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Samstag, 7. Juli 2018

Daily Insta



Heute bin ich in der Frankfurter Rundschau porträtiert. Ein echt schönes Ergebnis eines tollen Interviews!

Mit aller Entschlossenheit weise ich jedoch zurück, Stifte in Landesbesitz verschenkt zu haben 😂

Montag, 7. Mai 2018

Daily Insta


Nächste Woche darf ich mal wieder über mein Öko-Leben berichten. Vielleicht mögt ihr ja vorbeischauen 🤗 #zerowaste #lesswaste #lowwaste #müllfrei #keinmüll #unverpackt #plasticfree #plastikfrei #gogreen #nachhaltig #nachhaltigkeit #nachhaltigleben #sustainable #sustainability #sustainableLifestyle #zerowastelifestyle #eco #selbstversuch #saveourplanet #savetheplanet #ourplanetourhome #waronwaste #motherearth  #goingzerowaste #refuse #reuse #friedberg #wetterau #hessen #weltfairänderer

Montag, 26. März 2018

Samstag, 24. März 2018

Neunundsiebzigster Schritt: Deocreme-Tutorial

Meine Deocreme mache ich inzwischen schon einige Jahre selbst. Zwar gibt es auch gute Cremes zu kaufen, und sie sind - da man nicht viel davon braucht - vergleichsweise verpackungsarm, doch es geht so schnell, wie ich euch in meinem Video gerne zeigen möchte, dass man in dieser Zeit, kaum ein fertiges Deo kaufen könnte.



Montag, 5. März 2018

Achtundsiebzigster Schritt: Zahnsalz mit Bildern bewegen

Vor vier Jahren habe ich begonnen mich mit Alternativen zur plastikverpackten Zahnpasta zu beschäftigen. Erst hatte ich Ajona von Dr. Liebe, die es alleine wegen des Herstellernames schon wert war, genutzt zu werden. Dann experimentierte ich das erste Mal mit selbstgemmachtem Zahnsalz, um auch die Aluminiumtube loszuwerden  - erst ungefiltert, mit dem Ergebnis, im Anschluss auszusehen wie ein Bieber nach dem Morgenmahl, bald indem ich vor Benutzung die Holzstückchen aussiebte, und schon hatte ich ein Zahnpflegemittel, das plastikfrei, stark müllbefreit und vor allem wirkungsvoll ist. Immerhin waren die letzten Jahre ohne Arbeit für meine Zahnärztin und vollen Lobes.

Es wird also Zeit, das als DIY-Tutorial mit euch zu teilen. Here ist comes:



Mittwoch, 31. Januar 2018

Siebenundsiebzigster Schritt: Kola selbst machen

Nun, da der Coca-Cola-Konzern offensichtlich seiner Corporate-Responsibility-Abteilung auf Anraten eines aluminumdosenproduzierenden Geschäftspartners sämtliche Gelder gekürzt hat, steht die Frage im Raum: Was soll man bitteschön denn trinken, wenn man von der Hundertfünfizgmilliliterdose verführerisch angelächelt wird? Was wird das künftige Mittel der Wahl sein, wenn man seine Inselzellen überfordern will? Mit welchem Getränk führe ich künftig Phosphate  zu, um meine Gefäßalterung und -verkalkung voranzutreiben? Die Antwort ist einfach: Jedes andere Getränk als Kola! 
Das Einfachste ist immer noch der Griff zum Leitungswasser. Geschmack bekommt es mit einem Spritzer Zitrone. Wer Kohlensäure möchte, greift zu einem von diesen Wassersprudlern. Oder probiert es mal mit etwas ganz anderem, das beides vereint: Wasserkefir

Dazu braucht es lediglich Japankristalle (auch: Japanische Meeresalgen) als Starter (das Internet ist voll von Anbietern, auch einige Reformhäuser und Bioläden führen sie), den Rest hat man im Haus. Einen Liter Leitungswasser, fünf Esslöffel Rohrzucker, 30 Gramm Trockenobst sowie zwei Scheiben Zitronen dazu, und nach zwei bis drei Tagen habe ich ein fermentiertes Getränk, das - und hier freut sich der Hesse - ein wenig an Rauscher, also an jungen Apfelwein, erinnert. Dazu kommen ein spitziges Zitronenaroma und je nach hinzugegebenem Trockenobst noch andere Aromen. Ich habe bislang Rosinen, Feigen und Datteln getestet. Feigen sind meine Favoriten. Je länger ich die Japankristalle, die eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus Bakterien und Hefezellen sind, arbeiten lasse, desto saurer wird das Getränk und desto mehr Zucker setzen sie in Alkohol um. Das Trockenobst benötigen die Symbionten übrigens zur Stickstoffzufuhr, ohne die die anaerob arbeitende Gemeinschaft nicht überleben könnte. Nach zwei bis drei Tagen sind Zucker und Stickstoff zu Milchsäure umgesetzt, dabei entstehen auch Kohlensäure und, wie geschrieben, Alkohol - ca. ein halbes Prozent sollte es bis dahin sein. Es ist also kein Getränk, das Kinder trinken sollten. Entgegen gängiger Werbebotschaften trifft das allerdings auch auf Kola zu - es sei denn man möchte ein übergewichtiges Kind in Diabetesgefahr und mit geringer Knochendichte.

Das Tolle: Sobald das Getränk abgeseiht ist, braucht man den Wasserkefir lediglich mit klarem Wasser zu spülen, die Zitronenscheiben und die eingeweichten Trockenobststücke entfernen und kann ihn erneut ansetzen. Schon nach wenigen Stunden steigen die ersten Bläschen auf und zeigen, dass ordentlich gefuttert wird. Am besten gibt man den Symbionten einen Namen, damit man sie auch pfleglich behandelt. Ähnlich wie beim Tamagotchi in den 90ern - nur dass man es trinken kann. Carl mit C ist ein guter Name. Kevin geht wohl auch.  Wichtig ist, dass das Behältnis geschlossen ist, aber dennoch Luft entweichen kann. Das soll verhindern, dass fremde Bakterien und Pilze über die Luft eindringen, aber andererseits ermöglichen, dass die entstehende Kohlensäure entweichen kann. Weiter sollten Holzlöffel genutzt werden und auch der Deckel des Behältnisses nicht aus Metall sein, denn Metall kann das Wachstum der Kulturen hemmen oder ganz zum Erliegen bringen. 

Wer das fertige Getränk mit Lebensmittelfarbe schwärzt oder beim Trinken die Augen schließt, kann mit Wasserkefir ein Getränk genießen, das optisch einer Kola in nichts nachsteht, aber nur die Hälfte des Zuckers enthält, dazu von den Mikroben produzierte Vitamine des B-Komplex, C und D. Es schmeckt allerdings in keiner Weise wie Kola, aber das ist Geschmackssache. Vorteilhaft ist, dass man es sich sparen kann, die Kola mit einem Schuss Cognac trinkbar zu machen - nach sechs Tagen hat das stattliche Getränk nämlich möglicherweise schon vier Prozent Alkohol. Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings auch so sauer, dass es sogar ein Schweppes-Gesicht beim Trinken macht -  um zum Abschluss eine andere Marke ins Spiel zu bringen, die von Coca Cola vertrieben wird.


Sonntag, 17. Dezember 2017

Sechsundsiebzigster Schritt: Digitalisierung

Die letzten Wochen habe ich damit verbracht, meine CDs zu digitalisieren. Meine gesamte Musiksammlung ist jetzt im MP3-Format nicht nur auf der Festplatte, sondern auch auf meiner Speicherkarte im Smartphone. Die bereits digitalisierten habe ich über Rebuy verkauft. Via Ebay hätte ich zwar gewiss mehr für sie bekommen, doch ich wollte mir den Stress nicht bereiten, sie einzeln oder als Konvolut zu verkaufen und mich mit dem Verkaufsprozess und den Käufern runzuzackern. 

