbesteht beispielsweise aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, ist sehr widerstandsfähig und kann Feuchtigkeit gut aufnehmen und auch wieder abgeben. Bekleidung aus Lyocell ist sehr hygienisch, da sie auch bei höheren Temperaturen gewaschen werden kann.
Die Pflanzenfaser Kapok, die vom Kapokbaum stammt, ist eine sehr leichte Faser. Sie kann Luft besonders gut einschließen und hält dadurch extrem warm.

Du solltest gezielt nach Jacken fragen, in denen keine Daunen verarbeitet wurden. Dies erhöht den Druck auf die Hersteller und animiert sie zudem vermehrt vegane Alternativen anzubieten.
Auch das „PETA-Approved Vegan“ Logo hilft dir dabei vegane Winterjacken zu finden, die es unter anderem von Bleed, Derbe, Save the Duck oder Ragweargibt.


Ich zähle auf Euch! 

Gruß, 
Dennis 

Quelle: www.peta.de