Dienstag, 26. März 2019

Vorankündigung: "Plastik in den Weltmeeren" mit Christian Weigand, 3. April 2019, Friedberg


Nächste Woche Mittwoch darf ich die Veranstaltung "PLASTIK IN DEN WELTMEEREN" mit Christian Weigand einleiten und moderieren. Sie findet um 19:00 Uhr im Albert-Stohr-Haus, Ludwigstraße 34, in Friedberg statt. Kommt vorbei :-)

Mehr unter:
http://www.gruene-friedberg.de/plastik-in-den-weltmeeren

Dienstag, 19. März 2019

Stehen oder Sitzen?


Ich finde es gut, dass Sprache lebt, aber besonders, dass sie auch verändern kann. Nur so verschwindet aus dem Köpfen, dass beispielsweise Politiker männlich sein müssen. Im ersten Bundestag waren nur 28 Frauen vertreten, und ein beliebter Witz auf die Frage, was sie dort machen, war „Kaffeekochen!“ Dass sie heute keinen Witzen von alten, weißen Männern mehr Front bieten müssen, hat auch etwas mit Sprache zu tun. Solche Witze funktionieren nur zu Lasten von Minderheiten. Heute hat es sich ausgelacht, denn Frauen sind keine Minderheit mehr auf der politischen Bühne. Wem haben wir das zu verdanken? Der Sprache! Und den Grünen natürlich. 39 von 67 Sitzen der Grünen im Bundestag sind von Frauen besetzt! Das sind 58 Prozent. Bei der Linken sind es 54, bei der SPD 42. Gleichberechtigung ist in der Politik angekommen. Kommen wir aber zu den alten, weißen Männern, sieht es anders aus: FDP 24 %, CDU 19,9 %, und 12 % waren es bei der AFD, bevor Frau Petry parteilos wurde. Nach ihrem Weggang sind es immer noch 12 %. Das sind Zahlen, die vor allem eins klar machen: Wenn Christian Linder sich fragt: „Wo sind die Frauen in der Politik?“, bekommt Alexander Gauland Lust auf Kaffee. Der Anteil von Frauen im Bundestag lag bis in die 1980er Jahr noch bei unter zehn Prozent. Heute sind es fast 40 Prozent. Fast die Hälfte der Mitglieder des Deutschen Bundestages sind keine Politiker, und das meine ich nicht im wutbürgerlichen Sinne. Nein, es sind Politikerinnen, und das ist gut so!

Eine grammatikalische Gleichberechtigung findet allerdings auf männlicher Seite nicht statt. Was ist mit Politesse, Hebamme und Kindermädchen? Wo sind der Politeur, der Hebammer und das Kinderbübchen? Das Kinderbübchen? Es müsste doch der Kinderbübchen heißen. Also auch in der weiblichen Form nicht das, sondern die Kindermädchen. Spätestens jetzt wird klar, dass das grammatikalische Geschlecht nichts mit dem biologischen zu tun hat, nur in den Köpfen der die Sprache Nutzenden. Wenn die Sonne aufgeht, hält sie niemand für weiblich. Wenn der Mond von ihr beschienen wird, beschwert sich kein Mann, dass der Trabant nicht von selbst leuchtet. Abgesehen von ein paar Ostalgigern vielleicht. Im Französischen heißt der Mond „La Lune“ und die Sonne „Le Soleil“. Geschlechtsumwandlung durch Sprache! Der Politiker ist daher vielleicht einfach nur jemand, der Politik macht. Ganz ohne Geschlecht. Dann ist Politikerin die einzige wirklich auf das biologische Geschlecht bezogene Bezeichnung für Politikmachende. Wenn wir es also ernst mit der Gleichberechtigung meinen, brauchen wir einen Politikerer oder besser einen Politikerich. Das gäbe jedoch Gelegenheit für Witze auf Kosten der männlichen Minderheit bei den Grünen wie diesen: Sagt er: „Ich bin Politikerich“, antwortet sie: „Nein, ich!“ Vielleicht suchen wir uns also besser etabliert neutrale Bezeichnungen. Bei „die Person“ oder „der Mensch“ käme niemand auf die Idee, ein Geschlecht wäre ausgeschlossen. An Politikermensch oder Politikerperson müssten wir uns zwar erst gewöhnen, aber bei Unperson und Unmensch haben wir das auch geschafft, und noch nie kam jemand in die Verlegenheit, von einer Unpersonin sprechen zu müssen.

