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Sonntag, 3. Januar 2021
Dienstag, 26. Mai 2020
Klickscham auf der Couch?
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| Klickscham auf der Couch? |
Heute vor zehn Wochen begann es für mich. Alle Veranstaltungen, die ich geplant hatte, wurden abgesagt oder hoffnungsvoll auf den Herbst verschoben. Ich selbst verschob mich auch, und zwar auf die Couch, denn das Erste, was mir auffiel, war, dass ich ohne kaum mehr etwas zu tun hatte. Zudem war es für meine Kreativität mehr als lähmend, ohne Impulse von anderen zu Hause sein zu müssen. Also saß ich abends auf der Couch, betrachtete die Wand und zählte die Löcher, die angenagelte Bilderrahmen auf ihr hinterlassen hatten. Zwei! Es hängen genau zwei Bilder an besagter Wand. Ich fand schnell heraus, dass dies nichts war, das mich lange herausfordern würde. Es rettete mich mein fast erwachsener Sohn. „Papa“, sagte er, „ich richte dir jetzt Netflix ein!“ Minuten später hatte er mir einen Zugang zu seinem Account erstellt. Das Einzige, was ich tun musste, um mich vor dem abendlichen Bis-Zwei-Zählen zu retten, war, mit der Maustaste auf jenen Knopf zu drücken, unter dem Papa stand und auf dem frecherweise ein grinsender Glatzkopf abgebildet war. Ich tat es und war beschäftigt. Doch das war nicht der einzige Effekt, denn es weckte auch meine Kreativität.
Während ich einem Wikinger zuschaute, wie er seine doppelköpfige Axt schwang, erinnerte ich mich an einen Zeitungsbericht: Eine Stunde Video-Streaming produziert so viel CO2 wie ein Kilometer Autofahren. Ich versuche seit langem, so wenig mit dem eigenen Auto zu fahren, wie es mir nur möglich ist, und nun setze ich mich bereitwillig auf die Couch und fahre abendlich ein paar Kilometer, ohne dabei vom Fleck zu kommen? Ist das ökologisch? „Die Internetnutzung in Deutschland produziert jedes Jahr so viel CO2 wie der gesamte Flugverkehr“, las ich weiter. Weltweit produzieren IT-Geräte und -Anwendungen jährlich so viel CO2, wie Deutschland insgesamt emittiert. Das Fliegen habe ich aus bekannten Gründen aufgegeben, und nun scheint es, als sei ich dennoch Passagier einer Daten-Airline. Während vor meinen Augen die spanische Banknotendruckerei überfallen wurde, sinnierte ich darüber, was auf der Habenseite des Vergleichs steht. Möchte ich einen Film ausleihen, ohne auf das Internet zurückzugreifen, fällt mir die gute alte Videothek ein.
Suche ich auf der Internetseite der Gelben Seiten nach Videotheken (0,2 Gramm CO2 verbraucht das) bekomme ich im 20-Kilometer-Umkreis von Friedberg ganze drei Ergebnisse. Im Mittel beträgt die Entfernung für alle, die dazwischen wohnen, gut vier Kilometer, acht hin und zurück. Das ist sind zweieinhalb Serienstaffeln, in denen ich Sherlock Holmes zahlreiche Morde aufklären sehen kann. Hinzu kommt, dass jede Videothek ein großer 24-stündig beheizter Raum ist, Fläche verbraucht und zig-hundertfach eigens dafür, ebenfalls unter CO2-Freisetzung produzierte Polycarbonat-Scheiben im Polypropylen-Mantel beherbergt. Bedeutet das, dass Streaming doch nicht so umweltschädlich ist? Nein, es bedeutet nur, dass die Rechnung nicht so einfach ist, wie häufig dargestellt. Bevor zu streamen beliebt wurde, gab es ein Vielfaches an Videotheken. Deren eingesparte Energieaufwände stehen auf der Habenseite. Sicherlich streamen wir heute mehr als wir früher in die Videothek fuhren. Dafür waren die Fernseher damals energiehungriger als unsere streamenden Laptops und Tablets heute. Wie üblich macht die Dosis das Umwelt-Gift. Die isolierten Zeiten gehen vorbei, und mit ihnen ersetzt der Biergarten Declan Harps Kampf gegen die Hudson’s Bay Company. Das schont die Umwelt und zugleich die Augen!
