Posts mit dem Label Getränke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Getränke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 31. Januar 2018

Siebenundsiebzigster Schritt: Kola selbst machen

Nun, da der Coca-Cola-Konzern offensichtlich seiner Corporate-Responsibility-Abteilung auf Anraten eines aluminumdosenproduzierenden Geschäftspartners sämtliche Gelder gekürzt hat, steht die Frage im Raum: Was soll man bitteschön denn trinken, wenn man von der Hundertfünfizgmilliliterdose verführerisch angelächelt wird? Was wird das künftige Mittel der Wahl sein, wenn man seine Inselzellen überfordern will? Mit welchem Getränk führe ich künftig Phosphate  zu, um meine Gefäßalterung und -verkalkung voranzutreiben? Die Antwort ist einfach: Jedes andere Getränk als Kola! 
Das Einfachste ist immer noch der Griff zum Leitungswasser. Geschmack bekommt es mit einem Spritzer Zitrone. Wer Kohlensäure möchte, greift zu einem von diesen Wassersprudlern. Oder probiert es mal mit etwas ganz anderem, das beides vereint: Wasserkefir

Dazu braucht es lediglich Japankristalle (auch: Japanische Meeresalgen) als Starter (das Internet ist voll von Anbietern, auch einige Reformhäuser und Bioläden führen sie), den Rest hat man im Haus. Einen Liter Leitungswasser, fünf Esslöffel Rohrzucker, 30 Gramm Trockenobst sowie zwei Scheiben Zitronen dazu, und nach zwei bis drei Tagen habe ich ein fermentiertes Getränk, das - und hier freut sich der Hesse - ein wenig an Rauscher, also an jungen Apfelwein, erinnert. Dazu kommen ein spitziges Zitronenaroma und je nach hinzugegebenem Trockenobst noch andere Aromen. Ich habe bislang Rosinen, Feigen und Datteln getestet. Feigen sind meine Favoriten. Je länger ich die Japankristalle, die eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus Bakterien und Hefezellen sind, arbeiten lasse, desto saurer wird das Getränk und desto mehr Zucker setzen sie in Alkohol um. Das Trockenobst benötigen die Symbionten übrigens zur Stickstoffzufuhr, ohne die die anaerob arbeitende Gemeinschaft nicht überleben könnte. Nach zwei bis drei Tagen sind Zucker und Stickstoff zu Milchsäure umgesetzt, dabei entstehen auch Kohlensäure und, wie geschrieben, Alkohol - ca. ein halbes Prozent sollte es bis dahin sein. Es ist also kein Getränk, das Kinder trinken sollten. Entgegen gängiger Werbebotschaften trifft das allerdings auch auf Kola zu - es sei denn man möchte ein übergewichtiges Kind in Diabetesgefahr und mit geringer Knochendichte.

Das Tolle: Sobald das Getränk abgeseiht ist, braucht man den Wasserkefir lediglich mit klarem Wasser zu spülen, die Zitronenscheiben und die eingeweichten Trockenobststücke entfernen und kann ihn erneut ansetzen. Schon nach wenigen Stunden steigen die ersten Bläschen auf und zeigen, dass ordentlich gefuttert wird. Am besten gibt man den Symbionten einen Namen, damit man sie auch pfleglich behandelt. Ähnlich wie beim Tamagotchi in den 90ern - nur dass man es trinken kann. Carl mit C ist ein guter Name. Kevin geht wohl auch.  Wichtig ist, dass das Behältnis geschlossen ist, aber dennoch Luft entweichen kann. Das soll verhindern, dass fremde Bakterien und Pilze über die Luft eindringen, aber andererseits ermöglichen, dass die entstehende Kohlensäure entweichen kann. Weiter sollten Holzlöffel genutzt werden und auch der Deckel des Behältnisses nicht aus Metall sein, denn Metall kann das Wachstum der Kulturen hemmen oder ganz zum Erliegen bringen. 

Wer das fertige Getränk mit Lebensmittelfarbe schwärzt oder beim Trinken die Augen schließt, kann mit Wasserkefir ein Getränk genießen, das optisch einer Kola in nichts nachsteht, aber nur die Hälfte des Zuckers enthält, dazu von den Mikroben produzierte Vitamine des B-Komplex, C und D. Es schmeckt allerdings in keiner Weise wie Kola, aber das ist Geschmackssache. Vorteilhaft ist, dass man es sich sparen kann, die Kola mit einem Schuss Cognac trinkbar zu machen - nach sechs Tagen hat das stattliche Getränk nämlich möglicherweise schon vier Prozent Alkohol. Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings auch so sauer, dass es sogar ein Schweppes-Gesicht beim Trinken macht -  um zum Abschluss eine andere Marke ins Spiel zu bringen, die von Coca Cola vertrieben wird.


