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Freitag, 21. Februar 2014

Im Geheimdienstgebäude kurz vor der Teepause

Big Brother Mr. Red bei der Arbeit
Im Geheimdienstgebäude, Abhörzentrale. Freitagnachmittag. Ein Doppelbüro kurz vor der Teepause. Zwei Mitarbeiter vor ihren Abhör-Rechnern.

Mr. Red: „Hey, schau mal, der Typ von letzter Woche teilt seiner Freundin wieder mit, dass er jetzt einkaufen gehen will.“
Mr. Blue: „Wo denn? Facebook, Twitter, Xing, Linkedin, Tumblr, Pinterest …?
Mr. Red: „Ne, da nicht. Ha, ha! Sie will, dass er mehr Gemüse mitbringt. Jetzt wird’s lustig!“

Samstag, 15. Februar 2014

Safari-Lunchbox

Aus Gründen der Geburtenkontrolle leer gegessen: Rollkasten
„Schatz, doch nicht vor den Kindern!“, empörte sich die alte Löwin.
„Liebling, der hatte mit dieser Touristin rumgemacht! Was sollte ich denn tun? Die hätten sich vermehrt und was dann?“, antwortete der betagte Rudelführer kauend.
„Aber wir wollten doch keine Touristen im Reservat essen! Wir hatten uns doch versprochen, sie zu schützen, die Armen. Kein Fell, nicht mal alleine laufen können sie, immer in diesen stinkenden zebrafellgemusterten Rollkästen.“
„Schatz, wohin mit denen, wenn sie sich ausgerechnet hier vermehren? Ruckzuck haben wir hier eine Menschenplage im Wildlife-Reservat. Außerdem können unsere Babylöwen dann mal sehen, wie ein Mensch gebaut ist! Oh, schau mal, wie kümmerlich das Muskelfleisch am Schenkel ist.“
„Tatsächlich? Ach, hast ja Recht. Gut, dass du ihn erlöst hast! Am Ende wäre es noch eine Verwandte gewesen, mit der er sich vermehrt hätte. Und sie zu trennen und auf andere Rollkästen zu verteilen, wäre ja auch kaum möglich gewesen. Wer weiß, wann der nächste gekommen wäre. Und ständig nur Giraffe ist ja auf Dauer auch eine etwas einseitige Kost“, schloss die Löwendame die Diskussion, während sich hinter ihr einer dieser stinkenden zebrafellgemusterten Rollkästen anschlich, mit aus allen Fenstern herausragenden Stahlrohren bespickt und grimmigen Gesichtern dahinter.



Freitag, 16. Dezember 2011

Dialoge IV - Über Perspektiven

„Weihnachten ist wirklich herrlich“, sagte Frank und aß ein weiteres Vanillekipferl. „Magst du auch eins, Michael?“ 
Sein Arbeitskollege Michael schüttelte den Kopf. 
„Sag mal, passt deine Uniformhose eigentlich noch, so wie du in den letzten Wochen zugelegt hast?“
Frank schaute an sich herunter, doch nur aus Reflex, denn er sah seine Hose schon seit Wochen nur noch, wenn sie im Schrank hing. 
„Hmmm!“, antwortete er und umfasste seine Körpermitte mit den Händen. „Seit ich meinen Bauch über der Hose trage, geht es eigentlich.“

Sonntag, 6. November 2011

Dialoge III - Über kindliche Logik

"Weißt du, was meines für eine Besonderheit hätte?", sagte meine 10jährige Tochter zu mir, als wir uns gerade während der Autofahrt über unsere Vorstellungen von Traumautos und deren eines James Bond würdigen Equipment austauschten.
"Nein, was wäre es?", antwortete ich ihr.
"Es würde ein Gas versprühen können, dass alle einschlafen ließe, die nicht reinen Herzens seien."
Ich stockte kurz, ob der ungewohnten Formulierung, frage aber dann: "Und wie soll das Gas erkennen, dass jemand reinen Herzens ist und ein anderer nicht?"
"Das ist doch ganz einfach", sagte sie, und ich freute mich auf einen kleinen philosophischen Diskurs zwischen Tochter und Vater.
"Jeder, der nicht vom Gas eingeschlafen ist, ist reinen Herzens!"
Manchmal braucht es ein Kind, um die Einfachheit der Dinge wiederzuentdecken.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Dialoge II - Über Schwalbennestersuppe

"Wie schmeckt sie denn?", fragte Sabine.
"Hmmm!", antwortete Charlotte und rieb sich dabei den flachen Bauch. "Lecker nach Kalb und Huhn und feinsten Gewürzen."
"Und die Nester?"
"Eigentlich haben die keinen Eigengeschmack."
"Warum sind sie dann in der Suppe, wenn sie keinen Eigengeschmack haben?"
"Du bist halt kein Gourmet. Schwalbennestersuppe ist die exklusivste Vorspeise, die man sich gönnen kann."
"Mami", sagte Sabines kleine Tochter, "können wir jetzt endlich wieder nach hause?"
"Tut mir leid, Schatz, aber wir können uns die Wohnung nicht mehr leisten", sagte Sabine, die Weißnestsalangane, schiss in Charlottes Suppe, und beide flogen obdachlos von dannen.

Dienstag, 29. Juli 2008

Dialoge I - Über den Robbenfang

"Oh, mein Gott. Ich bin verantwortlich für den Tod von Robbenbabies", sagte Andy.
"Na, und?", sagte Lennart. "Wen kümmern Robben?"
"Ihre großen schwarzen Kulleraugen verfolgen mich im Schlaf."
"Hör zu, Andy!", sagte Lennart kopfschüttelnd. "Du bist gesund, hast immer zu essen, trägst diesen wundervollen Pelz. Sei doch zufrieden mit dir. Wären Robben erfolgreicher, müssten sie nicht gekeult werden."
"Aber ich keule sie doch gar nicht", sagte Andy.
"Nein, Du nicht. Aber andere keulen sie, damit Menschen Pelze tragen können."
"Übersiehst Du da nicht, dass wir alle die Wahl haben?"
"Haben wir nicht, Andy", sagte Lennart, der Lude. "Was wäre ich ohne meine Statussymbole, ohne meinen Pelzmantel?"
"Hmmm? Weiß nicht", erwiderte Andy, der Eisbär, fraß ihn und zog, etwas besser gelaunt, weiter, zurück in das endlose Weiß Grönlands.
"Ob das Gewissensbisse waren?", fragte sich Paulchen, der Heuler, und sandte ihm große schwarze Kulleraugen glücklich hinterher.