Bis wir am Ziel sind, ist das Binnenmajuskel mit Sternchen eine gute Lösung. Denn Witze über Männer, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie im Stehen pinkeln oder im Sitzen, helfen bei der Gleichberechtigung nicht. Wer solche Witze reißt, hat den Sinn des Genderns nicht erfasst oder ist vielleicht einfach eine Unpersonin.

Bildquelle: Wikimedia

Dienstag, 5. März 2019

Bio und halal


Letzte Woche hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass geschächtetes Fleisch kein EU-Bio-Label tragen darf. Das betäubungslose Schlachten garantiere nicht, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Ich erinnere mich da an eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen zum Thema „Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren“, in der sie auf Fehlbetäubungen bei Schlachtungen hinwies. Nun könnte man mir sagen: „Du lebst vegan! Sei doch froh, wenn die Fleischwirtschaft sich zerfleischt!“ Ich stelle mir jedoch eine ganz andere Frage, die gar nichts mit Fleischkonsum zu tun hat. 

Dazu folgendes Rechenbeispiel: 740 Millionen Einwohner hat die EU, darunter 26 Millionen Muslime. Der Biofleischanteil liegt bei unter 2 Prozent. Es könnte also 520.000 Muslime in Europa geben, die ausschließlich bio und halal essen. Nehmen wir an, sie äßen die für Europa durchschnittlichen 80 Kilo Fleisch pro Kopf, dann müssten 42 Tausend Tonnen Fleisch, das halal produziert wurde mit einem Biosiegel versehen werden, damit die Verbraucher wissen, dass das Tier entsprechend gefüttert und gehalten wurde. Die EU produziert gut 44 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr, darunter 22 Millionen Tonnen Schweinefleisch, das im Islam tabu ist. Es verbleiben also 22 Millionen Tonnen Fleisch, darunter 13 Millionen Tonnen Geflügel- und sieben Millionen Tonnen Rindfleisch, die „tierschutzrechtskonform“ produziert wurden. Nun muss man wissen, dass die EU-Öko-Verordnung zum Thema Schlachten nur einen einzigen Satz enthält: „Ein Leiden der Tiere ist während der gesamten Lebensdauer der Tiere sowie bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten.“ Das trifft auf das Schächten ohne Betäubung sicher nicht zu. 

Der entscheidende Punkt ist: Auf unsere „tierschutzrechtskonforme“ Schlachtung auch nicht! Um eine Biozertifizierung zu erhalten, muss der Schlachthof lediglich garantieren, dass Biotiere von konventionell aufgezogenen Tieren getrennt geschlachtet werden. Der Tötungsprozess ist ökologisch und konventionell gleich: Betäuben, Stechen, ausbluten lassen, nur funktioniert das mit der Betäubung leider nicht immer. Die Fehlbetäubungsrate – und da komme ich auf die eingangs erwähnte Antwort der Bundesregierung zurück – liegt beispielsweise bei Rindern bei vier bis über neun Prozent. Selbst wenn ich „nur“ die vier Prozent annehme, wären wir bei 280.000 Tonnen Fleisch, die ohne Betäubung gewonnen wurden.  Beim Geflügel liegt die Quote zwischen 0,1 und einem Prozent, was mindestens 13.000 Tonnen Fleisch entspricht, bei dem die Tiere keinen Unterschied zur Halal-Schlachtung „erlebt“ hätten. 

Wenn ich die Schlachtausbeuten in die Rechnung einbeziehe, töten wir also bereits jetzt 560 Tausend Rinder und 34 Millionen Vögel in Europa ohne ausreichende Betäubung – rechnerisch wären das 11.200 Bio-Rinder und 680.000 Stück Bio-Geflügel. Zähle ich da die ökologisch aufgezogenen Tiere hinzu, die potentiell halal, also ebenso unbetäubt geschlachtet werden, aber nun kein Bio-Label mehr bekommen, machen sie in Summe etwas mehr als 42 % aus. Es sind also fast ebenbürtige Zahlen. Die einen bekommen ein Biosiegel, die anderen nicht. Warum? Offenbar darf ein Tier aus Gründen der Gewinnmaximierung unbetäubt getötet werden und sich dennoch Bio nennen, aus religiösen Gründen jedoch nicht. Da frage ich mich ernsthaft, ob wir nicht dem falschen Gott huldigen! Die vegane Bioküche ist, nebenbei bemerkt, fast immer halal. Und koscher übrigens auch!