Freitag, 21. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXI

Heute sind die ersten drei Wochen rum, und es ist der erste Tag, an dem ich eigentlich nichts zu "Das Experiment Gelber Sack" erzählen kann. Nahezu ein völliger Standardtag, fast ohne Herausragendes, ohne Experimente, ohne grundsätzliche Fragen. 
Heute Morgen gab es zwei Stück Pizza vom Vorabend (ohne Bier!), mittags Frischkornbrei, am Abend Kartoffeln und Bohnen. Alles kam aus plastikfreien Großpackungen aus Papier, die ich bei Mein-Müsli-Laden bestellt hatte. Einkaufen war ich nicht, also konnte auch kein Müll anfallen. Eben fast ein unspektakulärer Tag. Fast, denn ich habe etwas Nachhaltiges geschenkt bekommen, über das ich mich sehr gefreut habe. Mein Illustrator hat für sich, meinen Verleger und mich je eine Coffee-To-Go-Tasse aus Keramik mit dem Drachen aus meinem Buch bedrucken lassen. Eine doppelwandige Keramiktasse sogar! Ich werde sie morgen, wenn unser wöchentliches veganes Kuchenessen an Heidis Kuchenstand stattfindet einweihen. Endlich Kaffee, der zwei Kuchenstücke lang heiß bleibt. Danke :)

Ein nachhaltiger Drachenbecher "Fionrirs Reise" Andreas Arnold

Mittwoch, 19. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIX

Meine Vakuum-Kaffee-Dose fühlt sich unnütz
"Der Kaffee ist alle!" So hört es sich Nachmittags an. Früh am Morgen, wie am heutigen, klingt es in etwa so:
" C E N S O R E D ! ". 
Am liebsten wäre ich nach der Arbeit in meine lokale Rösterei gegangen. Leider komme ich da unter der Woche nicht vorbei und komme auch zu spät nachhause, als dass es sich noch lohnen würde, sich ins Auto zu setzen Auch weil ich das Auto "nur" für Kaffe nicht von seinem tagelangen Schlaf auf dem Parkplatz wecken will.
Zum Glück gibt es Tchibo um die Ecke. Auch da durfte ich feststellen, dass ich meine eigene Dose mitbringen kann. Die Kaffeebohnen werden aus großen luft- und lichtdurchlässigen Spendern in eine Schütte gefüllt und anschließend gewogen. Dann werden sie in meine luft- und lichtundurchlässige Dose gefüllt. Sie hat einen Vakuumverschluss und zusätzlich einen Deckel mit luftdicht verschließender Gummierung. Finde den Fehler! Ich bin sehr gespannt, wie der Kaffee schmecken wird. Ich bin mir sicher, dass mein Kaffeeröster beim Kauf einen Knacks im Herzen gespürt haben wird. Ich verspreche, ich komme das nächste mal wieder zu dir, wo man Kaffee so behandelt, wie er es verdient hat. Ich gelobe, meinen Kaffeegenuss künftig besser zu planen, so dass mich die letzte Autofahrt vor dem Mahlen der letzten Bohne zu dir führen wird. Ich bin ein Banause! Immerhin weiß ich, ihn richtig zuzubereiten, und immerhin war dieser Tag dadurch auch müllfrei.


Samstag, 8. April 2017

Das Experiment Gelber Sack VIII

Heute habe ich mich wie - wie jeden Samstagmorgen - auf dem Friedberger Marktplatz zu Kaffee und Kuchen getroffen. Immerhin gibt es dort keine Wegwerfbecher für den Kaffee, aber dafür Papptellerchen. Um hier Müll zu vermeiden, habe ich meinen eigenen Teller von zuhause mitgebracht. Auch habe ich eine eigene Tasse mitgebracht - ich teste gerade die treecup vom NOWASTE -, denn bei meiner eigenen Tasse habe ich es in der Hand, wie ich mit ihr im Anschluss umgehe: Ich entscheide, ob ich sie kalt, heiß, ohne oder mit Spülmittel oder sogar in der Maschine spüle. Diese Entscheidung hat ein Gewerbetreibender nicht. Jede Tasse muss nach einmaligen Gebrauch gespült werden. Nachfüllen ist natürlich okay ;-)
Ich hoffe, dass der ökologisch überlegene Mehrwegbecher bald Einzug hält. Einige lokale Bäckereien, wie die in Friedberg-Dorheim, bieten das bereits an. Den eigenen Becher mitzubringen, ist mitunter schwierig. Obwohl Sparbucks offen damit wirbt, einen Rabatt zu gewähren, wenn der Kunde seinen eigenen Becher mitbringt, hört man bei vielen lokalen Cafés und Bäckereien oft, dass fremde Becher aus rechtlichen Gründen nicht angenommen werden können. Möglichkeiten gibt es offenbar. Es liegt an uns: Becher mitbringen, Kaffee bestellen, wenn keiner ausgegeben wird, dann verzichten. Der Handel wird dem Wunsch der Kunden mittelfristig folgen . Wenn es bei Starbucks geht, geht es auch lokal.
Schön war übrigens, dass auch andere meiner Kaffeerunde meiner Idee gefolgt waren und ihre eigenen Teller mitgebracht hatten :)

