Sonntag, 7. Juli 2019

Umweltvorreiter macht Druck - Die Wetterauer Druckerei in Friedberg-Fauerbach

Umweltvorreiter macht Druck - A. Kugland, U. Welther
Fast unscheinbar schmiegt sich das Gebäude in der Straße "Am Kindergarten" in den Fauerbacher Straßenzug ein. Weiß getüncht erweckt es fast den Eindruck, als wolle es nicht auffallen. Lediglich das grün-blaue Logo weist in völliger Dezenz daraufhin, dass dort ein Gewerbebetrieb versteckt ist. Dabei hätte die Wetterauer Druckerei, von der die Rede ist, allen Grund, in bunten Farben auf sich aufmerksam zu machen. Das Grün im Logo scheint bewusst gewählt, obwohl "Umweltschutz seit Jahrzehnten - nicht erst jetzt" erst künftig als Motto an die Öffentlichkeit geht.

Tatsächlich ist die Druckerei eine alte Friedbergerin. Schon seit über 85 Jahren hat sie ihren Sitz in der Kreisstadt. Zunächst war sie in der Hanauer Straße ansässig. Dann zerstörten Bomber im Zweiten Weltkrieg das Gebäude. Nach einem notbedingten Zwischenspiel in einem Rodheimer Tanzsaal fand die Wetterauer Druckerei ein Jahr später ihre jetzige Heimat im Friedberger Stadtteil Fauerbach.

Das ist eine lange Zeit, in der viele Kunden kommen und gehen, kann man denken. Doch Inhaber Andreas Kugland berichtet stolz, dass seine Druckerei tatsächlich zwei Kunden hat, die 1948 und 1949 die ersten Aufträge vergaben und noch heute vergeben. Kugland spricht von Verlässlichkeit und Redundanzen. Doch er spricht auch von sozialen und ökologischen Faktoren, die ihm sehr viel wichtiger seien als Rendite.

Seit 1976 ist Kugland in der Firma, seit 1998 leitet er sie. Seitdem hat sich viel getan. Der Konkurrenzdruck durch das Internet wird größer. Doch das ist kein Grund für die lokale Druckerei, den Kopf in den Sand zu stecken. Qualität, Nachhaltigkeit, persönlicher Kontakt und Verlässlichkeit sind Faktoren, die den Ausschlag geben.

Sechsstellige Beträge und viel Zeit haben Kugland und seine 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laufe der Jahre investiert, um ihre nachhaltige Druckerei weiterzuentwickeln. Sie lehnen UV-trocknende Farben konsequent ab.

Deren Inhaltsstoffe sind in Kuglands Augen zu unsicher und die Gefahren für die Umwelt und die Kunden nicht abschätzbar. Stattdessen nutzt die Druckerei hauptsächlich Ökodruckfarben ohne Schwermetalle, die biologisch abbaubar sind. Ihre Papiere sind fast alle mit dem FSC-Label zertifiziert, also aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Jedes Jahr ist dazu ein Audit nötig, um das Zertifikat zu erneuern. Das nimmt Kugland gerne in Kauf. Reines Recyclingpapier sei inzwischen kaum mehr zu erhalten, sagt er.

Die Zeiten waren mal andere. Tatsächlich war die Wetterauer Druckerei Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre deutschlandweit die zweitgrößte Abnehmerin für recycelte Papiere. Auch heute können die Mitarbeiter auf solche Alleinstellungsmerkmale blicken. 2008 war das Friedberger Unternehmen die erste Druckerei in Deutschland, die klimaneutral druckte und sogar klimaneutral Maschinen produzieren ließ.

Diesen Titel hielt sie über zehn Jahre lang. Dabei macht dieser Anspruch nicht bei der reinen Produktion halt. Selbst die Anfahrt der Mitarbeiter zur Arbeitsstätte gleicht Kugland aus. Zur Kompensation unterstützt die Firma heute das WWF-zertifizierte Projekt "Effiziente Kochöfen" in Uganda, vorher waren es Wasserkraftwerke in der Türkei. Dass Gas und Ökostrom lokal von der Ovag bezogen werden, ist für Kugland so selbstverständlich - er hält es kaum für erwähnenswert.

Lokalität ist wichtig. Die kleineren Geräte stammten überwiegend von der König Bürotechnik KG aus Friedberg und auch die meisten Zulieferer kämen aus der Region, sagt Kugland. Dennoch übt sich der Chef in Bescheidenheit. Mit ihrem neuen Slogan traut sich die Wetterauer Druckerei endlich, ein wenig dieser Bescheidenheit abzulegen. Mitarbeiterin Ulrike Welther hält lächelnd das neue Werbebanner in die Höhe. Im Betrieb ist sie für Auftragsannahme und Druckvorstufe zuständig. Wenn ihr Chef abends zu Betriebsschluss nach dem Motto "Vermeiden, Reduzieren, dann erst Kompensieren" das strommessende LED-Display im Produktionsraum darauf prüft, dass es auch wirklich auf Null steht, findet sie das gut. Noch besser sei, dass ihr Chef ihren Arbeitsweg nicht ausgleichen muss. Sie läuft.

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