Bild: Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Sonntag, 24. Februar 2019

13 wertvolle Tipps, um deinen Energieverbrauch zu senken


1. LED-Lampen nutzen

Eine Deckenlampe ist gerade kaputtgegangen? Dann tausche sie doch gegen eine LED-Lampe. Diese Lampen sind langlebig und verbrauchen nur 10-15% der Energie einer Glühlampe. Eine Glühlampe würdest du zwar ohnehin nicht mehr kaufen können, da sie in der Regel die aktuellen EU-Anforderungen an die Energieeffizienz nicht erfüllen können, aber einerseits befinden sich in den meisten Haushalten noch welche in Benutzung und andererseits verbrauchen LED-Lampen auch weniger als Energiesparlampen, die stattdessen zu haben sind, und sind zudem mit weniger Schadstoffen versehen (Sondermüll). Ist es eine Milchmädchen-/Milchbübchen-Rechnung, intakte Glühlampen gegen LED zu tauschen? Rein wirtschaftlich gesehen nicht. Rechnerisch amortisiert sich der Ersatz binnen sechs Wochen – ausgehend vom Ersatz einer 60 Watt-Glühlampe durch eine 9-Watt-LED-Lampe bei 3 Stunden täglicher Nutzungsdauer und einem Ökostrompreis von 29 Cent pro Kilowattstunde. Da ich davon ausgehe, dass die Energieaufwendung für die Produktion mit dem Kaufpreis von angenommenen 1,60 Euro für die LED-Lampe mehr als abgegolten sind, könnte sich der Ersatz ökologisch bereits früher zu rechnen beginnen.

2. Beleuchtung überdenken

Als ich in meine Wohnung einzog, fand ich im Wohnzimmer eine glühlampenbeleuchtete Zehn-Arm-Deckenlampe mit drei intakten und sieben defekten Glühlampen. Dreimal 60 Watt-Leuchtleistung der Glühbirnen empfand ich als grundsätzlich ausreichend, jedoch zu wenig, um im Wohnzimmer beispielsweise Brettspiele zu spielen. Ich habe vier der defekten Lampen durch LED-Lampen ersetzt, die mein Wohnzimmer nun grundbeleuchten. Habe ich Gäste, die ich deutlicher sehen möchte, drehe ich die drei intakten Glühlampen eine halbe Gewindedrehung und lasse sie zusätzlich leuchten (die Lampen, nicht die Gäste). Auch sie zu ersetzen (dto.), fand ich nicht sinnvoll, so selten wie ich sie nutze. Die restlichen drei Lampenfassungen habe ich leer gelassen – sie würden den Raum stärker beleuchten als nötig. Hast du auch solche Lampen? Dann mach doch mal den Test. Vielleicht kannst du auch welche einsparen.

3. Wasser im Wasserkocher erhitzen

Du willst Teewasser aufsetzen oder Nudeln kochen? Dann bring das Wasser am besten mit dem Wasserkocher auf den Siedepunkt. Die Wärmeverluste sind im Vergleich zur Nutzung auf herkömmlichen Kochplatten geringer und du sparst Energie. Moderne Cerankochfelder sind oftmals und Induktionskochplatten grundsätzlich mindestens gleichauf mit dem Wasserkocher. Es ist also nicht grundsätzlich die bessere Methode.