Freitag, 7. April 2017

Das Experiment Gelber Sack VII

Das zweite Stück Müll ist reif für die Entsorgung, und mit der Platzierung in meiner "Gelber-Sack-Ecke" kommt gleich eine Frage auf. Wie umgehen mit "geschenktem Müll"? In diesem Fall war es ein Zwei-Liter-Beutel selbst gepressten Apfelsafts. Als ich das Geschenk überreicht bekam, dachte ich: "Hmmm! Plastik!", sagte: "Dankeschön! Das sieht lecker aus" und nahm den Beutel an. Tatsächlich sind Wasser und Kaffee die einzigen Getränke, die ich üblicherweise zu Hause trinke. Gut Bier zählt auch dazu, aber das ist ja eher ein Nahrungsmittel als ein Getränk (Smiley). Von daher war der Apfelsaft, an dem ich mich zwei Wochen labte, etwas Besonderes, und ich hatte mich wirklich sehr darüber gefreut. In einer wiederverwendbaren Glasflasche wären allerdings keine Fragen aufgekommen, so aber schon. Wie gehe ich mit Geschenken um, die meinen ökologischen Prinzipien zuwider laufen? Ist es unhöflich, ein Geschenk unter Verweis darauf, keinen Plastikmüll produzieren zu wollen, zurückzuweisen? Kann ich Dinge sagen wie: "In Glas hätte ich es gerne genommen! Dennoch vielen Dank. Ich weiß das zu schätzen"? Wenn ich es kommentarlos annehme, wird der Schenkende nie darüber nachdenken, dass Glasflaschen eine Option gewesen wären. Ich denke also, ich werde künftig plastikummantelte Geschenke ablehnen. Wie seht ihr das?

Doch abgesehen von Fragen dazu, war der Tag sogar noch spannender. OMG! Seit fünf Tagen arbeitet ja mein Sauerteig vor sich hin, mit dem ich den - zugegebenermaßen überschaubaren - Plastikmüll aus der Hefenutzung vermeiden will. Heute habe ich das erste Brot damit gebacken. Das Rezept zur Sauerteigherstellung hatte ich von Smarticular und das zum Brot von Widdersberg.
Den Sauerteig herzustellen funktionierte prima mit der Anleitung. Er rock angenehm säuerlich, und immer wieder stiegen kleine Bläschen hoch, und das obwohl ich ihn nur bei 20 Grad Celsius kultiviert hatte. Vielleicht liegt das daran, dass ich frisch gemahlenes Mehr nehme.
200 Gramm des Sauerteigs nahm ich ab, vermischte ihn mit 300 g Dinkelvollkornmehl und 100 Gramm Mehrkornschrot sowie einem Esslöffel Rohrzucker und einem Teelöffel Meersalz. Nach vier Stunden im ausgeschalteten Backofen, bei dem ich für die nötige Wärme lediglich die Lampe angeschaltet hatte, war das Volumen des Brotes auf das doppelte angewachsen. Anschließend hatte ich die Oberfläche mit einer Wassersprühflasche angefeuchtet, eine Tasse Wasser in den auf 200 Grad Celsius vorgeheizten Backofen gestellt und das Brot auf Permanentbackfolie dazu gegeben. Bin gespannt, wie es schmecken wird. Es ist mein erstes Sauerteigbrot und mein erstes Freigeschobenes  :)