Wie das Ganze?
Mittels der Verkaufs-App auf dem Smartphone geht das ganz einfach: Barcode einscannen, in den Warenkorb mit dem Datensatz und dann nur noch bestätigen und das Paketlabel ausdrucken (Das ist keine Werbung für Rebuy. Mit Momox geht das genauso.). Im Schnitt gab es einen Euro pro CD. Beim ersten Paket war es noch eine Hürde, eine CD wegzugeben, die ich vor 20 Jahren für 20 Mark gekauft habe, wenn mir die App 15 Cent anbietet. Beim zweiten Paket war es schon etwas einfacher, weil im Hirn angekommen war, dass die Daten ja noch bei mir sind. Beim dritten war es völlig entspannt. Der Gedanke hatte sich verfestigt, dass ich mit meinem Geld die Leistung der Künstler bezahle, während die CD und die Hülle nur ein Transportmittel sind. Mein neues Transportmittel ist das Smartphone, in dem ich nun drei IKEA-Regale mit Musik mit mir herumtrage. Unglaublich! Die restlichen CDs habe ich unserem Kostenlos-Laden gebracht, wo sich meine übrigen CDs holen mag, wer Lust hat. Solche, die ich absolut feiere, habe ich jedoch behalten, wie meine Led-Zeppelin- und meine Elvis-Box. Noch habe ich ja einen CD-Spieler.

                                Bild 1: Jede Menge CDs
                                Bild 2: Endlich leer
                                Bild 3: Jede Menge neue Arbeit
Warum das Ganze? 
Zum einen, weil ich die CDs nur sehr selten genutzt habe. Meistens höre ich ohnehin Musik über das Handy oder das Netbook, die ich per Bluetooth oder Kabel mit meiner Stereoanlage verbunden habe. Bislang war jedoch nur wenig eigene Musik darauf. Meist hörte ich Radio oder hatte Musik gestreamt. Jetzt kann ich meine eigene Musik hören, was dann auch weder Bandbreite, noch so viel Strom verbraucht wie das Streamen.
Zum anderen kann ich den Platz in meiner Wohnung nun sinnvoller einsetzen, als für die Aufbewahrung von CDs, die ich nicht mehr höre. Zum Beispiel, indem ich meine DVDs aus dem Schrank hole und dort reinstelle. Sie möchte ich als nächstes abschaffen und veräußern. Noch ist die Hürde sehr viel größer als anfangs bei den CDs. Sie ist regelrecht riesig, was einigermaßen überraschend ist, denn ich habe weder einen Fernseher, noch einen DVD- oder BlueRay-Player. Offenbar braucht mein Gehirn hier länger. Immerhin ist der DVD-Schrank bereits leer. Das ist ein Anfang.

Sonntag, 5. November 2017

Fünfundsiebzigster Schritt: Tun durch Nichtstun

Glänzende Idee: Netbook statt Desktop-PC
Vor einem knappen Jahr kam ich auf die revolutionäre Idee, nicht nur meine Lampen im Haus durch Energiesparlampen zu ersetzen und bei Nichtbenutzung konsequent deaktivierte Steckerleisten zwischen all meine Elektrogeräte und das Netz zu klemmen, sondern auch auf die aberwitzige meinen Kühlschrank dem geregelten Umsatz meines Energieversorgers zu entziehen. Der Status ist immer noch derselbe wie heute. Auch den heißen Sommer mit dachgeschossmäßigen 30° Celsius in meiner bescheidenen Kemenate habe ich frei elektrischer Kühlung ohne Lebensmittel- und persönliche Schäden überstanden. Nachdem ich nun auch noch konsequent mein Netbook anstelle meines Desktop-PCs nutze, das bis zu zweidrittel weniger Strom verbraucht, bin ich im Oktober auf ein Rekordtief gesunken: 23 Kilowattstunden - das sind weniger als sieben Euro, die ich für elektrische Energie im Monat aufwende. Viel mehr kann ich nicht mehr tun, um meinen CO2-Verbrauch durch elektrische Geräte aktiv zu senken - jetzt ist die Zeit fürs Nichttun gekommen und es andere tun zu lassen.

Nicht so glänzende Idee:
CD-Stapel auf Ladeluke
Gut 33 Millionen Tonnen CO2 werden durch Datenverkehr allein in Deutschland freigesetzt. Umso wichtiger, auf Anbieter zu setzen, die möglichst emissionsfreien Strom nutzen. 
Als erstes habe ich geprüft, wie es mein Email-Anbieter mit der Energie hält. GMX ist eine Tochter von 1&1, und die in Montabaur ansässige Firma nutzt vollständig Ökostrom aus Wasserkraft. Eine vermutlich noch bessere Alternative ist Posteo, die von der Stiftung Warentest mit Bestnote getestet wurde. 1&1 ist im Mittelfeld gelandet - im Test ging es allerdings primär um die Funktionalität und nicht um die Nachhaltigkeit.
Meine Homepages werden auch von 1&1 gehostet, insofern bin ich da bereits auf der richtigen Seite, wobei ich bei meiner Recherche auch auf Alternativen wie Greensta und andere gestoßen bin, die ich an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.
Als nächstes habe ich meine Suchmaschine auf Ecosia umgestellt. Ecosia investiert 80% der Werbeeinnahmen in Aufforstungsprojekte. Meine Suchanfragen werden also in Bäume umgewandelt, die wiederum CO2 speichern. Die Ergebnisse der Suchanfragen stehen denen von Google meiner Erfahrung nach in nichts nach. 
Im nächsten Schritt gehe ich das Thema Onlinebanking für mich an. Auch da gibt es Anbieter, wie die GLS oder die Ethikbank, die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben und keine Unternehmen finanziell unterstützen, die einer lebenswerten Zukunft abträglich sind.
Zum Abschluss noch ein Hinweis: Wer seinen nun nicht mehr benötigten PC zu verkaufen plant, sollte keinen Stapel CDs auf die offene Ladeluke fallen lassen. Es wirkt sich merklich auf den Verkaufspreis aus!

Montag, 23. Oktober 2017

Vierundsiebzigster Schritt: Die Waschkraft der Natur nutzen

Rosskastanien für ca. ein Jahr Single-Haushaltswäsche
Es ist Herbst. Die Blätter verfärben sich und alles um sie herum in bunte Töne: Herbstfarben - ein Begriff der gerne auch von der Bekleidungsindustrie aufgenommen wird und damit eine tolle Überleitung zu meinem Thema ist. Mein täglicher Weg zum Bahnhof führt mich an einem Kastanienbaum vorbei, genau genommen an einer unechten, nämlich einer Rosskastanie. Sie ist mit den Esskastanien nicht verwandt. Das stellt allerdings auch kein Problem dar, denn Essen steht nicht auf dem Programm, sondern eher Essensreste aus Kleidungsstücken zu bekommen - gerne auch aus solchen in Herbstfarben.