Dienstag, 23. Oktober 2018
Elektrikerbübchenrechnung - Medien digitalisieren, streamen oder in die Clowd?
Ich bin Minimalist. Zumindest entwickele ich mich dahin. Ich reduziere Elektrogeräte, Kleidung, Bücher, CDs und DVDs, um nicht, dem Drachen Smaug auf seinem Goldschatz gleich, ungenutzte Dinge zu horten, sondern die Ressourcen lieber freizugeben. Das ist sinnvoll, auch meiner selbst wegen. Was ich nicht besitze, verbraucht keine Fläche und muss nicht verwaltet, gepflegt, repariert und ersetzt werden. Ich mache mich unabhängig und gewinne Zeit und Geld. Selbst meinen Energieverbrauch reduziere ich, und gerade die letzten beiden Punkte – Medien und Energie – scheinen allzu leichtfertig unabhängig voneinander bewerten zu werden.
Oft lese ich die Empfehlung, Bücher, Musik- und Videospeichermedien aufzugeben und alles elektronisch zu speichern, über Clowd-Computing – also auf einem zentralen Server gespeichert, der jederorts für mich über das Internet verfügbar ist – oder noch besser über Streaming-Dienste. Natürlich sind die Medien, die ich immer wieder gerne nutze, auf einem Rechner gut aufgehoben. Sie binden weder Papier noch Polycarbonat, die recycelt werden könnten, und ich kann hunderte bis tausende von ihnen archivieren, ohne viel Platz zu benötigen. Der Nachteil: Ich benötige plötzlich sogar Energie, um ein Buch zu lesen. Bislang kosteten mich Bücher keine Energie. Mit einer Ausnahme vielleicht: Ich hatte mal die Biographie von Stefan Effenberg in einem Preisausschreiben gewonnen.
Auf dem E-Book gilt aber selbst für die Bio von Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pele: Kein Strom, kein Lesevergnügen. Wie schaut es im direkten Vergleich aus? Die Herstellung eines Buchs verursacht rund ein Kilogramm CO2 pro Stück, die Digitalisierung einmalig nur etwa 100 Gramm. Allerdings setzt die Herstellung des E-Book-Readers selbst rund acht Kilogramm CO2 frei. Habe ich schon einen zuhause? Bestens! Muss ich mir extra einen zulegen, wird es knapp.
80 Millionen Bücher werden jährlich in Deutschland verkauft, also nicht einmal eins pro Bürger, für den sich ein E-Book demnach erst nach knapp neun Jahren ökologisch auszuzahlen begänne. Ich zweifele daran, dass ein E-Book-Reader so lange hält. Bei Musik und Filmen ist es etwas anderes, denn der Verbrauch einer HiFi- oder DVD-Heimkino-Anlage ist vergleichbar mit der eines PCs. Ein Pro-Argument für die heimische Speicherung von Musik- und Filmdaten. Kritisch wird es aber dann, wenn ich den Zugriff vollständig auslagere und über Clowd-Computing oder Streaming-Dienste zugreifen möchte. Dann verbrauche ich nicht nur Energie während der Nutzung, sondern permanent. Meine Daten stehen mir 24 Stunden am Tag zur Verfügung, selbst Filme oder Musik, die ich jahrelang nicht gehört habe, die ihr Dasein im Schrank still, ungehört und ohne Energieverbrauch fristeten. Ja, ich habe eine Modern-Talking-CD – eine Jugendsünde –, und allein die Vorstellung, ich könnte mich verklicken und Geronimos Cadillac plötzlich durch mein Wohnzimmer fahren hören, versetzt mich in Angst und Schrecken. Nicht nur die permanente Verfügbarkeit des Caddys kostet Energie, gerade die Kühlung der Großrechenzentren führt dazu, dass sie jeweils die Energie einer Kleinstadt verbrauchen. Über 60 Prozent des Internetdatenverkehrs ist jetzt schon durch Streaming verursacht, und Netflix, Amazon und Co. investieren viel, um das noch zu steigern.
