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Sonntag, 7. Juni 2020

Erster Unverpacktladen in Friedberg

Alexia Anders' Futterzimmer bietet Unverpacktes und Plastikfreies

Unverpacktläden boomen. Gut einhundert dieser Geschäfte, die das Einkaufen unverpackter Waren ermöglichen, gibt es bundesweit. Deutlich mehr, rechnet man jene hinzu, die den bestehenden Laden um einen Unverpackt-Bereich ergänzt haben. Seit März gibt es auch einen in Friedberg, und er hat sich fast unbemerkt hinzugesellt.

Seit dem Jahr 2013 führt Alexia Anders ihre Hundetagesstätte Hundezimmer in der Hanauer Straße 12, gleich um die Ecke im selben Haus erreicht man ihr zwei Jahre später hinzugekommenes Futterzimmer, in dem sie alles anbietet, was ihre Tagesgäste benötigen. Seit dem Frühjahr gibt es dort auch vieles, was das umweltbewusste Frauchen oder Herrchen benötigt. Hier kann man sich Drogerieartikel nachfüllen lassen, Bienenwachstücher oder in loser Schüttung kaufen, was benötigt wird, um sich Wasch-, Spülmaschinenpulver und mehr herzustellen. Die Idee dazu kam der 34-Jährigen bereits Ende 2019. Die Mittel zum Umbau ihres Ladens kamen über ein Crowdfunding. Ganze 57 Unterstützer hatten sich teils Gutscheine für den ersten Unverpacktladen Friedbergs gesichert und ihr so ermöglicht, zusammen mit ihrem eigenen Kapital den Umbau und den Start eines Unverpackt-Bereichs zu wagen. Mitte März war der Laden umgebaut, die ersten Produkte wie plastikfreies Toilettenpapier, Zahnbürsten und Wattestäbchen aus Bambus, Seifen für Hund, Haut und Haar, auch die handgefertigten von „Manar Soap“ aus Friedberg, sogar Strohhalme, die ihrem Namen alle Ehre machen, waren in den Regalen. Zum Abfüllen gab es Soda, Natron und Zitronensäure. Für die Eröffnung bestellt waren, natürlich ebenfalls zum Selbstabfüllen, Zahncreme, Bodylotion und sogar Sonnencreme. Doch sie kamen nicht. Was kam, war Corona und mit ihm Hygienebestimmungen in den Produktionsstätten, die zunächst keine Lieferung zur losen Portionierung zuließen. Gleichzeitig wurde auch das, was einen Unverpacktladen ausmacht, nämlich das Abfüllen in mitgebrachte Behältnisse, durch die Verordnungen erschwert. 

Die gelernte Kauffrau nimmt das leicht. „Ich nutze alle Produkte auch selbst“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Dann beginnt sie von ihrer Motivation zu erzählen, schwärmt von den Produkten, die sie im Sortiment hat und gibt eine Aussicht auf das, was sie noch ins Programm nehmen will. WC-Reiniger, Klarspüler, sensitive Waschmittel soll es bald zum Abfüllen geben, Zahnputzpastillen, fester Conditioner und Lippenbalsam. Folgt man dabei ihren Augen, entsteht bereits im eigenen Kopf ein Bild davon, wo alles stehen wird und welche große Pump-Flasche, welche Lotion oder Creme beinhalten wird. Ein Geschäft, das Kauknochen und Hundedecken auf der einen Seite und Unverpacktes sowie Plastikfreies auf der anderen Seite führt, ist sicherlich bundesweit einmalig. „Dabei wird es jedoch nicht bleiben!“, sagt die Friedbergerin. „Ich stehe schon in Kontakt mit einem Lieferanten und möchte auch Lebensmittel in Pfandgläsern anbieten.“

Noch ist der Unverpackt-Bereich nur eine Rubrik auf ihrer Homepage futterzimmer.de. Das Logo ist jedoch fast fertig, und dann folgen die eigene Homepage und Google-Eintrag. Wie sehr sie sich bereits Gedanken um Ressourcenverschwendung gemacht hat, sieht man jedoch bereits beim ersten Blick auf die bestehende Homepage. Dort trifft man auch auf Rücksäcke. Was haben die mit Hundebedarf oder Unverpacktem zu tun? „Die nähe ich aus Stoffresten der Hundedecken“, sagt die ausgebildete Hundeernährungsberaterin stolz. „Die fertige ich nämlich auch selbst. Sie halten länger als die üblichen, und so erfüllen auch die Reste noch einen guten Zweck.“