4. Den Backofen nicht grundsätzlich vorheizen

Der Grund, den Backofen vorzuheizen, ist primär der folgende: Das Herstellen vergleichbarer Backzeiten. Wenn du einen Kuchen, der eine halbe Stunde bei 200 Grad Celsius gebacken werden soll, ohne vorzuheizen in den Ofen stellst, ist es stark davon abhängig, wie schnell dein Ofen auf die nötige Temperatur hochheizt, wie lange er gebacken werden muss. Stellst du den Kuchen erst bei Erreichen der Backtemperatur rein, ist die Backzeit bei allen Öfen, unabhängig von der Dauer des Vorheizens, gleich. Ein weiterer Grund des Vorheizens ist, dass die hohe Anfangstemperatur dazu führt, dass der Kuchen schneller eine Kruste bildet, der ein Austrocknen verhindert. Was kannst du tun? Zum einen nach der Optik gehen. Besonders Lebensmittel, die auch roh verzehrbar sind und nur gratiniert werden, und flache Gerichte wie Pizze, zeigen bereits äußerlich, ob sie verzehrbereit sind. Ist der Teig goldbraun? Wirft der Käse Blasen? Buon appetito!
Kuchen oder andere volumige Gargüter können äußerlich verzehrfertig erscheinen, von innen aber noch lange nicht gar sein. Hier kann bei Kuchen der Holzstäbchentest (ist nach dem Herausziehen noch Teig daran, braucht der Kuchen noch), bei Brot der Klopftest (klingt es hohl, ist es durchgebacken) und bei Fleisch ein Thermometer (entsprechende Kerntemperatur muss erreicht sein) helfen. Gegen das Austrocknen hilft, eine Schale mit Wasser auf den Ofenboden zu stellen  – die höhere Luftfeuchtigkeit im Ofen vermindert dann das Verdunsten von Flüssigkeit aus dem Gargut. Du siehst: Vorheizen ist sinnvoll, aber nicht nötig.

5. Herdplatte und Ofen schon vor Ende der Garzeit ausschalten

Wenn es kein Gaskocher mit Kupfertopf oder eine Induktionskochplatte ist, dann speichern Topf und Kochplatte ebenso wie der Ofen genug Energie, um schon einige Minuten vor Ende der Garzeit ausgeschaltet werden zu können. Nudeln koche ich beispielsweise nahezu ohne Energie aus der Herdplatte. Ich koche das Wasser mit dem Wasserkocher auf, gebe es zusammen mit den Nudeln und Salz in den Topf, lasse es nochmals aufkochen und schalte dann die Herdplatte aus. Mit geschlossenem Deckel werden die Nudeln kaum weniger schnell gar, als wenn ich die Platte bei niedriger Temperatur weiter beheizen würde.

6. Alle Verbraucher an schaltbare Steckerleisten

Nicht alle elektrischen Verbraucher ziehen Bereitschaftsstrom, wenn sie nicht angeschaltet sind. Am besten testest du mit einem Energiemessgerät für die Steckdose, bei welchen Geräten es sich lohnt. Oft erwartet man es gar nicht. Offensichtlich ist es bei Geräten, die auch außerhalb des Betriebs eine LED-Anzeige haben. Moderne Herde und Waschmaschinen haben oft ein verstecktes Standby und ziehen auch ohne Nutzung Strom. Das können 500 und mehr Kilowattstunden pro Jahr sein – solche Steckerleisten zu kaufen, hat sich dann schon nach ein oder zwei Monaten amortisiert.

7. Ausschalten, was nicht genutzt wird

Hast du einen WLAN-Router? Zu welchen Zeiten nutzt du ihn? In welchem Zustand ist er, wenn du ihn nicht nutzt? Gut 100 Kilowattstunden pro Jahr können allein durch den Standby-Betrieb des Routers zustande kommen. Moderne Router haben eine Zeitschaltung, um sie automatisch nachts oder sogar zu selbst definierten Zeiten auszuschalten. Meiner hat das leider nicht. Ich habe ihn ebenfalls an einer solchen Steckerleiste, mitsamt meinem Laptop und meiner PC-Peripheriegeräte, und schalte ihn aus, wenn ich nicht im Haus bin und zur Nachtzeit. Für wen sollte er auch nachts laufen? Damit das Sandmännchen nach Schichtende noch Youtube bei mir schauen kann?

8. Mobiltelefon in der Nacht drosseln

Das Smartphone selbst verbraucht nicht wirklich viel Energie. Der Ladestrom eines Smartphones, das täglich eine Stunde geladen werden muss, liegt bei ca. 7 kw/h pro Jahr. Hinzu kommt allerdings der Strom, der von den Rechenzentren aufgewandt werden muss, um alle die Apps am Laufen zu halten, die du und ich im Schnitt parallel laufen haben. Ich schalte deshalb nicht genutzte Apps mit Greenify tagsüber aus, und nachts kappe ich die Mobiledatenverbindung, wenn ich telefonisch erreichbar bleiben muss, oder gehe in den Flugmodus.