Dienstag, 28. Februar 2017

Fünfundsechzigster Schritt: Einfach mal immer wie auf Camping

"Plastikfrei Kaffetrinken? Tu ich doch. Ist doch ein Pappbecher!", dachte ich lange Zeit. Warum ich mir nie Gedanken machte, weshalb meine Paketlieferungen, die der Paketbote (vermutlich aus purer Gemeinheit) stets in den Regen stellt, wenn ich nicht da bin, durchgeweicht sind und von mir in Stücken rein getragen werden müssen, aber der Coffee-to-Go-Becher stundenlang erst heißen, dann kalten Kaffe aufbewahren kann, ohne auch nur einen Tropfen ungewollt zu verlieren, weiß ich nicht. Ist wohl auch gewollt, dass man sich als Konsument eines guten Gewissens sicher sein darf. Unwissenheit ist manchmal etwas "Tolles". Tatsächlich besteht so ein Becher zu 5% aus einer innenwandigen Kunststofffolie, meist aus Polypropylen (PP). Die potentiell gute Nachricht: Landete der Becher im Gelben Sack, könnte der Papieranteil aufgelöst werden (ja, durch Wasser) und das PP recycelt werden. Die schlechte Nachricht ist: Die meisten Becher landen nicht im Gelben Sack, sondern im Restmüll, wo sie zur Energiegewinnung in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die noch schlechtere Nachricht ist: Selbst wenn sie im Gelben Sack landeten, würde die Hälfte davon dennoch verbrannt. Das ist zwar kein Grund, den Müll nicht zu trennen, denn immerhin wird die andere Hälfte recycelt. In dieser Hälfte sind mit hoher wahrscheinlich rohstofflich reine "Abfälle". Ein mit Energieaufwand zunächst zu trennender Verbundstoff wie ein Einwegbecher ist vermutlich ein Kandidat, der eher gänzlich für die Verbrennung aussortiert würde. Wohlgemerkt sind sowohl Papier als auch PP recyclingfähig und mit der Verbrennung unrettbar für den Wertstoffkreislauf verloren. Der beste Weg ist daher, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Und wie? 
Eine für mich sehr hübsche Methode bedarf einer kurzen Vorgeschichte zur Erläuterung. Ich hasse Camping. Nichts gegen die Natur, in der ich mich wirklich sehr gerne aufhalte. Alle die schönen Geräusche: Das Knacken der Äste, das Rascheln von kleinen Nagerfüßlein im trocken Laub, all die Rufe der liebreizenden tierischen Waldbewohner ... stören mich nachts im dünnwandigen Zeit so sehr, dass ich selbst auf Festivals entweder im Wohnmobil oder im Hotel bin. Bah! Doch wer nie Campen war, kann nicht mitreden. Ich campe daher zu jeder Zeit zumindest materiell ein wenig. In der Lite-Variante, aber dafür ununterbrochen. Wenn ich weiß, dass ich unterwegs Kaffee trinken werde, führe ich in meiner Umhängetasche meinen Camping-Thermobecher mit, also beispielsweise auf Poetry-Slam-Tour, wenn ich lange per Bahn oder Auto unterwegs bin. Statt den "Pappbecher" im Bahnhof oder an der Tankstelle füllen zu lassen, verwende ich meine nachhaltige Alternative. Und der Kaffee bleibt dann auch länger heiß!
An dieser Stelle stelle ich gleich mein Camping-Besteck mit vor, das ich tatsächlich immer dabei habe. Ich liebe die Blicke an den Imbissbuden, wenn ich Plastik- oder im besseren Fall Holzspießchen und -gäbelchen ablehne, um damit zu essen, und ich freue mich darauf, irgendwann einen zweiten Menschen mit eigenem Besteck zu treffen. Vielleicht können wir dann die Logos der ebenfalls mitgeführten gebrauchten Papiertüten vom Bäcker vergleichen wie andere ihre exponierten Chronographen!