Dienstag, 12. November 2019

Immer wieder Glascontainer

Immer wieder Glascontainer

Heute bin ich genervt. Warum? Weil ich ein zweites Mal in dieser Woche Glasmüll zum Container bringen muss. Er stammt von all den Gläschen mit Brotaufstrich, die sich in den letzten Tagen angesammelt haben. Erst hatte ich Frühstücksgäste und wollte mir keine Zeit nehmen, etwas selbst zu machen. Also gab es Gekauftes von süß bis herzhaft im Glas. Ich möchte ja keinen Plastikmüll verursachen. Hinzu kam, dass ich mir auch für meinen eigenen morgendlichen Bedarf keine Zeit nahm, etwas selbst zu machen. Dabei ist es so einfach. Abends die Gemüsepfanne, davon etwas weggenommen und mit Sonnenblumenkernen unter den Stabmixer. Fertig ist der Brotaufstrich für die nächsten zwei Tage. Leider gab es zwei Wochen lang fast nur gehetztes Essen auf die Hand oder abends rasch eine Portion Nudeln. Natürlich mit Pesto. Aus dem Glas. 

Wesentliches gibt es für mich nicht im Mehrwegglas. Joghurt: Ja! Auch Milch. Beides esse ich nicht und schaue daher neidisch im Supermarkt über den Deckel meines Einweg-Brotaufstrichglases ins Mopro-Kühlregal. Warum neidisch? Weil die Mehrwegglasverpackung der Einwegdose und Einwegplastikverpackung ökologisch überlegen ist, solange sie aus regionaler Abfüllung stammt. Immerhin lässt sich so ein Mehrwegglas bis zu fünfzigmal wiederverwenden. Beides bestätigt das Umweltbundesamt. Einweg wird zwar fleißig gesammelt, aber dann energieintensiv eingeschmolzen, um zur Quelle für ein neues Glasprodukt zu werden. Eine Zeitlang habe ich die Gläschen gespült und in meinen Workshops zum Abfüllen des Selbstgemachten ausgegeben. Leider kann ich gar nicht so viele Workshops annehmen, um die Folgen meines riesigen Frühstückshungers zu kompensieren. Vier Millionen Tonnen Behälterglas werden in Deutschland jährlich produziert, das sind fast 50 Kilo pro Bundesbürger, sagt das Bundesumweltministerium. Nach Daten des statistischen Bundesamts entfallen 2,5 Prozent der 45,9 Millionen Tonnen Haushaltsmüll, die zuletzt jährlich anfielen, auf Glas. Das sind gut 14 Kilogramm pro Kopf. Die Differenz zwischen Produktion und Müll ist Mehrwegglas, hoffe ich zumindest. Doch die könnte deutlich höher sein, wenn es auch Mehrweggläser für meine Brotaufstriche gäbe. Gemessen an meinem Appetit kann ich mir zumindest vorstellen, dass ich relevante statistische Veränderungen hervorrufen würde. Wieder rufe ich Politik und Wirtschaft zu: Bitte schafft die Voraussetzungen!

Bis der Ruf erhört wird, nehme ich mein Genervtsein zum Anlass, mich zu Redisziplinieren, denn das hatte schon mal besser geklappt. Die nächsten vier Wochen verspreche ich mir, kein Einwegglas mehr zu kaufen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht vorhanden geglaubte Zeit plötzlich hinter dem Küchenschrank hervorkriecht, wenn die Disziplin den Hunger dirigiert. Den restlichen Glasmüll bringe ich jetzt in den Container. Immerhin 90 Prozent davon werden recycelt. Bei meiner Recherche werde ich daran erinnert, wie wichtig die Sortenreinheit ist. Nur wenige Prozent fremdfarbiges Glas werden toleriert. Insbesondere bei Weißglas. Die Fehlwürfe müssen sonst zunächst manuell und dann erst durch Maschinen aussortiert werden. Meine zwar löffelreinen, aber dennoch nach einigen Tagen nicht mehr wirklich ansehnlichen Gläser möchte ich niemanden in die Hand zu nehmen zumuten. Übrigens sind Keramik, Steingut, Porzellan und sogar Flachglas der Feind des Glas-Recyclings. Schon wenige Gramm pro Tonne können die gesamte Produktion unbrauchbar machen. Ich frühstücke jetzt erstmal – aus dem letzten Frühstücksaufstrichglas.

Samstag, 12. Oktober 2019

Eröffnung des Unverpacktladens "Honighalle" in Friedrichsdorf

Eröffnung des Unverpacktladens "Honighalle" in Friedrichsdorf
Mit der Honighalle hat heute ein Unverpacktladen in Friedrichsdorf, also nur zehn Minuten mit dem Auto von mir entfernt, eröffnet. Anfang des Jahres lief ein Crowdfunding über Startnext, an dem ich mich natürlich - aus nicht gänzlich altruistischen Gründen - beteiligt hatte. Heute durfte ich das Ergebnis meiner Investition bewundern und den großzügig bemessenen Laden in der Köpperner Straße 84 besuchen.

