Dienstag, 3. März 2020

Leben aus der Mülltonne

Leben aus der Mülltonne

Das hört sich zunächst einmal nicht so appetitlich an. Man fühlt sich gleich an Oscar aus der Sesamstraße erinnert. „Ich mag Müll“ war sein Leitspruch, und er lebte in einer Mülltonne. Ich rede jedoch nicht vom Leben in, sondern aus einer Mülltonne. Doch von welchem Müll sprechen wir, und warum sollte man davon leben wollen? Nahezu 13 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich in der Bundesrepublik weggeworfen. Das klingt viel, doch wieviel das ist, wird erst greifbar, wenn man es in etwas Handliches umrechnet. Mit dieser Menge wären wir in der Lage, alle Menschen im Wetteraukreis zu ernähren, und im Vogelsbergkreis, und auch noch all die Menschen, die uns vom Nachbardorf Frankfurt mit der Gebietsreform 1972 geraubt wurden. Und zwar nicht nur ein Jahr, sondern bereits mit der Wegwerfmenge eines Jahres lebenslang! Zwei ganze Landkreise und dazu ein paar Dörfer des Altkreises! Also, ihr Harheimer, Nieder-Erlenbacher und Nieder-Eschbacher, wir revolutionieren unseren Umgang mit Nahrungsmitteln und ihr kommt ernährungsunkostenfrei wieder zurück zu uns.

Doch zurück zum Thema! Von welchen Mülltonnen sprechen wir? Zu 40 Prozent sind es privathaushaltliche Tonnen, in denen Tonnen von Lebensmitteln landen. Auf über 85 Kilogramm weggeworfenes Essen kommt ein Haushalt jährlich. Das sind nicht nur Reste auf dem Teller, auch in zu großen Dimensionen eingekaufte Lebensmittel, im Kühlschrank vergessene oder schlichtweg solche, die sich als weniger lecker entpuppt haben, als erwartet. Auf den ersten Blick zurecht zeigt die Politik mit dem Finger auf den Endverbraucher und sagt: „Die Wirtschaft ist nicht das Problem. Ihr Verbraucher müsst bewusster einkaufen!“ Bedarfsgerecht einzukaufen, keine „Sparpackungen“ verderblicher Lebensmittel zu erwerben und mit System, nämlich nach der Reihenfolge des zu erwartenden Verderbens, zu essen, sind Direktiven, an die sich der Verbraucher halten sollte. Dazu ist Aufklärungsarbeit nötig, vielleicht auch, den einen oder die andere sinnbildlich an die Hand zu nehmen, um zu zeigen, wie einfach und sogar schonend für den Geldbeutel das geht. Aber es ist eine Aufgabe, die Jahre intensiver Bemühungen bedarf, um Ergebnisse zu erzielen. Und genau deshalb ist es nur auf den ersten Blick zurecht, denn rasche Ergebnisse lassen sich ebenda erzielen, wo der Staat mit rechtlichen Vorgaben eine Handhabe hat. Sobald die Wohnungstür geschlossen ist, reduziert sich die Eingriffsbefugnis des Staates auf ein Minimum. Nicht so bei der Wirtschaft. Schließt der Landwirt seine Scheune, der Gastronom seine Küchentür und der Supermarktfilialleiter seine elektrische Schiebetür, kann der Staat sie einfach wieder öffnen lassen und regeln, was auch immer in der Politik mehrheitsfähig ist.

Frankreich hat es vorgemacht. Seit dem Jahr 2015 müssen große Supermärkte ihre Lebensmittel spenden und dürfen sie nicht mehr mit Chlor unbrauchbar machen und wegwerfen. Auch bei uns längst überfällig in Anbetracht von 200.000 Kindern, die selbst hier regelmäßig Hunger leiden. Die Tafeln sind bereits in Deutschland Anlaufstellen, um dem in einer freiwilligen gegenseitigen Vereinbarung Einhalt zu gebieten, dürfen jedoch gemäß ihres ersten Tafel-Grundsatzes nur annehmen, was nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar ist. Der Rest wandert in die Tonne, wenn keine Lebensmittelretter lokal organisiert sind. Sonst bleibt nur das Containern, um zumindest seinen kleinen Anteil zu leisten. Davon kann man durchaus leben. Augenscheinlich fällt wenig Müll dort an, wo Lebensmittel lose verkauft werden, da der Abverkauf rechtzeitig mit Preisnachlässen gefördert werden kann. Viel fällt dort an, wo die Sparpackung sechs Tomaten in Plastik verschweißt anbietet. Wird eine faul, landen auch die anderen fünf im Müll. Original verpackt. Hier wäre es doch schön, wenn der Handel verpflichtet würde, die fünf guten Tomaten kostenlos abzugeben, statt sie in den Müll zu werfen. Wirklich Großes ließe sich bewegen, wenn auch Landwirten (krummes Gemüse), Lebensmittelverarbeitern (Produktionsüberschüsse) und der Gastronomie (Reste des Buffets), die immerhin 60 Prozent des Lebensmittelmülls verantworten, klare Regeln gegeben würden. Lebensmittel kostenfrei abzugeben, statt sie Oscar aufs Haupt zu werfen, klingt doch toll.