9. Unterhaltungselektronik überdenken

Wenn ich mich an meinen ehemaligen Bestand an Unterhaltungselektronik denke, frage ich mich manchmal, was mich geritten haben mag, so viel Geld für so viele Geräte auszugeben, die teils sogar die selbe Funktion erfüllen. Ich hatte ein Internetradio im Bad, ein Radio am Bett, eins in der Küche, die Stereoanlage im Wohnzimmer, dazu den Fernseher mit Dolby-Surround-Anlage und Blue-Ray-Player und ein kleineres Pendant noch im Schlafzimmer. Alle zwei Jahre hatte ich mir einen neuen PC gekauft, und ein Laptop hatte ich zusätzlich - später durfte natürlich das Tablet nicht fehlen. Was hatte das alles an Strom gefressen, und was gab ich nicht alles aus, um all das regelmäßig auf den neusten Stand zu bringen.
Heute reduziert sich meine Unterhaltungselektronik auf mein Smartphone, eine Bluetooth-Box, die ich in Küche und Bad - und selbst zum Training im Freien - mitnehmen kann, und einen Bluetooth-Empfänger an meiner Surroundanlage. Darüber höre ich die Musik meiner digitalisierten CDs und streame ab und an Neues aus dem Internet.
Auch der Fernseher und der Desktop-PC sind weg. Wenn ich Lust habe, etwas zu schauen, reicht mir der Laptop. Den Ton lasse ich über Bluetooth laufen. Das macht selbst Kinofilme opulent, und die Bilder macht ohnehin das Gehirn groß. Godzilla ist schließlich selbst auf einem 65-Zoll-Fernseher kleiner als Frodo Beutlin in natura ;-)

10. Duschen mit der Navy-Methode

Die gute alte Navy-Methode spart Wasser, aber vor allem auch Energie. Wie funktioniert das? Wasser an, rasch benetzen, dann Wasser aus, einseifen und schließlich nur noch zügig die Seife ausspülen. Das ist der erste sportliche Akt des Tages. Bin ich heute schneller als gestern? Unterschreite ich die zwei Minuten heute?
Ein sparsamer Duschkopf verbraucht ca. sechs Liter Wasser pro Minute. Ein üblicher Duschgang von zehn Minuten verbraucht nicht nur 60 Liter Wasser, sondern auch gut 56 Cent an Energie (bei 29 Ct pro kw/h Ökostrom). Das sind bei täglicher Dusche über 200 Euro im Jahr und fast 22.000 Liter Trinkwasser.
Ich dusche nur noch drei Mal pro Woche. Das sind weniger als 2.000 Liter Wasser, aber vor allem auch nur noch ein Zwölftel der Energie.
Wenn du noch mehr Energie sparen und dich abhärten willst, kannst du zusätzlich kalt duschen. Ich gebe die 15 Euro pro Jahr allerdings recht gerne aus.

11. Brauchst du einen Gefrier- oder gar einen Kühlschrank?

Als ich im Jahr 2016 in meine Singlewohnung gezogen war, musste ich recht schnell feststellen, dass die drei Fächer meines Kühlschrankes vor allem Luft kühlten. Luft, die bei jedem Öffnen herausgezogen, durch die warme Luft aus der Küche ausgetauscht wurde und erneut gekühlt werden musste. Das machte meinen Kühlschrank zu einem echten Energiefresser. Zunächst hatte ich mir damit beholfen, dass ich Wasserflaschen in die leeren Fächer gelegt hatte. So wurde weniger Luft beim Öffnen getauscht, zudem mehr Kühle durch das Wasser konserviert und der Verbrauch reduzierte sich merklich. Es blieb jedoch der fahle Beigeschmack, dass ich einen Kühlschrank betrieb, der rund um die Uhr lief, um drei Gläschen Brotaufstrich, etwas Essen vom Vortag und Gemüse zu kühlen.
Nach kurzer Zeit hatte ich mich entschlossen, es ohne Kühlschrank zu probieren. Mein Gemüse begann ich außerhalb im Obstkorb zu lagern, für das Wurzelgemüse baute ich mir mit zwei Tongefäßen ein eigenes Aufbewahrungsbehältnis, den Aufstrich reduzierte ich von drei Gläsern auf eines, um ihn innerhalb von drei Tagen ungekühlt verzehren zu können und Essen vom Vortag begann ich durch Einwecken haltbar zu machen.
Bis heute kann ich an einer Hand abzählen, wie viel ich wegwerfen musste. Es klappt wunderbar ohne und reduziert den Haushalt um einen der größten Verbraucher.
Den Tiefkühler habe ich ebenfalls eingespart - schließlich ist der nächste Supermarkt mit Tiefkühltruhe nur 20 Meter entfernt.
Natürlich wird es um so schwerer, ohne Kühlschrank zu leben, je mehr kühlpflichtige Lebensmittel du in deiner Ernährung hast. Fleisch, Fisch, Geflügel, Milchprodukte können aber auch für den Ein-Tages-Bedarf gerecht eingekauft und sofort verzehrt werden. Veganer haben da deutlich weniger Aufwand ;-)

