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Samstag, 5. Januar 2019

13 wertvolle Tipps für dich, um Verpackungsmüll zu sparen!



1. Immer einen Stoffbeutel mitnehmen

Es ist zwar kein Verpackungsmüll, aber immerhin etwas, das Müll macht: Die Plastik- oder Papiertüte im Supermarkt oder beim Bäcker! Bei jedem Einkauf daran denken zu müssen, eine Tragetasche für den Einkauf mitzunehmen, geht oft schief, und man greift dann doch auf den Tütenerwerb zurück. Die Tüte liegt dann nach Nutzung im Küchenschrank, um sie wiederzuverwenden. Wer jedoch schon den Stoffbeutel regelmäßig vergisst, wird auch keine Plastiktüte zum nächsten Einkauf mitnehmen, und schon ist die nächste Tüte nach dem folgenden Einkauf im Schrank. Das Beste ist es, wenn du je eine Einkaufstasche an all den Stellen deponierst, die mit deinem Einkauf in Verbindung stehen: In der Umhänge- oder Handtasche, im Auto, im Fahrradkorb und in der Lieblingsjacke, und schon klappt es! Jetzt darfst du nur nicht vergessen, sie nach dem Einkauf wieder dorthin zurückzutun ;-)

2. Loses Obst und Gemüse einkaufen

Die beste Methode, das umzusetzen, ist, sich von seinem Einkaufszettel zu verabschieden. Wenn du ein Kochbuch in die Hand nimmst und einen Einkaufszettel nach dem Gericht deiner Wahl schreibst, wirst du vermutlich mit verpacktem Gemüse nachhause kommen, denn selten ist alles unverpackt, was du zu einem Rezept benötigst. Einfacher ist es, Obst und Gemüse einzukaufen, das es lose gibt, und erst in der Küche zu überlegen, was du daraus kochst. Das macht die Malzeiten sehr kreativ, und nach ein paar Wochen hast du den Dreh raus und kannst auch aus Pastinake, Weißkohl und Kürbis ein festliches Drei-Gang-Menü zaubern.

3. Leitungswasser trinken

Cola, Limonade, Mineralwasser, Bier … Von allem einen Kasten im Haus zu haben, ist für viele Standard. Zumeist sind es glücklicherweise immerhin Mehrwegflaschen, doch auch die Einwegflaschen, gerade für das schnelle Getränk unterwegs, aber auch für den Frühstückssaft, haben noch immer Konjunktur. Warum nicht auf Leitungswasser umsteigen? Das ist ohne große Schlepperei verfügbar, verbraucht keinen Platz in Vorratskammer oder Keller und ist ohnehin gesünder als die meisten oft stark zuckerhaltigen Getränke. Für den Geschmack kann die Aufbereitung als Früchtetee sorgen oder fürs Frühstück, es mit einem Stück Obst zu pürieren. Bier? Geh einfach in die Kneipe um die Ecke, wenn du Lust darauf hast. Mit Menschen zu trinken, macht auch mehr Spaß!

4. Getränke für unterwegs vorsorgen

Zum Coffee-to-go, dem Mineralwasser in der Einwegplastikflasche oder dem Pappbecher mit Limonade aus dem Schnellrestaurant ist schnell gegriffen, wenn der Durst da ist, aber der heimische Wasserhahn nicht in der Nähe. Vorsorgen ist einfach. Füll morgendlich den frisch gebrühten Kaffee in die Thermotasse, Leitungswasser in eine kleine Mehrwegflasche, dann einpacken und fertig. Wenn du das regelmäßig machst, möchtest du dich bald gar nicht mehr am Bahnhof für dein Getränk in die Schlange stellen. Und du sparst ordentlich Geld. Im Büro haben wir einen Vollautomaten, der für „läppische“ 50 Cent pro Tasse Kaffee bietet. Ich habe mir die Mühe gemacht, mal zu errechnen, was mich die Tasse meines im Gegensatz fair gehandelten Bio-Kaffees kostet: Ein Fünftel dessen. Noch Fragen?

5. Keine Convenience-Produkte kaufen

Gemüse schnippeln, rein in die Pfanne oder den Topf, würzen, fertig. Selbst zu kochen ist kein Hexenwerk, und dass das Gekochte schmeckt, ist lediglich ein Ergebnis von Trial & Error. „Jedes Mal Kochen ein Experiment, jede Mahlzeit eine Messung“, sagt Kochbuchautor Werner Gruber. Also nur Mut! Frisch gekochtes schmeckt besser, ist gesünder und kann genauso für die nächsten Malzeiten herhalten wie ein Fertiggericht, nur eben besser. Ich koche immer einige Portionen mehr, die ich dann einwecke. Wenn du einen Gefrierschrank nutzt, kannst du es auch einfrieren. Nur frisches Gemüse vom Markt … und am Ende steht ein gesundes, einfach nur aufzuwärmendes Gericht ohne Verpackungsmüll.

6. Brotaufstriche selbst machen

Ich habe zig Kochbücher zuhause, in jedem sind Brotaufstriche mit unzähligen, teils sehr exotischen Zutaten. Das ist schön, und sie sind alle ebenso köstlich wie alltagsuntauglich für mich. Warum? Zum einen, siehe Tipp 2, zum anderen, weil ich mir schlicht nicht die Zeit nehmen möchte, Aufstriche nach Rezept zu bereiten. Etwas viel Einfacheres hat sich bewährt: Ich entnehme etwas von meiner frisch bereiteten Gemüsepfanne, siehe Tipp 5, gebe es beispielsweise zusammen mit Cashewkernen, gekochten Kartoffeln oder Sonnenblumenkernen in den Mixbecher und püriere das Ganze mit dem Stabmixer oder bei größeren Mengen mit dem Blender. Ein bis zwei Gläschen reichen, um meine nächsten Frühstücke zu sichern, und mit den richtigen Gewürzen fällt nicht einmal auf, dass es eigentlich nur pürierte Gemüsepfanne ist. Auch süße Aufstriche lassen sich einfach meistern. Das spart dir fünf und mehr Kilo an Einwegglasmüll im Jahr. Oder eben das Äquivalent aus Plastik!