Bildquelle: Wikipedia USA

Dienstag, 18. Februar 2020

Ih, wie unnatürlich!

Ih, wie unnatürlich!
Frühstück! Das bedeutet für mich Vollkornbrot, vegetabiler Aufstrich, knackiges Gemüse, dazu Tee und ein Glas Obstsaft, frisch aus dem Mixer, sowie eine Tablette Vitamin B12, ein paar Tropfen Vitamin D3 und eine Kapsel Selen. „Das ist doch keine natürliche Ernährung!“, höre ich dann, nachdem ich gefragt wurde, was ich so zum Frühstück esse. Häufig liegt mir dann die Gegenfrage auf der Zunge, wie natürlich eine Ernährung sein kann, die Milch von fremden Tiermüttern beinhaltet und Fleisch, das unsere Zähne gar nicht wirkungsvoll zerkleinern können, ohne es zuvor gebraten oder gekocht zu haben. Feuer zu machen, ist schließlich auch nicht natürlich. Es sei denn, man ist ein Drache, ein Magier oder ähnliches. Diskussionen, die ich so weiterführe, münden meistens in „Deine Mutter ist doof!“ und „Deine Mutter viel doofer!“, bis in dieser Art der Diskussion erfahrene Kindergartenkinder unter Einsatz von Sandschaufeln und Förmchen das Ganze gewaltsam, effektiv, aber gerechtfertigt beenden. 
Zurück zur Sachlichkeit! Was ist heute noch natürlich? Kann man in einer Welt, in der wir elektrisches Licht nutzen, um auch nach Einbruch der Dunkelheit noch aktiv sein zu können, in der wir in der Lage sind, binnen weniger Stunden so weit zu reisen, wie es der Neandertaler in Generationen nicht vermocht hätte, in der wir nach einem Unfall zusammengenäht werden oder gar Spenderorgane eingepflanzt bekommen und weiterleben können, obwohl die Natur einen anderen Fortgang für uns vorgesehen hatte, überhaupt noch Natürlichkeit für uns beanspruchen? 

Vitamin B 12 kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor und auch nur dann, wenn das Tier zuvor die Möglichkeit hatte, es mit der eigenen Nahrung aufzunehmen. Das funktioniert nur in ausreichendem Maße, wenn eine Weidenhaltung gegeben ist, das Tier also natürlich lebt, denn das Vitamin wird von Bakterien produziert, die eben nicht im wider die Natur der meisten unserer Nutztiere verfütterten Kraftfutter vorkommt. Schon unsere Nutztiere leben offenbar überwiegend nicht natürlich. Es wundert also nicht, dass 60 Prozent der weltweiten B12-Produktion nicht auf dem Frühstückstisch der Veganer landen, sondern tatsächlich dem Nutzvieh zugefüttert wird, damit es nicht das Schicksal selbiger erleidet. Der größtenteils vegan lebende Gorilla nimmt übrigens keine B12-Tabletten. Er wäscht einfach seine Lebensmittel nicht! Für mich keine Option! B12-Supplementation ist folglich das Kreuz, das Veganer und Allesesser direkt oder indirekt vereint tragen. 
Dasselbe trifft auf Vitamin D zu. Auch hieran mangelt es allen Ernährungsformen. Das Sonnenvitamin ist in Milchprodukten, Fleisch und Pilzen zwar enthalten, wird aber in relevanten Mengen nur unter Sonneneinstrahlung produziert. Früher war es natürlich, bei Tag draußen, bei Nacht im Bett zu sein und keinen Vitamin D-Mangel zu haben. Heute sind wir tagsüber in geschlossenen vier Wänden und arbeiten dafür, um nach Einbruch der Dunkelheit das Haus beleuchten und uns D3-Präparate leisten zu können. 
Der Selenmangel kommt übrigens daher, dass wir selenarme Böden haben. In Finnland werden Felder schon seit Jahrzehnten mit Selen gedüngt, um das auszugleichen. Wir haben dafür die Pharmaindustrie oder holen uns Lebensmittel aus Ländern mit selenhaltigeren Böden. 