12. Desktop-PC, Laptop, Netbook oder Tablet

Unter Punkt neun kam es schon kurz zur Sprache: Was macht man mit all den Geräten, die im Grunde dieselbe Arbeit verrichten sollen und sich nur durch die Form für bestimmte Nutzungsarten und -orte unterscheiden? Ich hatte mich vor eineinhalb Jahren entschieden, den Desktop-PC probeweise auszuschalten und nur noch das Netbook zu nutzen, das ich mir zugelegt hatte, als mein Laptop den Geist aufgegeben hatte (nach acht Jahren war der Akku nicht mehr zu gebrauchen und kein neuer mehr zu bekommen). Rasch musste ich feststellen, dass es für meine Zwecke absolut ausreichend war: Schreiben und ein paar Excel-Tabellen führen geht auf jedem Device flüssig. Als Netbook hatte ich mir ein Kombingerät geholt, das Tablet und Netbook in einem war. Den Touchscreen-Bildschirm hatte ich in der Zeit höchstens einmal genutzt, und leider war die Magnetverbindung zwischen Tastatur und Bildschirm auch die Schwachstelle. Jüngst musste ich mir dann leider ein neues Gerät zulegen. Ich hatte mich entschieden, ein überholtes Gebrauchtgerät über refurbed.de zu kaufen. Ein etwas größeres Display erleichtert das Arbeiten, und als Business-Gerät ist es ein echtes Arbeitstier.
Und das Schönste: Neben dem Vorteil, überall arbeiten zu können, von "in der Bahn" bis zu "vor dem Guinness in der Kneipe", spart ein Laptop im Vergleich noch bis zu 70 % an Energie.

13. Ökostrom sich locker leisten

Und wenn du es nach den ersten zwölf Tipps geschafft hast, deinen Strom zu reduzieren, kannst du locker auf den etwas teureren Ökostrom umsteigen. Umgekehrt würde ich es nicht machen, denn entweder musst du dich dann finanziell einschränken oder du gerätst in die Mühlen des Rebound-Effektes und beginnst, mehr Strom zu verbrauchen, weil dein Verstand dir suggeriert, mit Ökostrom wäre mehr zu verbrauchen nicht so schlimm. Das ist es jedoch! Derzeit haben wir gut 30.000 Windkraftwerke. Um aus Kohle- und Atomstrom auszusteigen, müssten wir deren Anzahl verdreifachen. Mit Ökologie hätte das nichts mehr zu tun. Nach aktuellem Stand der Technik gibt es keine umweltverträgliche Zukunftsvision ohne Einschränkung im Energieverbrauch.

Ich bin inzwischen auf weniger als einem Viertel dessen, was in der Regel als durchschnittlicher Verbrauch eines Ein-Personen-Haushaltes angenommen wird (ca. 1.400 kw/h), und glaubt mir, mein Leben hat in den letzten fünf Jahren nicht merklich an Komfort verloren, und weniger lebenszufrieden bin ich auch nicht - eher das Gegenteil!
Anbieter findet ihr zum Beispiel auf der Seite https://www.oekostrom-anbieter.info/


Ich hoffe, du konntest dir ein paar Ideen herausziehen. Vieles funktioniert sich auch in Mehrpersonenhaushalten. Probier es einfach aus, wenn du magst. Wenn du Lust hast, schau auch in meine 13 Tipps, um Verpackungsmüll zu sparen! rein.