7. Unverpacktläden und Unverpackt-Optionen in den Supermärkten unterstützen

Manches gibt es im konventionellen Handel in der Regel nur verpackt. Mir fallen da meine Haushaltshelfer Citronensäure, Natron und Soda oder auch Nüsse ein. Die Haushaltshelfer gibt es in vielen Unverpacktläden, von denen es glücklicherweise immer mehr gibt. Noch sind sie auf die Großstädte beschränkt, doch je mehr das Umweltbewusstsein für den Verpackungsmüll in der gesellschaftlichen Mitte ankommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch in Mittel- und Kleinstädte zurückfinden. Immerhin ist das Konzept kein neues – in den sog. Kolonialwarenläden oder Tante-Emma-Läden waren lose Lebensmittel jahrzehntelang schließlich Standard. Auch in Supermärkten gibt es lose Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere für Cerealien, Sämereien und Nüsse, und zwar nicht nur in Bioläden und Reformhäusern, auch Lidl führt verpackungsfrei verschiedene Nusskernsorten.
Um jedoch den ökologischen Vorteil nicht zunichte zu machen, tu dich mit Freunden zusammen. Fahr nicht einzeln in die Großstadt, um 100 Gramm Natron zu kaufen. Frag deine Freunde, was sie brauchen, und komm mit fünf Kilo zurück, die du dann aufteilst. Hilft ja nichts, wenn du die erdölbasierte Plastikverpackung im heimischen Supermarktregal lässt, dafür aber ein Vielfaches in Form von Kraftstoff für deine Einkaufsfahrt verbrauchst.

8. Großverpackungen erwerben

Was machen, wenn es partout keine unverpackte Option gibt, du aber nicht verzichten willst. Die Option kann hier die Großverpackung sein. Du isst gerne Haferflocken zum Frühstück? Fünfhundert Gramm gehen die Woche weg? Dann kauf doch fünf Kilo und sicher dir zweieinhalb Monate, in denen du sie nicht einkaufen musst. Vielleicht findest du fünf weitere Freunde, die auch darauf stehen, dann kauf einen 25-Kilo-Sack und teil ihn auf. Du sparst Verpackungsmüll und zudem noch viel Geld, denn Großgebinde sind für gewöhnlich auch deutlich günstiger. Wichtig: Gerade Getreideprodukte solltest du in luftdicht verschließbare Glasbehältnisse umpacken, sonst isst du die eine Hälfte, und den Rest bevölkern Mehlmotten, wenn du Pech hast. Große Gläser mit bis zu fünf Kilogramm Fassungsvermögen musst du nicht einmal extra kaufen. Feinkostläden bekommen ihre Oliven häufig in solchen Gläsern geliefert. Fragen kostet nichts und mit ein wenig Glück nicht einmal die Gläser!
Und keine Angst vor dem Versandhandel. Solange du deinen Einkauf zu Fuß erledigen kannst, zieh den lokalen Handel natürlich vor. Sobald du jedoch ein Fahrzeug benötigst, verschiebt sich die Ökobilanz. Je mehr Kilometer der Laden weg ist und je weniger Waren du einkaufst, sprich: je geringer die Zuladung deines Fahrzeugs ist, desto ökologischer ist der Versandhandel.

9. Drogerieartikel selbst machen

Deos, Shampoos, Körperlotionen, Duschgels, Flüssigseifen, all das gibt es zuhauf in den Super- und Drogeriemärkten plastikverpackt zu kaufen. Vieles bis hin zu alles davon ist mit wenigen Zutaten und ohne erwähnenswerten Aufwand selbst herzustellen – aus nicht viel mehr als den unter Ziffer 7 aufgeführten Haushaltshelfern. Ich könnte hier meine bewährten Rezepte verlinken, aber schaut doch einfach mal auf Smarticular.net. Ich bin mir sicher, ihr findet dort noch viel mehr Inspirierendes als ich hier erwähnen könnte.

10. Haushaltsreiniger selbst machen

Allzweckreiniger, Kalkentferner, Geschirrspülmittel, Spülmaschinenpulver, Waschmaschinenpulver, all das gibt es zuhauf in den Super- und Drogeriemärkten plastikverpackt zu kaufen. Vieles bis hin zu alles davon ist mit wenigen Zutaten und ohne erwähnenswerten Aufwand selbst herzustellen – aus nicht viel mehr als den unter Ziffer 7 aufgeführten Haushaltshelfern. Ich könnte hier meine bewährten Rezepte verlinken, aber schaut doch einfach mal auf Smarticular.net. Ich bin mir sicher, ihr findet dort noch viel mehr Inspirierendes als ich hier erwähnen könnte und so weiter ;-)

11. Nuss- und Getreidedrinks selbst machen

Du hast gerne Milch oder einen Milchersatz im Müsli oder im Kaffee? Du wirst überrascht sein, wie schnell sich das selbst herstellen lässt. Eine Handvoll Mandeln, Reis oder Hafer in den Mixer, eine Minute pürieren und dann durch ein Sieb laufen lassen, fertig! Ganz ohne Tetra-Pack, Glasflasche oder Kuh!