Vielleicht ist es daher am besten, wir nehmen alle B12-, D3- und Selentabletten und verabschieden uns vom Gedanken, dass wir auch nur im Ansatz noch natürlich leben. Dann muss auch niemand aus dem Kindergarten auftauchen und mit Förmchen hauen.

Freitag, 14. Februar 2020

Buchvorstellung: Fräulein Ökos "Projekt Plastikfrei"

Buchvorstellung: Fräulein Ökos "Projekt Plastikfrei"

Vor einem Monat hat meine Workshop-Partnerin und Freundin Svenja ihr Buch "Projekt Plastikfrei" herausgebracht. Heute komme ich endlich dazu, hier im Blog ein wenig davon zu erzählen - gelesen habe ich es natürlich direkt nach Erscheinen. Svenjas 112-seitiger Ratgeber, der im Frech-Verlag erschienen ist, verspricht, in nur sechs Wochen auf einen Zero-Waste-Lebensweg zu führen, indem jede Woche ein anderer Lebensbereich entmüllt wird. "Dein Zero-Waste-Neustart: Zimmer für Zimmer in 6 Wochen" ist daher der vielversprechende Untertitel.

Der Inhalt ist eingeteilt in Einkaufen, Badezimmer, Wohn- und Arbeitszimmer, Schlaf- und Kinderzimmer sowie Unterwegs und auf Reisen. Was gleich ins Auge fällt ist, dass Svenjas Buch zwar auf eine Reise durch die Wohnung einlädt, aber den Einstieg auch in jedem anderen Bereich zulässt, geradezu dazu einlädt. Die Reihenfolge ist jedoch schlüssig gewählt - es sind die einfachsten Schritte, die zu Anfang gegangen werden. Die Erfolge ermutigen und erlauben es, auch die späteren Räume mit viel Mut zur Veränderung zu betreten. Erstaunlicherweise hat meine Reise mit "Plastic Diary" auf demselben Weg begonnen, was mich bestätigt - immerhin konnte ich durch diese Reise-Route dabei bleiben.


Svenja aka Fräulein Öko hat keine Drogerieartikel- und Kochrezept-Sammlung in der Art von "Und als nächstes nehme man ..." geschrieben. Zwar verliert das Buch nie die nötige Sachlichkeit, um die Lust am Nachmachen der vielen Rezepte nicht zu verwässern, doch es bleibt immer ein Reiseführer durch die Wohnung. Svenja nimmt mich als Leser mit und ich habe den Eindruck, als höre ich sie Dinge sagen wie: "Schau mal, hier kannst du dies machen!" und "Guck mal! Das funktioniert bei mir gut!" Es ist kein Buch zur Belehrung, es ist eins, das freundlich zu Nachahmung animiert! Dieser Stil wird nicht nur durch den Aufbau und Svenjas freundschaftliche Art zu schreiben gestützt, sondern auch durch die sehr schönen Illustrationen, die dem Buch einen noch sympatischeren Charakter geben.


Abgerundet wird das Buch durch Checklisten, die es mir als Leser einfach machen, Svenjas Weg zu folgen. Seifenstück zum Händewaschen benutzt? Check! Deocreme selbst gemacht? Check! Holzzahnbürste gekauft? Check! Nach und nach schleichen sich so immer mehr ökologische Alternativen in den Haushalt und plötzlich greift man beim Müll-Rausbringen ins Leere. Auch dass Svenja im Buch nicht grob von Möglichkeiten spricht, wie "Kauf dir Zahnpastaersatz!", sondern konkret ihre Marken nennt und auch Bezugsquellen angibt, zeigt, dass hier eine Autorin am Werk war, die nicht lediglich auf den fahrenden Zug des inzwischen durchaus rentablen Öko-Ratgeber-Zuges aufspringt, sondern schlichtweg teilhaben lässt an dem ökologischen Leben, das ihr eigenes ist.