Schütten mit loser Ware zum Selbstabfüllen
Wie auch das gramm.genau in Frankfurt Bockenheim hat es einen Café-Betrieb angeschlossen, der am heutigen Tage voll besetzt war, was das Kuchen- und Kaffeeangebot augenscheinlich an seine Grenzen brachte. Der restliche Teil der Fläche wird vom Ladengeschäft ausgeschöpft. Es befinden sich eine Abteilung mit Waren in Glas wie Milchprodukte, aber auch verschiedenen Honigprodukten aus der Imkerei Schiesser, die den zentral gelegenen Unverpacktladen betreibt. Daneben gibt es eine Auswahl an Essigen und Ölen, die abgefüllt werden können. In einer weiteren Ecke befinden sich Drogerieprodukte wie lose Seifen und Zahnputztabletten. Gleich links neben dem Eingang sind Zutaten für das morgendliche Müsli sowie Süßwaren zu finden, die selbst portioniert werden können. Die Waage zum Ausmessen der mitgebrachten Glasbehältnisse befindet sich in unmittelbarer Nähe - natürlich können auch Pfandgläser von dort genutzt werden. Bis dahin ähnelt es dem Gießener Unverpacktladen, der nunmehr ebenso geräumig ist.

Süßwaren, Nüsse und mehr!
Das in meinen Augen Besondere ist, dass man sich sowohl Waren an der Theke abfüllen lassen kann - was ein Kolonialwarenladen-Gefühl mit sich bringt -, sie selbst an den Schütten befüllen kann, aber auch bereits in Pfandgläsern vorgefüllte Waren vorfindet. Wer nicht viel Zeit hat und nur schnell rein will, um sich ein Glas Nüsse oder Haferflocken zu holen, findet dort neben zahlreichen anderen ansonsten losen Waren, alles vorverpackt, was für den täglichen Ernährungsbedarf nötig ist.

Vorgefüllte Pfandgläser mit Haferflocken, Quinoa und Cashew
Ich habe heute das erste Viertel meines Startnext-Gutscheins ausgegeben und sehe den nächsten drei Besuchen entgegen. Bestimmt ergibt sich dann auch die Gelegenheit, mich mit dem sehr sympatischen Julius Schiesser (Bild unten, mitte) länger auszutauschen. Vielleicht bei einem Kaffee und einem (hoffentlich veganen) Kuchen aus der Theke, die dann nicht vom glücklicherweise großen Ansturm an Interessierten geplündert wurde. Ich freue mich darauf.

Kassenbereich mit meinen vier Litern Dinkel

Samstag, 22. Dezember 2018

Daily Insta



Guter Ansatz! Leider finden Veränderungen meist über Geld am ehesten statt. Mehrweg ist zumindest bei Kaffeebechern ohne Probleme möglich. Recup zum Beispiel. Fehlen nur noch Systeme für die Pizza und den Asia-Imbiss 😊 und da muss darauf gehofft werden, dass die Steuereinnahmen auch für städtische Beratung genutzt werden. Danke, Tübingen.

Dienstag, 20. November 2018

Pisa und ihr Einwegbecher


Der Titel hört sich ein wenig nach einem Jugendbuch an, in dem ein fünfzehnjähriges Mädchen die Hauptrolle spielt, deren Eltern dem Buchstaben P aus unerklärlichen Gründen bei der Namensgebung den Vorzug vor dem L gaben. Vielleicht waren es Lolizeibeamte aus Lotzdam? Wer weiß!
Meist tragen die Mädchen in diesen Büchern Reitklamotten, und Ponys spielen die zweite Hauptrolle – „Einwegbecher“ ist, nebenbei bemerkt, ein ebenso merkwürdiger Name für ein Reittier wie Pisa für dessen Reiterin. Passt jedoch gut zu den doch offensichtlich sehr originellen Eltern.

Tatsächlich geht es um das "Programme for International Student Assessment" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durch das die Leistung von Fünfzehnjährigen alle drei Jahre weltweit getestet wird – auch bekannt unter dem Namen PISA-Studie. 2001 stellte sich heraus, dass ein Fünftel der Fünfzehnjährigen in Deutschland eine Leseleistung auf Grundschulniveau hat. Das hat sich zum Glück gebessert. Inzwischen sind unsere Kids immerhin nahezu auf Durchschnittsniveau.