12. Behältnisse an den Frischetheken mitbringen

Das funktioniert nicht überall. In den Tegut-Filialen funktioniert es ganz prima, an der Fleisch- und Wurst-, Käse-, Fisch- oder Feinkosttheke verpackungsfrei einzukaufen. Dort stellst du dein mitgebrachtes Behältnis einfach auf ein Tablett, mit dem es tariert wird, bevor deine Waren eingefüllt werden. Dann wird es dir auf dem Tablett zurückgereicht und du verschließt es, ohne dass die Verkaufskraft je Kontakt damit hatte. Auch andere Supermärkte entwickeln Konzepte, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es solche Methoden auch bei anderen Mitbewerbern gibt. Bei kleineren Läden wird es oft schon akzeptiert, dass Kunden ihre Behältnisse mitbringen. Selbst unser Gewürzhändler auf dem Wochenmarkt hat auf Nachfrage angeboten, unsere Glasbehältnisse mitzunehmen und zum nächsten Markttag mit den gewünschten Gewürzen gefüllt wieder mitzubringen. Die Hygienebestimmungen sind wichtig, sich aber der Lösung des Problems zu verweigern, ist uninspiriert und ökologisch kontraproduktiv. Man sieht an den Beispielen: Es gibt Wege, wenn man will, und wer nicht will, nun, der kann ja weiter von Kunden leben, die auch nicht wollen ;-)

13. Ruhe bewahren

Ja, es ist in Sachen Umwelt fünf vor zwölf. Wenn du jedoch beispielsweise Heißhunger auf Schokolade hast, und du findest sie nur plastikverpackt, dann kauf sie. Und genieß sie! Keiner schimpft mit dir, und der Minutenzeiger springt deshalb nicht plötzlich auf die Zwölf. Der Unverpacktladen mit der losen Bruchschokolade ist schließlich nicht um die Ecke (falls doch, pfui über dich! Schon mal auf die Uhr geschaut?). Die Sache ist die: Wenn du dein Leben ökologischer gestalten willst, dann geht das nur, wenn du Freude am Leben hast. Stell dich langsam um. Schritt für Schritt. Dann empfindest du die Umstellung weder als Belastung, noch treibt dich die Orientierungslosigkeit, die dann beim Konsum aufkommen kann, in die Lustlosigkeit. Kümmere dich im ersten Monat um Ziffer 1, im zweiten um Ziffer 2, und nach einem Jahr bist du soweit, dich mit Fug und Recht als Verpackungsmüllvermeider*In bezeichnen zu können. Gratuliere!

Dienstag, 13. März 2018

Rhabarberbarbara oder Wenn wir mehr Verpackung als Produkt erwerben

Kaugummis
Quelle: Stephanie Kässmayer
Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich durch die Supermärkte schlendere. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Dinge zu verpacken, die andere dann auspacken dürfen. Menschen lieben es, Sachen auszupacken. Das erklärt, warum unboxing ein so beliebter Hashtag auf allen Kanälen ist. Und was wir nicht alles auspacken! Manches davon verstehe ich noch. Ein Kaugummi ist einzeln verpackt, damit wir anderen einen anbieten können, ohne dass deren Hände sie kontaminieren. Wenn der Hersteller viele davon zu einem günstigeren Preis anbieten möchte, packt er die vielen einzeln verpackten Kaugummis in ihrer Zehnerpackung zu zwanzig Stück in eine Großverpackung. Da er dem Händler natürlich nicht nur eine Großverpackung mit zwanzig Verpackungen von zehn verpackten Kaugummis verkaufen will, bietet er eine Verpackung mit zwölf Großverpackungen von je 20 Verpackungen von je zehn einzeln verpackten Kaugummis auf einer mit Folie umschlagenen Euro-Pallette an. Warum ich schmunzele? Weil es mich an die Rhabarberbarbarabarbarbaren erinnert, die in der Rhabarberbarbarabar Rhabarberbarbaras Rhababerkuchen essen. Wir satteln so lange noch eine Verpackung drauf, bis wir es endlich geschafft haben, die Entsprechung eines Zungenbrechers in Müll statt in Worten zu erschaffen und mehr Verpackung zu kaufen als vom Produkt selbst. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto seltener schmunzele ich allerdings. Ich möchte hier ein paar Beispiele aufführen, bei denen ich mit offenem Mund vor dem Regal stehe. Das erschwert das Schmunzeln deutlich. Probieren Sie das einmal! Mit einem O des Erstaunens im Gesicht, ist es tatsächlich unmöglich zu lächeln.

Hartgekochte Eier in Plastikverpackung
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Hier kommen die Top drei der Dinge, die mich hinderten zu schmunzeln: Den dritten Platz hat das geschälte hartgekochte Ei, das uns nun in der Osterzeit wieder begegnen wird. Es befindet sich in einer Plastikverpackung mit einem kleinen Tütchen Salz. Mal ganz ehrlich, wer es schafft, ein Ei aus dem Plastik zu friemeln, schafft es doch auch, es aus der Schale zu pellen. Ohne Kalkschale ist es zudem ungeschützt, weshalb eine Schutzatmosphäre in der Plastikverpackung geschaffen werden muss, indem Stickstoff hineingepumpt, bevor es luftdichtverschlossen wird.

