Freitag, 23. September 2011

Kein Schmetterling

Ein Schmetterling warst du,
so zart in meinen Augen
mit weißen Flügeln voller Licht.
Nun schaue ich dir ratlos zu,
wie deine Zähne an mir saugen
und das letzte Bild von dir zerbricht.

Du warst so brav, so rein.
Für selbstlos hielt ich dich
und das für gut, was wir einst hatten.
Doch dann zerbrach der Schein:
Wie ein Vampir befielst du mich,
und mich bedrückt nun dunkler Schatten.

Mit schwarzen Flügeln schwangst du dich
weit weg von mir und kein Geräusch
drang je zu meinen Ohren,
nur um unerwartet Gift auf mich
und dorniges Gesträuch
zu schleudern, bis du neu geboren.

Getötet hattest du die helle Seite,
um eine dunkle zu gebären,
die ich nie an dir begriff.
Und während ich noch aufbereite
die aus deiner Saat gesprossnen Ähren,
sogst du die Luft zum Sturzangriff.

Nun lauerst du in weiter Ferne,
spinnst den Cocon aus Seidenlügen
und labst dich an der Aussicht auf Gewinn.
Erkennst du nicht die toten Sterne,
deren längst verloschne Strahlen trügen
und dich berauben unser beider Anbeginn?

Kommentare:

  1. Assoziationen von Mücken und mutierter Liebe - merkwürdig gut

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  2. Ich räume ein, dass ich etwas insektenlastige Lyrik in letzter Zeit präsentiere :-)

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  3. Das Bild schwingt sich ja vom Schmetterling zum Vampir, also nicht nur insektenlastig.

    Starke Bilder sind das. - Und das, was du beschreibst, oder andeutest, ist eines der gruseligsten Potenziale zwischenmenschllichen Mit- und Gegeneinanders. Zur Freude der Fachanwälte für Familenrecht. Uns ein Schatten.

    Immerhin: Manchmal geht man durch die Schattenwelt hindurch und findet sich auf einer anderen Ebene wieder konstruktiver zusammen. Das wünsche ich diesem Zerschmetterling und allen am Kokon Beteilgten ...

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  4. Es gibt Schmetterlinge, die Blut saugen, zumindest wenn es offene Wunden sind. Es gibt ein schönes Foto vom Charaxes jassius septentrionalis. Ohne Flax. Ich hatte beim Schreiben recherchiert. Es gibt da ein schönes Foto von einem Spanier im Netz. In flagranti! ;-)

    Ich muss immer an den Film "Der Rosenkrieg" denken. Er ist das erschreckende Extrembeispiel, wie man seine objektive Sicht auf die Dinge verlieren kann und einfach nur noch des Bekämpfens und Schädigens wegen miteinander beschäftigt.
    Diesen Weg beschreitet man schnell. Ob man es schafft, einen Vampir zu überzeugen, doch noch ein Schmetterling zu sein, weiß ich nicht. Ich hoffe es. Aber die Hoffnung stirbst ja bekanntlich zuletzt und nicht immer einen leisen Tod.

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