Ich denke, ich bleibe bei meinen lokalen Speichermedien, und ab und an kann ich ja bei öffentlichen Bücherschränken oder in der Stadtbücherei vorbeischauen. Nicht nur Effenberg und Geronimo wegen.
Sonntag, 15. Juli 2018
Detox für die Psyche: Sieben Tage ohne Smartphone (2)
"Alles hat seine Zeit" muss der Großteil der Menschen, die ich heute getroffen habe, offenbar wieder erlernen. Mich eingeschlossen, und ich lerne gerade schwer. Ich war auf einer Schifffahrt auf dem Edersee. Ganz wenige Pärchen, die an den Tischen auf Deck saßen, unterhielten sich. Die meisten waren in ihren eigenen Onlinewelten gefangen, und sobald die Smartphones kurz ruhten, schwiegen sie sich an, schauten an ihren Partnern vorbei, aber anscheinend nicht, um die Landschaft zu genießen. Ich hatte den Eindruck, als sei es ihnen peinlich, kein Thema mit dem Partner zu finden. Ich gewann den Eindruck, als seien sie unter Gesprächszwang. Ganz so, wie es die soziale Medien bestimmen: Immer neue Eindrucke, Nachrichten und Unterhaltung. Vielleicht ist es auch das, weshalb exzessive Smartphonenutzer offenbar unglücklicher sind als sporadische.
Dann fiel mein Blick auf ein älteres Ehepaar. Weißhaarig, faltig, aber vor allem augenscheinlich glücklich. Sie sprachen ebenso wenig, doch hielten sie sich in den Armen anstelle ihrer Smartphones, schauten sich immer wieder in die Augen statt auf ihre Displays, lächelten. Das war schön, und mit diesem Bild vergaß ich lange Zeit, dass ich überhaupt ein ausgeschaltetes Smartphone in der Tasche hatte.
Als ich zurück im Hotel war, musste ich rasch eine Email versenden, um meine Frühstücksgäste, die ich nächsten Sonntag haben werde, rasch auf eine Uhrzeit einzustimmen. Dabei signalisierte mein Smartphone natürlich auf allen Kanälen, wie viele Nachrichten auf mich warteten. 67 Benachrichtigungen und Nachrichten waren eingegangen, davon über die Hälfte auf Whatsapp und per Email. Binnen nur 30 Stunden! Ziehe ich die Schlafenszeit ab, sind das mehr als drei pro Stunde, und Instagram habe ich dabei gar nicht berücksichtigt, da meine laufende Werbeanzeige das Ergebnis verzerren würde. Wenn ich bedenke, dass mich jede Nachricht bislang blinkend animiert hatte, sofort nachzuschauen, komme ich auf 15 Minuten, die mich das stündlich kostet. Das ist ein Viertel meiner Zeit - vier Stunden am Tag. Ich bin erschrocken! Ich liege damit im Trend der Unter-30-jährigen - eine Verjüngung, die mich einmal nicht stolz, sondern nachdenklich macht.
Ich bleibe standhaft und tue weiter desinteressiert den Versuchen meines Smartpones gegenüber, mich durch Blinken zu beeinflussen. Hier der Verweis auf das gelbe Schild hinter der Bank im Bild: "Füttern verboten!"
Tag drei kann kommen!