Orange in Plastikverpackung
Quelle: Twitter Nathalie Gordon
Platz zwei hält die geschälte Orange in der Plastikverpackung. Die Verletzungsgefahr sinkt zwar, da sich niemand mehr die ätherischen Öle der Schale beim Lösen vom Fruchtfleisch ins Auge spritzt. Allerdings entgeht einem auch der Geruch im ganzen Raum, der sich noch so lange hält, dass selbst eine Stunde später ein Hinzukommender weihnachtliche Gefühle entwickelt und zwar noch weit vor dem Lebkuchenveraufsstart im September. Reicht es nicht, dass viele Kinder nicht mehr wissen, wo die Milch herkommt? Müssen Kinder zukünftig auch noch unschlüssig vor Orangen in Schale stehen, nicht wissend, ob man sie essen oder damit im Sport aufeinander werfen soll?

Coca-Cola-Dose in Plastikverpackung
Quelle: keptelenseg.hu
Platz eins hält eindeutig die Coca-Cola-Dose in der hygienischen Plastikschale. Natürlich möchte man seine Lippen nicht an etwas heranführen, woran ein Schelm welchen kontaminierenden Schabernack auch immer getrieben haben mag, aber würde es nicht reichen, ein Glas zu nutzen, statt direkt aus der Dose zu trinken?





Live habe ich die Plätze zwei und eins hierzulande zum Glück noch nicht gesehen, doch das Ei ist ein gefährlicher Wegbereiter. Wenn es soweit ist, dann, habe ich mir geschworen, werde ich Rhabarberbarbarabarbarbar und esse nur noch unverpackten Rhababerkuchen in Rhabarberbarbaras Rhabarberbarbarabar.

Dieser Beitrag steht als Podcast zur Verfügung:

Sonntag, 23. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXIII

"Auch du, mein Sohn Brutus?", ertönte ein berühmter letzter Satz weit vor der Zeit, als Plastik erst bekannt und dann rasch zum Problem wurde. Es war die Zeit der Tonkrüge und Zaunköniglebern.
Natürlich wurde ich nicht erdolcht, wie der gute alte Julius C. aus R., und im Gegensatz zu Brutus, der nur dessen Vertrauter und nicht Sohn war, kam der Dolch in meinem Fall in Form des Müllanfalls einer Plastiktüte tatsächlich aus den Händen meines geliebten Filius'. Nichts ahnend gab ich ihm, den mittäglichen Moment meiner physischen Abwesenheit väterlich-wohlwollend entschädigend, Geld in die noch jungen Hände, auf dass er sich in unserem berühmten Salzhause einen Burger holen möge. 
Als ich zurückkehrte, spürte ich physisch jenen Stich im Rücken, den auch Cäsar verspürt haben mag: Eine Plastiktüte nebst zweier papierner Behältnisse, zum Verzehr der erworbenen Speisen im trauten Heim ausgegeben, lagen in meiner Kemenate. "Oh, juvenile Narretei! Weiß er nicht, dass ich Plastik faste?", kam mir in den Sinn. "Warum, oh Sohn, bestelltest du am Orte des hohen Genusses, doch aßest nicht daselbst?", frug ich, schwer atmend. Er, die rosigen Wangen, einem Eichhorn gleich, doch nicht mit Nüssen für den Winter, sondern mit unzähligen Bissen kunstvoll zusammengestellter Schnellspeise prall gefüllt, antwortet: "Häh?"
Zurecht! Natürlich sagte ich meinem Junior, er hätte doch auch dort essen können, dann wäre kein Müll angefallen. Ich erklärte ihm, wie unsinnig es doch sei, für wenige Minuten Nutzungsdauer all die Ressourcen und Energie für die Produktion zu verschwenden.
"Dann wirf sie doch einfach nicht weg!", antwortete er. "Recht hat er!", dachte ich. Tüte und Pappschachteln wandern erst einmal in den Schrank. Bestimmt gehen wir raus und wandern, sobald es wieder warm ist. Zwei Pappschachteln für zwei belegte Brötchen und eine Tüte für ... Na ja, mir wird schon etwas einfallen. Vielleicht fülle ich einfach eiskaltes Wasser rein und überrasche ihn damit, wenn er mit der nächsten Plastiktüte nebst zweier Burgerschachteln nachhause kommt.
Friere und lerne!

Mittwoch, 1. Februar 2017

Dreiundsechzigster Schritt: Die Kraft der Erkältung nutzen

"Zitrone vor gänzendem Bad"
Stillleben, Arnold, 2017
Krank zu sein, hat nicht nur Nachteile. Der Vorteil an einer ordentlichen Erkältung ist - zumindest bei mir -, dass unzählige Zitronenschalen als Kompostmüll anfallen, da Zitronensaft und Ingwer als Wundermittel erkältungsbegleitend nicht fehlen dürfen. Wohin damit? Im Buch von Smarticular habe ich gelesen, dass sie zusammen mit Essig einen sehr guten Badreiniger abgeben sollen. Die Zubereitung ist einfach. Ich habe Zitronenschalen kleingeschnitten, in ein Glasgefäß gegeben und vollständig mit Essig bedeckt. Da die Schalen teils auf der Oberfläche schwammen, habe ich das Glas in den drei Wochen, die es reifte, alle paar Tage geschüttelt und umgedreht. Irgendwann war der Essig braun geworden, was laut Buch das Zeichen ist, dass die Zitrus-Essig-Lösung fertig ist. Die Wirkung war überzeugend. Ich hatte einen Lappen getränkt und damit Armaturen und Porzellan gewischt. Bereits beim ersten mal gingen alle Kalkflecken weg. Mein Badezimmer roch zwar einen Tag lang als sei eine Schlägerei zwischen einem Essig- und einem Obsthändler eskaliert, doch das Ergebnis ist das wert. Endlich nach sechs Wochen kann ich wieder Besuch empfangen, ohne leugnen zu müssen, dass es mein Badezimmer ist.