An dieser Stelle kommt der Einwegbecher ins Spiel und das Pony in den Stall, denn, ja, auch das war nach der pfiffigen Einleitung nur eine umso gewitztere Überleitung, um Sie voller Spannung im Lesefluss zu halten. In Wirklichkeit geht es nämlich nicht nur nicht um Pisa und ihr Pony, sondern noch nicht einmal um die gleichnamige Studie. Es geht um Coffee-to-go.
In Deutschland werden jährlich fast 2,8 Milliarden Einweg-Becher hergestellt, für deren Produktion 129.000 Tonnen Papier verbraucht werden. Papier, das offensichtlich, als Lesebuch verwendet, viel sinnvoller zu gebrauchen wäre. Geht man davon aus, dass ein Buch im Schnitt 500 Gramm wiegt, sind das in Summe 260 Millionen Bücher, die auf 11 Millionen Schülerinnen und Schüler verteilt werden könnten. Jeder von ihnen könnte also monatlich zwei Bücher mehr oder überhaupt lesen, wenn wir dafür nur noch Kaffee aus Porzellan- oder Edelstahlbechern tränken. Wäre das nicht toll?

Jetzt mag man sich natürlich fragen, wie man eine Schülerin oder einen Schüler zum Lesen bringt. Natürlich mit zusätzlichen Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern! In der Papierindustrie arbeiten 50.000 Menschen. Bei einer jährlichen Produktionsleistung von 22,6 Millionen Tonnen Papier könnten, ohne die Herstellung der Pappbecher, 285 Beschäftige freigesetzt und zu Lehrkräften umgeschult werden. Pro 38.600 Schülern wäre das ein Lehrkörper mehr! Zugegeben, daran krankt die Theorie ein wenig.

Aber mal ehrlich: So ein Pappbecher ist doch wirklich das widerwärtigste Gefäß, aus dem man ein so edles Getränk wie Kaffee zu sich nehmen kann. Der erste Schluck schmeckt nach Pappe, und erst wenn die Lippen von der Hitze des Aufgusses betäubt sind, kommt etwas von dem Kaffeearoma durch. Verhindern kann ich beides nur durch einen Plastikdeckel zwischen Lippe und Pappe. Damit schmeckt der erste Schluck, wenn ich Pech habe und der Kaffee-Dealer bei einem günstigen Kunststoffhersteller eingekauft hat, stattdessen nach Plastik und bringt mich zusätzlich zu den über 800 Aromen, die das Geröstete-Bohnen-Heißgetränk mir schenkt, in den zweifelhaften Genuss von gesundheitlich fragwürdigen Stoffen aus dem Kunststoff.
Ich wette, Sie stellen sich jetzt zwei Fragen. Die erste ist gewiss, wo sie nun einen guten Kaffee im Mehrwegbecher zu ihrem Buch herbekommen, und die zweite: „Was in aller Welt macht das Pony währenddessen?“
Denken Sie ruhig mal darüber nach!

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Keine To-go-Becher mehr in Nidda - Besuch im Café Glücksmomente in Nidda

Keine To-go-Becher mehr in Nidda

Die Deutsche Umwelthilfe hat es errechnet: Jährlich fallen in Deutschland 320.000 Einwegbecher allein für den mobilen Genuss von Kaffee an. Das sind 40.000 Tonnen Müll im Jahr für einen Gegenstand, der keine 15 Minuten Lebensdauer hat. Ein Recycling wäre möglich, doch wer nimmt den unterwegs genutzten Becher schon mit nach Hause, um ihn dort im Gelben Sack zu entsorgen? Ein Blick in die Müllbehälter an den Bahnsteigen genügt, um eine Ahnung zu bekommen, wo sie tatsächlich landen: Im Restmüll. Damit werden sie der Verbrennung zugeführt und alle enthaltenen Rohstoffe, seien es die Holzfasern aus dem Papieranteil oder das Polyethylen der Beschichtung, sind unwiederbringlich verloren. Den eigenen Becher sieht man zwar ab und an, doch noch immer dominiert das Bild des gehetzt wirkenden Berufspendlers, der auf dem Weg zur Bahn rasch in die Stulle aus der Bäckerfiliale beißt und den stärkenden Bissen mit einem heißen Wachmacher im Pappbecher herunterspült. 