Wenn ich es vermeiden kann, trinke ich meinen Kaffee nicht unterwegs, sondern am liebsten zuhause oder im Büro, wo ich Zeit habe, den Kaffee auch vernünftig zuzubereiten und in Ruhe zu genießen. Was 5.000 Kilometer zu uns unterwegs ist, sollte auch als Genussmittel wahrgenommen werden. Für zuhause habe ich mir wieder mal etwas geleistet: Einen Filteraufsatz aus Porzellan für die Tasse. Es ist mir nämlich zu arbeitsaufwändig, immer die Ein-Liter-Frenchpress zu reinigen, wenn ich nur eine einzige Tasse trinken möchte. Für den Filteraufsatz hatte ich bei meinen Eltern noch einen ungenutzten Dauerfilter aus Nylon gefunden, den ich anstelle von Einmalfilter aus Papier nutze. So fällt tatsächlich nur der Kompost durch meinen umverpackungsfrei erworbenen Kaffee an. Im Frühling wird er mit Pflanzerde vermischt und als Dünger für meine Gemüsepflanzen auf der Terrasse genutzt.
Für den Becher zuhause, ebenso wie für den Becher für unterwegs, gilt jedoch folgendes: Wenn ich ihn nach der Nutzung immer in die Spülmaschine stecke, vernichte ich die vorteilhafte Ökobilanz, wie eine niederländische Studie festgestellt hat. Die gute Nachricht ist, einfach nur einmal die Woche statt nach jeder Nutzung in den Geschirrspüler damit und die restlichen Tage schlicht mit Wasser ausspülen, und alles ist gut.  
Warum trinke ich meinen Kaffee am liebsten selbst zubereitet? Nun, er darf nicht mit Wasser überbrüht werden, das heißer ist als 94 Grad, sonst lösen sich die Bitterstoffe heraus. Auch darf das Wasser nicht kälter als 84 Grad sein, da sich die Aromen sonst nicht herauslösen. Der Mahlgrad des Pulvers für die Frenchpress muss grob sein, der für die manuelle Filterung mittel, für Mokka aus der Mokkakanne fein, aber nicht zu fein. 20 Gramm Pulver pro großer Tasse (drittel Liter) mit dem Porzellanfilter, 40 Gramm für den Liter in der Frenchpress. Erklär das mal an der Tankstelle!

Heute ist übrigens meine zweiwöchentliche Kolumne in der Wetterauer Zeitung gestartet. Blogeintrag und Kolumne drehen sich immer um das gleiche Thema und erscheinen parallel. Es gibt also nun alle zwei Wochen dienstags auch einen neuen Blogeintrag, der das Thema der Kolumne etwas vertieft. Hat sie jemand gelesen? Ich freue mich über eure Kommentare hier im Blog oder auf Facebook.


Freitag, 1. Januar 2016

Fünfundvierzigster Schritt: Kaffee ohne Umverpackung lokal kaufen und ein letztes Mal Klamotten reduzieren

Ein gutes Trio - ohne Umverpackungsmüll
Ich trinke gerne Kaffee, mittlerweile zwar nicht mehr als alltägliches Frühstücksgebräu, aber doch regelmäßig. Früher trank ich täglich zum Frühstück meine zwei Tassen Kaffee, dazu kam nachmittags die eine oder andere Tasse im Büro und sonntagnachmittäglich der obligatorische Espresso. Durch meine vegane Ernährung habe ich den Frühstückskaffee inzwischen zur wochenendlichen Ausnahme gemacht (Kaffee hemmt die Eisenaufnahme), was mir die Möglichkeit eröffnet, selbigen wieder zu dem Genussmittel zu machen, das er eigentlich sein sollte. Immerhin geht der Kaffee durch zig Hände und wandert einige tausend Kilometer, bis er bei uns ist. Das sollte ein wenig mehr Achtung verdienen. Ebenso, wie die Bauern mehr Achtung verdienen, die sich für unseren Kaffee abschuften. Jetzt, da ich meinen Konsum so stark reduziert habe, kann ich mir nicht nur leisten, einen fair gehandelten Kaffee zu kaufen, sondern auch einen Kaffee, der nicht von den großen Herstellern verarbeitet wurde. Die großen drei Lokalen Wacker, Stern und Gorilla waren lange Zeit meine erste Wahl. Im November hat nun eine Kaffeerösterei in Friedberg eröffnet, die ich gestern besuchen konnte, und ich bin von Golden Brown richtig begeistert. Die Beratung war großartig, freundlich, kompetent, lehrreich. Der Kaffee ist teils direkt bezogen, stammt aus ökologischem Anbau (allerdings noch ohne Zertifikat) und ist gekonnt und mit offensichtlich viel Leidenschaft geröstet. Als das Behältnis geöffnet wurde, das die frisch gerösteten peruanischen Kaffeebohnen enthielt, für die ich mich letztlich entschied, füllte sofort ein Duft den ganzen Raum, der das Herz jeden Kaffeeliebhabers (nicht nur wegen der erwarteten Dosis Koffein) schneller schlagen ließ. Am Abend verkostete ich den frisch gemahlenen und per French Press (wie auch sonst) aufgebrühten Kaffee unseren Silvestergästen, die alle vollends begeistert waren. Zwar glaube ich, dass das Herz des freundlichen Kaffeerösters kurz anknackste, als ich meine mitgebrachte Papiertüte rüber reichte, um meine Kaffeebohnen abfüllen zu lassen. Ich versprach jedoch, sie zuhause Luftdicht umzuverpacken und im Dunkeln zu lagern. Ich glaube, das Herz ist wieder heil, und ich versprechen auf jeden Fall wieder zu kommen. Wer kann schon einer so lokalen Kaffeerösterei widerstehen, dessen Röstaromen fast schon vor der eigenen Haustür lockend wahrgenommen werden können?