Gevierteilte Kastanien
Nachdem ich also eine Woche lang täglich an den von der Baumbesitzerin freundlicherweise am Straßenrand zu kleinen Haufen angesammelten Rosskastanien vorbeigeschlendert war und mich entsann, wie ich als Kind allerlei Figuren mittels hölzerner Zahnstochern gebastelt hatte, erinnerte ich mich glücklicherweise auch daran, dass die Rosskastanie zu den Seifenbaumgewächsen gehört, einer Pflanzengattung, die über Saponine verfügt, die eine seifenähnliche Wirkung haben. Ganz ähnlich also wie bei den Waschnüssen, die in Indien Verwendung finden und gerade von der ärmeren Bevölkerung genutzt werden, um Wäsche zu waschen. Leider führt der hiesige Wunsch, ökologischer zu waschen, zu einem stärkeren Export der Nüsse und zu einer Verteuerung für indische Endabnehmer, die dann chemische Waschmittel einsetzen. In Anbetracht der oftmals fehlenden Kläranlagen ist diese Entwicklung in Indien vermutlich deutlich verheerender, als wenn wir in Deutschland weiterhin mit Chemie waschen würden. Von daher ist die heimische Rosskastanie sicherlich auch global betrachtet die cleverere Alternative.

Geschrotete Rosskastanien zum Trocknen
Ich habe jedenfalls zwei Papiertüten davon gesammelt. Zuhause angekommen habe ich zahlreiche davon mit einem Messer zerkleinert und dann im Mixer geschrotet. Auf dem Backblech habe ich sie eine Woche unter täglichem Wenden an der Luft getrocknet. Nunmehr warten sie in einem Schraubglas auf die nächste Waschmittelproduktion, die wie folgt aussah: Natürlich wollte ich wissen, welches der zahlreichen im Internet zu findenden Rezepte, das bessere Ergebnis bringt. Für das eine Experiment habe ich fünf Kastanien geviertelt und über Nacht in 300 ml Wasser eingeweicht - für das zweite drei Esslössel der geschroteten Kastanien in derselben mensche Wasser. Beide Flüssigkeiten wurden milchig, das Wasser der geschroteten deutlich schneller und intensiver. Als ich beide Behältnisse nach Ende der Einweichzeit schüttelte,
bildete sich sofort Schaum auf der Oberfläche, der an Seifenschaum erinnerte. Bei Experiment zwei bildete sich ca. die doppelte Menge an Schaum. Am Morgen hatte ich die festen Bestandteile dann abgeseiht bzw. durch ein Nusssieb abgetrennt.

Links hinten eingeweichte Kastanien
Rechts vorne fertiges Waschmittel
Tags darauf habe ich beide Flüssigwaschmittel mit zwei Wäscheladungen bei 40 Grad Celsius getestet. Im Ergebnis konnte ich mit dem Auge keinen Unterschied in der Sauberkeit feststellen - sauber waren beide Wäschen. Ich bin sehr zufrieden. Die Wäsche ist weich, optisch sauber und geruchsneutral. Auch nach dem Tragen der so gewaschenen Kleidungsstücke, kann ich nicht sagen, dass ich einen Unterschied zu der herkömmlich gewaschenen Kleidung feststellen kann. Schwere Verschmutzungen werden vermutlich nicht beseitigt, wie in den verschiedenen Test auf anderen Blogs zu lesen ist. Für die einfache Wäsche werde ich es jedenfalls beibehalten. Für die nächste Wäsche habe ich die genutzten Kastanien ein zweites mal eingeweicht, das abgeseihte Wasser jedoch zehn Minuten auf 70 Grad Celsius erhitzt und in eine abgekochte Flasche abgefüllt. So kann sich kein Schimmel bilden, und mein Flüssigwaschmittel wartet geduldig auf die nächste Wäscheladung.

Natürlich darf das Vorher-Nachher-Bild, das jeden ökologischen Hausmann davon überzeugt, künftig kein Waschmittel mehr zu kaufen, nicht fehlen. Ergänzen möchte ich noch, dass die grauen Stellen keine ergrauten, vormals weißen Stellen sind, sondern ein Schatten, der sich heimlich dazwischen geschlichen hat, als ich den Auslöser betätigte. Vermutlich ist es der Schatten Saurons - oder wie hieß nochmal dieser Waschmittelhersteller, den das Ergebnis verärgern könnte :)

Socken, weiß - Links nach, rechts vor der Wäsche

Mittwoch, 20. September 2017

Dreiundsiebzigster Schritt: Fortbewegungs- statt Stillstandsmittel

Weil mein Auto (links) genutzt wird,
muss rechts keins gekauft werden!
Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) wird in einem Artikel der Zeit zitiert, dass ein Auto im Schnitt 23 Stunden am Tag nur ungenutzt herumstehe. Schaue ich mir die Standzeiten meines Fahrzeugs an, glaube ich, dass ich den einen oder anderen Vielfahrer ausgleiche. Es steht oft tagelang ungenutzt auf meinem Parkplatz. Oder besser: Es stand ungenutzt. Dazu weiter unten mehr. Nun hole ich erst einmal etwas aus. Bereits letztes Jahr rechnete ich mir aus, was es kosten würde, die Wegstrecken, die ich mit dem Auto zurücklegen muss, beispielsweise weil ich Veranstaltungsequipment mit mir führe oder an Orten auftrete, die mit den Öffentlichen nicht oder in nicht vertretbarer Zeit erreichbar sind, per Carsharing abzudecken, und ich kam zum Schluss, dass tatsächlich die gleichen Kosten aufkämen. Dazu müsste ich jedoch die permanente Verfügbarkeit eines ungebundenen Fortbewegungsmittels aufgeben. Wobei, bei 23 Stunden Unbeweglichkeit im Mittel sollte ich es lieber Stillstandsmittel nennen. Jedenfalls verwarf ich den Gedanken daraufhin. Als nächstes machte ich mir Gedanken, wie ich mein Stillstandsmittel wieder zu einem Fortbewegungsmittel machen könnte. Das einfachste wäre, ich suche mir Menschen ohne Auto und teile meins mit ihnen. Das ist natürlich Vertrauenssache, weshalb ich in meinem Freundeskreis suchte. Inzwischen sind wir fünf Menschen. Wer auch immer es braucht, schreibt eine Gruppennachricht in der Messenger-App, die wir nutzen. Wer zuerst schreibt, fährt zuerst! Meinen Schlüssel habe ich zentral für alle zugänglich gelagert (unter einem Stein im Park). Dass wir befreundet sind, erleichtert die Abrechnung. Ich mag keinen Bürokratiequatsch! Fahrtenbücher mit akribischen Kilometerabrechnungen, Rechnungsstellung oder gar Abbuchungen am Monatsende? Nein, es soll doch das Leben erleichtern, aber vor allem mein Auto zu einem nützlicheren Gebrauchsgegenstand machen. Ich tanke weiterhin, zahle Steuer und Versicherung und kümmere mich um die Inspektionen und Reparaturen. All diese Kosten habe ich auf den Kilometer umgelegt, und welcher meiner ausgewählten Freunde auch immer mit dem Auto fährt, wirft das Kilometergeld in den ungenutzten Aschenbecher, der damit umgangssprachlich sogar wieder zu einem Aschenbecher wird. Meine Freundin hat ihr Auto im Februar verkauft, und die anderen drei müssen sich weder eines kaufen, noch eines für teures Geld mieten. Gute Idee für Geldbeutel und Umwelt!

Eines dieser Fahrten, die ohne Auto nicht zu machen sind, ist beispielsweise die zu meinem letzten Workshop, den ich in Bad Nauheim abhalten durfte. Ich hatte das Auto voll mit Salz, Natron, Zitronensäure, Essig, Kokosöl sowie Mörser, Mixer und weiterem Werkzeug zur Zubereitung günstiger und plastikmüllbefreiter Haushalts- und Hygienemittel. Das hätte ich mit Bus oder Bahn nicht schleppen wollen. Über 30 Gäste waren in den Weltladen gekommen und rührten mit mir zusammen Peelings, Spülmittel, Zahnsalz und Deocreme an, während ich mich über Müllreduktion und „Degrowth“ auslies. Das war ein toller Nachmittag – parallel war das Elvis-Festival. Auch Tolle! 
Für alle, die nicht dabei sein konnten: Am 1. Oktober, 16:00 Uhr, bin ich auf Einladung der Brauch-Bar im Gemeindehaus der evangelischen Gemeinde in Büdingen (Vorstadt 9, 63654 Büdingen)und am 12. Oktober, 20:00 Uhr, auf Einladung der Landfrauen Bruchenbrücken im dortigen evangelischen Gemeindehaus (Am Pfarrgarten 1, 61169 Friedberg). Ich freue mich, euch dort zu sehen.
Ach ja, der Weltladen in Bad Nauheim unterstützt übrigens auch Carsharing. Was für ein Zufall!