Dienstag, 19. Februar 2019

Valentinstag oder wie verbringe ich den Tag der Verliebten am nachhaltigsten?


Letzte Woche war das Fest der Verliebten wieder angesagt: Der Valentinstag. Von den einen verschmäht als Konsumtrick der Floristik- und Süßwarenindustrie, von den Verschmähten ersehnt als einzige Chance endlich mal etwas geschenkt zu bekommen, denn seien wir ehrlich: Der Spruch „Ich brauche keinen speziellen Tag, um meine Liebe zu zeigen. Ich kann jeden Tag etwas schenken!“ ist die Ausrede derer, die auch an diesem Tag wie an den anderen 364 verfahren und nichts schenken. 800 Tonnen Rosen ließ allein die Lufthansa für den letztjährigen Valentinstag einfliegen. Wer Rosen im Februar schenkt, schenkt Klimawandel mit. Doch was will man sonst an Blumen schenken? Selbst für das heimische Schneeglöckchen ist der 14. Februar noch zu früh. Und die Rose ist schließlich die Blume, die wie keine andere mit Liebe assoziiert ist. Es ist ja nicht die Schuld der Rose, dass die Valentins dieser Welt, just im Februar ihr Märtyrertum begehen mussten. Gibt es denn überhaupt sinnvolle Alternativen zum Einfliegen? Holländische Treibhausrosen dürften eine kaum bessere, wahrscheinlich sogar schlechtere CO2-Bilanz im Vergleich zu den kenianischen Flugrosen haben. 

Also doch lieber Süßigkeiten zum Valentinstag? Die Sachsen haben uns das vorgemacht. Pünktlich zum Valentinstag meldete deren Statistisches Landesamt, dass von Jahr zu Jahr immer weniger Blumen in den Freistaat importiert werden. Stattdessen steigen die Absatzzahlen für ausländische Schokolade an. Doch Moment! Rund 70% des verarbeiteten Kakaos kommt heute aus Westafrika, lese ich auf einer anderen Seite. Ob ich nun Rosen aus Ostafrika oder Kakao aus Westafrika verschenke, wird dem Klima vermutlich gleichgültig sein. Himmel, warum ist es nur so schwer, seine Liebe zu zeigen? Mancherorts, wie in Italien, werden Schlösser verschenkt, die die intakte und dauerhafte Liebe symbolisieren sollen. Ich möchte gar nicht ausrechnen, was es an CO2-Äquivalenden mit sich bringt, all dieses Eisenerz zu verhütten und in Schlossformen zu bringen. Ursprünglich waren handgeschriebene Liebesgeständnisse und Gedichte das Mittel der Wahl, aber ist das in Anbetracht der hohen Wasserverbräuche bei der Papierherstellung heute noch zeitgemäß? Sollte ich ihr einfach eine Grußkarte über das Internet senden? Doch was ist mit den immensen Energieverbräuchen der Grußkartenserver dieser Welt. Wie stelle ich sicher, dass das Internetunternehmen zumindest Ökostrom bezieht? 

Beim Frühstück sinnierten meine Partnerin und ich darüber, wie wir einen möglichst nachhaltigen Valentinstag verbringen könnten. Während ich meine mit Himalaya-Salz gewürzte Avocado löffelte, kam mir die Idee. „Schatz!“, rief ich, und ihr Löffel verharrte regungslos in ihrem Chia-Feigen-Müsli. „Lass uns einander einfach Zeit schenken!“ Meine Partnerin und ich hatten dann den nachhaltigsten Valentinstag, den man haben kann. Wir planten einen Tag in der Therme in trauter Zweisamkeit verbringen. Abends wollten wir zusammen essen gehen. So richtig romantisch mit Kerzenschein und weißer Tischdecke. Rechtzeitig bekam ich die Grippe, so dass jeder von uns den Tag alleine für sich zuhause verbrachte. Null Co2-Emission! Einander Zeit zu schenken, ist etwas so Liebevolles. Wie könnte ein Zeichen der Liebe größer ausfallen, als die Partnerin vor einer Grippeinfektion zu schützen? Und mal ehrlich: Ich brauche keinen speziellen Tag, um meine Liebe zu zeigen. Ich kann jeden Tag Grippe haben! Im Sommer kaufe ich Steinfurther Rosen und verschenke sie nächstes Jahr als Trockenstrauß.