"Klamotten auf Stuhl auf Judomatten im Keller"
Stillleben, unbekannter Künstler, vmtl. 2015
Auch nutzte ich den letzten Tag des Jahres, um einen finalen Blick in den Kleiderschrank zu werfen. Wieder habe ich mich von einigen Teilen getrennt, die ich mitsamt der Baumwoll-Tasche, in der ich sie plastikfrei verstaute, dem Roten Kreuz übergab. Beim ersten Aussortieren waren es zielgerecht 50 Teile, die ich weggeben konnte. Der zweite Anlauf brachte nochmal 25 Teile. Dieses mal wurden es 12. Ich glaube, jetzt bin ich durch. An Sportkleidung habe ich zwar noch viel mehr Monturen, als ich theoretisch derzeit brauche; sie sind jedoch für verschiedene Sportarten gedacht: Radler-Monturen, Klamotten für's Fitnessstudio, Laufklamotten, Kampfsporthosen, alles in zwei bis vierfacher Ausfertigung. Die meisten Sportarten betreibe ich episodenhaft und selten parallel. Die Kleidungsstücke wegzugeben, nur weil sie, wie bspw. im Falle der Radlerhosen (insbesondere der pampers-artigen gepolsterten) oder der Fitnessstudioklamotten (Ende der 90er gekauft - Stallone lässt grüßen), seit Jahren nicht getragen wurden, erscheint mir nicht sinnvoll. Vielleicht kaufe ich mir ja mal wieder ein Rad oder gehe Gewichte stemmen. Im Moment reicht mir mein Keller zum Sport machen, doch wer weiß, wohin es mich in Zukunft hintreibt. Die Spannung bleibt, von Episode zu Episode. Auch habe ich mehrfach gezögert, als ich meinen gut gepflegten schwarzen Lederblouson in den Händen hielt, vor vielen Jahren für nicht wenig Geld von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich hatte ihm vor Jahren ein neues Innenfutter gegönnt und ihn doch seit dem nicht mehr getragen. Gleiches Zögern galt einem paar Lederstiefeln, die von mir nagelneue Sohlen kredenzt bekommen hatten, bevor mir wieder eingefallen war, weshalb mich die abgelaufenen Sohlen jahrelang nciht gestört hatten: Sie waren viel zu eng. Die Stiefel konnte ich einem schmalfüßigen Freund vermachen, der sie nun sinnvoll nutzen kann, die neuen Sohlen, die mir das Gefühl aufgedrängt hatten, ihnen aufgesetzte Schuhe, trotz der zu geringenGröße, nicht weggeben zu dürfen. Und die Lederjacke? Nun, vielleicht bin ich doch noch nicht durch.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Achtzehnter Schritt - Weniger Flasche, mehr Leitung

Harrt einsam meiner Heimkehr, die Flasche!
Ich muss zugeben, Pendlertum und das Dasein als Recycling-Outlawunter einen Hut zu bekommen, ist echt nicht einfach. Ich laufe jeden Tag gut zwanzig Minuten von zuhause zur Bahn, steige um, steige wieder um und steige vier Stockwerke zu Fuß zu meinem Büro, nur um nach neun Stunden das gleiche erneut auf mich zu nehmen. Nur umgekehrt halt. Die Bahnfahrt dazwischen verschweige ich, denn die Erholungsphasen währenddessen, würde meinem Jammern sonst die mitleiderheischende Kraft nehmen. Jedenfalls bin ich vierzig Minuten unterwegs. Zu Fuß. Und ich habe dabei einen Rucksack voller Glas auf dem Rücken. Eine 0,7-Liter-Mineralwasserflasche, montags mittlerweile einen Liter selbst gemachte Mandelmilch in der Glasflasche, die mir aber zum Glück für die ganze Woche reicht, und ein Glasbehältnis für mein Mittagsmüsli. Ich scheppere im ÖPNV wie ein Glascontainer und schleppe daran, wie ein Ochse am Pflug. Damit ist jetzt Schluss. Zumindest teilweise. Ab jetzt nur noch Leitungswasser. Das erspart mir schon mal ein Kilo tägliches Geschleppe. Anfangs war ich skeptisch: Ist das Kalk im Wasser vielleicht zu viel für den Körper? Geht es irgendwann nicht mehr ohne Calgon? Ist Mineralwasser vielleicht doch besser? Aber alles ganz entspannt: Das volksmündliche Kalk ist nichts als Magnesium und Kalzium, und wie die ganzen anderen Mineralien aus dem Mineralwasser auch, kann der Körper es wesentlich schlechter verwerten als das aus Gemüse, Nüssen, Getreide etc. Und nachdem ich völlig begeistert von meiner Transportersparnis gleich zum Aldi gerannt war, auf dessen Homepage ich gesehen hatte, dass just am Tag dieser, meiner Entscheidung, Glaskaraffen im Angebot seien – mein Gott, ein Zeichen! – und dort feststellte, dass es leider ein Angebot des Vorjahres war, was ich von Wundergläubigkeit und Vorfreude erfüllt auf der Homepage überlesen hatte, entschloss ich mich in meiner Ernüchterung keine Glaskaraffe zu kaufen, sondern einfach meinen Wasserkocher als Glaskaraffe zu nutzen. Der ist schon da. Der ist aus Glas. Der ist ein Schmuckstück, und der fasst gut zwei Liter frisches, sauberes, reines, leckeres Leitungswasser, die ich im Sommer gewiss trinken werde, nun aber nicht mehr schleppen muss. Kraftreserven gespart, Müll gespart, Kosten gespart - Herrlich.