Mittwoch, 2. August 2017

Zweiundsiebzigster Schritt: Weichen für den Erdüberlastungstag 2018 stellen und Warmwasser sparen

Von NASA / Bill Anders - Gemeinfrei
Heute ist der 2. August, der Tag, an dem wir nach Berechnungen der Global Footprint Network die uns für dieses Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht haben. Es ist der frühste „Earth Overshoot Day“ seitdem es im Jahr 1971 erstmals zur Welterschöpfung kam. Rechnerisch 1,7 Erden bräuchten wir, wenn wir nicht weiter Ressourcen zu Lasten unserer Nachfahren verbrauchen wollten – dabei sind wir mit unserer industrialisierten Lebensweise Hauptverursacher. 3,2 Planeten bräuchte es, wenn alle so mit ihren Ressourcen umgingen wie wir in Deutschland. Der deutsche Erdüberlastungstag fiel dieses Jahr daher auch auf den 24. April. Natürlich habe ich bei fussabdruck.de auch meinen persönlichen „Erdbedarf“ errechnet. Das Global Footprint Network lässt zirka 15.000 Datenpunkte einfließen, bei fußabdruck.de sind es nur 13, aber als Richtwert ist es eine gute Wahl. Die Grundeinheit ist hier wie dort der globale Hektar (gha), also die Landfläche, die jedem Erdenbürger theoretisch zur Verfügung stünde, konkret: nutzbare Landfläche der Erde (11,3 Mrd Hektar) geteilt durch die  Weltbevölkerung (7,5 Mrd) ist gleich ca. 1,5 gha pro Kopf. Laut Fußabdrucktest  habe ich es geschafft, mich seit Dezember 2013 von 6,5 gha (4,3 Erden) auf 3,4 gha (2,3 Erden) zu verringern, indem ich deutlich weniger Müll produziere, mich vegan ernähre, das Auto merklich seltener nutze und meinen Konsum stark reduziert habe. Dennoch überrascht mich das Ergebnis. Ich hätte einen deutlich niedrigeren Wert erwartet. Verantwortlich sind primär mein täglicher Weg zur Arbeit von 35 Kilometern einfacher Strecke, meine Wohnung, die ich alleine bewohne, und das Auto, dass ich besitze (dass ich es mit meiner Freundin teile, interessiert den Test leider nicht). Arbeitete ich am Wohnort und halbierte meine Wohnfläche, käme ich auf 2,6 gha (1,7) Planeten. Ein weiterer für das Ergebnis ausschlaggebender Faktor ist der Zuschlag von 0,8 gha für meinen Anteil an der Infrastruktur in Deutschland. Lebte ich auf einer unbebauten und unbewohnten Insel, bräuchte ich nur noch 1,8 gha (1,2 Erden). Auf der Insel bräuchte ich kein Auto mehr, und schon wäre ich bei einem gha, der unter 1,5 läge – also dort, wo die Bewohner von Bangladesch heute schon sind. Was ist daraus zu schließen? Neben dem Möglichen, was der Einzelne verändern kann, ist es wichtig, die politischen Weichen zu stellen, sodass unsere Infrastruktur möglichst umweltgerecht wird. Dann müssten wir keine bis dato unbewohnten Inseln besiedeln. Besonders hoch ist die Belastung in Deutschland bei CO2-Emissionen, die 64 Prozent des Fußabdrucks ausmachen, und im Bereich Ackerland, die mit 20 Prozent zu Buche schlagen. Im Jahr 2016 haben wir 9,6 Tonnen Millionen Tonnen CO2 pro Bundesbürger ausgestoßen; die weltweite Pro-Kopf-Emission liegt mit 4,9 Tonnen in etwa bei der Hälfte. Einerseits brauchen wir mehr Waldflächen, um unser produziertes CO2 zu binden, andererseits einen geplanten Ausstieg aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, was natürlich nur funktionieren kann, wenn wir selbst unsere Energieverbräuche stark reduzieren. Landwirtschaftlich nutzten wir im Jahr 2016 16,7 Millionen Hektar, benötigten aber weitere 5,5 Millionen Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche im Ausland, um – im Kern – Soja als Tierfutter für die Fleisch- und Milchproduktion anbauen zu lassen. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass bereits 70 % unserer inländischen Agrarfläche für Tierfutter genutzt wird. Auch hier braucht es ein Umdenken: eine Abkehr vom alltäglichen Fleischkonsum und eine Rückkehr zur „Sonntagsbraten-Mentalität“. Die Weichen dafür lassen sich am 24. September bei der Bundestagswahl stellen – ein Blick in die Wahlprogramme reicht, um die richtige Entscheidung zu treffen.

turydddu@Flickr, retouched by JovanCormac - [2], CCBY2.0
Bis dahin versuche ich als nächsten Schritt meinen Warmwasserverbrauch zu senken. Wassermangel herrscht in Deutschland zum Glück nicht, und wir sind bereits vergleichsweise sparsam – wer dort, wo er herrscht, helfen will, erreicht mit dem Verzicht auf Baumwollkleidung und Rindfleisch deutlich mehr. Andererseits kann ich so schon mal etwas üben, Wasser zu sparen, wenn ich erstmal in meinem Mikrohaus mit Brunnen und begrenztem Trinkwasserreservoir lebe. Im Kern geht es mir um die Einsparung warmen Wassers. Wasser, das ich nicht erhitze, verbraucht keine Energie und verursacht keine CO2-Emissionen. Zunächst gehe ich meinen Verbrauch beim Duschen an. Ein herkömmlicher Duschkopf hat einen Durchsatz von  ca. 15 Litern Wasser, ein Sparduschkopf von 7-8. Im Schnitt gehen 20-40 Liter pro Tag für den Duschvorgang in den Abfluss, was einem Drittel des Gesamtverbrauchs entspricht. Meinen eigenen Verbrauch kann ich zwar mangels eigenem Zähler nicht feststellen, aber das ändert ja nichts am Ergebnis. Ich fange damit an, dass ich die „Navy-Dusche“ einführe: Körper nass machen, Wasser abstellen, einseifen und anschließend nur rasch den Schaum wegspülen. Mein Ziel ist eine Duschzeit unter einer Minute. Das Gleiche setze ich bei der Handwäsche um. Das reduziert meinen Warmwasserverbrauch um bis zu 75 %, wodurch ich auch meinen CO2-Fußabdruck reduziere, da ich auch 75 % weniger Wasser heiß machen muss. Vielleicht muss ich am Ende gar nicht auf eine Insel umziehen. Obwohl’s ja schon ganz schön wäre.

Samstag, 1. Juli 2017

Einundsiebzigster Schritt: Reüssieren und Weitergehen

Reüssieren ist ein tolles Wort. Ich habe es schon einmal gehört, aber noch nie zuvor benutzt. Möchte ich aber. Es heißt "Erfolg haben", wie ich gerade recherchiert habe, weshalb ein Thema herbei muss, bei dem ich gerade Erfolg habe. Warum nicht das Thema "Angewandter Minimalismus im Rahmen der persönlichen Verantwortung zur Reduzierung des weltweiten Kohlendioxidausstoßes" wählen? Energiesparen mit anderen Worten!