In Nidda hat das nun ein Ende. Nicht in ganz Nidda, doch der Anfang ist gemacht. Als Larissa MacMahon eines Morgens in ihrem Lieblingscafé saß und ihr auffiel, dass es immer wieder dieselben Gäste sind, die einen Einwegbecher nach dem anderen heraustragen, wollte sie etwas ändern. Die 28-jährige Bloggerin recherchierte auf Instagram, wo sie auch mit ihrem Blog larytales vertreten ist, und entdeckte dort das Recup-System. „Zunächst dachte ich, dass niemand in meiner kleinen Stadt daran Interesse haben würde. Dann gab ich mir einen Ruck und fragte dort, wo es meinen besten Soja-Cappuccino gibt!“ Beim Café Glücksmomente rannte sie offene Türen ein. 

Wie funktioniert das Ganze? „Für den Kunden wie bisher“, sagt Inhaberin Leno Brack. Statt eines Pappbechers bestellen die Kunden ihr Kaffeegetränk in einem Recup-Becher. Der Pfand beträgt einen Euro. Dafür gibt es in ihrem Café einen Preisnachlass auf das Getränk, sodass die Ausgabe schon nach der fünften Nutzung ausgeglichen ist. Wer den Becher erst einmal hat, kann ihn im Glücksmomente im Niddaer Industriegebiet „Unter der Stadt“, aber auch bei jedem anderen teilnehmenden Gastonomen abgeben und bekommt einen gespülten Becher mit dem gewünschten Heißgetränk. Natürlich kann man auch einfach den mitgebrachten nutzen. Der Deckel geht in den Besitz des Kaffeetrinkers über, den Becher kann man gegen Pfanderstattung zurückgeben. Warum sollte man jedoch, garantiert Recup doch 500 Nutzungen ihres von BPA und Weichmacher freien Behältnisses.

Seit zwei Wochen sind die Mehrwegbecher nun in ihrem Café erhältlich. Sie ist die erste in der Wetterau, die das Pfandsystem nutzt. Die Kunden nehmen es an. Seitdem wurde kein Einwegbecher mehr verlangt. Auch einige Mitbewerber wurden bereits aufmerksam. Schließlich ist die umweltfreundliche Lösung auch ein wirtschaftlicher Faktor – Einkaufskosten und Abgaben für Einwegbecher fallen weg. Ein Mehrwegbecher ersetzt gut 60 Einwegbecher im Jahr und kann viele Jahre benutzt werden. Mehr als dreimal so ökologisch sind sie im Vergleich. Das hat eine Studie ergeben, die die Umweltministerien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits im Jahr 2008 in Auftrag gegeben hatten. Pappbecher belasten das Klima mit gut 0,027 Gramm CO2 für eine einmalige Nutzung, während Mehrwegbecher aus Polypropylen mit Werten zwischen 0,003 und 0,008 Gramm CO2 pro Nutzung liegen. Warum machen das nicht schon viel mehr Cafés? Das kann uns Leno Brack auch nicht sagen. Doch sie hat den Anfang gemacht. Die Umwelt braucht Pioniere. Wie Larissa, Leno und Recup, die bereits zum Start-up-Unternehmen des Jahres 2018 gekürt wurden.

Samstag, 28. April 2018

Daily Insta


Unterwegs für die Wetterauer Zeitung mit @frl.oeko: "Plastikfrei einkaufen in Friedberg" Nächste Woche zu lesen 😊 #artikel #schreiben #wetterauerzeitung #plastikfrei #nowaste #einkaufen #nachhaltig #Nachhaltigkeit #tegut #friedberg #wetterau #wetteraukreis #Hessen #andreasarnold

Freitag, 1. Januar 2016

Fünfundvierzigster Schritt: Kaffee ohne Umverpackung lokal kaufen und ein letztes Mal Klamotten reduzieren