Svenjas Buch gibt es überall im Buchhandel unter der ISBN978-3-7724-4950-5. Sie stellt ihr Buch unter anderem am 28. Februar im Nix-Drum-Rum in Bad Nauheim vor. Sollten hier schon alle Plätze belegt sein, findet ihr sie und ihr Buch (zusammen mit mir) auch am 21. März, 18:00-20:00 Uhr, in der Honighalle in Friedrichsdorf oder am 4. April, 14:00-15:00 Uhr, zur Ernst-Ludwig-Buchmesse im Kleinen Hörsal des Max-Planck-Institituts, Parkstraße 1 in Bad Nauheim. 
Ein schönes Interview, das ich mit Fräulein Öko führen durfte findet ihr bei der Wetterauer Zeitung:
https://www.wetterauer-zeitung.de/wetterau/friedberg-ort28695/youtuberin-fraeulein-erklaert-laesst-sich-plastik-alltag-vermeiden-13448812.html
Viel Spaß beim Lesen!

Dienstag, 4. Februar 2020

Flugscham und Verantwortung

Flugscham und Verantwortung
Ich bin das letzte Mal vor zehn Jahren in den Urlaub geflogen. Damals hatte ich mir wenig Gedanken gemacht, was das ökologisch bedeutet. Den Begriff „Ökologischer Fußabdruck“ hatte ich noch nie gehört. Nach selbigem gefragt, wäre meine spontane Antwort vermutlich 45 gewesen, was keineswegs die Antwort auf die Frage aller Fragen ist. Die ist bekanntlich 42, wie belesene Freunde humoristischer Science-Fiction wissen. Was Douglas Adams, der Autor von „Per Anhalter durch die Galaxis“, damals beim Schreiben sicher nicht im Sinn hatte, war, dass es dem Leben tatsächlich Sinn oder zumindest eine Zukunft gebe, seinen ökologischen Fußabdruck um ein paar Größen zu verringern – zumindest wenn man davon ausgeht, dass es sich tatsächlich um eine Schuhgröße handelte, die der größte Computer, der jemals geschaffen wurde, auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" in dessen Werk errechnet hatte. 

Flugreisen sind heute in vielen Kreisen, besonders in solchen, die der Auffassung sind, dass nach uns nicht die Sintflut kommen soll, etwas, über das man nicht spricht. Ein wenig so, wie aus dem Urlaub mit Andenken nach Hause zu kommen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Salbe behandelt werden müssen. Es gibt sogar einen Begriff dafür:  Flight Shaming, die Scham, im Wissen um die Umweltschädlichkeit häufiger Flugreisen dennoch regelmäßig zu fliegen. Es ist aber auch zu verlockend. Auf einer Internetsuchseite für Flugreisen finde ich ein Angebot zu 49 Euro, um von Frankfurt am Main nach London zu gelangen. Unwesentlich günstiger geht es mit dem Bus, der für lediglich 15 Euro weniger, aber dafür 13 Stunden mehr Reisezeit zu buchen ist. Der Fernlinienbus ist derzeit, gemessen an den Emissionen, das ökologischste Verkehrsmittel, dicht gefolgt von den Fernzügen. Mit großem Abstand auf dem letzten Platz ist nach Daten des Umweltbundesamtes das Flugzeug, dessen Emissionen an CO2-Äquivalenten etwa um den Faktor acht höher liegen. Was machen, wenn ich keine 13 Stunden Zeit opfern möchte und mich dennoch nicht mit Flugscham plagen will. 

Ebenfalls im Internet stoße ich auf eine Seite, die CO2-Ausgleichszahlungen anbietet. Der CO2- Ausgleich soll ermöglichen, den durch den Flug anfallenden Ausstoß des Klimagases durch CO2-Zertifikate aus Klimaschutzprojekten in gleicher Höhe anderswo einzusparen. Weiter schreibt der Betreiber, die ARKTIK GmbH aus Hamburg: Wichtig ist nur, dass weltweit die Summe der Treibhausgase abnimmt. Fällt nur mir der Denkfehler auf? Ich rechne das mal in Äpfel um. Wenn ich eine Obstkiste habe, die zu voll ist und zerbrechen wird, sobald ich sie hochhebe, ich acht Apfel hinzugebe und zum Ausgleich acht Äpfel von jemandem essen lasse, was passiert dann mit der Kiste, sobald ich sie anhebe? Es gibt also nur zwei Lösungen. Entweder muss ich meine Emission reduzieren, indem ich meine Flugreisen in regelmäßige Fernbusreisen wandele oder ich verzichte. Die zweite Option wäre zu überkompensieren. Hier rehabilitiere ich arktik.de wieder, deren Mission ich jedenfalls sympatisch empfinde. Wenn der Ausgleich des Hinflugs dort 6,82 Euro kostet, wäre auf 13,64 Euro zu erhöhen, sicher in Anbetracht der ohnehin fragwürdig niedrigen Billigflugkosten nicht allzu schmerzhaft. Der ökologische Fußabdruck reduzierte sich dann gewiss von 45 auf 42. 