Wurzelgemüse-Humidor
Seit über einem halben Jahr lebe ich nun ohne Kühlschrank. Über die Wintermonate hinweg war das kein Problem, doch ich fürchtete um das Durchhalten während der Sommermonate, insbesondere da ich in einer Dachgeschosswohnung lebe. Aus diesem Grund habe ich mir einen Offline-Kühlschrank gebaut, der mir die Kühlung mittels Verdunstungswärme verschaffen sollte. Die ersten Tests meines kühlenden Tontopfes ergaben eine um zwei Grad Celsius niedrigere Temperatur innen als außen. Ich hatte die Hoffnung, das würde sich verstärken, wenn die Außentemperatur erst anstiege und mit ihr die Verdunstung. Die Außentemperatur stieg, mit ihr die in der Wohnung und leider auch die in meiner vermeintlichen Kühlvorrichtung. In Spitzenzeiten hatte ich 36 Grad in meiner Wohnung und der Beat ging leider nicht weiter (2Raumwohnung ist eben nicht Dachgeschosswohnung). Ist alle Mühe umsonst? Nein, denn ich durfte feststellen, dass sich Wurzelgemüse - Pastinaken, Petersilienwurzeln, Rote Beete, Mohrrüben etc - ganz hervorragend darin halten. Mangels Kühlung hatte ich sie bislang im Obstkorb gelagert und musste täglich zusehen, wie sie schrumpften. In meinem Offline-Kühlschrank Wurzelgemüse-Humidor halten sie teils gut zwei Wochen. Allerdings fangen sie dann an, wieder Blattgrün zu entwickeln. Living Food eben!

Es gibt Eingemachtes!
Ist mir in der Zwischenzeit etwas verdorben? Ja, dreimal. Allerdings unabhängig vom fehlenden Kühlschrank, wie ich denke. Einmal eine Zitrone, die ich jedoch ohnehin nie im Kühler gelagert hatte, einmal eine Mahlzeit vom Vortag, die ich leider in meinem ausgeschalteten Gerät, das die Kinder liebevoll "Wärmeschrank" nennen, vergessen hatte, und einmal eine vegane Käsesoße, von der ich viel zu viel bereitet hatte. Ich hatte sie in zwei großen Gläsern eingekocht und war offenbar nicht ausreichend auf Keimfreiheit bedacht, so dass eins davon verdarb. Davon abgesehen klappt das Einkochen sehr gut und erspart mir tatsächlich vieles an Kühlgut. Ich mache inzwischen alle Brotaufstriche selbst und koche sie ein. Sie sind wochen-, wahrscheinlich sogar monatelang konserviert. Selbst wenn sie geöffnet sind, halten sie tagelang, ohne dass sie schlecht werden. Wichtig ist nur, immer mit einem sauberen Löffel, den man auch für nichts anderes während des Essens nutzt, in das Glas zu gehen. Weiter ist es ratsam, nicht mehr Gläser zu öffnen, als man binnen vier Tagen aufbraucht. Meine Erfahrung, die ich aber zu Kühlschrankzeiten schon gemacht hatte, ist, dass sich Schimmel schneller zu bilden beginnt, wenn man mal zwei Tage nichts davon isst. Ich vermute, dass man durch das tägliche Entnehmen Schimmelsporen verzehrt, bevor sie zu gefährlichem Schimmelbefall werden können. Die Antwort auf die noch nicht gestellte Frage vorweggenommen: Nein, ich war nicht krank, seit ich ohne Kühlschrank lebe.

Panafrikanische Gemüsefarbmischung
Selbst angeschnittenes Gemüse bedarf keiner Kühlung und wird nicht schlecht, wenn ich es binnen zwei oder drei Tagen verzehre. Ich esse jeden Morgen etwas Rohkost auf meinen Frühstücksbroten: Gurke, Tomate, Paprika, was eben gerade da ist. Verständlicherweise verzehre ich keine komplette Gurke oder Paprika und selten auch keine ganze Tomate auf einmal. Anfangs hatte ich sie in einem großen Schraub- oder Bügelverschlussglas aufbewahrt, um sie vor Sporen und Austrocknung zu schützen. Mittlerweile lagern sie auf einem Teller im "Wärmeschrank". Ich lege sie mit der Schnittstelle darauf, so dass sie quasi nahezu wieder versiegelt sind. Im Ergebnis werden sie weder schlecht, noch schimmeln sie, noch werden sie matschig. Auch Essen vom Vortag stelle ich, lediglich mit einem Teller zugedeckt hinein. Selbst bei warmer Wohnung gab es - abgesehen von dem o. g. Fall - nichts, das schlecht geworden wäre. 
Fazit: Wer etwas reduziert lebt, kommt ohne Kühlschrank aus, was jedoch nicht bedeutet, ich äße spartanisch. Ich esse täglich jede Menge Obst und Gemüse, frischen Salat und Sprossen (damit meine ich nicht die erwähnten Schimmelsporen), habe selbst gebackenes Brot und viel Freude beim Essen. 
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass der Bekannte, der mich dazu inspiriert hat, Milchprodukte und Käse isst, aber dennoch seit inzwischen drei Jahren ohne Kühlschrank lebt. Die schnell verderblichen Milchwaren kauft er unmittelbar von dem Verzehr erst ein. Insofern kühlt für ihn der Supermarkt, dessen Kühlkosten er ohnehin schon mit dem Kaufpreis der Waren bezahlt. Machten das alle, wäre der Supermarkt so etwas wie ein soziales Mehrgenerationen-Kühlprojekt, und wir sparten Millionen von Kilowattstunden an Energie sowie tonnenweise Kohlendioxid.

Wie geht es weiter? Im Schnitt verbrauchte ich in diesem Jahr bislang 38 kwh an Energie monatlich - der Juni war mein Highlight mit nur 26 kw/h. Da ist aber noch Potential! Energiesparlampen sind bereits überall eingesetzt, viele Elektrogeräte, wie das WLAN-Radio im Badezimmer oder der Fernseher im Wohnzimmer sind abgeschafft, sämtliche verbliebenen Elektrogeräte sind an ausschaltbaren Steckerleisten angeschlossen, die bei Nichtbenutzung konsequent ausgeschaltet sind, was auch für den WLAN-Router gilt, und nun möchte ich mich dem Computer zuwenden, der wohl der Stromfresser Nr. 1 ist. Den Drucker habe ich bereits nur noch angeschaltet, wenn ich tatsächlich drucken möchte, und ab heute werde ich einen Monat lang nur mit dem Netbook arbeiten, das schließlich auf wenig Verbrauch getrimmt ist, und den Desktop-PC mit Monitor auslassen. Ich bin gespannt, wie sie das auswirkt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Siebzigster Schritt: Reuse, Farm & Eat

Um es vorweg zu nehmen: Nein, ich bin nicht unter die Fischer gegangen. Es handelt sich nicht um die Reuse zum Fischfang, sondern um das englische Reuse, also Wiederverwenden. Es geht jedoch um Essen (Fische sind kein Essen - Fische sind Freunde) und zwar um Gartengemüse. 

