Dienstag, 13. März 2018

Rhabarberbarbara oder Wenn wir mehr Verpackung als Produkt erwerben

Kaugummis
Quelle: Stephanie Kässmayer
Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich durch die Supermärkte schlendere. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Dinge zu verpacken, die andere dann auspacken dürfen. Menschen lieben es, Sachen auszupacken. Das erklärt, warum unboxing ein so beliebter Hashtag auf allen Kanälen ist. Und was wir nicht alles auspacken! Manches davon verstehe ich noch. Ein Kaugummi ist einzeln verpackt, damit wir anderen einen anbieten können, ohne dass deren Hände sie kontaminieren. Wenn der Hersteller viele davon zu einem günstigeren Preis anbieten möchte, packt er die vielen einzeln verpackten Kaugummis in ihrer Zehnerpackung zu zwanzig Stück in eine Großverpackung. Da er dem Händler natürlich nicht nur eine Großverpackung mit zwanzig Verpackungen von zehn verpackten Kaugummis verkaufen will, bietet er eine Verpackung mit zwölf Großverpackungen von je 20 Verpackungen von je zehn einzeln verpackten Kaugummis auf einer mit Folie umschlagenen Euro-Pallette an. Warum ich schmunzele? Weil es mich an die Rhabarberbarbarabarbarbaren erinnert, die in der Rhabarberbarbarabar Rhabarberbarbaras Rhababerkuchen essen. Wir satteln so lange noch eine Verpackung drauf, bis wir es endlich geschafft haben, die Entsprechung eines Zungenbrechers in Müll statt in Worten zu erschaffen und mehr Verpackung zu kaufen als vom Produkt selbst. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto seltener schmunzele ich allerdings. Ich möchte hier ein paar Beispiele aufführen, bei denen ich mit offenem Mund vor dem Regal stehe. Das erschwert das Schmunzeln deutlich. Probieren Sie das einmal! Mit einem O des Erstaunens im Gesicht, ist es tatsächlich unmöglich zu lächeln.

Hartgekochte Eier in Plastikverpackung
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Hier kommen die Top drei der Dinge, die mich hinderten zu schmunzeln: Den dritten Platz hat das geschälte hartgekochte Ei, das uns nun in der Osterzeit wieder begegnen wird. Es befindet sich in einer Plastikverpackung mit einem kleinen Tütchen Salz. Mal ganz ehrlich, wer es schafft, ein Ei aus dem Plastik zu friemeln, schafft es doch auch, es aus der Schale zu pellen. Ohne Kalkschale ist es zudem ungeschützt, weshalb eine Schutzatmosphäre in der Plastikverpackung geschaffen werden muss, indem Stickstoff hineingepumpt, bevor es luftdichtverschlossen wird.

Orange in Plastikverpackung
Quelle: Twitter Nathalie Gordon
Platz zwei hält die geschälte Orange in der Plastikverpackung. Die Verletzungsgefahr sinkt zwar, da sich niemand mehr die ätherischen Öle der Schale beim Lösen vom Fruchtfleisch ins Auge spritzt. Allerdings entgeht einem auch der Geruch im ganzen Raum, der sich noch so lange hält, dass selbst eine Stunde später ein Hinzukommender weihnachtliche Gefühle entwickelt und zwar noch weit vor dem Lebkuchenveraufsstart im September. Reicht es nicht, dass viele Kinder nicht mehr wissen, wo die Milch herkommt? Müssen Kinder zukünftig auch noch unschlüssig vor Orangen in Schale stehen, nicht wissend, ob man sie essen oder damit im Sport aufeinander werfen soll?

Coca-Cola-Dose in Plastikverpackung
Quelle: keptelenseg.hu
Platz eins hält eindeutig die Coca-Cola-Dose in der hygienischen Plastikschale. Natürlich möchte man seine Lippen nicht an etwas heranführen, woran ein Schelm welchen kontaminierenden Schabernack auch immer getrieben haben mag, aber würde es nicht reichen, ein Glas zu nutzen, statt direkt aus der Dose zu trinken?





Live habe ich die Plätze zwei und eins hierzulande zum Glück noch nicht gesehen, doch das Ei ist ein gefährlicher Wegbereiter. Wenn es soweit ist, dann, habe ich mir geschworen, werde ich Rhabarberbarbarabarbarbar und esse nur noch unverpackten Rhababerkuchen in Rhabarberbarbaras Rhabarberbarbarabar.

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