Ein gutes Trio - ohne Umverpackungsmüll
Ich trinke gerne Kaffee, mittlerweile zwar nicht mehr als alltägliches Frühstücksgebräu, aber doch regelmäßig. Früher trank ich täglich zum Frühstück meine zwei Tassen Kaffee, dazu kam nachmittags die eine oder andere Tasse im Büro und sonntagnachmittäglich der obligatorische Espresso. Durch meine vegane Ernährung habe ich den Frühstückskaffee inzwischen zur wochenendlichen Ausnahme gemacht (Kaffee hemmt die Eisenaufnahme), was mir die Möglichkeit eröffnet, selbigen wieder zu dem Genussmittel zu machen, das er eigentlich sein sollte. Immerhin geht der Kaffee durch zig Hände und wandert einige tausend Kilometer, bis er bei uns ist. Das sollte ein wenig mehr Achtung verdienen. Ebenso, wie die Bauern mehr Achtung verdienen, die sich für unseren Kaffee abschuften. Jetzt, da ich meinen Konsum so stark reduziert habe, kann ich mir nicht nur leisten, einen fair gehandelten Kaffee zu kaufen, sondern auch einen Kaffee, der nicht von den großen Herstellern verarbeitet wurde. Die großen drei Lokalen Wacker, Stern und Gorilla waren lange Zeit meine erste Wahl. Im November hat nun eine Kaffeerösterei in Friedberg eröffnet, die ich gestern besuchen konnte, und ich bin von Golden Brown richtig begeistert. Die Beratung war großartig, freundlich, kompetent, lehrreich. Der Kaffee ist teils direkt bezogen, stammt aus ökologischem Anbau (allerdings noch ohne Zertifikat) und ist gekonnt und mit offensichtlich viel Leidenschaft geröstet. Als das Behältnis geöffnet wurde, das die frisch gerösteten peruanischen Kaffeebohnen enthielt, für die ich mich letztlich entschied, füllte sofort ein Duft den ganzen Raum, der das Herz jeden Kaffeeliebhabers (nicht nur wegen der erwarteten Dosis Koffein) schneller schlagen ließ. Am Abend verkostete ich den frisch gemahlenen und per French Press (wie auch sonst) aufgebrühten Kaffee unseren Silvestergästen, die alle vollends begeistert waren. Zwar glaube ich, dass das Herz des freundlichen Kaffeerösters kurz anknackste, als ich meine mitgebrachte Papiertüte rüber reichte, um meine Kaffeebohnen abfüllen zu lassen. Ich versprach jedoch, sie zuhause Luftdicht umzuverpacken und im Dunkeln zu lagern. Ich glaube, das Herz ist wieder heil, und ich versprechen auf jeden Fall wieder zu kommen. Wer kann schon einer so lokalen Kaffeerösterei widerstehen, dessen Röstaromen fast schon vor der eigenen Haustür lockend wahrgenommen werden können?

"Klamotten auf Stuhl auf Judomatten im Keller"
Stillleben, unbekannter Künstler, vmtl. 2015
Auch nutzte ich den letzten Tag des Jahres, um einen finalen Blick in den Kleiderschrank zu werfen. Wieder habe ich mich von einigen Teilen getrennt, die ich mitsamt der Baumwoll-Tasche, in der ich sie plastikfrei verstaute, dem Roten Kreuz übergab. Beim ersten Aussortieren waren es zielgerecht 50 Teile, die ich weggeben konnte. Der zweite Anlauf brachte nochmal 25 Teile. Dieses mal wurden es 12. Ich glaube, jetzt bin ich durch. An Sportkleidung habe ich zwar noch viel mehr Monturen, als ich theoretisch derzeit brauche; sie sind jedoch für verschiedene Sportarten gedacht: Radler-Monturen, Klamotten für's Fitnessstudio, Laufklamotten, Kampfsporthosen, alles in zwei bis vierfacher Ausfertigung. Die meisten Sportarten betreibe ich episodenhaft und selten parallel. Die Kleidungsstücke wegzugeben, nur weil sie, wie bspw. im Falle der Radlerhosen (insbesondere der pampers-artigen gepolsterten) oder der Fitnessstudioklamotten (Ende der 90er gekauft - Stallone lässt grüßen), seit Jahren nicht getragen wurden, erscheint mir nicht sinnvoll. Vielleicht kaufe ich mir ja mal wieder ein Rad oder gehe Gewichte stemmen. Im Moment reicht mir mein Keller zum Sport machen, doch wer weiß, wohin es mich in Zukunft hintreibt. Die Spannung bleibt, von Episode zu Episode. Auch habe ich mehrfach gezögert, als ich meinen gut gepflegten schwarzen Lederblouson in den Händen hielt, vor vielen Jahren für nicht wenig Geld von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich hatte ihm vor Jahren ein neues Innenfutter gegönnt und ihn doch seit dem nicht mehr getragen. Gleiches Zögern galt einem paar Lederstiefeln, die von mir nagelneue Sohlen kredenzt bekommen hatten, bevor mir wieder eingefallen war, weshalb mich die abgelaufenen Sohlen jahrelang nciht gestört hatten: Sie waren viel zu eng. Die Stiefel konnte ich einem schmalfüßigen Freund vermachen, der sie nun sinnvoll nutzen kann, die neuen Sohlen, die mir das Gefühl aufgedrängt hatten, ihnen aufgesetzte Schuhe, trotz der zu geringenGröße, nicht weggeben zu dürfen. Und die Lederjacke? Nun, vielleicht bin ich doch noch nicht durch.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Neunzehnter Schritt - Staubsaugerbeutel