Gut zwei Meter hoch :)
Vor vier Wochen hatte ich mir mein Gartengrundequipment zusammengeschnorrt, das ich brauchte, um ein Gewächshaus für meine selbst gezogenen Tomaten zu bauen und um sie an Spiralen hochwachsen zu lassen. Kaum dass sie groß genug waren, stellte sich die Frage, wo ich sie eintopfen sollte. Die Devise blieb nämlich die gleiche: Davon ausgehend, dass es unzählige Menschen geben muss, die allerlei Dinge ungenutzt bei sich rumliegen haben, muss es auch unzählige Menschen geben, die große Töpfe für meine Tomaten übrig haben. Dachte ich! Diese Menschen leben jedoch offensichtlich nicht in der Wetterau. Also musste ich etwas länger darüber nachdenken und kam dann auf die Idee, statt Töpfe zu kaufen, die es en masse aus Kunststoff gibt und deutlich teurer aus Ton, schaue ich mich einmal um, wo es passende Gefäße noch geben mag. Beim Bäcker um die Ecke wurde ich dann fündig, als ich am Tag der Abholung der gelben Säcke an seiner Backstube vorbei ging. 10-Liter-Eimer, in denen vormals alle möglichen Konfitüren und Obstpürees enthalten waren. Also habe ich gefragt, ob ich sie mitnehmen kann. Aus lauter Dankbarkeit bekam ich gleich acht Stück, die noch nicht in einem gelben Sack waren. 

Gartenecke I
Was für eine Riesenmenge Müll! Es wurde mir erst an diesem Tag so richtig bewusst, was in Bäckereien, Metzgereien, Restaurantküchen und ähnlichen lebensmittelverarbeitenden Handwerken für ein immenser Müll anfallen muss. Auf die Portion heruntergerechnet aufgrund der Großgebinde zwar immer noch deutlich weniger als in einem Ein-Personen-Durchschnittshaushalt, vermute ich, aber was macht der Zero-Waste-Bemühte, wenn er auswärts essen muss? Das Brötchen ohne Tüte zu nehmen und den Kaffee im eigenen Becher, ist zwar wichtig und richtig, aber von sich zu behaupten, keinen Müll produziert zu haben, offensichtlich ein Selbstbetrug. Immerhin weniger als jene, die die Tüte angenommen und den Plastik-Papp-Becher genutzt haben, aber es ist eben auch nicht müllfrei, wenn indirekt welcher anfällt. Vielleicht sollten wir das nicht zu ernst nehmen. Zuhause Zero-Waste umzusetzen ist mit das Beste, was man für die Umwelt tun kann. Das schmälert auch, dann und wann auswärts zu essen, nicht.

Gartenecke II
Meine restlichen Töpfe und Blumenkästen habe ich gänzlich aus Free-Your-Stuff-Gruppen, vom Sperrmüll oder von Freunden geschenkt bekommen, die sie im Keller oder in der Gartenhütte ungenutzt herumstehen hatten. Auch habe ich Pflanzen, Ableger und Samen nahezu ausschließlich von Freunden bekommen. Sogar die Pflanzenerde habe ich in zahlreichen Eimern abgefüllt die drei Stockwerke bis zu meiner Terrasse hochgeschleppt. Im Ergebnis habe ich jetzt nicht nur Tomaten, auch Pflücksalat, Zuckererbsen, weiße Bohnen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, Paprika, Minze, Melisse, Schnittlauch, Rote Beete, gelbe und grüne Zucchini, Kohlrabi und Salbei in zahlreichen Töpfen und Kästen auf meiner Dachterrasse, ohne irgendeinen Müll produziert oder Dinge unnötig gekauft zu haben. Darüber bin ich sehr glücklich. So sehr, dass ich einige Töpfe ganz altruistisch mit einer Blumenmischung besäht habe und Bienen in einem Insektenhotel freie Kost und Logis anbiete. 

Auch wenn mein Gemüsehändler samstags etwas traurig schaut, wenn ich bei ihm einkaufe, es ist traumhaft, einfach auf die Terrasse gehen zu können, sich zwei Handvoll Zuckerschoten zu ernten und ein Abendessen zu haben. Frischer, leckerer, ökologischer und zero-wastiger geht es nicht.

Immerhin die Pilze habe ich gekauft - verpackungsfrei versteht sich

Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Dienstag, 28. März 2017

Achtundsechzigster Schritt: Am #ExperimentGelberSack2017 teilnehmen

Mein häusliches Mülldepot für 30 Tage
Samstag beginnt meine Teilnahme an "Das Experiment Gelber Sack". Vom ersten April an werde ich 30 Tage lang jeden Plastikmüll zu vermeiden versuchen. Ich bin gespannt, wie weit ich komme. Gefühlt habe ich bereits jetzt so gut wie keinen Plastikmüll. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich viel mehr einschleicht, als ich vermute. Zusätzlich werde ich auch auf Einwegglas verzichten und meinen Papier-, Kompost- und Restmüll so weit wie möglich zu reduzieren versuchen. Meinen Müll werde ich anschaulich an der auf dem Bild sichtbaren Stelle sammeln. Bitte seht es mir nach, dass ich meinen Kompostmüll nicht an dieser Stelle sammeln werde. Es steht zu befürchten, dass sich dann nämlich deutlich mehr dort sammeln wird, als ich deponiert haben werde, und das meiste davon wird Augen und Extremitäten haben.

Falls jemand mitmachen möchte und sich 30 Tage lang am Plastikfasten beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, das zu tun. Ihr könnt gerne eure eigenen Erfahrungen hier im Kommentarfeld hinterlassen: Täglich, wöchentlich, sporadisch, ganz wie ihr wollt. Ich werde jeden Tag Updates im Blog und parallel auf Facebook veröffentlichen.  Ich freue mich auf das gemeinsame Fasten!

Weiteres zum Thema findet sich in meiner Kolumne bei der Wetterauer Zeitung: Arnold hält nach

Dienstag, 14. März 2017

Siebenundsechzigster Schritt: in den #Ensave - Hessenkader streben

Lizensierte Ensave-Stoppuhr
Was für eine krasse Entwicklung. Seit November betreibe ich einen neuen Sport. Er heißt "Energy Saving". Früher hieß er mal Stromsparen, aber da machte keiner mit. Das klang so altbacken, zu sehr nach Öko-Freak. Mittlerweile bin ich auf Hessen-Niveau. Ich rechne jederzeit damit, dass sich der Hessenkader bei mir meldet und mich aufnimmt.
Wie auch beim Hundermeterlauf ist es auch beim "Energy Saving" - wir Sportler kürzen es mit Ensave ab - so, dass wir eine Strecke haben und möglichst geringe Werte haben wollen. Unsere 100-Meter-Strecke ist ein Monat, unsere Stopp-Uhr der Stromzähler, und unsere Zeit die Anzahl verbrauchter Kilowattstunden. Der Dezember war meine erste Strecke, Januar die zweite und Februar die dritte. 73 Kilowattstunden waren es beim ersten Run, 48 bei zweiten und 33 beim dritten. In Euro umgerechnet bedeutet das, dass ich im Februar mit 9,60 Euro die magische Grenze - wir Ensaver nennen sie Magic Border (TM) - von 10,00 Euro unterschritten habe. Das ist eine Leistung auf Hessenniveau. Ich bin sehr glücklich darüber und warte jeden Moment auf den Anruf des hessischen Landestrainers. Der Februar ist zwar der sogenannte Cheat Month, da er ja zwei Tage weniger hat, aber vielleicht klappt es doch. Ich bin so aufgeregt. Mehr dazu in meiner Kolumne bei der Wetterauer Zeitung: Arnold hält nach.

Übrigens hat mich die Frankfurter Neue Presse letzte Woche einen Tag lang beim Einkaufen begleitet, im Bioladen Regenbogen in Friedberg/West, beim Teehaus Löw und natürlich auf dem Friedberger Wochenmarkt. Dabei sind sehr viele schöne Fotos entstanden.
Hier könnt ihr euch die Fotostrecke anschauen.