Übrigens: Die reine Fahrtzeit mit dem Fahrrad nach London beträgt 40 Stunden und verbraucht 25.000 Kilokalorien; in Äpfel umgerechnet knapp 300 Stück – kaum angekommen wäre die Kiste leer!

Foto: Andreas Weith, unter Lizenz CC BY-SA 4.0

Freitag, 24. Januar 2020

Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel - Fazit

Tage im Tiny House Village in Mehlmeisel - Fazit
Drei Nächte und drei Tage haben wir nun im Tiny House Village in Mehlmeisel verbracht. Wir wollten wissen, ob in einem Tiny House zu leben, für uns eine Option ist. Das Ergebnis vorweg genommen: Die Antwort ist ein klares Vielleicht!

Zunächst zum Tiny House Village. Hier haben wir uns richtig wohl gefühlt. Das Tiny war super in Schuss, wir wurden freundlich aufgenommen und die Umgebung ist im Winter einfach ein Traum. Fünf Minuten zu Fuß entfernt sind Pisten zum Skifahren und Rodeln, und das Fichtelgebirge verführt zu langen Spaziergängen. Die Winterzeit hatten wir jedoch nicht deshalb gewählt, sondern weil die frühe Dämmerung und die Kälte ein Ausweichen nach Draußen limitieren. Quasi ein Härtetest!

Letztlich können wir es uns beide grundsätzlich vorstellen, dauerhaft in einem Tiny zu leben. Unsere fünf größten "Abers" wurden durch den Aufenthalt zerstreut:
  • Es lässt sich prima heizen, wird rasch warm und hält die Wärme auch ausreichend lang.
  • Das Schlafloft wirkt keineswegs beengt, und auch hinauf zu gelangen ist völlig unproblematisch.
  • Die Küche ist trotz des kleinen Maßes nicht so, dass Platzmangel bestünde oder Einschränkungen gegeben wären, die sich nicht überleben ließen.
  • Küchengerüche verbreiten sich nicht in dem Maß, wie wir es befürchtet hatten, und das Lüften reicht bereits.
  • Durch das zumindest in diesem Tiny räumlich abgetrennten Loft ist es trotz der kleinen Grundfläche möglich, sich zurückzuziehen - man hängt also nicht permanent aufeinander (es sei denn man möchte es so).
Dafür kamen neue "Abers" auf, für die wir derzeit keine Lösung sehen, die von einem Standard-Tiny geliefert werden könnte:
  • Regina und ich sind beide Künstler - wir sehen keinen Platz für Gitarre, Mandoline, Geige und all das Equipment, das dazugehört.
  • Wir machen beide regelmäßig Sport zu Hause - auch hier fehlt der Raum.
  • Bereits mit unseren Winterjacken ist der Hängeschrank voll; den Platz, um die Jacken für den Frühling und Herbst unterzubringen und noch mehr die Kostüme für Auftritte sehen wir zumindest bei einem Standard-Tiny nicht.
  • Freiberuflicher Arbeit nachzugehen, bringt auch einen Bedarf an Bürofläche mit sich, den das Tiny gleichfalls nicht abdecken kann.
  • Zudem sehen wir hier den Platz für eine Waschmaschine nicht - hier in Friedberg habe ich zum Glück den Waschsalon in der Nähe und brauchte bislang keine.
Fazit

Wir können uns sehr gut vorstellen in einem Tiny zu leben, doch sind die 18 Quadratmeter Grundfläche des ansonsten wundervollen "Nordic Fjöl" von Diekmann für unsere Bedarfe zu klein. Zwei Meter länger, sich mit Gleichgesinnten zusammengetan, vielleicht ein Gemeinschaftshaus mit gemeinsam genutzten Sport- und Wäscheräumen und schon wären wir wieder im Geschäft. Wir bleiben am Ball!
Weiter würde ich ein Tiny bauen lassen, dessen Wände diffusionsoffen sind. Die dichten, schmalen Wände sind vermutlich ein Kompromiss, um das Höchstgewicht für das Ziehen mit einem B-Führerschein nicht zu überschreiten. Ich bliebe jedoch lieber an einem Ort, wenn ich dafür eine natürliche Feuchtigkeitsregulation erhalte.
Auf jeden Fall kann ich jedem, der sich für Tinys interessiert, nur ans Herz legen, hier mal probezuwohnen. Die drei Tage waren in jeder Hinsicht ein Gewinn.