Hungriger Staubzyklop
Staubsaugerbeutel sind ein weiterer Punkt. Meine Freundin kam auf die Idee. Warum sollte man sie nach der ersten Benutzung wegwerfen? Sie haben ein Loch, in das der Staub reinkommt, also muss er doch da auch wieder rauszubekommen sein. Und – oh, Überraschung – so ist es auch. Es dauert zwar ein paar Minuten und staubt gewaltig, aber kaum ist das Ding leer, kann man es – oh, Wunder – wieder füllen. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wann der Zeitpunkt eingetreten war, ab dem ich aufhörte, meinen Hausverstand zu nutzen. Bei anderen, ebenso alltäglichen Dingen, kommen wir nicht auf so obskure Ideen: „Bekomme ich noch etwas zu trinken!“
„Na, klar. Gib mir dein Glas. Hey, wo ist dein Glas? Warum liegt dein Glas im Müll?“
„Es war doch leer! Man kann es füllen?“
Die Saugleistung ändert sich erst nach unzähligen manuellen Leerungen. Ich vermute, es hat etwas mit der Luftdurchlässigkeit des Beutels zu tun. Irgendwann ist er wohl einfach so sehr von Staub durchsetzt, dass die staubversetzte Luft, die der Sauger reinpumpt, einfach nicht mehr entweichen kann. So wie die Kartoffel im Auspuff das Auto absaufen lässt. "Nein, Kinder, nicht nachmachen. Kartoffeln gehören in den Topf. Der Papa macht nur Spaß! Wehe mein Auto läuft morgen nicht! Keine Pommes mehr! Nie wieder!"

Samstag, 19. April 2014

Zwölfter Schritt - Die Käsedosenodyssee

Tupper? Curver? Was ist das?
Heute ist Samstag. Es ist wieder Wochenmarkt. Da ich jedoch ohnehin zum Wasserkauf in den Supermarkt muss, will ich meinen Einkauf komplett dort erledigen. Wie vielerorts gibt es hier direkt nebeneinander vier Supermärkte und einen Getränkemarkt. Wer jedoch ohne Verpackungsmüll und noch dazu in Bioqualität einkaufen will, für den bleiben von den vier Supermärkten nicht viele übrig. Das komplette Warensortiment, mal abgesehen von den Backautomaten, ist bei den Discountern verpackt. Das wenige unverpackte Gemüse ist leider konventionell angebaut. Die beiden anderen führen zumindest loses Gemüse und haben eine Käsetheke, jedoch nur einer davon in Bioqualität. Ich habe meine Stoffbeutel mit und habe sogar eine Edelstahlbox mitgebracht, um meinen Käse verpackungsfrei mitzunehmen. Der Beutel ist schnell voller Obst und Gemüse. Dem Triumph nahe, wähle ich meinen Frühstückskäse und reiche lächelnd meine Edelstahlbox über die Käsetheke.
„Tut mir leid, dürfen wir nicht. Wegen des HACCP!“, sagt die leicht erkältete Dame am Verkauf.
„Oh! Warum das denn nicht?“, frage ich.
„Es könnten Bakterien drin sein. Wir könnten den Hygiene-Standard so nicht erfüllen. Der Chef achtet da sehr drauf“, sagt sie und schnäuzt sich in ein Papiertaschentuch. „Was darf’s denn sein?“, fragt sie und steckt ihr Taschentuch in den Kittel.
Zum Glück trägt sie Handschuhe, denke ich mir, lehne aber letztlich doch ab. Also, Einkauf ins Auto und doch zu Fuß hoch zum Wochenmarkt. Der gute Käsehändler in seinem rollenden Käseladen freut sich mich wieder zu sehen. Der merkwürdige Kerl, der kein Plastik will, ist wieder da, lese ich in seinen Augen. Als ich die Box herüber reiche, packt er den Käse kommentarlos rein. HACCP gibt es hier nicht. Auch keine Handschuhe. Und sicher ist er auch nicht immun gegen Erkältungen. Aber es erscheint mir irgendwie doch etwas geerdeter. Ich weiß, dass er vor meinem Käse das Wechselgeld des Kunden zuvor in der Hand hatte. Er weiß, dass ich das weiß, und dafür erzählt er mir auch nicht, dass sein Käsemesser nach jedem Schnitt abgekocht wird. Der Käse ist ohnehin voller Milchsäurebakterien. Die werden ihr Revier schon zu verteidigen wissen.