Außenkühlschrank
Nun aber zurück zum Hessenkader der Ensave-Liga! Damit ich auch weiter im Kreise der Anwärter auf einen Stammplatz bleibe, muss sich freilich etwas tun, nun da der Frühling vor der Tür steht und wir bereits die 15-Grad-Marke ein paar Mal überschritten haben. Noch funktioniert mein Außenkühlschrank ganz prima, da wir nachts noch immer Temperaturen um Null Grad herum haben. Die Kühle hält meine Box auch bis über Mittag hinaus bei angemessener Temperatur, so dass es noch unproblematisch ist, den Kühlschrank in der Küche weiter ausgeschaltet zu lassen. Im Sommer sehe ich jedoch schwarz. Also müssen andere Lösungen her.
Im Mittelmeerraum werden Tongefäße genutzt, die wie  riesige Sektkühler funktionieren. Verdunstungswärme sei dank! So einen habe ich mir gebaut. Die Anleitung findet ihr unten. Allerdings empfehle ich, mit dem Nachbau zu warten, ob das auch funktioniert, wenn es wirklich warm ist. Meine Dachgeschosswohnung ist bestens geeignet, die Extreme zu testen ;-)
Mein kühles Bier werde ich im Sommer auf der Dachterrasse lagern. Ganz klassisch in einem großen Fass mit kaltem Wasser versenkt. Hach, wird das herrlich. Wie damals vor zwanzig Jahren bei Lagerfeuer am See. Nur, dass ich dieses Mal weder Stechmücken haben werde, noch die Abwesenheit einer Toilette beim juvenilen Bierkonsum erdulden muss.


Bauanleitung zur Fertigung eines stromlosen Kühlschranks

Zwei Tontöpfe, einer davon mit Untersetzer als Deckel, und einen Sack Sand. Leider in Plastik, weil ich mich nicht beherrschen konnte und zu ungeduldig war, um zum Bauhof zu fahren und ihn  lose zu kaufen. Asche auf mein Haupt. Oder besser Sand!

Zwei Gummischeiben mit Dichtmasse am Boden aufbringen, um die Löcher wasserdicht zu verschließen.
Dann ineinander stellen und sich darüber freuen, dass der kleinere tatsächlich in den größeren reinpasst.
Raum zwischen den Tongefäßen mit Sand befüllen, verdichten und mit Wasser auffüllen. Die entstehende Verdunstungswärme kühlt den inneren Topf.

Freitag, 10. März 2017

Sechsundsechzigster Schritt: Mit dem Smartphone gegen die Lebensmittelverschwendung

Nachfolgend ein paar Worte zu einem Projekt eines Bekannten, das ich sehr gerne unterstütze. Er hat mit Studenten eine App entwickelt, die helfen soll, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Um eine Desktopversion zu programmieren und die Funktionstiefe zu erweitern, haben sie ein Crowd Funding gestartet, das ich gerne teile. Nachfolgend weitere Informationen zum Projekt und zur App, die schon jetzt genutzt werden kann.



Mehr als 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden EUR werden alleine in Deutschland jedes Jahr weggeworfen, davon ca. 65% von Privathaushalten. Gleichzeitig hungern Menschen dort, wo landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden, die ausschließlich für den Export vorgesehen sind. Die Wegwerfgesellschaft entsorgt nicht nur Spielzeug oder alte Handys sondern auch Lebensmittel, die ohne Weiteres und unbedenklich noch genießbar sind. Dabei kann jeder, der diese Lebensmittel in die Tonne wirft, auch anderen Menschen helfen. Selbst in Deutschland sind immer mehr Menschen nicht in der Lage, sich „angemessen und in Würde zu ernähren“. Besonders betroffen sind Kinder aus Hartz-IV-Haushalten, Rentner und Flüchtlinge.

In Dänemark konnte die Lebensmittelverschwendung vom Jahr 2010 bis zu dem Jahr 2015 um 25% reduziert werden, hauptsächlich im Bereich des Handels, initiiert von der Aktivistin Selina Juul und ihrer Organisation „Stop Spild Af Mad“ (Stoppt die Lebensmittelverschwendung). In Frankreich gibt es ein Gesetz, das den Handel verpflichtet, unverkaufte Nahrungsmittel dem Recycling zuzuführen oder zu spenden. Ähnliche Initiativen gibt es in Italien und Finnland.
In Deutschland wurde Ende Februar der Vorstoß des Landes Nordrhein-Westfalen, per Gesetzt gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen, abgelehnt, „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen“ (Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in einem Interview der Saarbrücker Zeitung).

Warum es also den Privathaushalten nicht einfacher machen, sich über das Thema Lebensmittelverschwendung zu informieren und Lebensmittel, die ohne Bedenken noch genießbar sind, kostenlos zur Abholung anzubieten. Ein Smartphone befindet sich fast in jedem Haushalt. Apps (Smartphone-Applikationen) für gebrauchte Dinge oder Kleinanzeigen gibt es wie Sand am Meer, warum also nicht auch für Lebensmittel? Das dachte sich eine kleine Gruppe von Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen und entwickelte die Smartphone-App „SHARE YOUR FOOD“, eine Plattform auf der nicht nur Lebensmittel zur kostenlosen Abholung angeboten werden können, sondern auf der sich auch Vereine und Organisationen präsentieren, über ihr Hilfsangebot oder Veranstaltung informieren und sogar ihre Homepage in der Anzeige verlinken können. „Das ist das Neue dabei: Nicht nur Lebensmittel anbieten und finden, sondern sich umfangreich informieren
können, regionale Hilfsorganisationen und Vereine finden oder Tipps und Tricks für andere Nutzer empfehlen. Dafür gibt es in der App einen eigenen Bereich. Es gibt sogar eine Kategorie „gemeinsam Kochen und Essen“, so können sich Nutzer verabreden, kennen lernen und soziale Kontakte aufbauen.“, so Michael Stricker, Geschäftsführer der MY2SHARE UG in Bad Nauheim, die das Projekt bis zur jetzigen Beta-Version unterstützt hat.  

Natürlich gibt es bereits Vereine und Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen und Plattformen im Internet, auf denen Lebensmittel zur Abholung von Privat angeboten werden können. Es ist jedoch nicht einfach, sich mit einem Suchbegriff an die Suchmaschine zu wenden und dann aus den Millionen gefundenen Einträgen das Richtige zu finden. Darüber hinaus sind die Vereine und Organisationen nicht immer flächendeckend aufgestellt oder es gibt Restriktionen für die Abgabe oder Abholung von Lebensmitteln. SHARE YOUR FOOD wendet sich an jeden, private Haushalte, Vereine und Organisationen, und steht flächendeckend 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Die App ist kostenlos nutzbar, es entstehen keine Transaktionsgebühren oder andere Kosten. Es gibt nur zwei Bedingungen: Angebote und Einträge müssen gesetzeskonform und angebotene Lebensmittel unbedenklich genießbar sein.

„Helfen kann jeder, Lebensmittelvernichtung vermeiden auch. Wir machen es einfach, sich schnell und unbürokratisch daran zu beteiligen“, sagen die am Projekt beteiligten Studenten.
Viele der Funktionen sind den Nutzern aus anderen Flohmarkt-Plattformen bekannt, so zum Beispiel die Umkreissuche, die Auswahl von Kategorien für das Angebot, Suchagenten, Merklisten oder das Teilen von Einträgen in sozialen Netzwerken.
„Wir haben versucht, die beste Kombination von Funktionen in SHARE YOUR FOOD zu realisieren. Ob uns das gelungen ist entscheidet der Nutzer“, so Stricker.

