Dienstag, 8. Mai 2018

Plastikverbot oder Warum kein Schulfach zu ökologischer Lebensführung?

Letzte Woche war es in den Medien: Die EU-Kommission geht den ersten großen Schritt. Am 23. Mai will sie ihren Entwurf einer Richtlinie zur Verringerung der Umweltbelastung durch Plastikprodukte vorlegen. Plastikbesteck und -strohhalme sollen unter anderem verboten werden. Zudem will EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger eine Steuer auf Plastik vorschlagen, um die gewerblichen Nutzer stärker an den Entsorgungskosten zu beteiligen.



Ich bin schon auf den ersten Besuch im Schnellrestaurant gespannt, sobald das in ein paar Jahren in Deutschland umgesetzt ist. Die Plastikgabel gibt es dann nicht mehr. Doch wird ein Mehrwegbesteck auf meinem Tablett liegen? Wohl kaum. Das Konzept ist ja gerade der Verzehr unterwegs. Also wird es auf ein Einwegbesteck aus alternativem Material hinauslaufen. Ich tippe auf Bio-Plastik. Dessen Rohstoffe werden im Kern aus Mais, Weizen, Kartoffeln und Maniok gewonnen. Mit dem Verbot von Plastik in der EU wird ein neues Monster geschaffen. The King of Umweltverschmutzung is dead! Long live the King of Welthunger!

Der Anbau wird aufgrund der geringeren Kosten in der Dritten Welt erfolgen, so wie er bereits heute, auch für Bio-Kraftstoff und Tierfutter, dort erfolgt, und zu einer weiteren Verschärfung des Welthungers führen. Wir verzehren dann mit dem potentiellen Essen aus Südamerika, Afrika und Asien unsere Pommes und unsere Salate. Vielleicht werden es Holzgabeln und Tellerchen aus Palmblättern werden. Damit wären allenthalben die Bieber ein wenig geknickt. Allerdings ist die Produktion dieser Alternativen energieintensiver als die von Plastik und ebenfalls nicht frei von Chemikalien. Wahrscheinlich wird auch noch etwas mehr Regenwald daran glauben müssen. Nicht falsch verstehen: Ich finde es gut, dass Einweg-Plastik verboten werden soll, fürchte allerdings, dass wir uns einen Bärendienst erweisen, wenn wir das nicht mit einer sehr starken Aufklärungsarbeit begleiten. Die Schnellrestaurants werden immer versuchen, es dem Kunden möglichst bequem zu machen. Je einfacher ich es habe, unterwegs etwas zu konsumieren, umso bereitwilliger mache ich es. Der Müll von Burger-King, McDonalds und Starbucks wird sich nicht reduzieren – solange das Schnell-Essen-Konzept weiterhin so gut in unsere Schnell-Leben-Gesellschaft passt.

Vorteilhaft ist immerhin, dass sich das CO2-Problem ein Stück weit reduzieren wird. Mit der thermischen Verwertung von erdölbasiertem Plastikmüll – ca 50 % aus dem Gelben Sack wird zur Energiegewinnung verbrannt – gerät seit Millionen Jahren tief in der Erde gespeichertes CO2 in die Luft und bringt uns die Atmosphäre zurück, in der sich unsere Dinosaurier wohlfühlten – vielleicht nennt man Trump deshalb in Bezug auf seine Umweltpolitik einen solchen. Bei Bioplastik oder Holz stammt das CO2 aus unserer heutigen Atmosphäre und trägt so nicht zur Verstärkung des Treibhauseffektes bei.

Was wir neben einem Plastikverbot also dringend brauchen, ist eine breit angelegte Aufklärungskampagne, die bereits in der Schule anfangen muss. Es muss wieder cool werden, Brotboxen mitzunehmen, Standard sein, seinen eigenen Becher zu nutzen, und selbstverständlich, möglichst wenig Müll zu produzieren. Wie wäre es mit einem Schulfach „Ökologisches Handeln“? Die Plastiksteuer könnte einen Teil davon sicher finanzieren. Dazu ist es nötig, Umwelt- und Kultusarbeit zusammenzuführen. Nur mit einem Verbot ist es, fürchte ich, nicht getan. Ich habe auch schon einen Slogan für die Aufklärungskampagne: „Sei kein Dino oder Trumpeltier!“.

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