Heimischer Glascontainer!
Unsere ehemalige Tupperware-Schublade hat sich inzwischen inhaltlich merklich verändert. Meine Freundin und ich müssen uns zwar aufwärmen, wenn wir das gefühlte 50 Kilo wiegende Ding öffnen wollen, ohne Muskelzerrungen zu riskieren, doch dafür gibt es jetzt kein Lebensmittel mehr, das wir in Plastik aufbewahren. Kühlschrank, Gefrierschrank, beide sind inzwischen mit Glas und Edelstahl voll. Das eine oder andere haben wir dazu gekauft, vieles haben wir jedoch einfach nur nicht in den Glascontainer geworfen. Wenn der Gesetzgeber das mitbekommt - bitte lesen Sie nicht weiter, Herr Dr. Schäuble -, wird es sicher eine Steuer für die Mehrfachnutzung von Einwegverpackungen geben. Ich sehe mich schon bei meiner Steuererklärung angeben, wie oft ich Gurken-, Marmeladen- und Pesto-Einweggläser mehrfach genutzt habe, denn sie eigenen sich nicht minder gut zum Aufbewahren von Resten des Vortags oder dazu, selbstgemachte Soßen-, Brotaufstriche und ähnliches längere Zeit zu konservieren. Warum 19% Mehrwertsteuer auf ein neues Einweckglas zahlen, wenn ich es auch zu sieben Prozent zu meinen Sauerkirschen hinzubekomme - ich sagte doch, sie sollen nicht weiterlesen. Pfui! - Kein Müll, keine Unkosten, keine Stoffe, die ins Essen abgesondert werden … was will man mehr? - Ja, ich weiß, weitere 12% Steuer wollen SIE, Herr Doktor!

Sonntag, 5. Januar 2014

Zweiter Schritt - Getränke

Getränkeflaschen aus PET von den Discountern sind günstig, leicht zu transportieren und geben satte 25
Wasser. Milch. Glas.
Cent Pfand, wodurch immerhin die Hälfte des Plastikmülls dem Recycling zugeführt wird (die andere Hälfte landet dennoch auf dem Müllberg). Soweit das Positive. Immerhin werden zwar keine
 Phthalate oder andere Weichmacher zur Herstellung benötigt, auch ist laut BfR kein Bisphenol A enthalten, doch dafür Antimon, Acetaldehyd und andere Stoffe, die von der Flasche in das Getränk und von dort aus in mich übergehen. Das süßliche Acetaldehyd schmecke ich sogar heraus. Vielleicht mag das ein Grund sein, weshalb viele Mineralwasservertreiber inzwischen stille Wasser mit Fruchtessenzen anbieten. Birne-Malve überdeckt den Acetaldehyd-Geschmack. Für mich kein gangbarer Weg mehr. Ab jetzt nur noch Wasser aus Glasflaschen. Und natürlich von Quellen in der Nähe. Was nutzt es, den Müllberg zu reduzieren, wenn ich für den Import meines Wassers aus dem japanischen Rokko-Gebirge den Abgas-Müll in der Luft vergrößere?

Ebenso günstig und leicht sind Milch und Säfte in Getränkekartons, für die es allerdings keinen Pfand gibt. Immerhin sind es dennoch 65%, die wiederverwertet werden. Das mag aber auch daran liegen, dass Getränke in Kartons eher zuhause konsumiert werden, wo der "Gelbe Sack" in greifbarer Nähe ist. PET-Flaschen werden augenscheinlich zu einem höheren Anteil unterwegs konsumiert, wo öffentliche Restmülleimer oder der Straßenrand als Entsorgungsmöglichkeiten näher liegen. Andere Quellen sprechen jedoch von 40% oder einer noch geringeren Recyclingquote. So oder so kommen neben dem Pappkarton leider mehrere Schichten Polyethylen und Aluminium zum Einsatz. Gerade Letztgenanntes ist bekanntlich aufgrund des hohen Energieaufwandes bei der Produktion ein Klimakiller, noch zudem Aluminiumionen aus dem Müll auch ins Grundwasser geraten und damit letztlich auch wieder im Nahrungskreislauf landen. Beides möchte ich weder in der Umwelt wissen, noch in meinem Körper haben. Von nun an nur noch Glasflaschen, was allerdings bedingt, dass ich meine Milch nicht mehr bevorraten kann. H-Milch in Flaschen habe ich nicht gefunden. Und ich werde mir wohl einen Entsafter zulegen müssen, denn meinen Orangen- und Gemüsesaft gibt es auch nicht in Glasflaschen.

Glas wird zu über 80% recycelt, und es gibt keine Stoffe in das Getränk ab. Das passt. Auch wenn gerade der Verzicht auf Getränkekartons etwas teurer sein mag, ist es mir das wert. Bestimmt hole ich die Mehrkosten wieder rein, sobald sich der Entsafter in 10 Jahren amortisiert hat. Und bis dahin trinke ich soviel selbst gemachten Möhren-Orangensaft bis ich platze.