Leider reichen die finanziellen Mittel nicht mehr aus, um eine Desktop-Version zu realisieren oder die Liste weiterer Funktionen abzuarbeiten. Auch das Marketing fordert seinen Tribut. SHARE YOUR FOOD hat sich daher entschlossen, eine CrowdfundingAktion über die STARTNEXT-Plattform zu starten.
„Wir erhoffen uns, mit dieser Aktion, genügend Geldmittel aufzutreiben, um den Betrieb zu gewährleisten und noch mehr Funktionalität umsetzen zu können. Jede finanzielle Unterstützung für dieses Projekt ist willkommen“.

Wer sich über SHARE YOUR FOOD informieren möchte, dem steht die Facebookseite zur Verfügung. Die aktuelle Beta-Version der App kann schon heute für iPhones aus dem AppStore oder für Android-Smartphones aus dem Google PlayStore installiert werden.

„Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen an dem Projekt SHARE YOUR FOOD beteiligen, damit die Lebensmittelverschwendung reduzieren und gleichzeitig helfen. Erzählt Freunden und Bekannten von SHARE YOUR FOOD, je mehr davon wissen, desto mehr werden sie nutzen!“.

Dienstag, 28. Februar 2017

Fünfundsechzigster Schritt: Einfach mal immer wie auf Camping

"Plastikfrei Kaffetrinken? Tu ich doch. Ist doch ein Pappbecher!", dachte ich lange Zeit. Warum ich mir nie Gedanken machte, weshalb meine Paketlieferungen, die der Paketbote (vermutlich aus purer Gemeinheit) stets in den Regen stellt, wenn ich nicht da bin, durchgeweicht sind und von mir in Stücken rein getragen werden müssen, aber der Coffee-to-Go-Becher stundenlang erst heißen, dann kalten Kaffe aufbewahren kann, ohne auch nur einen Tropfen ungewollt zu verlieren, weiß ich nicht. Ist wohl auch gewollt, dass man sich als Konsument eines guten Gewissens sicher sein darf. Unwissenheit ist manchmal etwas "Tolles". Tatsächlich besteht so ein Becher zu 5% aus einer innenwandigen Kunststofffolie, meist aus Polypropylen (PP). Die potentiell gute Nachricht: Landete der Becher im Gelben Sack, könnte der Papieranteil aufgelöst werden (ja, durch Wasser) und das PP recycelt werden. Die schlechte Nachricht ist: Die meisten Becher landen nicht im Gelben Sack, sondern im Restmüll, wo sie zur Energiegewinnung in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die noch schlechtere Nachricht ist: Selbst wenn sie im Gelben Sack landeten, würde die Hälfte davon dennoch verbrannt. Das ist zwar kein Grund, den Müll nicht zu trennen, denn immerhin wird die andere Hälfte recycelt. In dieser Hälfte sind mit hoher wahrscheinlich rohstofflich reine "Abfälle". Ein mit Energieaufwand zunächst zu trennender Verbundstoff wie ein Einwegbecher ist vermutlich ein Kandidat, der eher gänzlich für die Verbrennung aussortiert würde. Wohlgemerkt sind sowohl Papier als auch PP recyclingfähig und mit der Verbrennung unrettbar für den Wertstoffkreislauf verloren. Der beste Weg ist daher, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Und wie? 
Eine für mich sehr hübsche Methode bedarf einer kurzen Vorgeschichte zur Erläuterung. Ich hasse Camping. Nichts gegen die Natur, in der ich mich wirklich sehr gerne aufhalte. Alle die schönen Geräusche: Das Knacken der Äste, das Rascheln von kleinen Nagerfüßlein im trocken Laub, all die Rufe der liebreizenden tierischen Waldbewohner ... stören mich nachts im dünnwandigen Zeit so sehr, dass ich selbst auf Festivals entweder im Wohnmobil oder im Hotel bin. Bah! Doch wer nie Campen war, kann nicht mitreden. Ich campe daher zu jeder Zeit zumindest materiell ein wenig. In der Lite-Variante, aber dafür ununterbrochen. Wenn ich weiß, dass ich unterwegs Kaffee trinken werde, führe ich in meiner Umhängetasche meinen Camping-Thermobecher mit, also beispielsweise auf Poetry-Slam-Tour, wenn ich lange per Bahn oder Auto unterwegs bin. Statt den "Pappbecher" im Bahnhof oder an der Tankstelle füllen zu lassen, verwende ich meine nachhaltige Alternative. Und der Kaffee bleibt dann auch länger heiß!
An dieser Stelle stelle ich gleich mein Camping-Besteck mit vor, das ich tatsächlich immer dabei habe. Ich liebe die Blicke an den Imbissbuden, wenn ich Plastik- oder im besseren Fall Holzspießchen und -gäbelchen ablehne, um damit zu essen, und ich freue mich darauf, irgendwann einen zweiten Menschen mit eigenem Besteck zu treffen. Vielleicht können wir dann die Logos der ebenfalls mitgeführten gebrauchten Papiertüten vom Bäcker vergleichen wie andere ihre exponierten Chronographen!


Wenn ich es vermeiden kann, trinke ich meinen Kaffee nicht unterwegs, sondern am liebsten zuhause oder im Büro, wo ich Zeit habe, den Kaffee auch vernünftig zuzubereiten und in Ruhe zu genießen. Was 5.000 Kilometer zu uns unterwegs ist, sollte auch als Genussmittel wahrgenommen werden. Für zuhause habe ich mir wieder mal etwas geleistet: Einen Filteraufsatz aus Porzellan für die Tasse. Es ist mir nämlich zu arbeitsaufwändig, immer die Ein-Liter-Frenchpress zu reinigen, wenn ich nur eine einzige Tasse trinken möchte. Für den Filteraufsatz hatte ich bei meinen Eltern noch einen ungenutzten Dauerfilter aus Nylon gefunden, den ich anstelle von Einmalfilter aus Papier nutze. So fällt tatsächlich nur der Kompost durch meinen umverpackungsfrei erworbenen Kaffee an. Im Frühling wird er mit Pflanzerde vermischt und als Dünger für meine Gemüsepflanzen auf der Terrasse genutzt.
Für den Becher zuhause, ebenso wie für den Becher für unterwegs, gilt jedoch folgendes: Wenn ich ihn nach der Nutzung immer in die Spülmaschine stecke, vernichte ich die vorteilhafte Ökobilanz, wie eine niederländische Studie festgestellt hat. Die gute Nachricht ist, einfach nur einmal die Woche statt nach jeder Nutzung in den Geschirrspüler damit und die restlichen Tage schlicht mit Wasser ausspülen, und alles ist gut.  
Warum trinke ich meinen Kaffee am liebsten selbst zubereitet? Nun, er darf nicht mit Wasser überbrüht werden, das heißer ist als 94 Grad, sonst lösen sich die Bitterstoffe heraus. Auch darf das Wasser nicht kälter als 84 Grad sein, da sich die Aromen sonst nicht herauslösen. Der Mahlgrad des Pulvers für die Frenchpress muss grob sein, der für die manuelle Filterung mittel, für Mokka aus der Mokkakanne fein, aber nicht zu fein. 20 Gramm Pulver pro großer Tasse (drittel Liter) mit dem Porzellanfilter, 40 Gramm für den Liter in der Frenchpress. Erklär das mal an der Tankstelle!

Heute ist übrigens meine zweiwöchentliche Kolumne in der Wetterauer Zeitung gestartet. Blogeintrag und Kolumne drehen sich immer um das gleiche Thema und erscheinen parallel. Es gibt also nun alle zwei Wochen dienstags auch einen neuen Blogeintrag, der das Thema der Kolumne etwas vertieft. Hat sie jemand gelesen? Ich freue mich über eure Kommentare hier im Blog oder auf Facebook.