Mandelmilch - aus dem Euter der Nusskuh
Die eingangs erwähnte Mandelmilch ist übrigens ganz einfach herzustellen. 30 g ungeschälte Mandeln in den Mixer, mit einem Liter heißem Wasser übergießen, über Nacht ziehen lassen, sieben, kalt stellen, und das war’s. Ich freue mich, dass das alles ist. Sie ist so weiß wie Milch, und das bleibt sie auch. Nichts fällt aus oder verändert sich farblich. Trotz der ungeschälten braunen Mandeln. Ich war schon ein wenig genervt, dass ich nun wieder gezwungen sein sollte, Tetra-Pack-Müll zu machen, nur weil ich keine Kuhmilch mehr haben will. Exakt einmal gab es nun ein Tetra-Pack mit Mandelmilch. Schmeckte! Und gleich selbst gebastelt. Das Mandelmehl, das nach dem Filtern übrig bleibt, trockne ich einfach. Vermengt mit Margarine und etwas Rohrzucker gibt das einen leckeren Brotaufstrich. Die Mandelmilch kann man auch mit Ahornsirup oder Rohrzucker süßen.  Ich süße sie allerdings nicht, da sie ja ohnehin in mein Müsli kommt. Da würde die Süße ohnehin nicht auffallen. Also kann ich es auch gleich lassen. Jedenfalls bin ich zufrieden. Vormals war es täglich eine Quarkverpackung, jetzt sind es zwar ein paar Verpackungen, überwiegend aber aus Papier, mit Haferflocken, Nüssen, Kernen, Getreide und Trockenobst, die aber dafür mehrere Wochen halten. Müllreduziert, vegan und lecker.

Donnerstag, 13. März 2014

Neunter Schritt: Wasserkocher und Teeei

Hast verloren, blaue Elise!
Vorab ein Wort zu etwas, dass ich gerne als konterrevolutionäres Missionieren bezeichnen möchte. Ich finde es sehr amüsant, dass binnen der letzten drei Monate, seit ich mich um das Plastik- und Müllsparen bemühe, immer wieder Menschen versucht haben, meine Bemühungen zu widerlegen, indem sie Dinge aus meiner Lebensrealität herauspickten und stolz als Beweis unterstellten Gutmenschentums präsentierten. Vereinfacht dieses Verhalten, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen? Nein, nur weil mein Laptop noch immer aus Plastik ist, ist nicht recycelbares Plastik und Müll an sich an anderen Stellen einzusparen, nicht unnütz. Nur weil ich zwischendurch mal ein Nahrungsmittel in Plastikverpackung kaufe, weil ich keine Alternative finde oder auch einfach zu faul bin, für diesen einen Artikel extra in einen anderen Laden zu fahren, heißt das nicht, dass ich die anderen acht gelben Säcke, die ich inzwischen pro Jahr einspare, getrost auch wieder füllen könnte. Nur weil ich Plastik, mit dem mein Essen nicht in Berührung kommt, erst dann austauschen möchte, wenn es kaputt ist, ist das kein Beweis dafür, dass ich Plastik doch ganz toll finde, sondern allenthalben dafür, dass ich eine sehr genaue Vorstellung davon habe, was Müll ist und was nicht.