Donnerstag, 24. März 2016

Fünfzigster Schritt: Angrillen ohne Herrn Weber

Juchee! Frühling! Zeit zum Angrillen. Was gibt es männlicheres für einem Mann bzw. fraulicheres für eine Frau als den rostigen Kugelgrill von den winterlichen Spinnweben bar zu machen und die herrlich frische Frühlingsluft mit den Aromen eines Waldbrandes zu begrüßen?
Ganz Mann, wie ich mich nun einmal wähne, stellte ich mich in die Balkontür und sagte: "Frau, der Lenz ist da! Wir grillen!"
Ganz Frau, wie meine Liebste nun einmal ist, ignorierte sie mich vollkommen und ließ mich solange in der Tür stehen, bis es mich fröstelte.
Jedenfalls wird morgen gegrillt. Der Steinzeitmensch in mit fordert ein Sojasteak mit Grillmuster - natürlich selbst erjagt, wie es für einen Mann seit ehedem Tradition ist. Vorab war der Gang in den Baumarkt nötig, um die nötige Kohle zu erwerben - Briketts natürlich, denn nur Anfänger grillen mit Holzkohle. Endlich eine Großpackung Bricketts, dachte ich mir, als ich den dicken Sack Weber-Grillbriketts von einem Rudel Artgenossen umgeben in seinem Gehege stehen sah. Dann hielt ich ihn in der Hand und dachte, dass sich die Verpackung doch merkwürdig glatt anfühle. Mit dem zweiten Blick erfasste ich den Zip-Beutel-Mechanismus, der den Sack wiederverschließbar macht. Grillkohle, die seit ich ein Kind war, schon immer im Papiersack zu erwerben war, in einem Plastikbeutel? Wiederverschließbar?
Der Öko in mir springt als kleiner geflügelter Kobold auf meine linke Schulter. Er trägt Birkenstock und ein gebatiktes, verwaschenes Hemd.
"Was soll denn das?", fragte er entsetzt. "Mit 11,7 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land soviel Plastik im Jahr wie Deutschland. Bis zu 180 Tausend Tonnen Grillkohle wandert jährlich über die Ladentheke. Die gute Weber nun in Plastik? Wie viel Plastikmüll soll es noch werden, bis der Verstand selbst zu grillen beginnt?"
Der Steinzeitmensch in mit springt als geflügelter Kobold auf meine rechte Schulter. Im Gegensatz zum Öko trägt er nur einen langen zottigen Bart.
"Schon unsere Vorfahren grillten plastikfrei", konstatierte er entrüstet. "Was soll der Unsinn, Herr Weber? Und wiederverschließbar? Damit ich für den Fall, dass der Säbelzahntiger mich beim Grillen überrascht, meine Kohle wasserdicht verpackt durch den rettenden See ziehen kann, um am trockenen jenseitigen Ufer mein Sojasteak zuende zu grillen?"
Ich lasse die gute Weber stehen und nehme mir einen papierverpackten Kohlesack - in einem kleineren Gebinde zwar. dafür ist"ökologisch produziert" darauf zu lesen.
"So einig wart ihr euch noch nie!", sagte ich zu meinen Schultern, was die Kassiererin im Baumarkt mit einem verwirrten Brauenheber quittiert.
"Moment! Sojasteak?", hörte ich den Steinzeitkobold noch sagen, bevor er nebst Kollegen mit einem "Puff" auch für mich verschwand.
"Meine Alter Ego!", sagte ich zur Kassierin.
"Hatte ich auch mal", antwortete sie und wünschte mir schöne Ostern.
Ich freue mich auf das Angrillen. Und darüber, dass die meisten Köhler noch zu den Traditionen ihrer Väter stehen.

Dienstag, 15. März 2016

Achtundvierzigster Schritt: Ein Licht aufgehen lassen

Die Erleuchtung? Leider nicht zur Gänze!
Jahrelang war es der schnelle Griff in die große Metallkiste nahe des Kassenbereichs, nachdem ich im schwedischen Möbelhaus KÖTTBULLAR essen war, obwohl ich eigentlich Möbel kaufen wollte, der mich en passant unbedacht zum stolzen Besitzer von 100 Teelichtern im praktischen Plastiksack machte. Mit vollem Bauch und hungrig zuhause angekommen, kamen sie dann in eines der SMARASSEL zu den sechs angebrochenen 100er-Packungen GLIMMA, und immer wunderte ich mich, weshalb unter ihnen stets zwei bis drei ungeöffnete lagen und wie ich es geschafft hatte, auch noch unbemerkt einen Beutel BEVERA gekauft zu haben. Aber, hey, die Stromnetze sind anfällig, dachte ich mir immer. Die Nachbarn werden es mir danken, wenn ich Wochenrationen an Kerzen für mehrere Haushalte im Keller deponiert habe. Und falls es mal einen Wasserrohrbruch bei den Nachbarn gäbe, würden sich auch die BEVERA bewähren.
Seit letztem Jahr hat sich viel geändert: Die schwedischen Happen gibt es nun auch vegan, und ich habe eingesehen, dass weder ein wochenlanger Stromausfall voll nachbarschaftlicher Dankbarkeit in Aussicht ist, noch dass sich Plastikverschlussklemmen bei einem Wasserrohrbruch als nützlich erweisen würden.
Zeichensetzen gegen Plastik und Aluminium
Die Teelichter sind jetzt aufgebraucht, und ich habe mich auf die Suche gemacht. Ziel: plastikverpackungs- und aluminiumhülsenfreie Kerzen (Aluminium ist ökologisch kaum weniger bedenklich als Plastik). Schnell wurde ich im Bioladen um die Ecke fündig: Primavera produziert Teelichter ohne Aluminiumhülse und in Papierverpackung. Der Blick auf die Zusammensetzung war jedoch etwas ernüchternd. Abgesehen vom Paraffin (aus Erdöl), Bienenwachs (na, ja, von Bienen halt) ist auch Stearin enthalten. Stearin wird aus Palmöl gewonnen, das aufgrund der massiven Bedrohung für den Regenwald durch Anlage von Palmölplantagen kritisch zu betrachten ist. Bio-Stearin ist es leider nicht, so dass ein nachhaltiger Anbau wohl auszuschließen ist. Sobald die leer sind, teste ich mal die bei Hans-Natur gefundenen Bio-Teelichter mit recyceltem Alubecher und die bei Waschbär gefundenen Öko-Teelichter ganz ohne Alu und aus lokal recycelten Fetten. Die Bewertungen von Letztgenannten sind zwar durchwachsen, aber - ich entschuldige mich vorab für diesen vorhersehbaren und denkbar schlechten Kalauer, der sich aber nahtlos in die vorangegangenen einreiht - es ist ja auch Kerzenwachs. Darauf einen Teller GRÖNSAKSBULLAR!