Sonntag, 29. April 2018
30-Tage-Challenge: Loslassen-Ausmisten-Reduzieren (#29)
Nun, da ich meine CDs vollständig digitalisiert habe und keine mehr besitze (abgesehen von meiner Vier-CD-Elvis-Compilation im Buchformat und meiner Led-Zeppelin-Vierer-CD-Box in Schallplattenformat, aber die zählen ja auch eher zu den Büchern bzw. dienen als Wandbild), ist es an der Zeit, sich auch von seinem CD-Spieler zu verabschieden. Da ich ihn ohnehin von meinem Vater geliehen hatte, kehrt er nun einfach wieder zurück zu ihm ins Billard-Zimmer. Selbiges ist seit bestimmt fünfzehn Jahren unser einmal wöchentlicher Treffpunkt, an dem die Familie zusammenkommt. Gestartet mit einem gemeinsamen Abendessen, folgen Stunden, in denen wir gemeinsam mit Stöcken ahnungslose weiße Phenolharzkugeln auf ebenso unschuldige Farbkugeln schießen, die zu deren Unglück auch noch in dunklen Löchern verschwinden. Wenn ich mich also künftig wieder mit Bruder, Onkel und Vater messe, wird wieder Musik von CD gespielt (nicht von meinen). Ich denke da an "Big Balls". Na, von wem wohl?
Sonntag, 17. Dezember 2017
Sechsundsiebzigster Schritt: Digitalisierung
Die letzten Wochen habe ich damit verbracht, meine CDs zu digitalisieren. Meine gesamte Musiksammlung ist jetzt im MP3-Format nicht nur auf der Festplatte, sondern auch auf meiner Speicherkarte im Smartphone. Die bereits digitalisierten habe ich über Rebuy verkauft. Via Ebay hätte ich zwar gewiss mehr für sie bekommen, doch ich wollte mir den Stress nicht bereiten, sie einzeln oder als Konvolut zu verkaufen und mich mit dem Verkaufsprozess und den Käufern runzuzackern.
Wie das Ganze?
Mittels der Verkaufs-App auf dem Smartphone geht das ganz einfach: Barcode einscannen, in den Warenkorb mit dem Datensatz und dann nur noch bestätigen und das Paketlabel ausdrucken (Das ist keine Werbung für Rebuy. Mit Momox geht das genauso.). Im Schnitt gab es einen Euro pro CD. Beim ersten Paket war es noch eine Hürde, eine CD wegzugeben, die ich vor 20 Jahren für 20 Mark gekauft habe, wenn mir die App 15 Cent anbietet. Beim zweiten Paket war es schon etwas einfacher, weil im Hirn angekommen war, dass die Daten ja noch bei mir sind. Beim dritten war es völlig entspannt. Der Gedanke hatte sich verfestigt, dass ich mit meinem Geld die Leistung der Künstler bezahle, während die CD und die Hülle nur ein Transportmittel sind. Mein neues Transportmittel ist das Smartphone, in dem ich nun drei IKEA-Regale mit Musik mit mir herumtrage. Unglaublich! Die restlichen CDs habe ich unserem Kostenlos-Laden gebracht, wo sich meine übrigen CDs holen mag, wer Lust hat. Solche, die ich absolut feiere, habe ich jedoch behalten, wie meine Led-Zeppelin- und meine Elvis-Box. Noch habe ich ja einen CD-Spieler.
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Bild 1: Jede Menge CDs Bild 2: Endlich leer Bild 3: Jede Menge neue Arbeit |
Warum das Ganze?
Zum einen, weil ich die CDs nur sehr selten genutzt habe. Meistens höre ich ohnehin Musik über das Handy oder das Netbook, die ich per Bluetooth oder Kabel mit meiner Stereoanlage verbunden habe. Bislang war jedoch nur wenig eigene Musik darauf. Meist hörte ich Radio oder hatte Musik gestreamt. Jetzt kann ich meine eigene Musik hören, was dann auch weder Bandbreite, noch so viel Strom verbraucht wie das Streamen.
Zum anderen kann ich den Platz in meiner Wohnung nun sinnvoller einsetzen, als für die Aufbewahrung von CDs, die ich nicht mehr höre. Zum Beispiel, indem ich meine DVDs aus dem Schrank hole und dort reinstelle. Sie möchte ich als nächstes abschaffen und veräußern. Noch ist die Hürde sehr viel größer als anfangs bei den CDs. Sie ist regelrecht riesig, was einigermaßen überraschend ist, denn ich habe weder einen Fernseher, noch einen DVD- oder BlueRay-Player. Offenbar braucht mein Gehirn hier länger. Immerhin ist der DVD-Schrank bereits leer. Das ist ein Anfang.
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