Hier kam das Teeei nach der Teehenne!
Und genau da sind wir beim richtigen Punkt. Mein Plastikwasserkocher im Büro funktionierte zwar noch, sprich: Er erhitzte, doch ist es durchaus empfehlenswert Plastikgegenstände nicht mehr zu nutzen, sobald sie Risse oder Kratzer haben. Und eben das hatte die blaue Elise unter den Billigwasserkochern. Da meine Freundin bereits einen hübschen nahezu plastikfreien Wasserkocher in den gemeinsamen Haushalt eingebracht hatte, kann ich meinen nicht minder hübschen ebenso nahezu plastikfreien zum Austausch ins Büro bringen (sechs Jahre altes Schnäppchen, gibt's aber noch immer - wenn auch teurer - bei Ebay). Und da ich schon mal dabei bin, tausche ich auch gleich mein ehemals als chic, innovativ und modern empfundenes nicht-eiförmiges Teeei aus Edelstahl und Plastik gegen ein tatsächlich eiförmiges aus reinem Edelstahl (gibt's in jedem Supermarkt). Frisch gebrühter Tee, frei von Weichmachern, BPA und allem anderen. Jetzt gibt's keine Ausrede mehr für den Büroschlaf.

Sonntag, 5. Januar 2014

Zweiter Schritt - Getränke

Getränkeflaschen aus PET von den Discountern sind günstig, leicht zu transportieren und geben satte 25
Wasser. Milch. Glas.
Cent Pfand, wodurch immerhin die Hälfte des Plastikmülls dem Recycling zugeführt wird (die andere Hälfte landet dennoch auf dem Müllberg). Soweit das Positive. Immerhin werden zwar keine
 Phthalate oder andere Weichmacher zur Herstellung benötigt, auch ist laut BfR kein Bisphenol A enthalten, doch dafür Antimon, Acetaldehyd und andere Stoffe, die von der Flasche in das Getränk und von dort aus in mich übergehen. Das süßliche Acetaldehyd schmecke ich sogar heraus. Vielleicht mag das ein Grund sein, weshalb viele Mineralwasservertreiber inzwischen stille Wasser mit Fruchtessenzen anbieten. Birne-Malve überdeckt den Acetaldehyd-Geschmack. Für mich kein gangbarer Weg mehr. Ab jetzt nur noch Wasser aus Glasflaschen. Und natürlich von Quellen in der Nähe. Was nutzt es, den Müllberg zu reduzieren, wenn ich für den Import meines Wassers aus dem japanischen Rokko-Gebirge den Abgas-Müll in der Luft vergrößere?

Ebenso günstig und leicht sind Milch und Säfte in Getränkekartons, für die es allerdings keinen Pfand gibt. Immerhin sind es dennoch 65%, die wiederverwertet werden. Das mag aber auch daran liegen, dass Getränke in Kartons eher zuhause konsumiert werden, wo der "Gelbe Sack" in greifbarer Nähe ist. PET-Flaschen werden augenscheinlich zu einem höheren Anteil unterwegs konsumiert, wo öffentliche Restmülleimer oder der Straßenrand als Entsorgungsmöglichkeiten näher liegen. Andere Quellen sprechen jedoch von 40% oder einer noch geringeren Recyclingquote. So oder so kommen neben dem Pappkarton leider mehrere Schichten Polyethylen und Aluminium zum Einsatz. Gerade Letztgenanntes ist bekanntlich aufgrund des hohen Energieaufwandes bei der Produktion ein Klimakiller, noch zudem Aluminiumionen aus dem Müll auch ins Grundwasser geraten und damit letztlich auch wieder im Nahrungskreislauf landen. Beides möchte ich weder in der Umwelt wissen, noch in meinem Körper haben. Von nun an nur noch Glasflaschen, was allerdings bedingt, dass ich meine Milch nicht mehr bevorraten kann. H-Milch in Flaschen habe ich nicht gefunden. Und ich werde mir wohl einen Entsafter zulegen müssen, denn meinen Orangen- und Gemüsesaft gibt es auch nicht in Glasflaschen.

Glas wird zu über 80% recycelt, und es gibt keine Stoffe in das Getränk ab. Das passt. Auch wenn gerade der Verzicht auf Getränkekartons etwas teurer sein mag, ist es mir das wert. Bestimmt hole ich die Mehrkosten wieder rein, sobald sich der Entsafter in 10 Jahren amortisiert hat. Und bis dahin trinke ich soviel selbst gemachten Möhren-Orangensaft bis ich platze.