Freitag, 1. Januar 2016

Fünfundvierzigster Schritt: Kaffee ohne Umverpackung lokal kaufen und ein letztes Mal Klamotten reduzieren

Ein gutes Trio - ohne Umverpackungsmüll
Ich trinke gerne Kaffee, mittlerweile zwar nicht mehr als alltägliches Frühstücksgebräu, aber doch regelmäßig. Früher trank ich täglich zum Frühstück meine zwei Tassen Kaffee, dazu kam nachmittags die eine oder andere Tasse im Büro und sonntagnachmittäglich der obligatorische Espresso. Durch meine vegane Ernährung habe ich den Frühstückskaffee inzwischen zur wochenendlichen Ausnahme gemacht (Kaffee hemmt die Eisenaufnahme), was mir die Möglichkeit eröffnet, selbigen wieder zu dem Genussmittel zu machen, das er eigentlich sein sollte. Immerhin geht der Kaffee durch zig Hände und wandert einige tausend Kilometer, bis er bei uns ist. Das sollte ein wenig mehr Achtung verdienen. Ebenso, wie die Bauern mehr Achtung verdienen, die sich für unseren Kaffee abschuften. Jetzt, da ich meinen Konsum so stark reduziert habe, kann ich mir nicht nur leisten, einen fair gehandelten Kaffee zu kaufen, sondern auch einen Kaffee, der nicht von den großen Herstellern verarbeitet wurde. Die großen drei Lokalen Wacker, Stern und Gorilla waren lange Zeit meine erste Wahl. Im November hat nun eine Kaffeerösterei in Friedberg eröffnet, die ich gestern besuchen konnte, und ich bin von Golden Brown richtig begeistert. Die Beratung war großartig, freundlich, kompetent, lehrreich. Der Kaffee ist teils direkt bezogen, stammt aus ökologischem Anbau (allerdings noch ohne Zertifikat) und ist gekonnt und mit offensichtlich viel Leidenschaft geröstet. Als das Behältnis geöffnet wurde, das die frisch gerösteten peruanischen Kaffeebohnen enthielt, für die ich mich letztlich entschied, füllte sofort ein Duft den ganzen Raum, der das Herz jeden Kaffeeliebhabers (nicht nur wegen der erwarteten Dosis Koffein) schneller schlagen ließ. Am Abend verkostete ich den frisch gemahlenen und per French Press (wie auch sonst) aufgebrühten Kaffee unseren Silvestergästen, die alle vollends begeistert waren. Zwar glaube ich, dass das Herz des freundlichen Kaffeerösters kurz anknackste, als ich meine mitgebrachte Papiertüte rüber reichte, um meine Kaffeebohnen abfüllen zu lassen. Ich versprach jedoch, sie zuhause Luftdicht umzuverpacken und im Dunkeln zu lagern. Ich glaube, das Herz ist wieder heil, und ich versprechen auf jeden Fall wieder zu kommen. Wer kann schon einer so lokalen Kaffeerösterei widerstehen, dessen Röstaromen fast schon vor der eigenen Haustür lockend wahrgenommen werden können?

"Klamotten auf Stuhl auf Judomatten im Keller"
Stillleben, unbekannter Künstler, vmtl. 2015
Auch nutzte ich den letzten Tag des Jahres, um einen finalen Blick in den Kleiderschrank zu werfen. Wieder habe ich mich von einigen Teilen getrennt, die ich mitsamt der Baumwoll-Tasche, in der ich sie plastikfrei verstaute, dem Roten Kreuz übergab. Beim ersten Aussortieren waren es zielgerecht 50 Teile, die ich weggeben konnte. Der zweite Anlauf brachte nochmal 25 Teile. Dieses mal wurden es 12. Ich glaube, jetzt bin ich durch. An Sportkleidung habe ich zwar noch viel mehr Monturen, als ich theoretisch derzeit brauche; sie sind jedoch für verschiedene Sportarten gedacht: Radler-Monturen, Klamotten für's Fitnessstudio, Laufklamotten, Kampfsporthosen, alles in zwei bis vierfacher Ausfertigung. Die meisten Sportarten betreibe ich episodenhaft und selten parallel. Die Kleidungsstücke wegzugeben, nur weil sie, wie bspw. im Falle der Radlerhosen (insbesondere der pampers-artigen gepolsterten) oder der Fitnessstudioklamotten (Ende der 90er gekauft - Stallone lässt grüßen), seit Jahren nicht getragen wurden, erscheint mir nicht sinnvoll. Vielleicht kaufe ich mir ja mal wieder ein Rad oder gehe Gewichte stemmen. Im Moment reicht mir mein Keller zum Sport machen, doch wer weiß, wohin es mich in Zukunft hintreibt. Die Spannung bleibt, von Episode zu Episode. Auch habe ich mehrfach gezögert, als ich meinen gut gepflegten schwarzen Lederblouson in den Händen hielt, vor vielen Jahren für nicht wenig Geld von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich hatte ihm vor Jahren ein neues Innenfutter gegönnt und ihn doch seit dem nicht mehr getragen. Gleiches Zögern galt einem paar Lederstiefeln, die von mir nagelneue Sohlen kredenzt bekommen hatten, bevor mir wieder eingefallen war, weshalb mich die abgelaufenen Sohlen jahrelang nciht gestört hatten: Sie waren viel zu eng. Die Stiefel konnte ich einem schmalfüßigen Freund vermachen, der sie nun sinnvoll nutzen kann, die neuen Sohlen, die mir das Gefühl aufgedrängt hatten, ihnen aufgesetzte Schuhe, trotz der zu geringenGröße, nicht weggeben zu dürfen. Und die Lederjacke? Nun, vielleicht bin ich doch noch nicht durch.

Sonntag, 18. Januar 2015

Siebenundzwanzigster Schritt - kleiner Teebeutel, große Wirkung

So sieht's mal aus! Hoffentlich überträgt sich
der Earl Grey nicht auf den Earl Grey daneben!
Ich bin baff, Tegut. Ihr habt doch tatsächlich geantwortet. Gerade einmal ein Monat musste vergehen, bis mir eine Antwort zuteil wurde. Bis Fulda ist es natürlich auch recht weit, und bis die E-Mail dann auch noch den Weg zu mir zurück gefunden hatte … Nun, sie ist da! Wie schön! Über 300 Wörter, habt ihr mir gewidmet. Ich werde als Kunde ernst genommen. Zwar beschäftigt sich ein Drittel der Wörter mit dem kompostierbaren Knotenbeutel, den ihr eingeführt habt, um es Kunden wie mir fortan zu ermöglichen, Gemüse mit gutem Gewissen nachhause transportieren zu können. Einem Knotenbeutel, den ich zwar nicht thematisiert hatte und auch nicht nutze, weil ich und jeder andere, der das möchte, mit geringstem Organisationsaufwand gar keinen Beutel bräuchte, um Gemüse zu kaufen. Aber es war schön, sich darüber auszutauschen, und es ist ja auch eine gute Sache. Ihr setzt euch mit mir und meinem Streben nach Nachhaltigkeit auseinander. 138 Wörter widmet ihr anschließend dem eigentlichen Thema: Unnötigerweise einzeln in Plastik verpackten Teebeuteln. Zum einen sprecht ihr von Aroma und Frische, die nur der Plastikverpackung zu verdanken seien. Schön und gut, doch kann ich beim besten Willen keinen qualitativen Unterschied erkennen, bspw. zwischen dem Pfefferminztee von Meßmer und dem von Tegut. Natürlich habe ich keine Doppelblindstudie mit 50 Teilnehmern durchgeführt, die mein persönliches Empfinden stützen würde. Aber ich bin einfach mal so frei zu unterstellen, dass es weniger die Plastikverpackung ist, die einen aromatischen und frischen Tee ausmacht, sondern mehr die Qualität der Teeblätter und die Transportzeiten. Meßmer schafft das offensichtlich mit Papierverpackungen. Wenn ihr dann noch mit Stolz postuliert, dass durch die Plastikeinzelkuverts „nun verschiedene Teesorten unproblematisch zusammen in einem Aufbewahrungsgefäß gelagert werden“ können, frage ich mich, wie hoch der Anteil an Menschen ist, die sich die Mühe machen, alle Teebeutel in so hübsche Holzkästchen zu packen, die dann aber nicht mehr in einen üblichen Küchenschrank Platz finden. Aber, wie bereits geschrieben, ich habe das ja auch nicht empirisch erhoben, so dass ich mich nur fragen kann. Auch stelle ich in Frage, ob tatsächlich eine Aromaübertragung stattfinden würde. „Hey, mein Pfefferminztee schmeckt ja nach Erdbeer-Vanille!“ „Oh, tut mir leid. Liegt an den Papiereinzelkuverts. Das Aroma ist wohl übertragen worden. Aber, warte mal. Ich habe gar keinen Erdbeer-Vanille-Tee. Das ist doch Holunder-Rhabarber!“
Zu guter Letzt merkt ihr an, dass ja seit der letzten Überarbeitung auf die Plastikhülle um den Karton herum verzichtet würde. Das ist gut so. Und ein erster Schritt. Aber ich glaube, dass ihr damit nur einen Teil dessen erfüllt, was euer Kundenstamm wollen würde. Die Tegut-Kundenschaft denkt größtenteils nachhaltiger als andere Supermarktkunden – da bin ich mir auch ohne Studie sicher -, und seien wir ehrlich: Ich bin nicht derjenige, der Studien durchführen muss. Die Kundenbefragung liegt an euch, wenn ihr anbieten wollt, was die Tegut-Kundinnen und -Kunden wünschen. Ich weiß, dass ich nicht alleine mit meinem Anliegen bin, Plastikverpackungen zu reduzieren. Das weiß ich vor allem deshalb, weil ich bereits einige eurer Antwortmails auf Anfragen meiner Blogbesucher zugespielt bekam und ihr jedem den gleichen Text sendet. Das wiederum lässt mich vermuten, dass meine Anfrage nicht die erste in diesem Kontext war - obwohl es mich freilich stolz machen würde, einen Textbaustein in eurem Anfragenbearbeitungsprogramm generiert zu haben.  Ich hoffe, dass nach dem nächsten Schritt papierne Einzelkuverts zum Einsatz kommen. Denn es ist mitnichten so, dass ein hochwertiger Tee nur in Kunststoff daher komme. Es ist ein einfacher Pfefferminztee, kein Heil-Tee. Da könnt ihr ruhig etwas entspannter sein, wenn es um die Verpackung geht. Also, vorwärts Tegut. Bis dahin trinke ich halt, Tee von Meßmer - den ich aber nach wie vor im Tegut-Markt kaufe, weil ihr eure Sache alles in allem gut macht! Und ihr, meine treuen Leserinnen und Leser, wendet euch gerne weiterhin per Email an Tegut, wenn ihr auch keine Plastikeinzelkuverts wollt (info@tegut.com). Das geht schneller, als eine Kundenumfrage zu machen. Heute die Teebeutel, morgen der Plastikmüll im Ozean. Prost!

Ach, ja, noch eins zum Abschluss, in den nächsten Wochen wird mein Freund Dennis, der sich mit dem Thema Minimalismus auseinandersetzt, ein paar Gastbeiträge schreiben. Freut euch mit mir.

Donnerstag, 21. August 2014

Einundzwanzigster Schritt - Supermarkt- und Internetjagd nach Papierverpackungen

Pappkameraden in Reih und Glied
Manche Dinge bekommt man einfach nicht ohne Plastik. Das war mein Eindruck, als ich im Dezember anfing, mich mit der Plastikmüllvermeidung zu beschäftigen. Aber je länger ich offenen Auges durch die
Supermärkte und Discounter streife, desto mehr finde ich. Leider nicht alles in einem Laden, aber vielleicht macht ja bald einer der Unverpackt-Läden auch im Rhein-Main-Gebiet auf, in Kiel und Berlin gibt es sie ja schon. Bei Pasta war ich am Verzweifeln und sah mich künftig alle zwei Tage Nudeln selbst machen, was so in etwa meinem Nudelkonsum entspricht. Wo wäre dann noch Zeit zum Bloggen geblieben? Oder zum Schlafen? Vielleicht hätte ich eine Halbtagsstelle annehmen müssen, um Pasta machen zu können. Doch gestern wurde ich fündig: Barilla führt Nudeln in Papierverpackung! Yes! Keine Nudeln selbst machen müssen. Ich kann weiter bloggen und dabei Spaghetti essen. Allerdings muss ich auch weiter Vollzeit arbeiten. Danke, Barilla. Selbst bei Gewürzen wurde ich mittlerweile fündig, obwohl ich da noch skeptischer war. Immerhin führen Fuchs und Ossmann tatsächlich nur Produkte in Plastik; selbst die Glasbehältnisse haben einen Plastikdeckel. Und mal ganz ehrlich, so ein Glasding ist auch nur einmal sinnvoll zu kaufen. Danach sind nur noch Nachfüllpackungen angebracht, und die gibt es ja nur in Plastik. Zumindest von Fuchs und Ostmann. Im Reformhaus fand ich Gewürze von Brecht. In Bio-Qualität. Verpackt in einer Papiertüte, die in einem kleinen Karton steckt. Und das zu einem Preis, der sich nicht wesentlich unterscheidet. TK-Gemüse und -Obst gibt es neben den plastikvertüteten auch in Papierschachteln. Wenn ich genau hinschaue, ist die Auswahl nicht gering. Einzig muss ich mein Einkaufsverhalten ändern. Ich wechsele die Märkte für meinen Großeinkauf nun wöchentlich und nehme immer das mit, was ich in den anderen Märkten nicht plastikfrei bekomme. So habe ich manchmal nicht alles für ein Gericht im gleichen Einkauf zusammen, aber besser langfristig planen als Supermarkttourismus mit dem Auto zu betrieben. Sonst ist der ökologische Fingerabdruck bald mit Reifenprofil versehen.


Kommt nicht in die Tüte? Sehr wohl!
Hoffnungslos war ich bei getrockneten Hülsenfrüchten und Konsorten. Bohnen, Linsen, Erbsen und andere eiweißreiche Hülsenfrüchte sind täglich auf meinem Speiseplan, und bislang fand ich sie tatsächlich nur in Plastikverpackung. Selbst im Tegut, dem Markt der immerhinder erste in Hessen war, der Plastikeinkaufstüten aus dem Verkauf nahm, gab es keine Alternative. Nun ist auch diese Suche von Erfolg gekrönt. Das Internet half. Sonntag habe ich bei http://www.mein-muesli-laden.debestellt. Dort gibt es nicht nur Hülsenfrüchte, sondern auch Getreide und Sämereien in Papierverpackung. Sehr schnell kam eine persönliche Email, dass sie schon fast alles gepackt hätten, nur eine Großpackung müsse in vier kleinen Verpackungen geliefert werden. Als ich darauf hinwies, dass ich gerne Plastikmüll sparen würde, bot man mir freundlich an, die PU-Verpackungen zu entfernen, in den dortigen PU-Müll zu geben und es in Papier zu verpacken, was immerhin besser ist, als es hier in den gelben Sack zu packen. Gestern kam das Paket an: Alles in doppelter Papiertüte verpackt. Noch dazu ein handschriftliches Briefchen, in dem sich der Versender für die Initiative bedankte, darauf hinwies, sogar auf Plastikfüllmittel im Paket verzichtet zu haben und sich entschuldigte, dass die kostenlosen Dreingaben noch in Plastik verpackt seien. Von so viel Service bin ich echt sprachlos. Ganz toll und sicher nicht meine letzte Bestellung.